Appleprodukte und ich

vom 19. Januar 2012, in Gesellschaft, von Maik Riecken

Halina Zaremba / pixelio.de

 

Unter Eltern ist folgende Anekdote bekannt:

“Mein Kind ist seine Mandarine nur, wenn ich sie ihm geschält und zerlegt in die Tupperdose lege. Tue ich das nicht, kommt sie ungegessen wieder zurück. Das ist jeden Morgen echt ein ziemlicher Aufwand und eigentlich kann es doch nicht so schwer sein, die Mandarine selbst zu schälen! Aber ich will doch, dass mein Kind Obst isst. Was soll ich nur tun? Mich nervt das!”

Kinder sind heute sowohl im Kindergarten als auch in der Schule nicht unerheblichen Belastungen ausgesetzt. Nicht selten ginge die Schälzeit von wertvoller Spielzeit ab. Gleichwohl wird diese durch Lebenszeit der Erwachsenen bezahlt – je nachdem wie man seine Elternrolle auffasst, wird man in solchen oder ähnlichen Situationen reagieren, in denen man eine Entscheidung zwischen “Selbstständigkeit fördern” und “Bewahren vor nicht kindgerechten Belastungen” zu treffen hat. Das Mandarinenbeispiel dürfte eines der harmloseren sein. Natürlich hätte ich persönlich auch lieber eine geschälte Mandarine in meiner Frühstücksdose! Mein Alltag ist auch voller Belastungen und alles, was mir das Leben leichter macht, ist zunächst einmal positiv für mich – das sollte ich mir einfach wert sein.

Ich halte Appleprodukte für eine geschälte und zerlegte Mandarine. Apple hat mein Bedürfnis nach Erleichterung begriffen und gibt mir durch ein funktionales und hervorragendes Design eine echte Entlastung in meinem Lehreralltag.

Trotzdem will ich, ich ganz persönlich, Apples geschälte Mandarine nicht. Das hat mit den ideellen Kosten zu tun, die für mich zu hoch sind, dass ich nach wie vor lieber selbst schäle oder eben dafür andere Werkzeuge einsetze. Wäre ich nicht zusätzlich der Überzeugung, dass der technische Ansatz von Apple auch Auswirkungen auf die Gesellschaft hat, zögerte ich keine Minute, selbst eine iPad-Klasse ins Leben zu rufen. An Möglichkeiten dazu fehlt es hier vor Ort im Gegensatz zu anderen Landkreisen definitiv nicht. Finanziell stehen wir glänzend ausgestattet da. Um zu erklären, warum ich nicht auf den gerade anrollenden Zug aufspringe, muss ich etwas ausholen.

Apple verkauft proprietäre Appliances, d.h. eine Verbindung aus Hard- und Software. Apple tut sehr viel dafür, dass sich beide Komponenten nicht ohne Weiteres trennen lassen. Das gelingt der Firma im Bereich der Mobilgeräte z.Zt. natürlich weitaus besser als im Desktopumfeld.

Eine Appliance hat Vorteile:

  1. Sie funktioniert
  2. Sie besitzt eine konsistente Oberfläche
  3. Sie hat eine intuitive Oberfläche, die sich mühelos bedienen lässt
  4. Sie ist durch das geschlossene Konzept wartungsarm und zuverlässig
  5. Im Falle vom Appleprodukten sind die Geräte langlebig und hochwertig verarbeitet

Eine Appliance hat Nachteile:

  1. Jede Funktion der Appliance ist abhängig vom Hersteller der Appliance
  2. Eine Appliance ermöglicht genau das, was der der Hersteller der Appliance ermöglichen will
  3. Eine Appliance ist nicht transparent
  4. Die Sicherheit der Appliance bewegt sich im Rahmen der Sicherheitsvorstellungen des Herstellers
  5. Was die Appliance tut, entzieht sich gängigen Kontrollmechanismen. Vertrauen ist angesagt.

Und – für mich sehr wichtig: Mit einer Appliance lernt man, die Mandarine zu essen und zu genießen, nicht sie zu schälen. Zudem wird man bald erwarten, dass alle Mandarinen geschält sind und sie nur noch so akzeptieren. Ob das ok ist oder nicht, muss jeder für sich entscheiden und der Kontext spielt zusätzlich eine Rolle: Wenn eine Appliance in einem eng begrenzten Umfeld etwas macht, was Experten (huch – die sollen doch bald überflüssig sein?) besser können als ich, dann ist das absolut sinnvoll – Firewalls für Rechenzentren sind oft als Appliance realisiert. Wenn eine Appliance jedoch wesentliche kommunikative Abläufe in meinem Leben strukturiert und bestimmt, dann tue ich mich schwer damit. Mein “Nichtexpertentum” ist diesem Bereich für einen Anbieter Kapital – und zwar nicht bezogen auf eine hochspezialisierte Nische.

IT beherrscht unser Leben. Informatik ist für mich ein Fach, welches z.B. zeigt, wie man Mandarinen schält, welche unterschiedlichen Ansätze dafür existieren und wie sich der Prozess des Schälens optimieren lässt. Wer keine Mandarinen schälen kann, ist auch anfällig dafür, mit einem Kolbenfresser auf der Autobahn liegenzubleiben, weil der Bordcomputer den defekten Öldrucksensor nicht gemeldet hat. Der Blick unter die Motorhaube auf den Peilstab ist heute eben nicht mehr zeitgemäß.

Ich habe Freude am Verstehen. Ich habe Freude daran, hinter die Fassaden zu schauen. Ich freue mich über einfache und geniale Lösungsstrategien, die ganz andere Wege gehen. Ich möchte das Menschen vermitteln. Dafür muss ich Mandarinen haben, die noch eine Schale besitzen. Ein Appleprodukt hat für mich keine Schale mehr. Allein das saftige, perfekt freigelegte Fruchtfleisch bleibt. Ich möchte eine Mandarine sehen, wie sie ist und nicht wie sie mir jemand mundgerecht in die Obstdose gelegt hat. Deswegen benutze ich OpenSource, deswegen bekomme ich von den “Technikaffinen” oft genug den Stempel “Nerd” – nicht weil die Mandarinen da nicht geschält wären, sondern weil ich das Ganze sehe könnte, wenn ich wollte und Zeit hätte. Das ist meine Vorstellung von Unabhängigkeit. Ja – und ich genieße auch das Staunen anderer Menschen, wenn sie fragen: “Wie machst du das nur?” – Meine Anwort: “Ich schäle Mandarinen selbst. Schon ganz schön lange.”

PS: Keine Sorge. Ich baue auch Netze für geschälte Mandarinen inkl. Genießerkurse. So realistisch bin ich dann schon.

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Riecken und die Verlage – Teil 3

vom 1. November 2011, in Gesellschaft, von Maik Riecken

Auf netzpolitik.org gab es gestern interessantes Material über einen geplanten “Schultrojaner” zu lesen. Hier noch einmal in aller Kürze der bisher bekannte Sachverhalt:

  1. Es gibt einen Vertrag zwischen den Kultusministern der Länder und dem Dachverband der Schulbuchverlage.
  2. 1% der Schulen sollen mit einer Software ausgestattet werden, die innerhalb des Schulnetzwerks automatisch urheberrechtlich geschütztes Material ausfindig macht
  3. UPDATE: Die dabei gefundenen Daten werden an den Schulträger(!) übermittelt (der ist nicht der disziplinarisch Vorgesetzte) -
  4. Der Dienstherr soll durch disziplinarische Maßnahmen dafür Sorge tragen, dass dem Urheberrecht an Schulen genüge getan wird

Darüber war auf den üblichen Plattformen und auch in der Blogossphäre viel Empörung zu lesen und auch sinngemäß Sätze wie:

  1. Schulbuchverlage sind in der neuen Wissensgesellschaft überflüssig.
  2. Schulbuchverlage verdienen keinen Dialog.
  3. Schulbuchverlage produzieren minderwertiges Material
  4. Schulbuchverlage verdienen sich auf Kosten der Allgemeinheit dumm und dämlich

Das Feindbild steht also fest – oftmals generalisiert, pauschal, extrem. Ich hoffe inständig, dass dieses Verhalten nicht die oft proklamierte “neue Wissensgesellschaft” repräsentiert. Auch ich habe Probleme mit Verlagen. Ich möchte bloß gerne zwischen “Verlag” und “Verhalten von Verlagen” differenzieren.

Der 1. Skandal

Das mit dem Schultrojaner verbundene Verhalten verdient extreme Reaktionen. Hier nimmt Privatwirtschaft öffentliche Institutionen in die Pflicht, für Konsequenzen in zivilrechtlichen Fragen zu sorgen. Das ist der erste Skandal.

Ich bin Administrator eines Schulnetzwerks. Würde ich angewiesen, diese Software auf Schulsystemen zu installieren, wäre diese Anweisung wahrscheinlich rechtswidrig. Dem Disziplinarverfahren gegen mich aufgrund meiner Weigerung sähe ich gelassen entgegen. Alternativ würde mich das zur Einleitung einer Dienstaufsichtsbeschwerde zwingen.

Es wird schon allein deswegen rechtswidrig sein, weil natürlich Vereinbarungen bezüglich dieser Überwachung mit den Personalvertretungen der Lehrkräfte getroffen werden müssten, damit “Verstöße” überhaupt disziplinarrechtlicht geahndet werden könnten. Die Personalvertretung verdiente ihren Namen nicht, wenn sie sich darauf einließe, staatliche Institutionen zur Durchsetzung zivilrechtrechtlicher Interessen der Privatwirtschaft zu funktionalisieren.

Die Verlage müssten eigentlich direkt gegen ihre “Kunden” vorgehen – das ist natürlich problematisch für den Umsatz. Der Schultrojaner, der technisch keiner ist und den es noch nicht einmal geben dürfte, scheint da der “bessere” Weg zu sein – der nun tobende Shitstorm dürfte die Marketingabteilungen wahrscheinlich etwas beschäftigen.

Der 2. Skandal

Der zweite Skandal würde darin bestehen, dass  mein Dienstherr seinen Sorgfalts- und Fürsorgepflichten mir gegenüber nicht nachkäme, wenn er tatsächlich einen Vertrag unterzeichnet, der potentiell rechtswidrige Formulierungen und Bedingungen enthält. Von mir als Beamter werden stets akkurate Befolgung der gesetzlichen Vorgaben erwartet und eben Loyalität – die funktioniert aber nur, wenn sie zweiseitig angelegt ist. Mir liegen keine gesicherten Informationen darüber vor, wie sich mein Dienstherr tatsächlich verhalten hat und wie die diskutierten Passagen des Vertrages tatsächlich rechtlich zu bewerten sind.

Technische Betrachtungen

Da es für die Kopie in Papierform mittlerweile recht liberale und pragmatische Regelungen gibt – und auch pauschale Vergütungssätze für die Verlage, muss ein Schultrojaner es vor allen Dingen auf digitalisierte Buchseiten und Arbeitsblätter sowie nicht lizensierte Verlagssoftware “abgesehen” haben. Während letztere durch recht einfache Heuristiken zu erkennen sein dürfte, sieht das bei digitalisierten “Papieroriginalen” schon ganz anders aus, denn:

  1. Wie soll ein solches Programm Verlagsinhalte “sicher” erkennen, ohne wahllos alle Dateien einem “Deep”-Scan zu unterziehen, der zusätzlich auch noch auf OCR-Mechanismen zurückgreifen müsste?
  2. Wie soll ein solches Programm “unlizensiertes Material” melden?
  3. Wie soll ein solches Programm in heutigen Schulnetzen zwischen Privatgeräten mit Ordnerfreigaben und Schulrechnern unterscheiden?
  4. Ist die Datei auf des Festplatte des Schulkopierers eine unlizensierte “digitale Kopie”? (Das Ding müsst ihr euch echt mal ansehen…)
  5. usw.

Schlussendlich: Wie kann ein solches Programm im Einklang mit geltenden Datenschutzrichtlinien überhaupt arbeiten?

Unqualifizierter Seitenhieb: Den Datenschutz wollen ja viele sowieso abschaffen – das Problem bestünde dann natürlich nicht…

Warum ich Verlage als Institution nicht so generell doof finden kann

  1. Auch eine utopische Gesellschaft mit bedingungslosem Grundeinkommen basiert auf Formen von Wertschöpfung, gerade in einer globalisierten Welt
  2. Nicht jeder gute Autor ist in der Lage, selbst im Netz geeignete Strategien zu finden, um seine wirtschaftliche Existenz zu sichern, bzw. Wertschöpfung für eine auf bedingungslosem Grundeinkommen basierende Gesellschaft zu betreiben.
  3. Nicht das gesamte Material in den Backlisten von Verlagen ist völlig ungeeignet und schlecht – als Steinbruch taugt z.B. auch unvollkommenes Material
  4. Nicht jeder Verlag legt tyrannisch fest, was zu lernen ist. Ich beobachte zurzeit im Bereich des Unterrichtsmaterials eine Flexibilisierung und Diversifizierung – weil der Wissenskanon eben nicht durch Verlage, sondern vielmehr durch Curriculumskommissionen vorgegeben wird. Das wird m.E. das “trojanische Pferd” für Veränderungen in der Schulbuchverlagslandschaft werden.
  5. Es gibt Verlage, die mich fair behandelt haben. Das waren kleine, engagierte Unternehmen mit Netzaffinität und neuen Ideen für die eigene Wertschöpfung.
  6. Mir macht das inhaltliche Niveau von manchen Diskussionsprozessen im Netz schon sehr viel Sorge – z.B. beobachte ich, dass bei der Bewertung netzpolitischer Themen (z.B. Datenschutz, Facebook) oftmals m.E. völlig naiv und selektiv diskutiert wird, indem man sich das aus Texten heraus liest, was man sofort und ohne Mühe versteht – wer hat sich schon intensiv mit den Wiresharkprotokollen zu den Facebookcookies auseinandergesetzt? Da wäre aufbereitetes Material von den oft ach so verpönten Experten manchmal nicht schlecht, um auch als Laie zu wissen, wovon ich da eigentlich rede – ich könnte das verstehen, aber ich habe nicht die Zeit dafür… Die kaufe ich mir halt. Dabei können Verlage z.B. durch Lektoratsdienstleistungen durchaus helfen.
  7. usw.

Mir gefällt vieles nicht an (Groß-)Verlagen. Ich habe aber auch nichts dagegen, dass sie Wertschöpfung betreiben, z.B. für mein Grundeinkommen. Im Web2.0 werden ja auch in freundschaftlicher Atmosphäre z.B. Kurse vertickt, für deren Inhalte man bezahlt. Die Verlage haben viel versäumt – z.B. sich zu überlegen, wie ihre eigene Wertschöpfung in der digitalen Welt funktionieren kann, wie sie faire Autorenverträge hinbekommen, die motivieren, wie sie… 999 Punkte, die es zu diskutieren gilt und die eng miteinander verknüpft sind. Aber ob wir sie nicht mehr brauchen in der “Wissensgesellschaft”? Wer weiß das? Ich zumindest nicht. Meine Glaskugel scheint im Gegensatz zu anderen Glaskugeln einfach nur kaputt zu sein.

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Riecken und die Verlage II

vom 3. Februar 2011, in Gesellschaft, von Maik Riecken

Zur Fairness gehört es für mich, nicht nur zu schimpfen, sondern auch auf Verbesserungen und Reaktionen hinzuweisen. Auf dem Verlagssektor hat sich da in letzter Zeit doch einiges getan, was mich sehr freut.

  1. Der Verlag20 hat seine AGB recht grundsätzlich überarbeitet und ich sehe die Autorenrechte nach meiner laienhaften Lektüre nunmehr gestärkt. Man könnte hie und da immer noch meckern, aber den generellen Weg finde ich so schlecht nicht. Das Angebot ist recht breit und zumindest im Bereich Chemie gibt es recht schönes Material zurzeit sogar kostenlos zum Download – das wird sich aber ändern. Ich war kurz davor, einen kleinen Bot zu schreiben, der angemeldete Nutzer und tatsächlich produzierende Nutzer einmal statistisch auswertet – wahrscheinlich kommt da aber lediglich die übliche Verteilung (5% : 100%) bei herum. Die Plattform speist sich aus einem Verlags- und einem Autorenangebot. Für mich kommt eine Beteiligung dort nicht in Frage, weil es nicht unbedingt Geld ist, was mir im Leben fehlt und mir die Reichweite meines Blogs eigentlich voll und ganz genügt. Und für diese Reichweite ist es eben sehr wichtig, dass Texte von Suchmaschinen vollständig indiziert sind. Dagegen sträuben sich Verlage natürlich immer noch ziemlich – mein Material wäre dort also “outer space”. Und wer immer wieder gegen Apple wettert, darf sich konsequenterweise dann bei sowas nicht beteiligen :o)…
  2. Heute lag ein Freiexemplar “Wikis, Blogs und Podcasts” von Will Richardson bei mir im Briefkasten. Gönnerhafter Spender ist TibiaPress. Vorausgegangen ist ein sehr netter und personalisierter Kontakt mit den Mitarbeitern dort. Mein Blog wird dort als Lehrerblog mit Screenshot ganz ein bisschen erwähnt. Allein deswegen sollte man das Buch kaufen. Öhm… Nein, natürlich nicht deswegen: Es gibt z.B. einen schönen “Rahmenvertrag”, der Eltern darüber aufklärt, warum sich z.B. das Bloggen mit einer Schulklasse lohnt. Es gibt viele Brückentexte, die erklären helfen, warum langhaarige Spinner wie ich mit Klassen bloggen, E-Portfolios betreiben und so anderes modernes Zeugs machen – z.B. für kritische KuK oder Eltern.

Achso – ich bekomme kein Geld für diesen Artikel. Wir werden das Know-How der Verlage noch eine Weile brauchen und es gibt immer mehr Anzeichen dafür, dass sich in den Chefetagen dort wirklich etwas tut. Fair finde ich immer die Auseinandersetzung mit bestehenden Versuchen und Experimentierfeldern, weil sie natürlich auch potentiell weitere Betätigungs- und Verdienstfelder für Lehrkräfte eröffnen, wenn die Plattformen dazu besser werden. Und vielleicht tut es uns selbst auch ganz gut, mit in normale wirtschaftliche Abläufe eingebunden zu sein.

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Ich arbeite seit fast einem Jahr in meinem eigenen Unterricht kaum bis gar nicht mehr mit Moodle. Ich betreue noch immer eine Anzahl von Installationen, die aber allesamt primär keinen schülerzentrierten Ansatz verfolgen, sondern in der Hauptsache von den Bedürfnissen der “Macher” und nicht denen der Teilnehmenden getragen sind. Das einzige mir in meinem  direkten Umfeld bekannte halbwegs schülerzentrierte Moodlevorhaben im Schulkontext ist das europäische Comeniusprojekt meiner Schule. Lisa Rosa hat Moodle in einem Kommentar einmal als “Bevormundungsplattform” bezeichnet, was ich zum damaligen Zeitpunkt nicht in dieser Radikalität empfunden habe, nun aber etwas differenzierter sehe durch die Erfahrungen in der Arbeit mit Blogs.

Ist es nicht frappierend, dass auf ich auf moodle.org (ich dort schon lange unterwegs) so gut wie nie einen Bericht oder Erfahrungen aus Teilnehmendensicht gelesen habe? Wer bestimmt die Weiterentwicklung von Moodle? Der Teilnehmer oder die Lehrenden? Wessen Produkt und Wunsch sind z.B.  die neuen Conditional Activities, die für ebenso viel Supportbedarf wie das Rollensystem sorgen werden?

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DE-Mail – ich bin darauf reingefallen…

vom 24. Juli 2010, in Allgemein, Tech-Talk, von Maik Riecken

Jaja, auch mir passiert sowas, peinlich. Zur Zeit laufen ja große Werbekampagnen zur DE-Mail, einer E-Mailform, die dem klassischen Brief rechtlich gleichgestellt sein soll, z.B. sind auch Dinge wie ein Einschreiben möglich, dass dann als zugestellt gilt. Die Frage ist, wer ein Interesse daran hat, so etwas auf breiter Basis zu etablieren. So viele Einschreiben verschicke ich z.B. nicht – allenfalls Kündigungen und das gute alte Fax gilt m.W. als zugestellt, wenn die Gegenstelle ein “Ok” sendet  und ist zudem auch noch günstiger als ein DE-Mailbrief.

Die Post als einer Anbieter derartiger DE-Mailaccounts schreibt von sicherer, zuverlässiger Kommunikation. Kristian Köhntopp zeigt sehr pointiert auf, dass man daran echte Zweifel haben kann. Andere Angriffe richten sich auf die AGB der Post – denen wird die Pressestelle der Post wahrscheinlich mit öffentlichkeitstauglichen Formulierungen begegnen können.

Update:

DE-Mail und der E-Postbrief sind zwei verschiedene Produkte. Letzterer soll nochmals höheren Sicherheitsstandards genügen. Danke an Markus für den Hinweis.

Mich überzeugen die technischen Kritikpunkte von Kristian Köhntopp weit mehr und habe daraufhin meinen Registrierungsprozess dummerweise erst vor der Identitätsprüfung durch das Post-Identverfahren gestoppt – schlimm genug: Die Post hat dadurch eine bestätigte Postanschrift und eine verifizierte Handynummer – so doof kann ein Maik Riecken sein – naja, hoffentlich löschen sie die Daten – immerhin haben die Jungs ja auch einen “Adressenverwertungsservice” gemeinsam mit Bertelsmann im Hause sitzen – verifizierte Kundendaten sind für die natürlich dann ein feines Fresschen.

Ich glaube weiterhin, dass niemand befürchten muss, durch “Nichtnutzung” von DE-Mail im Abseits zu landen. Wer daran Zweifel hegt, möge sich mit den Möglichkeiten des neuen elektronischen Personalausweises beschäftigen, der es – saubere Implementation vorausgesetzt – auch und zudem viel sicherer ermöglichen wird “rechtsverbindlich” zu kommunizieren.

Tja – zerknirscht bin ich ob meiner eigenen “Ich-will-genau-diese-Adresse-haben-Gier” schon. Normalerweise lese ich die AGB immer vorher…

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