Moodle — ein Lehrendensubstitut?

Gro­ße Hoff­nun­gen wer­den zur Zeit in das LMS „Mood­le” gesetzt. Stich­wor­te wie „Schü­ler­ak­ti­vie­rung”, „Doku­men­tier­bar­keit von Schü­ler­leis­tun­gen” und „Weg vom klas­si­schen Fron­tal­un­ter­richt” machen unter Mood­le­nut­zern die Run­de. Und tat­säch­lich: Sinn­voll als metho­di­sche Ergän­zung zum eige­nen Unter­richt ein­ge­setzt, leis­tet Mood­le genau das.

Mood­le birgt aber auch die Gefahr einer gro­ßen Ver­füh­rung für den Leh­ren­den: Schließ­lich setzt er Mood­le ein, ist damit schon „modern” und kann sich dadurch effek­tiv inner­halb eines Kol­le­gi­ums pro­fi­lie­ren. So wird gera­de zu Anfang der Mood­le­nut­zung ver­ges­sen, dass Schü­le­rin­nen und Schü­ler gera­de aus einem ganz bestimm­ten Grund in die Schu­le — also in ein Gebäu­de außer­halb der eige­nen vier Wän­de — gehen: Sozia­le Kon­tak­te und Lern­at­mo­sphä­re. Ich mache die Erfah­rung, dass ich von Men­schen, denen ich ver­traue und die ich für inte­ger hal­te, schnel­ler und bes­ser ler­ne, als von ande­ren Per­sön­lich­keits­ty­pen. Wie sieht es mit der Per­sön­lich­keit eines Rech­ners aus?

Flüch­ten wir als Leh­ren­de nicht oft genug ein stück­weit vor der päd­ago­gi­schen Ver­ant­wor­tung, wenn wir z.B. am Frei­tag in der 5. oder 6. Stun­de in den Com­pu­ter­raum gehen und dort den Schü­le­rin­nen und Schü­lern statt vor­be­rei­te­ter, anfass­ba­rer Mate­ria­li­en und ech­ten Dis­kus­sio­nen PDFs und vir­tu­el­le Kon­tak­te bie­ten? Was unter­schei­det ein sol­ches Ler­nen eigent­lich von dem Ein­schie­ben einer Lern-CD in den hei­mi­schen PC?

Ein guter Leh­rer wird nicht ein­fach den Satz „Nun sucht ein­mal im Inter­net zum Begriff…” durch eine Mate­ria­li­en­an­häu­fung inner­halb eines Mood­le­kur­ses erset­zen — viel­leicht sogar noch mit einem Wiki dabei, in das die im Netz gefun­de­nen Ergeb­nis­se per Drag’n Drop ein­ge­fügt wer­den. Er wird sich und sei­ne Lern­kon­trol­len nicht voll­stän­dig durch das Test­mo­dul von Mood­le sub­sti­tu­ie­ren.

Er wird Mood­le vor allem als Instru­ment der Kom­mu­ni­ka­ti­on außer­halb des Unter­richts ent­wi­ckeln — das größ­te Poten­ti­al sehe ich hier­bei in der Zusam­men­ar­beit mit Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, ange­fan­gen vom zwang­lo­sen Mate­ri­al­aus­tausch bis hin zur gemein­sa­men Ver­wal­tung von Ter­mi­nen oder der dem fach­li­chen Aus­tausch.

Wenn Mood­le der Leh­ren­de wird, ist Mood­le schlecht und falsch ver­stan­den ein­ge­setzt. Mood­le muss und darf ledig­lich das Instru­ment des Leh­ren­den sein.

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18 Kommentare

  • Mood­le wird nie­mals Leh­rern­der sein.

    Mood­le ist ein Sys­tem, dass nach den eige­nen Wor­ten von Mar­tin Dou­gia­mas, Begrün­der und Chef­ent­wick­ler der Com­mu­ni­ty ent­wi­ckelt wur­de, um Lern­pro­zes­se zu gestal­ten.

    Für Mar­tin Dou­gia­mas hat die höchs­te Prio­ri­tät dabei das „Fra­gen stel­len”. Das hat er auf der Moodlemoot08 in sei­ner Key­note deut­lich her­aus­ge­stellt.

    Allem Han­deln bei die­ser Inten­ti­on liegt dabei Kom­mu­ni­ka­ti­on zugrun­de. Fra­gen wer­den von Men­schen gestellt und ihre Ant­wor­ten for­mu­lie­ren wie­der­um Men­schen. Auf dem Weg dort­hin kon­stru­ie­ren sie Info­ma­tio­nen, Wege, Lösun­gen um zu die­sen Ant­wor­ten zu gelan­gen.

    Der Power, der in Mood­le steckt, drückt sich in dem Maße aus, indem die Gestal­tung von Lern­pro­zes­sen eine Fra­gen beant­wor­ten­de Kom­mu­ni­ka­ti­on her­vor­bringt. Mood­le ist eine Lern­um­ge­bung, die zwi­schen dem Klas­sen­raum und zahl­rei­chen ande­ren eige­nen Arbeits­plät­zen Ver­bin­dung, Inter­ak­ti­on und Iden­ti­tät stif­tet.

    Für Leh­re­rIn­nen und Schü­le­rIn­nen heißt das, die Lern­pro­zes­se in die eige­ne Hand zu neh­men. Mood­le bie­tet ein Instru­ment und eine Com­mu­ni­ty dazu, die län­der­über­grei­fend und stän­dig wach­send ist.

    Die Chan­cen von, durch und mit Mood­le sind für vie­le eine gro­ße Her­aus­for­de­rung. Ohne Her­aus­for­de­rung gibt es für Men­schen kei­ne Ver­än­de­rung. Mood­le hat den Power, Men­schen zusam­men­zu­brin­gen.

    D. Anschlag

  • Wenn Mood­le der Leh­ren­de wird, ist Mood­le schlecht und falsch ver­stan­den ein­ge­setzt.”

    Ent­schei­dend ist mei­ner Mei­nung nach nicht wie ein Sys­tem gemeint ist: Ent­schei­dend ist, wie es tat­säch­lich ver­wen­det wird. Mood­le ist immer nur so gut, wie der Leh­ren­de, der mit Mood­le arbei­tet. Es ist nicht aus sich selbst her­aus auto­ma­tisch „gut” — daher fin­de ich die Bericht­erstat­tung um Mood­le in die­sem Punkt noch ins­ge­samt recht unkri­tisch. Das gilt in mei­ner Welt übri­gens für jedes LMS oder für jede Form des Ein­sat­zes von Inter­net im Unter­richt.

  • Hal­lo Det­lef,

    Mood­le ist ein Sys­tem, […] um Lern­pro­zes­se zu gestal­ten. Für Mar­tin Dou­gia­mas hat die höchs­te Prio­ri­tät dabei das “Fra­gen stel­len”.

    Ich den­ke es gehört hier noch ein Punkt dazu, der zumin­dest für mich sehr wich­tig ist.
    — Wer stellt die Fra­gen und wer gestal­tet den Lern­pro­zess?

    Mar­tin Dou­gia­mas sieht in sei­nem ‚Über­bau’ für die Mood­le­ent­wick­lung, dass die Rol­len von Ler­nen­dem und Leh­ren­den (aus-)tauschbar sind und aus der gegen­sei­ti­gen Beob­ach­tung und Refle­xi­on über das Han­delns eine Ent­wick­lung und damit ein Lern­pro­zess ent­steht.

    Das prägt die Ent­wick­lung von Mood­le, sei­ne Fle­xi­bi­li­tät und die Mög­lich­keit Feed­back an allen Ecken und Enden zu geben.

    Ein Leh­rer kann mit Hil­fe von Mood­le einen Lehr­pro­zess gestal­tet. Der Schü­ler ent­schei­det, ob es für ihn/sie ein geeig­ne­ter Lern­pro­zess wird. Wobei natür­lich die Schüler/innen immer etwas ler­nen, aber nicht gesagt ist, ob dies das ist, was der Leh­rer leh­ren woll­te.

    Gera­de instruk­tio­na­le LMS-Kon­zep­te (in Dif­fe­renz zu kon­struk­ti­vis­ti­schen) bean­spru­chen, den Lern­pro­zess zu gestal­ten und mei­nen damit ihn für die Ler­nen­den als ver­bind­li­chen Pfad vor­zu­de­fi­nie­ren. Und davon grenzt sich das Mood­le-Kon­zept ab. (Ich bin mir dar­über im Kla­ren, dass der päd­ago­gi­sche Dis­kurs instruk­ti­vis­ti­sche und kon­struk­ti­vis­ti­sche Ansät­ze glei­cher­ma­ßen als wert­voll betrach­tet. Ich erlau­be mir daher auch Vor­trä­ge zu hal­ten.)

    Ich stim­me Mar­tin D. zu, dass Fra­gen wich­tig sind. Der leh­rer­zen­trier­te fra­gen­de Unter­richt ist aber ein Teil des Dilem­mas vie­ler Unter­richts­si­tua­tio­nen. Die Fra­gen sind nicht ergeb­nis- und erkennt­nis­of­fen.

    Ein wirk­lich kon­struk­ti­vis­ti­scher Unter­richt lässt Fra­gen beim Ler­nen­den ent­ste­hen und die­sen los­zie­hen, um mit ande­ren dar­auf Ant­wor­ten zu fin­den. Was tut dann der Leh­rer? Das wisst Ihr bei­den (Maik und du) bes­ser als ich, da ihr täg­lich in der Schu­le vor der Klas­se oder mit­ten in der Klas­se steht.
    Mei­ne Situa­ti­on (meist mit Erwach­se­nen) ist da eine ande­re. Wenn auch mei­ne Bera­tungs­auf­ga­be häu­fig ganz ähn­lich ist immer dann näm­lich wenn ich durch Fra­gen neue Erkennt­nis­se enste­hen las­sen muss, deren Ant­wor­ten ich nicht ken­ne, da mir der Ver­wer­tungs­kon­text mei­ner Kun­den nicht im Detail bekannt ist.

    In mei­nen Ein­füh­run­gen zu Mood­le habe ich eine Folie auf der ich Frank McCourt zitie­re (Autor von „Die Asche mei­ner Mutt­ter”). In dem Band sei­nes Lebens­rück­blicks in dem er über 30 Jah­re Tätig­keit als Leh­rer schreibt, heißt es an einer Stel­le sinn­ge­mäß:

    Mei­ne lie­ben Schü­ler, ich weiß nicht ob ihr im Lau­fe des Semes­ters etwas ler­nen wer­det, aber ich in mir ganz sicher, dass es hier einen geben wird, der etwas ler­nen wird, und das mei­ne lie­ben Freun­de, das bin ich.”

    Wann haben wir als Leh­ren­de zuletzt etwas gelernt und sind uns dar­über bewusst? Ich hof­fe gera­de erst ges­tern.

    Ralf Hil­gen­stock

  • Ich behaup­te ein­mal ganz frech, dass die­se Gedan­ken inner­halb des deut­schen Schul­sys­tems in abso­lu­ten Kin­der­schu­hen ste­cken. Mei­nen Ober­stu­fen­schü­lern und — schü­le­rin­nen mache ich gele­gent­lich anhand mei­ner Stun­den bewusst, dass Unter­richt in Deutsch­land in der Regel nur eine Illu­si­on dar­stellt. Ich sug­ge­rie­re den SuS, dass sie in die­ser Stun­de etwas Neu­es selbst­stän­dig ler­nen.
    Sie tun es aber wahr­haf­tig nicht, da das Lern­ziel oder die Kom­pe­tenz (oder mit wel­chen ande­ren Wort­hül­sen die jewei­li­gen Lern­plan­ma­cher ihre Cur­ri­cu­la meist ideo­lo­gisch ein­ge­färbt schrei­ben) von vorn her­ein fest­steht. SuS sind auch unbe­wusst genau so kon­di­tio­niert.
    Eine gute Stun­de ist in den Augen von Bewer­ten­den meist, wenn eben­die­ses Illu­si­on mög­lich per­fekt gestal­tet ist. Die Fähig­keit, eige­ne Lern­we­ge zu ent­wi­ckeln, muss erlernt wer­den und schi­zo­phren­er­wei­se bedarf es eben dafür auch gewis­ser Grund­kent­nis­se, die sich am effek­tivs­ten durch vor­ge­ge­be­ne Lern­we­ge errei­chen las­sen.

    Du hast es in die­ser Hin­sicht als Frei­be­ruf­ler leich­ter und schwe­rer. Auch ich ler­ne von mei­nen SuS — beson­ders dann, wenn ich Mist baue (und das erken­ne), oder wenn Frau X wie­der ein­mal ihrer ver­meint­lich leich­ten Fra­gen stellt, die kein Lehr­buch beant­wor­tet und die mich zwin­gen etwas wis­sen zu wol­len.
    Du hast es leich­ter, weil du dich außer­halb gene­ra­li­sie­ren­der inst­utio­nel­ler Rah­men bewe­gen kannst, bzw. immer wie­der neu­en Rah­men begeg­nest. Du hast es schwe­rer, weil du nicht ein­di­men­sio­nal Rou­ti­ne ent­wi­ckeln kannst, son­dern dich stets auf neue Sys­te­me ein­stel­len musst. Mei­ne aus Rou­ti­ne gewon­ne­nen Frei­heit fres­sen stei­gen­den Schü­ler­zah­len in Lern­grup­pen und ande­re Din­ge (z.B. Doku­men­ta­ti­ons­ver­ord­nun­gen) auf. Ich sehe mei­ne Defi­zi­te, habe aber kei­ne Res­sour­cen ihnen zu begeg­nen. Suche zusätz­lich ein­mal der­ar­ti­ge Dis­kus­sio­nen inner­halb von Leh­rer­fort­bil­dung. Wenn du was fin­dest — lass’ es mich wis­sen.

    Da schließt sich der Kreis: Um Mood­le kon­struk­ti­vis­tisch zu nut­zen, musst du dir vie­ler Aspek­te bewusst sein und du musst Res­sour­cen besit­zen, dich zu ent­wi­ckeln. Werk­zeu­ge zum in den Schrank hän­gen haben wir Leh­re­rin­nen und Leh­rer wahr­lich genug. Die kauft man ein­mal, weist auf sie hin und ist dann durch damit.

    Der eigent­li­che Hebel­punkt sitzt aber ganz woan­ders. Und rich­tig ein­ge­setzt führt die­ser Hebel dann tat­säch­lich zu einer Ver­än­de­rung von Unter­richts­kul­tur auch mit Mood­le. Aber es fängt eben nicht bei Mood­le an.

  • Hal­lo Maik,

    Kin­der­schu­he” ist das Stich­wort, wel­ches ich auf­grei­fe. Wenn ich in die Grund­schu­len schaue sehe ich Vie­les umge­setzt. „Sta­tio­nen­ler­nen”, „Wochen­ar­beits­plä­ne” u.v.m. sind Bei­spie­le dafür wie man Unter­richt anders anset­zen kann.

    Ich erin­ne­re mich an eine Dis­kus­si­on mit einer Klas­sen­leh­re­rin in der 8. Klas­se (Gym.) bei mei­nem Sohn. Sie mein­te, mit den heu­ti­gen Schü­lern kön­ne man bei 30 Schü­lern kei­ne Grup­pen­ar­beit machen. Mein Ange­bot, sie in der Klas­se zu unter­stüt­zen, muss­te sie natür­lich ableh­nen.

    Hier war ganz klas­sisch ein Fall von „Ver­ler­nen — Ent­ler­nen” ein­ge­tre­ten. In der Grund­schu­le war Grup­pen­ar­beit, Selbst­ar­beit, Eigen­ver­ant­wor­tung über­neh­men ganz selbst­ver­ständ­lich gewe­sen. Im Gym­na­si­um war dies an einem Pro­jekt­tag im Jahr gefor­dert. Über drei Schul­jah­re war die­se Arbeits­wei­se bei den Schü­lern ver­schüt­tet.

    Nie­mand kann mir erklä­ren, dass etwas was bei 6–10 jäh­ri­gen in Grup­pen von 20–25 SuS mög­lich ist, nicht auch bei 30 13–15 jäh­ri­gen mög­lich ist. Trotz Puber­tät.

    Eigent­lich wäre es etwas leich­tes, die Unter­richts­kul­tur der Grund­schu­le mit ange­pass­ten Metho­den in der Sekun­dar­stu­fe wei­ter­zu­füh­ren.

    Ich den­ke, es geht mehr um eine Lehr­kul­tur und häu­fig auch um eine Lei­tungs­kul­tur.

  • Eigent­lich wäre es etwas leich­tes, die Unter­richts­kul­tur der Grund­schu­le mit ange­pass­ten Metho­den in der Sekun­dar­stu­fe wei­ter­zu­füh­ren.”

    Bei mir darfst du ger­ne im Unter­richt hel­fen :o)… Es darf mich auch ger­ne jemand eine Woche lang im Unter­richt beglei­ten, wenn er ver­spricht, sich nur dann eine Pau­se zu gön­nen, wenn ich eine habe. Ich kann in Hin­sicht auf Rat­schlä­ge für die Schu­le auch nur Leu­te so rich­tig didak­tisch ernst­neh­men, die das Sys­tem aus Leh­ren­den­sicht erlebt haben (min­des­tens 1 Jahr Voll­zeit­tä­tig­keit) — ich habe bis­her wenig bis ganz wenig schul­prak­tisch Brauch­ba­res von Leu­ten gese­hen, die über die­se Erfah­rung nicht ver­füg­ten. Und dann sage mir:

    Eigent­lich wäre es etwas leich­tes, die Unter­richts­kul­tur der Grund­schu­le mit ange­pass­ten Metho­den in der Sekun­dar­stu­fe wei­ter­zu­füh­ren.”

    und sage mir wie und wo die Res­sour­cen für die not­wen­di­ge Vor­be­rei­tung sind. Sie lie­gen wahr­schein­lich in der Zusam­men­ar­beit der Lehr­kräf­te (die Raum braucht im Sin­ne von Räu­men und Zeit — bei­des gibt es nicht) und das geht unse­re Schu­le jetzt an (auch mit Mood­le — zumin­dest ein vir­tu­el­ler Raum, Zeit wird dadurch erst­mal nicht gespart). Aber der Weg ist lang.

    Du greifst ein typi­sches Argu­ment auf, indem du bestimm­te Metho­den (Gruppenarbeit/Wochenarbeitspläne) ins Feld führst. Ich stim­me dir voll­kom­men dar­in zu, dass in der Grund­schu­le metho­di­sches Ler­nen viel mehr im Mit­tel­punkt steht als z.B. an den alt­ehr­wür­di­gen Gym­na­si­en. Mir fällt aber auch auf, dass die fach­li­chen Leis­tun­gen der ankom­men­den Grund­schü­ler in den kur­zen Jah­ren mei­ner Dienst­zeit immer deso­la­ter wer­den. Ich möch­te hier nicht den Feh­ler machen und sagen, dass Grup­pen- und Frei­ar­beit dar­an schuld sind — die­se Defi­zi­te kön­nen wir im G8-Kon­text jedoch kaum mit Grup­pen- oder Frei­ar­beit wie­der auf­fan­gen, son­dern lau­fen dann gewis­ser­ma­ßen im „Not­pro­gramm” — auto­ri­tä­re Sys­te­me (dazu gehört Fron­tal­un­ter­richt) funk­tio­nie­ren immer.
    Ganz platt gesagt sieht mei­ne Mei­nung dazu mitt­ler­wei­le so aus: Wer nicht in der Lage ist, im Alter von zehn bis elf Jah­ren ansatz­wei­se zu schwim­men, beim Kuchen­ba­cken zu hel­fen, meh­re­re Din­ge ein­zu­kau­fen, kom­ple­xe­re Bewe­gungs­ab­läu­fe (Streich­hol­z­an­zün­den) zu beherr­schen (und diver­se Bei­spie­le mehr), dem muss ich auch nicht mit Grup­pen- oder Frei­ar­beit kom­men. Ich will damit sagen, dass die All­tags­kom­pe­tenz zuneh­mend in den Hin­ter­grund gerät und ich SuS, die im All­tag kom­pe­tent sind, auch viel öfter als fach­lich kom­pe­tent erle­be. Die­se Ursa­chen lie­gen für ich in fami­liä­ren Wer­ten: Es ist oft wich­ti­ger, dass neu­es Haus und neu­er BMW zusam­men gekauft wer­den als dass Papi oder Mami z.B. mit ihrem Kind kochen, schwim­men fah­ren usw.. Erstaun­li­cher­wei­se beschwe­ren sich sehr oft gera­de die Fami­li­en über das Kli­schee der „gym­na­sia­le metho­di­sche Ein­sei­tig­keit” (hängt ja auch vom Leh­ren­den ab), die mit ihren Kin­dern genau das oder ähn­li­che Din­ge tun. Was du in Deutsch­land wirst, bestimmt nicht dein Geist, son­dern dei­ne Her­kunft bzw. der Zeit­punkt der Ankunft dei­ner Eltern zu Hau­se bei dir (soll ja auch Hart­z4-Emp­fän­ger geben, die nicht auf BMWs ver­zich­ten kön­nen, son­dern ande­re Sor­gen haben). Wenn man auch viel gegen PISA sagen kann, so muss man doch genau dies ein­räu­men. Des­we­gen ist die For­de­rung nach Ganz­tags­schu­len im Prin­zip ja nichts als die ver­steck­te For­de­rung, Eltern ihre Kin­der ganz­tä­gig zu ent­zie­hen (bis­her ohne trag­fä­hi­ges und finan­zier­tes Kon­zept). Direkt darf man die­se star­ke Wäh­ler­grup­pe als Poli­ti­ker schließ­lich nicht ange­hen.
    Ich mache auch Grup­pen- und Frei­ar­beit — und ande­re Din­ge, die mir so über den Weg lau­fen. Aber ent­we­der bin ich metho­disch in dem Bereich eine Voll­nie­te oder da kommt sel­ten etwas bei her­um, solan­ge gewis­se Sach­kom­pe­ten­zen nicht vor­han­den sind (für die ich am Gym­na­si­um halt nur die Zeit n zur Ver­mitt­lung zur Ver­fü­gung habe). In der Regel mache ich damit die bes­ten Erfah­run­gen in der Ober­stu­fe. Und: Erfolg­rei­che Grup­pen­ar­beit und Lern­grup­pen­grö­ße sind m.E. ganz stark anein­an­der gekop­pelt. Es gibt nicht so vie­le Inhal­te, die sich arbeits­tei­lig (die m.E. ein­zig sinn­vol­le Form für Prä­sen­ta­ti­ons­pha­sen) orga­ni­sie­ren las­sen — das mache ich dann eher als Grup­pen­puz­zle und dann kom­men die Bschwer­den, dass nicht alles bei jedem gleich im Heft steht und so Schü­ler X ja nicht die glei­chen Chan­cen wie Schü­ler Y hat­te, weil es ja nicht an der Tafel stand.
    Mir dreht sich da immer der Kopf, weil ich gar nicht weiß, wo man da anfängt. Die idea­le Grup­pe für päd­ago­gi­sche Pro­zes­se liegt bei 15, mei­ne magi­sche „Schul­gren­ze” bei 24 SuS. Ich sehe momen­tan drei Haupt­pro­ble­me: Lern­grup­pen­grö­ße, Lern­grup­pen­grö­ße und Lern­grup­pen­grö­ße.

  • Es darf mich auch ger­ne jemand eine Woche lang im Unter­richt beglei­ten, wenn er ver­spricht, sich nur dann eine Pau­se zu gön­nen, wenn ich eine habe.”

    Das ken­ne ich auch. Glaubst Du bei einem x-tägi­gen Semi­nar im Semi­nar­ho­tel ist das anders. Du fängst beim Früh­stück an, setzt das Semi­nar beim Mit­tag­essen und Abend­essen fort und am abend fragt dich garan­tiert noch ein Teil­neh­mer, ob du gera­de noch mal Zeit hät­test.

    Ich kann in Hin­sicht auf Rat­schlä­ge für die Schu­le auch nur Leu­te so rich­tig didak­tisch ernst­neh­men, die das Sys­tem aus Leh­ren­den­sicht erlebt haben (min­des­tens 1 Jahr Voll­zeit­tä­tig­keit) — ich habe bis­her wenig bis ganz wenig schul­prak­tisch Brauch­ba­res von Leu­ten gese­hen, die über die­se Erfah­rung nicht ver­füg­ten.”

    Das fol­gen­de bezieht sich jetzt nicht auf Dich Maik. Ich will es dir wirk­lich nicht unter­stel­len, aber meist höre ich die­ses Argu­ment von denen, die sagen ‚man kann eh nichts ändern’. Die Gefahr ist hier­bei, dass Schu­le in ihrem eige­nen Sumpf ste­cken bleibt. Du musst ein Leh­rer sein, du musst an mei­ner Schul­form, in mei­nem Ein­zugs­be­reich (Sozi­al­struk­tur), in mei­nem Fach, in mei­ner Klas­se, mit mei­nem Schü­ler, am Mon­tag vor­mit­tag sein.
    Die Dis­kus­si­on ken­ne ich auch woan­ders her: In unse­rer Stadt­ver­wal­tung, in unse­rem Amt, in mei­nem Auf­ga­ben­ge­bie­te, mit mei­nen Bür­gern, ist alles ganz anders und wenn du nicht hier ein Leben lang.…

    Sor­ry, aber mit sol­chen Rede­wen­dun­gen kriegst du mich auf die Pal­me.

    Bin dir aber nicht böse. Ralf.

  • Die Gefahr ist hier­bei, dass Schu­le in ihrem eige­nen Sumpf ste­cken bleibt. Du musst ein Leh­rer sein, du musst an mei­ner Schul­form, in mei­nem Ein­zugs­be­reich (Sozi­al­struk­tur), in mei­nem Fach, in mei­ner Klas­se, mit mei­nem Schü­ler, am Mon­tag vor­mit­tag sein.”

    Das stimmt. Des­we­gen habe ich auch geschrie­ben, dass ich bis­her wenig gese­hen habe, nicht dass ich nichts gese­hen habe. Mein Fach und mei­ne Schul­form müs­sen es übri­gens bei mir nicht sein. Leu­te mit zwei Geis­tes­wis­sen­schaf­ten oder Spra­chen oder ein Haupt­schul­leh­rer (und vie­le, vie­le ande­re) haben weit­aus mehr zu bei­ßen.

    Das ken­ne ich auch. Glaubst Du bei einem x-tägi­gen Semi­nar im Semi­nar­ho­tel ist das anders. Du fängst beim Früh­stück an, setzt das Semi­nar beim Mit­tag­essen und Abend­essen fort und am abend fragt dich garan­tiert noch ein Teil­neh­mer, ob du gera­de noch mal Zeit hät­test.”

    Wie? Du kannst wäh­rend eines Semi­nars essen? Ich habe auch schon vie­le Semi­na­re (Jugend­bil­dungs­be­reich) gelei­tet und genau das erlebt. Für mich ist das nie ver­gleich­bar gewe­sen. Ein Semi­nar ist zeit­lich begrenzt.
    Ein Kon­takt zu einem Mit­glied mei­ner Schu­le dau­ert sehr lan­ge — Jah­re! Die Qua­li­tät mei­nes Arbeits­plat­zes hängt unmit­tel­bar von einem sozia­len Gefü­ge ab — das ist eine ganz ande­re Form von Stress (an sei­nen Aben­den und Wochen­den kor­ri­giert übri­gens ein durch­schnitt­l­cher Leh­rer — eine Run­de Mit­leid bit­te…). Du kannst einen zeit­li­chen begrenz­ten Pro­zess m.E. nie mit einem kon­ti­nu­ier­li­chen ver­glei­chen, in dem alle Pha­sen der Grup­pen­bil­dung stän­dig par­al­lel ablau­fen. Du bestimmst, Art, Umfang, Inhal­te und zeit­li­chen Rah­men in in den Gren­zen, wie du Geld ver­die­nen möch­test. Ich bin ali­men­tiert. Art, Umfang und zeit­li­chen Rah­men bestim­me ich nicht, wenn ich ein Min­dest­maß an Qua­li­tät erhal­ten möch­te — das tun ande­re für mich. Inhal­te muss ich unter­rich­ten, ob sie mir pas­sen oder nicht — zum Glück geht der Trend zumin­dest von den Inhal­ten weg. Ich habe genau mit dei­nen Augen auf Schu­le geschaut — sogar noch als Refe­ren­dar — und schaue heu­te anders.

    Der Hin­weis in die­se Rich­tung ist nicht so zu ver­ste­hen dass ich sage: „Ich habt alle sowie­so kei­ne Ahnung!” — das wäre in der Tat Abschot­tung. Ich mei­ne es eher so: „Macht euch ein genau­es Bild, damit ihr sehen könnt, was in die­sem Sys­tem prak­ti­ka­bel ist und was nicht und macht euch vor allem ein Bild, damit ihr bes­se­re Hebel­punk­te zur Ver­än­de­rung von Schu­le fin­det, als die, die von außen zunächst offen­sicht­lich aus­se­hen.”

    Für mich gibt es eini­ge Schlüs­sel­be­grif­fe:
    Lern­grup­pen­grö­ße, Leh­rer­per­sön­lich­keit, Leh­rer­fort­bil­dung, nach­hal­ti­ge Bil­dungs­po­li­tik, Wer­te in der Erzie­hung von Kin­dern

    Der Hebel wird aber oft ganz anders ange­setzt:
    Man schreibt Lehr­plä­ne und Schul­ge­set­ze um. Man tut dies aus gewis­sen ideo­lo­gi­schen Über­zeu­gun­gen her­aus, was sei­ne Berech­ti­gung hat — weil genau da sich Unter­richt auch maß­geb­lich ver­än­dern lässt. Man schreibt die­se Din­ge aber sel­ten so um, dass der Bil­dungs­etat dadurch belas­tet wür­de. Funk­tio­niert das, wenn die­se Din­ge nur eine Legis­la­tur­pe­ri­ode hal­ten? Bei PISA erfolg­rei­che­re Bun­des­län­der hat­ten oft über einen län­ge­ren Zeit­raum kei­nen Regie­rungs­wech­sel (wür­de man sagen, wenn man böse wäre).

    Und dann muss man in der Tat nach Skan­di­na­vi­en schau­en, wo Leh­rer ja viiiiel weni­ger ver­die­nen (weil sie weni­ger und unter bes­se­ren Bedin­gun­gen arbei­ten). Auch die ande­ren von mir genann­ten Schlüs­sel­be­grif­fe sind dort nach mei­ne Recher­chen ganz anders gefüllt. Ach­ja — Cur­ri­cu­la und Lehr­plä­ne machen dort die voll­stän­dig bud­ge­tier­ten Schu­len. Der Staat setzt ledig­lich Stan­dards und Ziel­punk­te.

    Ich emp­fin­de uns als Schu­len und Leh­rer in vie­len Punk­ten als „schul­dig”. Aber wahr­lich nicht in den meis­ten — sind wir alles tota­le Weich­ei­er, oder war­um errei­chen rekord­ver­däch­ti­ge Pro­zent­zah­len das Pen­si­ons­al­ter nicht? Ich glau­be in der Beruf­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung kom­men wir nach den Gerüst­bau­ern.

    Wenn man a) sich für einen klu­gen Kopf hält und b) einen Job macht, der eigent­lich sinn­los ist, dann besteht die Gefahr, dass man die kogni­ti­ve Dis­so­nanz dadurch ver­rin­gert, dass man sich ein­re­det, der Job sei gar nicht so sinn­los.”

    Heu­te gele­sen auf http://www.herr-rau.de . An blö­den Tagen den­ke ich: Erwischt!

    Was war eigent­lich noch­mal das The­ma des Arti­kels, wel­chen wir hier kom­men­tie­ren?

  • Du kannst einen zeit­li­chen begrenz­ten Pro­zess m.E. nie mit einem kon­ti­nu­ier­li­chen ver­glei­chen, in dem alle Pha­sen der Grup­pen­bil­dung stän­dig par­al­lel ablau­fen.”

    Ganz recht. Und es wäre fatal, das in einen Topf zu wer­fen. Anders her­um habe ich u.U. nur zwei Tage Zeit etwas in Bewe­gung zu ver­set­zen. Das ist eine ande­re Her­aus­for­de­rung.

    Sys­te­misch betrach­tet arbei­te ich mit geschlos­se­nen auto­po­ie­ti­schen Sys­te­men als Aus­sen­ste­hen­der. Mei­ne Chan­ce ist die Refle­xi­on der inne­ren Spie­le und Regeln und die Ver­un­si­che­rung aus der etwas neu­es wach­sen kann. Du bist in einem lang­fris­ti­gen Bezie­hungs­pro­zess (über Jah­re) mit der Zeit Teil des Sys­tems. Dar­aus ent­ste­hen ande­re Mög­lich­kei­ten und Fra­ge­stel­lun­gen.

    Du bestimmst, Art, Umfang und zeit­li­chen Rah­men in in den Gren­zen, wie du Geld ver­die­nen möch­test. Ich bin ali­men­tiert. Art, Umfang und zeit­li­chen Rah­men bestim­me ich nicht, wenn ich ein Min­dest­maß an Qua­li­tät erhal­ten möch­te — das tun ande­re für mich.”

    Ich habe mich ent­schie­den wo ich arbei­ten will. Du auch. Rein­hard Spren­ger (Mythos Moti­va­ti­on) ist auch aus­ge­bil­de­ter und tätig gewe­se­ner Leh­rer an einer Schu­le. In einem sei­ner Bücher schreibt er, dass man das was man tut, sel­ber ent­schie­den habe und dafür auch ver­ant­wort­lich sei. Leh­rer, die an der Schu­le wie sie ist ver­zwei­feln, möge man emp­feh­len, sich etwas ande­res zu suchen. Das geht. Ist aber eine Ent­schei­dung. Und es gibt Leh­rer die das tun: dau­er­haft oder auf Zeit. Allei­ne die Sou­ve­rä­ni­tät des „ich könn­te” ent­las­tet und ver­än­dert.

    Es braucht Leh­rer an Schu­len und es braucht dort bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen. Was aus der Kul­tus­bü­ro­kra­tie kommt ist häu­fig nicht hilf­reich, häu­fig sogar kon­tra­pro­duk­tiv. Die Schul­trä­ger schüt­ten auch kei­ne Füll­hör­ner über den Schu­len aus.

    Das wich­tigs­te Instru­ment ist der Leh­rer. Und ich sehe Leh­rer, die durch ihre Per­son in einer Struk­tur, die sie dabei nicht immer unter­stützt, etwas bewe­gen. Davon brau­chen wir vie­le und jeder ein­zel­ne ist wich­tig.

    Jeder Mit­ar­bei­ter in der Ver­wal­tung oder im Unter­neh­men erzählt dir etwas über die Begren­zun­gen sei­nes Han­delns. Das glei­che tut der Geschäfts­füh­rer oder Inha­ber. Woan­ders ist es also nicht anders.

    Es gibt eine inter­es­san­te Fra­ge, die manch­mal zu Lösun­gen führt:

    Was wür­dest du tun, wenn es die Begren­zun­gen nicht gäbe?

    Inter­es­sant ist die Fra­ge wegen der Ant­wor­ten, die sie häu­fig gene­riert. Die Ant­wor­ten sind zu ana­ly­sie­ren unter dem Aspekt: was kannst du davon heu­te schon tun oder was müss­test du dar­an ändern, damit du es heu­te schon tun kannst.
    Ich erle­be, dass ganz oft zwei Drit­tel der genann­ten Punk­te heu­te schon mach­bar und mit leich­ten Modi­fi­ka­tio­nen umsetz­bar sind. Es gibt nur ganz sel­te­ne Fäl­le in denen das nicht zu Ide­en und Mög­lich­kei­ten führt.

  • Was war eigent­lich noch­mal das The­ma des Arti­kels, wel­chen wir hier kom­men­tie­ren?”
    Ich den­ke, dass wir da gar nicht so weit weg sind. Wel­che Rol­le und wel­ches Selbst­ver­ständ­nis als Leh­ren­der traue ich mir zu umset­zen und wie weit sind wir damit. ‚In den Kin­der­schu­hen’ schriebst du dazu. Es geht dabei dann nicht pri­mär, um die Fra­ge, ob ich ein Mood­le habe, son­dern wie ich mich als Leh­ren­der in mei­ner Bezie­hung zu dem Ler­nen­den und der ler­nen­den Grup­pe (TZI-Kon­zept) ver­ste­he.

  • In einem sei­ner Bücher schreibt er, dass man das was man tut, sel­ber ent­schie­den habe und dafür auch ver­ant­wort­lich sei. Leh­rer, die an der Schu­le wie sie ist ver­zwei­feln, möge man emp­feh­len, sich etwas ande­res zu suchen. Das geht. Ist aber eine Ent­schei­dung

    Dum­di­dum. Es gehen aber nach mei­nen Erfah­run­gen eben nicht pri­mär und unbe­dingt die „Ver­zwei­fel­ten” (so ein­fach ist die Schub­la­de ja nun auch nicht auf­ge­baut). Man muss nicht gehen. Da gibt es ganz ande­re, oft krank­ma­chen­de Stra­te­gi­en — von denen nie­mand frei ist.
    Es gehen m.E. sehr oft die päd­ago­gi­schen und fach­li­chen Kapa­zi­tä­ten (zumin­dest haben die mich „damals” inner­halb der Päd­ago­gik aus­ge­bil­det und geprägt) und sei es, dass sie dadurch gehen, dass sie redu­zie­ren oder sich bewusst degra­die­ren las­sen. Wie passt das zu:

    Was kannst du davon heu­te schon tun oder was müss­test du dar­an ändern, damit du es heu­te schon tun kannst.

    Das ist Huma­nis­mus. Und es ist huma­nis­ti­sche Päd­ago­gik, die so redet. Ich mag huma­nis­ti­sche Päd­ago­gik (auch wenn der Huma­nis­mus sowohl an sei­nem Men­schen­bild als auch an den staat­li­chen Sys­te­men geschei­tert ist und schei­tert, tot­krie­gen tut man den erfreu­li­cher­wei­se trotz­dem nicht). Ich mag mei­nen Job. Und ich habe ihn bewusst gewählt — trotz­dem habe ich das Recht, ihn manch­mal mehr und manch­mal weni­ger zu mögen. Ich darf ihn nur nicht dau­ernd weni­ger mögen. Das lässt sich ja auch auf die Ehe über­tra­gen — was aber nun wirk­lich zu weit geht, auch wenn Sonn­tag ist :o)…
    Mit denen, die öffent­lich dar­über reden, wirst du — nach mei­ner Ein­schät­zung — weni­ger Pro­ble­me haben. Die Her­aus­for­de­rung liegt wahr­schein­lich aber gera­de nicht da. Und sie ist auch nicht durch eine Metho­de wie Mood­le (für mehr hal­te ich Mood­le nicht) zu lösen, oder?

  • Und sie ist auch nicht durch eine Metho­de wie Mood­le (für mehr hal­te ich Mood­le nicht) zu lösen, oder?”

    Da stim­men wir wie­der völ­lig über­ein. Es wäre falsch, ein kom­mu­ni­ka­ti­ves Pro­blem mit einer Tech­nik oder einer Platt­form zu lösen. Und es kann eigent­lich nur eine Ein­zel­fall­lö­sung sein wenn eine Leh­re­rin mit ~50 Jah­ren sagt, eigent­lich sei sie davon aus­ge­gan­gen, dass es in der Zeit in der sie noch an der Schu­le sei, nichts Neu­es Auf­re­gen­des mehr gäbe, was ihr Impul­se gäbe. Nach­dem sie für ihren Sprach­un­ter­richt Mood­le ent­deckt hat, hat sich das gesam­te Schul­le­ben völ­lig für Sie per­sön­lich ver­än­dert.

    Wir ken­nen die Kol­le­gin bei­de und ich darf das so zitie­ren, da sie es sel­ber bereits in einem Buch­bei­trag so for­mu­liert hat.

  • Pingback: Moodle - eine persönliche Zwischenbilanz - riecken.de - … Irrungen und Wirrungen des Lehrerdaseins

  • Zu der Fra­ge mit der Per­sön­lich­keit des Rech­ners kann ich viel­leicht etwas bei­tra­gen:
    Es gab mal eine Stu­die (habe ich vor 5 Jah­ren irgend­wo gele­sen, also Quel­le sel­ber suchen :) ), in der der „Ver­trau­ens­fak­tor” von Com­pu­tern unter­sucht wur­de.
    Es wur­den psy­cho­lo­gi­sche Gesprä­che über den Com­pu­ter geführt, und zum Ver­gleich in der Pra­xis. Die Grup­pe am Com­pu­ter mach­ten sehr viel mehr und tie­fe­re per­sön­li­che Anga­ben.

    • Das Stich­wort (Quel­le) dazu lau­tet „Eli­za”. Eli­za ist ein Pro­gramm, das einen Psy­cho­the­ra­peu­ten auf Basis einer recht rudi­men­tä­ren Gram­ma­ti­kana­ly­se simu­liert. Ich habe damals so etwas mal aus einem Ami­ga-Maga­zin in Ami­ga­ba­sic abge­tippt — das war auch so das ein­zi­ge Pro­gramm, was abge­tippt auch funk­tio­nier­te :o)… Net­tes Spiel­zeug (vor allen Din­gen war das bereits 1988 eine Art „Chat”) — aber irgend­wie schon merk­wür­dig, dass Men­schen sich der Illu­si­on hin­ge­ben kön­nen, eine Maschi­ne wäre ein nach­hal­ti­ger Dia­log­part­ner (wenn man den Pro­gramm­code sah, war dort nur Mathe­ma­tik). Eli­za konn­te übri­gens nur das Gespräch „in Gang” hal­ten, nicht indi­vi­du­ell bera­ten. Der „Schwin­del” wäre also nach spä­tes­tens 30–40 Minu­ten auf­ge­flo­gen… Mag sein, dass heu­ti­ge Eliz­ana­ch­fol­ger mehr anzu­bie­ten haben.
      Seufz — den 68000er mei­nes Ami­gas konn­te ich damals sogar mit Assem­bler (Maschi­nen­spra­che) direkt pro­gram­mie­ren. Wenn ich mir heu­te auch nur einen 486er anschaue, weiß ich, war­um das kaum einer mehr schaf­fen kann.


      Jetzt noch ein Insi­der:

      Nein Mar­kus, dein Intro ist immer noch nicht fer­tig!

  • Ja, sol­che Din­ger ken­ne ich auch. Ich glau­be aber der Test damals wur­de eher wie ein Chat mit einem rich­ti­gen Part­ner durch­ge­führt.

  • Pingback: Projektstart: Moodlekurs zur Medienbildung - riecken.de - Gedanken zu Bildung, Lehre und Schule

  • der letz­te Absatz bringt es auf den Punkt: „Wenn Mood­le der Leh­ren­de wird, ist Mood­le schlecht und falsch ver­stan­den ein­ge­setzt. Mood­le muss und darf ledig­lich das Instru­ment des Leh­ren­den sein.” Viel­leicht soll­te hier auch noch „und der Ler­nen­den” ergänzt wer­den.

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