Und was meint eigentlich das Verb „analysieren“? (Teil 1)

Sprache zu analysieren ist für die meisten Schülerinnen und Schüler meist ein schwieriges Unterfangen – denn was bedeutet eigentlich „Sprache“? Ich glaube, dass wir Deutschlehrer das oft selbst nicht so genau wissen und und deswegen sehr gerne auf den Kunstausdruck „sprachlich-formal“ retten, weil wir dann die genaue Grenze nicht ziehen müssen. Hier ein paar Ideen zum Thema „Tempus in Erählungen“ – eine für mich eher formale Komponente…

Tempus als Stilmittel in Erzählungen

Präteritum:
„Das Präteritum ist als Vergangenheitstempus das Haupttempus in allen Erzählungen, die von einem erdachten (fiktiven) oder wirklichen (nichtfiktiven) Geschehen in der Vergangenheit handeln.“ (div. Autoren: „Die Grammatik“, S.150, Duden)

Das Präteritum stellt den „Normalfall“ in Erzählungen dar. Abweichungen vom Präteritum geben immer Anlass, an dieser Stelle genauer auf den Text zu schauen.

Plusquamperfekt:
Das Plusquamperfekt dient in Erzählungen zur Darstellung von Sachverhalten, die bereits vor den erzählerischen Ereignissen abgeschlossen waren. Somit fungiert es quasi als „Vergangenheit der Vergangenheit“.
Sehr oft beginnen Erzählungen auch mit dem Plusquamperfekt.

Bsp.:
Es war um Sie geschehen. Keiner konnte ihr nun mehr helfen.

Präsens:

In Erzählungen wird das Präsens in einem Text meist mit einer bestimmten Absicht eingesetzt., d.h. der Leser soll durch das Verlassen des normalen Erzähltempus „Präteritum“ aufmerksam gemacht werden. Dabei besitzt das Präsens verschiedene Funktionen:

a) Das szenische Präsens
Im szenischen Präsens bricht ein erzählender Text aus dem eigentlich vorgegebenen Präteritum aus. Durch die Verwendung des Präsens gelingt es dem Autor, den Leser mit in ein Geschehen (eine Szene des Textes) einzubeziehen.

Bsp.:
„Und aus einem kleinen Tor bricht etwas Elementares hervor…“ (Thomas Mann)

Auf die Spitze getrieben wird dieser Effekt durch die „Stream-of-consciousness“-Technik, die den Leser sogar mit in die Gedankenstruktur einer Figur nimmt, indem so geschrieben wird, wie ein Mensch i.A. denkt: ungrammatisch, abgehackt, inhaltlich stark springend.

Bsp.:
„Soll ich – nein, ich kann nicht – aber warum? Nein! Das darf doch nicht sein!“

b) Präsens als Ausdruck von allgemein Gültigem
Auch in erzählenden Texten wird das Präsens oft zum Ausdruck von allgemein gültigen, regelhaften Sachverhalten gebraucht, so z.B. im Epimythion einer Fabel („die Moral von der Geschichte“) oder aber auch in einzelnen Sätzen, die der Leser unbedingt „mitnehmen“ soll. Meist handelt es sich um Erzählungen, die dem Menschen allgemein etwas vermitteln, etwas lehren sollen (Parabeln, gelegentlich auch Anekdoten).

Perfekt:
Das Perfekt spielt in erzählenden Texten kaum eine Rolle mit zwei wichtigen Ausnahmen:

  • Es kann als Vergangenheitsform für das szenische Präsens dienen
  • Es kann allgemein gültige Aussagen für die Zukunft treffen.

Bsp.:
Ein Unglück ist schnell geschehen!

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