Die Situation:
- es gibt Handys an Schulen, die von SuS mitgebracht werden
- die Handys unterscheiden sich stark in ihrer Funktionalität und Vertragsmodalitäten entsprechend des sozialen Status der Elternhäuser
- nicht alle SuS verfügen über ein Handy, welches internetfähig ist
- in der Regel ist die Verwendung auf dem Schulgelände per Hausordnung untersagt
- die Regel wird nicht eingehalten und ist kaum durchzusetzen
- es landen Fotos, Filmdokumente usw. aus der Schule in sozialen Netzwerken
- bei Cybermobing spielen digitale Endgeräte eine Schlüsselrolle
- das schulische WLAN steht SuS in der Regel nicht offen
Persönliche Gedanken:
Die positiven Aspekte der Verwendung von Handys im Unterricht sind nicht nachgewiesen. Jubelschreie und Erfolgsmeldungen im Internet zeigen keine Produkte im Vergleich zu Produkten klassischer Lernarrangements, sondern besitzen in der Regel einen technoiden Fokus, z.B. den “Bildschirminhalt des iPads an einen Beamer übertragen”, Appempfehlungen, Administrationserleichterungen, Dateiexport aus dem Tablet (Seitenhieb: der ohne externe Dienste nicht funkioniert). Es gibt erste, zögerliche Vorreiter auf diesem Gebiet. Ich meine aber zu erkennen, dass wesentliche Effekte nicht mit iDingens, sondern in der Kombinationen von iDingens mit kollaborativen Web2.0-Tools erzielt werden. Finde ich alles wichtig und gut – es hat aber nichts, bzw. für mich noch viel zu wenig mit Unterichtsqualität zu tun.
Die Zukunft
- mobile Endgeräte werden in der Gesellschaft mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit werden
- androidbetriebene Geräte ermöglichen den Bau günstigerer Devices und damit den Zugang von mehr Menschen zur digitalen Welt
- für mich ist es eine Frage der Zeit, bis ein generelles Handyverbot an Schulen von Verwaltungsgerichten kassiert wird (sogar in Bayern). Das wird über (Großstadt-)Elternrechte laufen.
Reaktionsoptionen
Man kann sagen: “Das ist alles so schrecklich. Wir reden nie mehr miteinander, sondern kommunizieren bald nur noch über Facebook & Co. Ich als Lehrer bin bald Freiwild und muss mich immer und überall filmen und fotografieren lassen. Die Welt is schlecht” - das kann man alles sagen. Originalzitat aus dm Lehrerzimmer gestern: “Du kannst den Piraten ja nicht nahestehen, du redest ja noch mit uns.“
Ich habe auf dem letzten Modul meines Trainer-Trainings etwas erprobt. Die Grundidee besteht darin, zu sagen: “Ja. Es gibt Handys. Ja. Die Verbreitung dieser Geräte wird zunehmen. Ja. Wir werden das Zeug bald nicht mehr verbieten dürfen.”
Ich möchte gerne einen Vertrag mit Schülern, Eltern und Lehrkräften erarbeiten, der wesentliche Dinge der Nutzung digitaler Endgeräte an der Schule regelt und in einer Art “Festakt” von allen Beteiligten Gremien unterschrieben wird. Wer an der Schule ein Gerät einschaltet, erkennt damit den Vertrag an. So ein Vertrag kann:
- Regeln, wann und wie die Nutzung digitaler Geräte erwünscht ist
- Welche Konsequenzen bei Fehlverhalten eintreten (SuS könnten bei der Art der Konsequenz natürlich mitbestimmen)
- Überlegungen dazu anstellen, inwieweit solche Geräte dann auch in der Schule versichert sind, wenn sie als “Unterrichtsmittel” zugelassen werden
- In der Verhandlungsphase ein Bewusstsein für die Ängste und Chancen schaffen, die mit diesen Geräten verbunden sind.
- Eine pädagogische und keine rechtliche Diskussionsgrundlage im Falle von Grenzüberschreitungen ermöglichen
- Bisher demokratische gemeinte Strukturen realdemokratisch an Schulentwicklung beteiligen – deswegen sollte es schon ernst gemeint und kein Feigenblatt zum Transport der ausschließlichen Bedürfnisse von Lehrkräften sein
- Einblicke in politische Arbeit geben
- Die Schule in der Öffentlichkeit als “modern” dastehen lassen
- [...]
Nein, ein solcher Vertrag ist nicht rechtlich bindend. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Es geht darum, mit einem nicht durchsetzbaren, rechtlichen Rahmen pädagogisch umzugehen. Ich würde da auch keinen Juristen heranlassen.
Ich selbst…
… baue ja ein WLAN für unsere Schule auf. Ich habe das Glück, über eine Schulserverlösung zu verfügen, mit der ich Schritte gehen kann zwischen: “Keiner darf!” und “Jeder darf sofort alles!”. Das Bedürfnis nach einem offenen WLAN mag für den modernen Web2.0-Lehrer zwar individuell groß sein – wenn das System aber ggf. eigenmächtige “Öffnungen” im Falle von Missbrauch nicht auffangen kann, ist u.U. Erde für Jahre verbrannt. Ich habe vor, folgende Schritte zu gehen:
- Offenes WLAN für Lehrkräfte und Schulgeräte in möglichst allen Gebäudeteilen
- Zugriff auf das Intranet der Schule für Schüler mit Anmeldung an einem Hotspot
- Freigabe weniger ausgewählter Seiten für Schüler
- Prinzipielle Freischaltung des Internet in bestimmten Gebäudeteilen für SuS. Dabei kann die Lehrkraft bestimmen, welcher Schüleraccesspoint ein- oder abgeschaltet wird.
- Einen Vertrag aushandeln
- Das WLAN generell öffnen
Ich teile mich heute für euch auf in verschiedene Persönlichkeiten, die meine Netzidentität betreffen. Darauf gekommen bin ich durch Herumlesen in meinem Blog. Je nach Stimmung und Phase scheint mir mal die eine, mal die andere Persönlichkeit stärker präsent. Ich habe versucht, alle Persönlichkeiten mit Schwächen und Stärken darzustellen. Das ist nur teilweise neutral gelungen… Völlig fehlt, dass jede dieser Persönlichkeiten im Netz natürlich interagiert – und zwar nicht nur mit sich selbst. Der Duktus ist ein wenig negativ bis kritisch. Das liegt vor allem daran, dass ich zurzeit dem Netz sehr distanziert gegenüber bin, weil ich so viel vor Ort konkret handeln kann, bzw. in handlungsrelevante Strukturen eingebunden bin.
Der Harvester
Der Harvester in mir zieht aus dem Netz, was ihm persönlich nutzt. Er schafft keine eigenen Inhalte, er erwartet jedwede Dienstleistung kostenlos oder extrem günstig. Der Harvester kauft wohl das eine oder andere im Netz, erledigt seine Bankgeschäfte usw. – aber eben nur, weil er davon einen persönlichen Nutzen hat. Der Harvester, der in Foren unterwegs sind, erwartet umfassende Individuallösungen für sein spezifisches Problem und zwar schnell. Normalerweise gibt der Harvester nichts zurück. Allenfalls reagiert er gereizt oder ungehalten, wenn ihm eine Leistung nicht mehr im bisherigen Umfang zur Verfügung steht. Der Harvester hat in der Regel keine Einsicht in wirtschaftliche Zusammenhänge, z.B. die Kosten von Personal und von IT-Infrastruktur.
Der Harvester liefert kein oder nur indirektes ideelles Kapital für den Denker und Contenter, da er allein durch Zugriffsstatistiken quantitativ wahrnehmbar ist. Der Harvester neigt dazu, Inhalte aktiv zu suchen, anstatt sie zu sich kommen zu lassen, z.B. über Social Networks oder RSS-Feeds.
Der Aggregierer
Ein Eldorado für den Aggregierer in mir wäre zur Zeit paper.li scoop.it. scoop.it fasst Links, Tweets usw. zu einer Art Zeitung zusammen, die sich quasi von selbst schreibt. Die Leistung des Aggregierers besteht darin, dass er die Inhalte seiner “Zeitung” auswählt und selektiert. Der Aggregierer in mir unterliegt immer der Versuchung, sein Blog oder seine Timeline durch Drittquellen fast vollständig befüllen lassen. Der Aggregierer collagiert. Seine Collage ist zwar ein Produkt, jedoch ein derart individuelles, dass es keine relevante Zielgruppe mehr besitzt. Der Aggregierer in mir weiß das ziemlich genau, da er einen eigenen Linkverkürzungsdienst nutzt und die Klicks auf diese Links statistisch auswertet.
Der Aggregierer hat eine enorme Publikationsfunktion für den Denker und den Contenter, da er für die notwendige Wahrnehmung durch z.B. Distribution in sozialen Netzwerken sorgt. Der Aggregierer hat in der Regel heimliche Regeln, die Inhalte zwischen “gut” und “schlecht” selektieren. Die Linie wird in bestimmten Gruppen gezogen – im Edu-Bereich gilt z.B. oft das Gymnasium als unbestreitbar selektierende Schulform als “schlecht”, gemeinsames Lernen als “gut”.
Der Denker
Der Denker in mir sammelt Ideen. Er schnürt aus den Ideen Dritter neue Ideenpakete und möchte durch seine Analysefähigkeit Diskurse voranbringen, sieht sich manchmal als Inspiration für andere und verändert und beeinflusst im besten Fall Gedanken. Der Denker liefert dem Aggregierer und Harvester Input. Ohne den Aggregierer ist der Denker umgekehrt recht einflusslos, weil er einerseits selbst auf externen Input angewiesen ist, um Sachverhalte zu rekombinieren, anderseits aber auch seine Ideen verbreitet werden müssen, damit der Denker im Netz als Denker erkennbar ist. Für den Denker ist “denken” eine Handlung und ein Wert an sich. Der Denker hat den Hang, umfassende Konzepte zu entwickeln, deren Realisation er aber oft nicht in seiner individuellen Verantwortung sieht. “Vision” ist eines der gängigen Lieblingsworte des Denkers. Der Denker in mir läuft immer Gefahr, selbstreflexives Metageseier zu produzieren, wenn es ihm nicht gelingt, die eigene Echokammer zu überwinden. Der Denker ist in der Regel nicht teamfähig. Die Wahrnehmung der eigenen Person im Netz ist ihm meist wichtiger, als sich einem bestimmten, konkreten Projekt zuzuordnen.
Der Contenter
Der Contenter liefert alle Arten von Artefakten. Das können Informationen, Artikel zu Sachthemen, Bilder und Videos sein. Der Contenter ist in sozialen Netzwerken selten stark präsent, sondern hält sich eher im Hintergrund. Der Contenter verfügt hin und wieder über einen altruistischen, weltverbesserischen Habitus, weil in seinem Bewusstsein das Netz nichts ist ohne seine Arbeit. Er agiert nativ selbstlos, kämpft hart im das “Wahre und Schöne”. Technisch ist das Forum als Hilfegebender oft eine Plattform für den Contenter. Dazu passt, dass der Contenter ist fast zwangsläufig in größeren Projekten organisiert ist, zu denen sein eigener Beitrag klein genug ist, um nicht öffentlich in Erscheinung zu treten. Der Zusammenschluss zu einem größeren Ganzen ist zwingend notwendig, um von dem Harvester, Aggregierer und Denker wahrgenommen zu werden. Die Legimation bzw. der Lohn der eigenen Arbeit besteht weniger aus konkreten Rückmeldungen, sondern vielmehr aus statistischen Daten wie Zugriffszahlen.
Lisa Rosa will auf Twitter gerade der Frage nachgehen, welches Gefühl sich hinter “Hach!” in Tweets verbirgt – nun denn: Ich bin immer noch beeindruckt (relativ weit unten, etwas rechts von der Mitte) – Klick für volle Größe:
Und die Credits sind an einer Stelle auch gaaanz toll (unten rechts, Klick für volle Größe):
In Deutschland schreibt so gut wie nie einer meinen vollen Namen richtig. So – jetzt aber Schluss mit der Selbstbeweihräucherung – Korrekturen warten…
Vor ungefähr einem Jahr habe ich einen Moodlekurs für unsere Schule zum, Thema Medienkompetenz entwickelt, der im Wesentlichen diesem Modell folgt:
Tenor:
Man muss überlegen, welche Daten man von sich öffentlich preisgibt und welche nicht. Dazu gilt es, Filtermechanismen zu entwickeln. Ich halte dieses Filtermodell nicht für überholt, jedoch bedarf es einer nicht ganz unwesentlichen Modifikation, weil es von der Annahme ausgeht, dass allein ich Informationen über mich im Netz einstelle – das ist jedoch falsch: Tatsächlich ergibt sich eher ein “Haufenmodell“:
Über mich sind Informationen im Netz zu finden, ohne dass ich aktiv etwas dazu beitrage – das merkt jeder, der sich z.B. bei Facebook neu registriert und faszinierend sinnvolle Freundschaftsvorschläge erhält. Unser Kaufverhalten ist durch Bonuskartensysteme und EC-Kartenmkäufe wahrscheinlich gut gescored usw.
Das Filtermodell wirkt allein auf die rechte Seite des Haufenmodells. Entscheidend ist das Verhältnis von Fremd- und Eigeninformationen über mich. Ich kann die linke Seite in ihrem Inhalt nicht kontrollieren. Ich kann jedoch zu ihr eine Relation aufbauen, wenn ich mich aktiv um die rechte Seite kümmere, das von mir einspeise, was mir wahrscheinlich nützen wird.
Modelle, die nur warnen, sensibilisieren, vielleicht gar verteufeln, greifen für mich daher im Bereich der Medienerziehung mittlerweile viel zu kurz.






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