Nutzungsvereinbarung WLAN (Beispiel)

Ich habe kürz­lich eine Demo­nut­zungs­ver­ein­ba­rung für die Nut­zung des WLAN mit eige­nen Gerä­ten (BYOD) an Schu­len ent­wor­fen. Sie basiert auf die­sem Text, hat aber nicht mehr viel mit ihm gemein. Ich habe ver­sucht, mög­lichst ver­ständ­lich und schü­ler­be­zo­gen zu for­mu­lie­ren. Im Prin­zip steht da nichts „Böses“ drin, was man nicht auch in gän­gi­gen Mobil­funk­ver­trä­gen wie­der­fin­det. Es ist ein Platz­hal­ter <Die Schu­le> zum Ein­set­zen des eige­nen Schul­na­mens vor­han­den, den man durch Suchen&Ersetzen an die eige­ne Schu­le anpas­sen kann. Wie immer gilt:

Jede Art von Doku­men­ten mit recht­li­cher Wir­kung sind immer durch einen Juris­ten über­prü­fen zu las­sen. Das gilt umso mehr, als dass jedes Bun­des­land über eige­ne Daten­schutz­richt­li­ni­en ver­fügt!

… dem­nach wer­de ich in jedem Fall die­se Nut­zungs­ver­ein­ba­rung noch unse­rem Team vom Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­ten vor­le­gen. Inhalt­lich kann man dazu das ein oder ande­re sagen. Der kon­kre­ten Schu­le ging es dar­um, die Nut­zung von mit­ge­brach­ten Lap­tops und Tablet-PCs zu gestat­ten. Han­dys sind expli­zit nicht gewünscht. Aber da kann man ja die jewei­li­ge For­mu­lie­rung auf die eige­ne Schu­le zuschnei­den.

Not­wen­dig ist so eine Nut­zungs­ver­ein­ba­rung aus mei­ner Sicht vor allem wegen Din­gen wie „Stö­rer­haf­tung“, aber natür­lich auch aus Daten­schutz­grün­den. Sol­che Rege­lun­gen sind wie immer völ­lig unnö­tig, so lan­ge nichts pas­siert. Das ist so wie mit Ers­te-Hil­fe-Kur­sen und Sicher­heits­be­leh­run­gen.

Im Wort­laut:

Nut­zungs­ver­ein­ba­rung

über die Nut­zung des haus­in­ter­nen Inter­net­zu­gangs über WLAN

 

Vor­be­mer­kung:

Wenn wir dir als Schu­le unse­ren Netz­zu­gang zur Ver­fü­gung stel­len, möch­ten wir von dir fair behan­delt wer­den. Außer­dem müs­sen wir als Schu­le sicher­stel­len, dass nicht wir haf­ten, wenn mit unse­rem Netz­zu­gang Din­ge gesche­hen, die nicht legal sind.

Von z.B. einer Sper­rung oder Stö­rung unse­rer Inter­net­ver­bin­dung wären näm­lich vie­le Men­schen betrof­fen. Wenn wir dir Netz­zu­gang gewäh­ren, müs­sen wir dir also ver­trau­en und uns auf dich ver­las­sen kön­nen. Daher bekommst du die­se Mög­lich­keit nur, wenn du dich mit den Inhal­ten die­ser Nut­zungs­ver­ein­ba­rung ein­ver­stan­den erklärst. Falls du etwas nicht ver­stehst oder Fra­gen hast, dann wen­de dich ein­fach an uns.

 1. Gestat­tung der unent­gelt­li­chen Mit­be­nut­zung

<Die Schu­le> betreibt einen Inter­net­zu­gang über WLAN. Sie gestat­tet dir Mit­be­nut­zung des WLAN-Zugangs zum Inter­net, solan­ge du die­ser Schu­le ange­hörst. Die Mit­be­nut­zung kos­tet dich nichts, kann dir aber jeder­zeit wie­der unter­sagt wer­den, wenn du z.B. gegen die­se Nut­zungs­ver­ein­ba­rung ver­stößt. Das Schü­ler­netz steht dir nur an aus­ge­wähl­ten Orten zur Ver­fü­gung.

Du darfst nicht dei­nen Freun­den oder Bekann­ten die Nut­zung des WLANs über dei­ne Gerä­te gestat­ten. Das ist auch in dei­nem Inter­es­se, da du für alle Hand­lun­gen, die über dei­ne Zugangs­da­ten vor­ge­nom­men wer­den, ver­ant­wort­lich bist.

<Die Schu­le> ist jeder­zeit berech­tigt, den Betrieb des WLANs ganz, teil­wei­se oder zeit­wei­se ein­zu­stel­len, wei­te­re Mit­nut­zer zuzu­las­sen und den Zugang der berech­tig­ten Per­so­nen ganz, teil­wei­se oder zeit­wei­se zu beschrän­ken oder aus­zu­schlie­ßen.

<Die Schu­le> behält sich ins­be­son­de­re vor, nach eige­nem Ermes­sen und jeder­zeit den Zugang auf bestimm­te Sei­ten oder Diens­te über das WLAN zu sper­ren (z.B. gewalt­ver­herr­li­chen­de, por­no­gra­phi­sche oder kos­ten­pflich­ti­ge Sei­ten).

 2. Zugangs­da­ten

Sämt­li­che Zugangs­da­ten (Benut­zer­na­me sowie Pass­wort) sind nur zu dei­nem per­sön­li­chen Gebrauch bestimmt und dür­fen in kei­nem Fall an ande­re Per­so­nen wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Du ver­pflich­test dich, dei­ne Zugangs­da­ten geheim zu hal­ten. <Die Schu­le> hat jeder­zeit das Recht, Zugangs­codes zu ändern.

3. Art der Nut­zung

Du darfst das WLAN nur zu schu­li­schen Zwe­cken mit Gerä­ten nut­zen, die min­des­tens über einen 7 Zoll gro­ßen Bild­schirm oder Touch­screen ver­fü­gen. Eine Nut­zung mit dei­nem Han­dy ist außer­halb des Unter­richts nicht gestat­tet, da wir dann nicht über­prü­fen, inwie­weit du ggf. gegen das an unse­rer Schu­le grund­sätz­li­che Han­dy­ver­bot ver­stößt. Im Unter­richt darfst du nach Anwei­sung durch dei­ne Lehr­kraft von die­ser Rege­lung abwei­chen.

 4. Hin­wei­se, Gefah­ren der WLAN-Nut­zung

<Die Schu­le> weist dich dar­auf hin, dass der unter Nut­zung des WLANs her­ge­stell­te Daten­ver­kehr unver­schlüs­selt erfolgt. Die Daten kön­nen daher mög­li­cher­wei­se von Drit­ten ein­ge­se­hen wer­den. Das WLAN ermög­licht nur den Zugang zum Inter­net. Die abge­ru­fe­nen Inhal­te unter­lie­gen kei­ner Über­prü­fung durch <Die Schu­le>, ins­be­son­de­re nicht dar­auf­hin, ob sie Schad­soft­ware ent­hal­ten. Die Nut­zung des WLANs erfolgt auf eige­ne Gefahr und auf dein eige­nes Risi­ko. <Die Schu­le> weist aus­drück­lich dar­auf hin, dass die Gefahr besteht, dass Schad­soft­ware (z.B. Viren, Tro­ja­ner, Wür­mer, etc.) bei der Nut­zung des WLANs auf dein End­ge­rät gelangt.

 5. Ver­ant­wort­lich­keit und Frei­stel­lung von Ansprü­chen

Für die über das WLAN über­mit­tel­ten Daten, die dar­über in Anspruch genom­me­nen kos­ten­pflich­ti­gen Dienst­leis­tun­gen und getä­tig­ten Rechts­ge­schäf­te bist du selbst ver­ant­wort­lich. Du bist ver­pflich­tet, bei Nut­zung des WLANs das gel­ten­de Recht ein­zu­hal­ten. Du wirst ins­be­son­de­re:

  • das WLAN weder zum Abruf noch zur Ver­brei­tung von sit­ten- oder rechts­wid­ri­gen Inhal­ten nut­zen
  • kei­ne urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Güter wider­recht­lich ver­viel­fäl­ti­gen, ver­brei­ten oder zugäng­lich machen
  • die gel­ten­den Jugend­schutz­vor­schrif­ten beach­ten
  • kei­ne beläs­ti­gen­den, ver­leum­de­ri­schen oder bedro­hen den Inhal­te ver­sen­den oder ver­brei­ten
  • das WLAN nicht zur Ver­sen­dung von Mas­sen-Nach­rich­ten (Spam) und / oder ande­ren For­men unzu­läs­si­ger Wer­bung nut­zen.

Erkennst du oder muss du erken­nen, dass eine sol­che Rechts­ver­let­zung und / oder ein sol­cher Ver­stoß vor­liegt oder droht, weist du die Ver­ant­wort­li­chen der <Die Schu­le> auf die­sen Umstand hin.

6. Doku­men­ta­ti­on der Nut­zung

Die Nut­zung des WLAN durch die Benut­zer wird durch die IT der <Die Schu­le> auto­ma­tisch mit fol­gen­den Daten doku­men­tiert

  1. Nut­zer­ken­nung

  2. Ein­log­da­tum und -zeit

  3. auf­ge­ru­fe­ne Inter­net­diens­te bzw. -sei­ten

Die­se Daten wer­den nur für eine Dau­er von maxi­mal drei Mona­ten gespei­chert. Danach erfolgt eine auto­ma­ti­sche Löschung. Eine Her­aus­ga­be dei­ner Daten an Drit­te (z.B. Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den) erfolgt nur gemäß der gel­ten­den Rechts­la­ge.

Wir, <Die Schu­le>, brau­chen die­se Daten, um bei Rechts­ver­stö­ßen über unse­ren Inter­net­zu­gang die ver­ur­sa­chen­de Per­son ermit­teln zu las­sen. Wir wer­den von uns aus kei­ne anlass­lo­se Prü­fung oder sys­te­ma­ti­sche Aus­wer­tung die­ser Daten vor­neh­men.

Schü­le­rin­nen und Schü­ler:

Ich erken­ne die Nut­zungs­ver­ein­ba­rung an.

_______________________________________________________ (Ort, Datum, Unter­schrift)

Ein­wil­li­gung in die Daten­spei­che­rung;

Ich habe ver­stan­den, wel­che Daten <Die Schu­le> dabei über mich zu wel­chem Zweck spei­chert und stim­me die­ser Spei­che­rung zu. Ich kann die Zustim­mung form­los und schrift­lich jeder­zeit wider­ru­fen. (Aller­dings sind wir dann gezwun­gen, dei­nen Zugang wie­der zu deak­ti­vie­ren.)

_______________________________________________________ (Ort, Datum, Unter­schrift)

Zusätz­lich: Erzie­hungs­be­rech­tig­te bei Schü­le­rin­nen und Schü­lern unter 18 Jah­ren

Ich erken­ne die Nut­zungs­be­din­gun­gen an.

_______________________________________________________ (Ort, Datum, Unter­schrift)

Ein­wil­li­gung in die Daten­spei­che­rung;

Ich habe ver­stan­den, wel­che Daten <Die Schu­le> dabei über mein Kind zu wel­chem Zweck spei­chert und stim­me die­ser Spei­che­rung zu. Ich kann die Zustim­mung jeder­zeit mit der Fol­ge der Deak­ti­vie­rung des WLAN-Zugan­ges für mein Kind form­los und schrift­lich wider­ru­fen.

_______________________________________________________ (Ort, Datum, Unter­schrift)

Quel­len:

[1] http://www.erfolgreiche-gastgeber.de

[2] DTV-Nut­zungs­ver­ein­ba­rung „WLAN

Für die­sen Bei­trag gilt nicht die auf riecken.de übli­che BY-NC-SA-Lizenz, da der Text (vgl. Quel­len) stel­len­wei­se For­mu­lie­rung aus frei ver­füg­ba­ren Quel­len auf­greift, die lei­der nicht unter einer CC-Lizenz ste­hen.

WLAN-Planungen in der Schule

Plant man ein WLAN in der Schu­le, so hat man meh­re­re Mög­lich­kei­ten. Dabei set­ze ich ein­mal vor­aus, dass grund­sätz­li­che Funk­tio­nen, z.B. eine zen­tra­le War­tung (alle Acces­s­points zeit­ge­steu­ert deaktivieren/aktivieren, Gast­log­ins über z.B. Hot­spot­fä­hig­keit, mög­li­cher Auf­bau eines Mesh­net­zes – das ist übri­gens die Zukunft – usw.) umge­setzt wer­den. Außer­dem kal­ku­lie­re ich, dass irgend­wann zwi­schen 200–300 Gerä­te in die­sem Netz­werk gleich­zei­tig aktiv, d.h. nicht nur ange­mel­det sind.

Der Wunsch

Man lässt eine Fir­ma anrü­cken, die über ent­spre­chen­de Mess­tech­nik ver­fügt, um die gesam­te Schu­le aus­zu­leuch­ten. Auf die­se Wei­se ist rela­tiv schnell klar, wo wel­che Acces­s­points gesetzt wer­den müs­sen, um eine gute Abde­ckung zu errei­chen. Je nach Ergeb­nis des Mess­pro­to­kolls sind ggf. wei­te­re Instal­la­ti­ons­ar­bei­ten not­wen­dig. Nicht über­all lie­gen die erfor­der­li­chen Netz­werk­ka­bel und ggf. zusätz­li­che Strom­ver­sor­gun­gen. Ich bin übri­gens kein Freund von PoE-Lösun­gen, d.h. der Acces­s­point wird über das Netz­werk­ka­bel mit Strom ver­sorgt, da die dafür erfor­der­li­chen Swit­che nicht güns­tig sind und man sich eine mög­li­che Feh­ler­quel­le mehr auf das Netz­werk­ka­bel bringt. Ein schö­nes Nym-Kabel trans­por­tiert bis zu 3600 Watt und taugt dann auch für die Ver­sor­gung von Bea­mern, App­leTV oder sowas… Ein gute Fir­ma wird dann Busi­ness­ac­ces­s­points von Cis­co, Lan­com , Zyxel, Net­ge­ar usw. set­zen. Die Ein­stiegs­klas­se fängt bei sol­chen Gerä­ten um die 300–400 Euro je Gerät an – dafür neh­men sie aber auch wirk­lich 90–100 Cli­ents in ihre Funk­zel­le auf und hal­ten.

Je nach Grö­ße der Schu­le ist man recht flott bei 20–30.000 Euro – für ein gro­ßes Schul­zen­trum kön­nen es auch 50.000 Euro sein. Dafür hat man etwas Anstän­di­ges, um das man sich weder bei der Pla­nung noch bei der spä­te­ren War­tung groß­ar­tig küm­mern muss.Wenn man auf eine gute Doku­men­ta­ti­on ach­tet, kann man ggf. sogar die Fir­ma wech­seln, falls irgend­wann irgend­et­was nicht passt.

Die Rea­li­tät

  • Es gibt jen­seits grö­ße­rer Tech­no­lo­gie­zen­tren kaum Fir­men, die über ein ent­spre­chen­des Know-How ver­fü­gen, poten­ti­ell weit über 100 Gerä­te per WLAN zu ver­sor­gen. Sie ein­zu­flie­gen nützt nichts, da man immer noch Part­ner vor Ort für die War­tung braucht. Die Kos­ten für War­tungs­ver­trä­ge mit SLAs über­nimmt kaum ein Schul­trä­ger, weil das sei­ne finan­zi­el­le Mög­lich­kei­ten weit über­schrei­tet.
  • Ab 20.000 Euro Inves­ti­ti­ons­kos­ten – teil­wei­se deut­lich dar­un­ter – muss man schon sehr gut begrün­den, wenn man so etwas gebaut haben möch­te. Zwi­schen Antrag und Rea­li­sie­rung wer­den Jah­re mit Tech­no­lo­gie­sprün­gen lie­gen, die die vor­lie­gen­de Pla­nung bald über­ho­len.
  • Extern geplan­te Net­ze sind auf Zeit geplan­te Net­ze. Sie wer­den irgend­wann selbst von Tech­no­lo­gie­sprün­gen über­holt wer­den
  • Bei der Netz­werk­pla­nung sind oft meh­re­re Gewer­ke betei­ligt: Elek­tri­ker, Netz­werk­fir­men, Hard­ware­fir­men – oft passt hin­ter­her nix mehr zusam­men, kei­ner ist’s gewe­sen und Schuld hat immer der ande­re. Da es dann kei­ne Doku gibt, ver­ge­hen oft Stun­den, bis ein­fachs­te Pro­ble­me gelöst wer­den kön­nen – das fängt schon bei Pass­wör­tern für Kon­fi­gu­ra­ti­ons­ober­flä­chen an.
  • Als tech­nisch Ahnungs­lo­ser wird man die Zeit, die man sonst mit Bas­te­lei (und Lern­zu­wachs) ver­bracht hät­te, mit Tele­fo­nie­ren, Mah­nen, Hin­ter­her­lau­fen, Schimp­fen und Genervt­sein ver­brin­gen.

Unbe­ding­te Vor­aus­set­zung beim Auf­bau eines sol­chen Net­zes durch eine Fir­ma ist exter­ne Bera­tung. Die pro­jek­tiert ggf. auch kon­kre­te Pflich­ten­hef­te für die ein­zel­nen Gewer­ke und koor­di­niert wäh­rend der Bau­pha­se. Natür­lich sind da ent­spre­chen­de Stun­den­sät­ze zu kal­ku­lie­ren – aber das machen auch vie­le Haus­bau­er m.E. falsch: Der exter­ne Gut­ach­ter wird gespart, weil das Gut­ach­ten 3000–4000 Euro kos­tet. Bei einer ange­nom­me­nen Bau­sum­me von 200.000 Euro für ein EFH ist die­ser Betrag aber eher gering und spart unter Umstän­den durch Ver­mei­dung von Pla­nungs­feh­lern Nach­bes­se­run­gen, die schnell ein Viel­fa­ches der Kos­ten für einen Gut­ach­ter betra­gen.

Der Prag­ma­tis­mus

Der Prag­ma­tis­mus – vor allem der finan­zi­el­le – besteht dar­in, Din­ge selbst zu tun, die man selbst tun kann. Dazu gehö­ren nicht:

  • das Ver­le­gen von 230V-Lei­tun­gen und Set­zen von Steck­do­sen
  • das Durch­boh­ren von (Brandschutz-)Wänden zur Ver­le­gung von Netz­werk­ka­beln
  • die gemein­sa­me Ver­le­gun­gen von Netz­werk­ka­beln und 230V-Lei­tun­gen in einem Kanal (es gibt aber Kabel­ka­nä­le mit Trenn­steg)

Vie­le Haus­meis­ter sind aber gelern­te Elek­tri­ker und wis­sen über die VDE-Nor­men Bescheid. Sie dür­fen in der Regel nicht selbst aktiv wer­den, kön­nen aber Arbei­ten von Fir­men kon­trol­lie­ren. Din­ge, die man selbst tun kann, beschrän­ken sich also dar­auf, bereits vor­han­de­ne Instal­la­tio­nen zu nut­zen. Ab Netz­werk- oder Steck­do­se darf man mit einem fer­tig gekauf­ten Gerät han­tie­ren.

Kern mei­nes Han­tie­rens ist für mich zur­zeit die kos­ten­lo­se Rou­ter­dis­tri­bu­ti­on DD-WRT. Es han­delt sich um eine weit­ge­hend freie Firm­ware, also eine Art Betriebs­sys­tem für Rou­ter. Es wer­den unzäh­li­ge Model­le unter­stützt. Hier kann man schau­en, ob die vor­han­de­ne Hard­ware dazu­ge­hört. Das Schö­ne ist, dass DD-WRT auf jedem Rou­ter gleich aus­sieht – die Bedie­nung hängt also nicht mehr vom Typ des Rou­ters ab. Mit DD-WRT erhal­ten vie­le güns­ti­ge Rou­ter Funk­tio­nen, von denen wesent­lich teu­re­re Busi­ness-Acces­s­points träu­men – ich zäh­le hier mal die offen­sicht­lichs­ten auf:

  • an den Switch eines modi­fi­zier­ten Rou­ters kön­ne wei­ter Rou­ter ange­steckt wer­den (wei­te­rer WLAN-Aus­bau)
  • der Rou­ter kann als Acces­s­point, als Repea­ter oder als Bridge kon­fi­gu­riert wer­den – das ist gera­de in schlecht aus­ge­bau­ten Alt­bau­ten von ful­mi­nan­ter Bedeu­tung
  • Man kann eine Hot­spot­funk­tio­na­li­tät wie an Unis oder Hotels rea­li­sie­ren (der IServ bringt übri­ges fast alles dafür schon mit)
  • Vie­le Rou­ter kön­nen mit DD-WRT zeit­ge­steu­ert wer­den, d.h. das WLAN ist z.B. nachts oder an Wochen­en­den inak­tiv
  • usw.

DD-WRT ist sehr gut in Eng­lisch doku­men­tiert – auch deutsch­spra­chi­ge Foren gibt es. Für Linu­xer ist es auch kein Pro­blem, eine Zeit­steue­rung für das WLAN zu inte­grie­ren. DD-WRT bringt eine Kon­so­le mit, über die man via Script den WLAN-Chip ein und aus­schal­ten kann. Ich habe dafür einen Cron­job auf unse­rem IServ erstellt, der das per Key-Auth auf fast jedem Rou­ter bei uns in der Schu­le erle­digt. Oder man kann den WLAN-Schlüs­sel für die gesam­te Schu­le zen­tral per Kon­so­le set­zen… Ich hal­te bei­des für einen Sicher­heits­ge­winn.

Ich habe zur­zeit zwei Gerä­te­ty­pen mit DD-WRT hier im Schul­netz im Ein­satz: Den Link­sys WRT54GL als Para­de­ver­tre­ter von Sta­bi­li­tät und Robust­heit und den TP-Link TL-WR1043ND, den man mehr als „jun­gen Wil­den“ bezeich­nen kann. Bei­de wer­den von DD-WRT gut unter­stützt, beim TP-Link muss man die Zeit­steue­rung per Kon­so­le nach­rüs­ten, wäh­rend sie beim WRT54G über die Ober­flä­che ein­ge­stellt wer­den kann. Bei­de fun­ken nur m 2,4Ghz-Band – die nächs­ten Rou­ter bei mir wer­den auf jeden Fall dual­band­fä­hig sein, also auch 5Ghz unter­stüt­zen. Der TP-Link funkt auch im N-Modus und erreicht hier übli­che Über­tra­gungs­ge­schwin­dig­kei­ten von 65–107Mbit/s, wäh­rend der Link­sys auf maxi­mal 54Mbit/s kommt (G-Stan­dard).

Kon­fi­gu­ra­ti­ons­tipps:

  1. Web­ober­flä­che nur per HTTPS zugäng­lich machen und auch die Sta­tus­sei­te von DD-WRT mit einem Pass­wort schüt­zen
  2. SSH-Zugriff nur über Key-Auth
  3. Alle Rou­ter einer Schu­le soll­ten unter einer ein­heit­lich SSID sen­den – dann klappt sogar „Han­do­ver“, bzw. man merkt nicht, dass man kurz­zei­tig beim AP-Wech­sel kei­ne IP hat. Ich kann fast durch das gan­ze Schul­ge­bäu­de lau­fen ohne die WLAN-Ver­bin­dung zu ver­lie­ren. Zudem ver­mei­den man bei uner­fah­re­nen Nut­zern, dass sie meh­re­re Netz­wer­ke ein­rich­ten müs­sen. Ist ein AP über­las­tet, sucht sich das Gerät zudem in der Regel einen ande­ren – wesent­lich(!) weni­ger Fra­gen von Benut­zern…
  4. N-Rou­ter soll­ten nur die AES-Ver­schlüs­se­lung zulas­sen, da TKIP nur für WLAN-G spe­zi­fi­ziert ist und man so nicht die N-typi­schen hohen Daten­ra­ten erhält
  5. Die Rou­ter soll­ten ihre exter­ne IP nach Mög­lich­keit per DHCP bekom­men, weil ich so zen­tral am DHCP-Ser­ver bestim­men kann, wer wel­che IP erhält
  6. Ein extrem wich­ti­ger Hel­fer beim Set­zen der Acces­s­points ist ein Han­dy mit einem WLAN-Ana­ly­zer. Den gibt es für alle gän­gi­gen Mobil­platt­for­men.

Ande­res The­ma: Ist das mei­ne Auf­ga­be?

Nein. Aber wenn ich möch­te, dass mobi­les Ler­nen mög­lich wird, kann ich ent­we­der:

  • dar­auf war­ten, dass sich die uner­müd­li­cher For­de­rer poli­tisch durch­set­zen, so dass der Schul­trä­ger zum Han­deln gezwun­gen wird. Lei­der sehe ich wenig Einig­keit dar­über, was denn der Stan­dard sein soll oder in wel­chem Bereich er sich bewegt.
  • heu­te etwas tun, um die bestehen­de Situa­ti­on kon­kret zu ver­bes­sern. Dazu bedarf es nichts außer der Bereit­schaft in die­sem tech­ni­schen Bereich zu ler­nen – das Wis­sen dazu ist im Netz.
  • bei­des kom­bi­nie­ren

Rea­li­tät ist, dass sich ein­zel­ne Leh­rer zur­zeit aus Not selbst etwas bas­teln, z.B. mit dem mit­ge­brach­ten Hot­spot. Das kann ich auch und habe es lang so gemacht. Es nützt dem Sys­tem Schu­le m.E. aber über­haupt nichts. Die Abhän­gig­kei­ten wer­den nur ande­re. Daten müs­sen irgend­wo lie­gen, um aus­ge­tauscht zu wer­den. Eine Schul­cloud fin­de ich sym­pa­thi­scher als Web2.0-Dienste oder im bes­te Fall ange­mie­te­ten Webspace.

 

Servicepost für #molol18 und #educampX

Sowohl auf dem #molol18 als auch auf dem #edu­cam­pX habe ich eine Ses­si­on zum The­ma „Medi­en­bil­dung unplug­ged“ ange­bo­ten. Dabei stan­den zwei The­men­schwer­punk­te im Mit­tel­punkt:

  1. Sco­ring / Tracking
  2. Infor­ma­ti­sche Grund­la­gen (haupt­säch­lich Pro­to­kol­le)
Scoring

Zunächst eine klei­ne Übung. Jeder Teil­ge­ben­de erhält ein wei­ßes DINA4-Blatt mit der Auf­ga­be, es mit fol­gen­den Ele­men­ten zu fül­len:

  • eine Son­ne zeich­nen
  • das Wort „Lie­be“ gra­fisch gestal­ten
  • die größ­te, dem jewei­li­gen Teil­ge­ben­den bekann­te Prim­zahl notie­ren

Es darf kein Name auf dem Blatt ste­hen und alles muss auf einer Blatt­sei­te Platz fin­den! Man soll­te unbe­dingt dicke Stif­te (Wachs­ma­ler oder Eddings) bereits­stel­len. Die Blät­ter wer­den nach Abschluss die­ser Auf­ga­be ein­ge­sam­melt und gut durch­ge­mischt.

Danach wird auf dem Boden des Rau­mes eine Ska­la von 1–4 aus­ge­legt (1 = trifft nicht zu, 2 = trifft weni­ger zu, 3 = trifft zu, 4 = trifft voll zu).

Die Grup­pe bekommt nun die Auf­ga­be, die Blät­ter auf der Ska­la nach vor­ge­ge­be­nen Kri­te­ri­en nach­ein­an­der in Durch­gän­gen anzu­ord­nen, z.B.:

  • krea­ti­ver Mensch
  • tech­nisch inter­es­sier­ter Mensch
  • enga­giert
  • gebil­det (Vor­sicht! Geht nicht bei jeder Grup­pe – außer­halb jeder Kom­fort­zo­ne)
  • faul (Vor­sicht! Geht nicht bei jeder Grup­pe – außer­halb jeder Kom­fort­zo­ne)
  • schwul (nicht machen las­sen, nur andeu­ten!)

Man kann dazu die Blät­ter neu ver­tei­len oder auf den Boden legen und auf das Enga­ge­ment der Grup­pe ver­trau­en. Nach jedem Durch­lauf soll jeder Teil­ge­ben­de sein Blatt auf der Ska­la suchen und in sich hin­ein­hor­chen, ob die Lage des Blat­tes „etwas mit ihm macht“.

Aus­wer­tungs­mög­lich­kei­ten:

  • die Grup­pe Erleb­nis­se erzäh­len las­sen
  • ein­zel­ne Grup­pen­mit­glie­der ihre indi­vi­du­el­len Kri­te­ri­en für eine Zuord­nung offen­le­gen las­sen („Der kann­te eine hohe Prim­zahl, das muss ein Tech­ni­ker sein“, „Die Son­ne war so hübsch …“)
  • Was wäre mit Kri­te­ri­en wie „schwul“?
  • Refle­xi­on auf Meta­ebe­ne durch­füh­ren („Wo sind die­se Mecha­nis­men wirk­sam?“)
  • Kri­ti­sche Refle­xi­on – Sco­ring wird durch die­se Metho­de ein­sei­tig dar­ge­stellt („Wo ist Sco­ring nütz­lich?“ Wel­che Regeln soll­ten beim Tracking gel­ten?“ „Wer soll­te die­se Regeln wie defi­nie­ren?“)

Meta:

Die Grup­pe über­nimmt bzw. ein­zel­ne Grup­pen­mit­glie­der über­neh­men die Funk­ti­on eines Bewer­tungs­al­go­rith­mus, kön­nen aber im Gegen­satz zu einen „wirt­schaft­li­chen Algo­rith­mus“ ihre Kri­te­ri­en offen­le­gen, die momen­tan in Ein­zel­fäl­len auf­wän­dig rekon­stru­iert wer­den müs­sen.

Tracking

vgl. https://riecken.de/index.php/2016/12/eine-medienpaedagogische-kurzgeschichte/ (nicht alles unplug­ged mög­lich, aber das meis­te).

Protokolle

Auch hier­für gibt es eine klei­ne Übung. Die Teil­ge­ben­den schlie­ßen sich zu Paa­ren zusam­men und erhal­ten eine lee­re 5x5 Matrix und einen Kar­ten­satz.

Der Kar­ten­satz besteht aus DINA5-Kar­ten, im ein­zel­nen:

  • Zah­len­kar­ten (1–5)
  • Punkte­kar­ten (2,4,8,16)
  • einer wei­ßen (ein­fach eine Punk­te- oder Zah­len­kar­te umdre­hen) und einer schwar­zen Kar­te (nicht mit im Set)

Jedes Paar erhält spä­ter(!) zusätz­lich eine DINA5-Kar­te mit einer klei­nen 5x5-Pixel­gra­fik aus einem Set ( PDF ODT ). Die­se soll­te auf nicht durch­schei­nen­dem Papier gedruckt sein.

Die Auf­ga­be besteht dar­in, zunächst im Paar jeman­den zu bestim­men, der die Rol­le des Sen­ders über­nimmt und einen, der die Rol­le des Emp­fän­gers spielt.

Der Sen­der soll dem Emp­fän­ger eine Pixel­gra­fik (5x5) durch den Raum allein mit Hil­fe des Kar­ten­sat­zes über­mit­teln. Der Emp­fän­ger notiert das Ergeb­nis in der lee­ren Matrix.

Dabei gilt:

  • es darf wäh­rend der Über­tra­gung nicht gespro­chen wer­den
  • es darf immer nur eine Kar­te zur­zeit hoch­ge­hal­ten wer­den
  • das Spiel endet, wenn die ers­ten drei Paa­re fer­tig sind
Phase 1:

Die Paa­re eini­gen sich auf ein Ver­fah­ren bzw. ent­wi­ckeln ein sol­ches und stel­len sich im Raum gleich­zei­tig mit den ande­ren Paa­ren gegen­über auf.

Phase 2:

Die Sen­der erhal­ten nun ver­deckt ihre Pixel­gra­fik. Auf ein Start­si­gnal begin­nen sie, das Bild durch den Raum zu ermit­teln. Wenn die ers­te drei Paa­re fer­tig sind, endet das Spiel.

Phase 3:

Die Paa­re bekom­men kurz Gele­gen­heit, ihr Ver­fah­ren zur über­ar­bei­ten. Danach geht es wie­der in Pha­se 2.

Aus­wer­tung­mög­lich­kei­ten:

  • Offen­le­gung eines „per­for­man­ten“ Ver­fah­rens (Gewin­ner) und eines „untaug­li­chen“ Ver­fah­rens.
  • Dis­kus­si­on von Opti­mie­rungs­stra­te­gi­en – man muss mit mög­lichst wenig Kar­ten aus­kom­men
  • ggf. Tausch der Part­ner ohne Offen­le­gung der Abspra­chen
  • Modi­fi­ka­ti­on: Über­tra­gung durch Töne / Sil­ben – dann wei­ter: Wo ist das Pro­blem, wenn das alle machen? (Anwen­dungs­fall: WLAN-Stö­run­gen in Bal­lungs­ge­bie­ten)
  • Dis­kus­si­on auf Basis des Ori­gi­nal­ma­te­ri­als
  • Vor­stel­lung des Fax-Algo­rith­mus zur Daten­über­tra­gung

Meta:

Die Paa­re ent­wi­ckeln ein Pro­to­koll zur Daten­über­tra­gung. Die­ses Pro­to­koll muss man z.B. auch im Brow­ser immer vor die Adres­se stel­len ( http ftp https ftps … ). Wenn man die Paa­re ohne „Pro­to­koll­of­fen­le­gung“ durch­tauscht, gibt es Pro­ble­me, die ganz typisch auch bei der Inter­ak­ti­on von IT-Sys­te­men auf­tre­ten. Dann fand eine Opti­mie­rung des Algo­rith­mus in Pha­se 3 statt, der im Prin­zip meist auf Daten­kom­pres­si­on hin­aus­läuft – und schon haben wir einen bun­ten Rei­gen von infor­ma­ti­schen und all­tags­re­le­van­ten The­men auf dem Tisch – durch­aus auch auf Grund­schul­ni­veau.

 

 

 

 

Den Schulen Freiheiten bei der Geräteauswahl geben?

Die idea­le Aus­gangs­si­tua­ti­on

Es gibt ein Medi­en­zen­trum eines Land­krei­ses. Es beschäf­tigt zwei Tech­ni­ker und einen Sys­tem­ad­mi­nis­tra­tor, um fol­gen­des für die Schu­len in Trä­ger­schaft des Land­krei­ses zu leis­ten:

  • Ent­wick­lung von Infra­struk­tur an Schu­len (Inter­net­zu­gang, Ver­net­zung, WLAN, Prä­sen­ta­ti­ons­tech­nik)
  • Koor­di­na­ti­on mit dem Hoch­bau­amt des Land­krei­ses, z.B. bei Elek­tro­in­stal­la­ti­ons­ar­bei­ten)
  • War­tung und tech­ni­scher Sup­port
  • Aus­schrei­bung und Beschaf­fung von End­ge­rä­ten
  • Abwick­lung von Garan­tie­fäl­len
  • ver­läss­li­che Ver­tre­tungs­re­ge­lun­gen bei Aus­fall von Sup­port­mit­ar­be­ten­den
  • usw.

Zusätz­lich sind zwei Medi­en­päd­ago­gen am Medi­en­zen­trum ange­dockt, zwei Mit­ar­bei­ter küm­mern sich um Medi­en­ver­leih und Gerä­te­aus­lei­he (Licht­tech­nik, Beschal­lung, Film- oder Foto­aus­rüs­tung, Geo­caching­ge­rä­te, iPad-Kof­fer u.v.m.) und das Medi­en­zen­trum beschäf­tigt dar­über­hin­aus noch eine Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst­leis­te­rin sowie einen Jah­res­prak­ti­kan­ten.

Das Medi­en­zen­trum betreut nur die Land­kreis­schu­len auch tech­nisch, ansons­ten aber alle Schu­len und außer­schu­li­sche Bil­dungs­trä­ger mit Bera­tung und kos­ten­lo­ser Gerä­te­aus­lei­he.

Sol­che Medi­en­zen­tren gibt es, nicht vie­le, aber es gibt sie. Ob sie wirk­lich will, muss man ent­schei­den, wenn man hier wei­ter­liest.

Die oft anzu­tref­fen­de Ver­gan­gen­heit

In der Ver­gan­gen­heit haben Schu­len mit ihren Haus­halts­mit­teln Anschaf­fun­gen und bau­li­che Maß­nah­men im Bereich der IT-Tech­nik allein gestal­tet. Dazu konn­ten sie teil­wei­se Titel­grup­pen im Haus­halt rela­tiv frei ver­schie­ben. Dabei sind Net­ze und Gerä­te­parks ent­stan­den, die weit­ge­hend undo­ku­men­tiert vor sich hin­wer­keln. Tech­ni­scher Sup­port wur­de von exter­nen Dienst­leis­tern auf Stun­den­ba­sis über­nom­men, die meist meh­re­re Stun­den damit ver­bracht haben, zunächst zu ver­ste­hen, wie bestimm­te Din­ge vor Ort über­haupt funk­tio­nie­ren, bevor sie hel­fend aktiv wer­den konn­ten. Wenn der Tech­nik­papst­leh­rer vor Ort aus­fiel, fiel das Netz mit ihm aus.

Der Ent­wick­lungs­stand ein­zel­ner Schu­len ist dabei sehr unter­schied­lich und nicht zuletzt auch davon abhän­gig, wie ver­netzt und ein­fluss­reich Schul­lei­tun­gen in der Regi­on posi­tio­niert sind. Der eine kann Dritt­mit­tel in fast unbe­grenz­ter Höhe ein­wer­ben, der ande­re hat immer noch einen PC-Raum mit Win­dowsXP.

Die Her­aus­for­de­run­gen in einer sol­chen Struk­tur

  1. Wenn man bei Pro­ble­men schnell inter­ve­nie­ren will, kann das in der Flä­che nur funk­tio­nie­ren, wenn ich einen Groß­teil der Auf­ga­ben per Fern­war­tung erle­di­gen kann.
  2. Wenn man vor Ort Pro­ble­me lösen muss, ist eine gute Doku­men­ta­ti­on und weit­ge­hen­de Stan­dar­di­sie­rung uner­läss­lich.
  3. Man braucht z.B. im Bereich von WLAN- oder MDM-Sys­te­men zwin­gend man­dan­ten­fä­hi­ge Lösun­gen, d.h. bestimm­te Din­ge muss die jewei­li­ge Schu­le selbst für sich ent­schei­den dür­fen und ande­re Din­ge müs­sen zen­tral steu­er­bar sein, weil ich ansons­ten als Dienst­leis­ter im Extrem­fall n (=Anzahl der Schu­len) ver­schie­de­ne Sys­te­me bedie­nen kön­nen muss.
  4. Auch bei Platt­for­men macht es durch­aus Sinn, ein­heit­li­che Lösun­gen zu ver­wen­den, da LuL und SuS dann z.B. beim Schul­wech­sel ihre gewohn­te Umge­bung in ihrer gewohn­ten Kon­fi­gu­ra­ti­on vor­fin­den.
  5. Schu­len ver­lie­ren bei die­sem Anspruch aber zwangs­läu­fig Auto­no­mie im Bereich ihrer Finanz­pla­nun­gen, die bis­her immer bestan­den hat. Infra­struk­tur kann nicht ein­fach so beschafft wer­den, wenn gleich­zei­tig der Anspruch besteht, dass der Trä­ger sie ver­läss­lich war­ten soll.
  6. Die auto­di­dak­ti­schen  „Tech­nik­päps­te“ vor Ort ver­lie­ren an Ein­fluss und Aner­ken­nung.
  7. Die Gna­de der Tech­ni­schen Betreu­ung ergießt sich auf alle Schu­len glei­cher­ma­ßen. Dabei ver­lie­ren die bis­her star­ken Sys­te­me, aber es gewin­nen die bis­her ver­nach­läs­sig­ten Schu­len.

Die letz­ten drei Punk­te machen in sol­chen Struk­tu­ren übri­gens gefühlt 98% der Arbeits­zeit aus.

Jetzt ergibt sich ein her­aus­for­dern­der Spa­gat: Einer­seits brau­chen Schu­len spe­zi­ell bei der Aus­wahl von End­ge­rä­ten natür­lich päd­ago­gi­schen Hand­lungs­spiel­raum, ande­rer­seits muss die tech­ni­sche Betreu­ung die­ser Gerä­te leist­bar sein.

Extrem­bei­spie­le (lei­der rea­le aus der Bera­tungs­pra­xis):

  • Eine Schu­le kauft nach päd­ago­gi­scher Bera­tung bei Media­markt 50 iPads und for­dert vom Trä­ger einen Klau­sur­mo­dus.
  • Eine Schu­le möch­te auf BYOD-Gerä­ten arbei­ten und for­dert vom Trä­ger, dass die­ser alle Schü­ler­ge­rä­te in die Schul­do­mä­ne ein­bin­det.
  • Eine Schu­le beschafft ein Pro­gramm zur Lern­stands­er­he­bung und ver­langt vom Trä­ger die Anbin­dung an das AD der Schu­le.
  • Eine Schu­le nimmt 50 gespen­de­te PCs an und ver­langt vom Trä­ger Hard­ware­sup­port dafür

Es darf nicht dazu kom­men, dass eine Schu­le auto­nom eine Ent­schei­dung trifft, die an ande­rer Stel­le unleist­ba­re Arbeit­pro­zes­se erzeugt. Es darf auch nicht dazu kom­men, dass der Trä­ger ein­sei­ti­ge Vor­ga­ben im Bereich der Aus­stat­tung macht. Das pas­siert aber immer genau da, wo es kein Gegen­ge­wicht in Form von medi­en­päd­ago­gi­schen Blick­win­keln gibt. Des­we­gen ist für mich eine Bera­tung hin­sicht­lich der Anschaf­fung von End­ge­rä­ten ohne Umfeld­ana­ly­se („Mal im Schul­amt Kaf­fee trin­ken“, „Infra­struk­tur ana­ly­sie­ren“, „Sta­ke­hol­der erfra­gen“) immer kri­tisch zu sehen.

Der Ide­al­fall ist für mich ein part­ner­schaft­li­cher Umgang mit­ein­an­der, bei dem ein Part­ner den ande­ren mit­denkt und ein­be­zieht.

Wenn der Trä­ger aus der Rol­le des „Beschaf­fers“ und „Pflicht­er­fül­lers“ und die Schu­le im Gegen­zug aus der Rol­le des „Bitt­stel­lers“ her­aus­kommt, sind nach mei­ner Erfah­rung viel mehr Din­ge mög­lich.

Lei­der sind die­se Rol­len­bil­der in so man­cher Regi­on ziem­lich ver­här­tet. Und lei­der bringt ein sol­ches Ver­hält­nis natür­lich auch Auto­no­mie­ein­bu­ßen mit sich – vor allem bei Schu­len, die bis­her sehr gut auf­ge­stellt waren.

Etwas zu aktu­el­len Ten­den­zen bei End­ge­rä­ten

Ich hal­te momen­tan iPads aus tech­ni­scher und War­tungs­sicht für abso­lut alter­na­tiv­los. Das Preis-/Leis­tungs­ver­hält­nis stimmt, es gibt sehr brauch­ba­re MDM-Lösun­gen dafür, die Ein­satz­mög­lich­kei­ten im Unter­richt (z.B. als mobi­le Doku­men­ten­ka­me­ra) sind viel­fäl­tig. Es hat für mich einen pri­mär tech­ni­schen Grund, war­um sich die­se Lösung momen­tan stark ver­brei­tet. Es wird noch etwas dau­ern, bis von ande­ren Her­stel­lern ver­gleich­ba­re und glei­cher­ma­ßen bezahl­ba­re Ange­bo­te kom­men.

Die aus mei­ner Sicht Zemen­tie­rung des klas­si­schen Unter­richts­mo­dells z.B. in der Class­room-App fin­de ich schwie­rig. Ich lese bis­her wenig aus der iPa­ded-Ecke zum The­ma „Modi­fi­ca­ti­on“ oder „Rede­fi­ni­ti­on“. Viel­leicht sehe ich das auch nicht – auf Table­te­vents kommt das in Pro­gramm­hef­ten neben viel „Knöpf­chen­kun­de“ aber all­mäh­lich. Ich weiß auch nicht, wie es mit der Daten­schutz­fra­ge bei 1:1-Geräten jetzt genau aus­schaut – bei schul­ei­ge­nen Gerä­ten scheint das brauch­bar gelöst zu sein. Der Ansatz, dem Nut­zer mög­lichst viel bei der Bedie­nung abzu­neh­men, ist nicht so mei­ner mit Blick auf die Not­wen­dig­keit infor­ma­ti­scher Grund­kom­pe­ten­zen in der Zukunft.

Kei­ne Rol­le wer­den iPads wei­ter­hin in tech­ni­schen Berei­chen oder im Kon­text von Berufs­ori­en­tie­rung spie­len, also über­all, wo es um Fach­an­wen­dun­gen geht. Da ist im gra­phi­schen und audio­vi­su­el­len Bereich wei­ter­hin Apple mit sei­nen iMacs sehr stark, ansons­ten wird wohl Micro­soft noch ein wenig das Feld beset­zen.

Per­sön­lich blei­be ich Linu­xer. Ohne zwei offe­ne Ter­mi­nal­sit­zun­gen bin ich nicht glück­lich. Die Zukunft sehe ich in ser­ver­ba­sier­ten Anwen­dun­gen („Web-Apps“), die gerä­te­un­ab­hän­gig genutzt wer­den kön­nen und auf frei­er Soft­ware basie­ren. Zusätz­lich wer­den Vir­tua­li­sie­rung bzw. vir­tu­el­le Desk­tops gera­de auch im Kon­text von Prü­fun­gen eine gewal­ti­ge Rol­le spie­len.

 

 

Digitalpakt, Lobbyismus, Rolle des Staates und Erfahrungen vor Ort

Prolog

Eines vor­weg: Ich bin bin weder Wis­sen­schaft­ler, ich betrei­be kei­ne Bera­tungs­agen­tur, ich habe vor dem Ver­fas­sen die­ses Arti­kels nicht recher­chiert und bin einer von die­sen zu Beam­ten erzo­ge­nen Men­schen ohne krea­ti­ven Kopf, der den Anschluss an die rea­le Welt ver­lo­ren hat.

Wenn ich alle die­se in den sozia­len Medi­en hoch­ge­lob­ten und oft ver­link­ten und geli­ke­ten Arti­kel lese, ist mein ers­ter Impuls, unglaub­lich wütend und ran­tig zu wer­den, obwohl Men­schen wie ich natür­lich mit den Vor­wür­fen nicht gemeint sind.

Mein zwei­ter Impuls ist, arro­gant zu wer­den und all die­sen Leu­ten mal zu sagen, wel­chen Schwach­sinn sie ver­brei­ten, weil ich der­je­ni­ge bin, der die Weis­heit mit Löf­feln gefres­sen hat, weil er an der „Basis der Digi­ta­li­sie­rung“ arbei­tet. Das ist ein Impuls. In Wahr­heit gibt es sehr vie­le Schnitt­men­gen zwi­schen mir und den Aus­sa­gen der Tex­te. Nur haben sie es nicht so dar­ge­stellt, wie ich es dar­stel­len wür­de.

Ich bin Leh­rer. Ich muss alles noch­mal mit eige­nen Wor­ten sagen. Sonst geht mir kei­ner ab. Die­se Eigen­schaft wird vie­len Lehr­kräf­ten zuge­schrie­ben, aber nur auf weni­ge trifft es zu, z.B. auf mich.

Des­we­gen arbei­te ich im Fol­gen­den mit Glau­bens­sät­zen und nicht mit wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten Aus­sa­gen.

Glaubenssatz 1: Geld ist nicht das Problem

Wir leben in einem rei­chen Land und kön­nen spon­tan Aus­lands­ein­sät­ze und Ret­tungs­schir­me finan­zie­ren, aber auch Hun­dert­tau­sen­de von Men­schen bei uns auf­neh­men. Für die Schu­len tun wir alles allen­falls ganz vor­sich­tig, weil die­se kei­ne Lob­by haben und weil man sich Bil­dungs­po­li­tik in die­sem Land die Fin­ger ver­brennt. Wah­len ver­liert.

Und die Finan­zie­rung der Schu­len ist kom­plex gere­gelt. Per­so­nal bezahlt das Land (aber nur das leh­ren­de), Sach­mit­tel die Kom­mu­ne. Sage ich als Polit­ker „Digi­ta­li­sie­rung“, habe ich die kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de am Sack, weil die die Aus­stat­tung dafür finan­zie­ren müs­sen.

In die­ser Struk­tur wird das nichts bzw. es wird nicht schnell genug irgend­was, aber an die­se Struk­tur will auch kei­ner ran. Dar­an ver­brennt man sich die Flos­sen. Daher ste­hen bestimm­te Schu­len (z.B. die in mei­nem Land­kreis) viel, viel bes­ser da als ande­re. Geld ist da, aber ungleich ver­teilt. Glei­che Ver­tei­lung bedeu­tet, dass Kom­mu­nen Auto­no­mie auf­ge­ben müs­sen. Wer kann das in einer Kom­mu­ne wol­len? Bei Bil­dung weiß doch jeder Bescheid.

Selbst wenn man das auf die Rei­he bekommt: Dann hängt da halt erst­mal Hard­ware. War­um soll­te es die­ser anders erge­hen als den Sprach­la­bo­ren der 80er-Jah­re?

Glaubensatz 2: Der Staat ist nicht konkurrenzfähig

Neh­men wir den Faden von Glau­bens­satz 1 wie­der auf und da hängt jetzt Hard­ware. Irgend­wer muss das Zeugs aus­schrei­ben, beschaf­fen, war­ten, inven­ta­ri­sie­ren, ver­si­chern usw.. Dafür braucht es Per­so­nal, Fach­per­so­nal. Das fehlt aber schon in der Wirt­schaft. Nur ist die nicht an Tarif­ver­trä­ge gebun­den und zahlt mehr. Zudem muss man sich als explo­ra­ti­ver, krea­ti­ver Geist dort nicht mit Ver­wal­tungs­ver­fa­hen, Rech­nungs­prü­fungs­äm­tern, euro­päi­schen Aus­schrei­bungs­gren­zen und stän­dig wech­seln­dem Per­so­nal im Schul­amt aus Angst vor Kor­rup­ti­on aus­ein­an­der­set­zen.

Klar wäh­le ich dann als Sys­tem­ad­mi­nis­tra­tor mit Mas­ter die Exy-Stel­le in der öffent­li­chen Ver­wal­tung. Die Schu­len prü­geln mich, weil sich Pro­zes­se ewig lang­zie­hen und das Rech­nungs­prü­fungs­amt prü­gelt mich, weil For­ma­lia in der Aus­schrei­bung nicht pas­sen. Und außer­dem weiß sowie­so nie­mand so recht, wie man euro­pa­weit aus­schreibt und man will eigent­lich viel lie­ber stü­ckeln, damit man beschränkt aus­schrei­ben kann. Dann ist z.B. im Rah­men einer Medi­en­ent­wick­lungs­pla­nung zwar Geld da, aber nüt­zen tut es trotz­dem nichts.

Glaubenssatz 3: Die Fachbetriebe wissen nicht, wo sie hingreifen sollen

Neh­men wir den Faden von Glau­bens­satz 2 wie­der auf und wir haben jetzt super­du­per Per­so­nal und die Aus­schrei­bung ist rechts­kon­form gelau­fen. Huch! Es gibt kei­ne Ange­bo­te. Oder es dau­ert ewig und kos­tet Engels­zun­gen. Wer als Fach­be­trieb oder Sys­tem­haus etwas kann, hat den Arsch voll mit Arbeit und Auf­trä­gen. War­um soll ich als Elek­tro­in­stal­la­ti­ons­be­trieb in einem Putz­bau Schlit­ze klop­pen, wenn ich in einem Roh­bau in der glei­chen Zeit meter­wei­se Kabel an die Wand nageln kann? War­um soll ich mich als Sys­tem­haus mit den Eigen­hei­ten von Schu­len aus­ein­an­der­set­zen, wenn mir in einer Fir­ma ein it-ver­sier­ter Mit­ar­bei­ter als Ansprech­part­ner wäh­rend der Umset­zungs­pha­se zur Ver­fü­gung steht?

Glaubenssatz 4: Haltungen sind das dickste Brett

Neh­men wir den Faden von Glau­bens­satz 3 wie­der auf, wir haben jetzt super­du­per Per­so­nal, die Aus­schrei­bung ist rechts­kon­form gelau­fen, die Hard­ware hängt und wird fach­kun­dig gewar­tet.

Wenn es in die­ser Rei­hen­fol­ge läuft, ist es schon ganz falsch. Wer Schu­len abge­se­hen von Inter­net­an­schluss, Schul­ser­ver­lö­sung, Netz­ver­ka­be­lung, WLAN und Prä­sen­ta­ti­ons­sys­te­men nicht von vorn­her­ein an Aus­stat­tungs­pro­zes­sen betei­ligt, macht eh nichts rich­tig.

Und: Wer führt mit Kol­le­gi­en Gesprä­che? Wer bil­det fort? Wer zeigt Mög­lich­kei­ten auf, die rea­li­sier­bar sind? Wer bringt Men­schen auf Ide­en und in den Flow? Wer arbei­tet an Hal­tun­gen? Wer steu­ert in lau­fen­den Pro­zes­sen stän­dig nach? Wer ver­netzt Men­schen? Wer behält den Über­blick?

Fazit

Bei uns in der Gegend arbei­ten wir ganz genau in die­sen Span­nungs­fel­dern. Mal ver­liert man dabei und mal gewin­nen die ande­ren. Ich wür­de aus der Erfah­rung der letz­ten Jah­re genau eines nie tun: Behaup­ten zu wis­sen, wie man das alles auf die Rei­he bekommt. Eini­ges klappt sehr gut, für eini­ges ver­han­deln wir Lösun­gen, ande­res klappt noch über­haupt nicht. Jede Woche gibt es ech­te Tief­schlä­ge, jede Woche gehen Din­ge vor­an und lösen sich Kno­ten. Eine exter­ne Bera­tungs­agen­tur ist dabei ein rela­tiv klei­nes Mosa­ik­stein­chen, obwohl der Anspruch in bun­ten Wer­be­pro­spek­te da oft ein ande­rer ist. Hier vor Ort gibt es Men­schen und Betrie­be mit viel Idea­lis­mus und sozia­ler Ader, aber auch einem Bewusst­sein um die Wich­tig­keit der Digi­ta­li­sie­rung für den Stand­ort.

Bun­des­wei­te Initia­ti­ven zum Coding oder die For­de­run­gen nach Trans­pa­renz sind in die­sem Kon­text unglaub­lich lieb gemeint. Eben­so lieb gemeint ist die Idee, jede HIl­fe von außen anzu­neh­men. In mei­nen Augen aber naiv-lieb.

Lei­der wird dadurch meist ledig­lich eines erreicht: Mehr Kom­ple­xi­tät und einem ja ohne­hin schon sehr ein­fa­chen Feld (s.o.). Die Arbeit fängt nach dem Poli­ti­ker­pres­se­bild mit gestif­te­ter Hard­ware an. Da sind dann aber regel­mä­ßig alle von außen weg. Auch und gera­de die Pres­se. Selt­sam.

 

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