Verlorene Links – Teil 10

vom 20. Mai 2011, in Gesellschaft, von Maik Riecken

Mein Zitat der Woche:

Das Problem ist, dass eine informierte Gesellschaft nicht ausschliesslich auf dem aufbauen kann, was interessiert. Denn Interesse ist eine recht hedonistische menschliche Regung, die nur unter Anstrengung vom Individuum gelöst und auf kollektive Ziele geleitet werden kann.

gefunden bei: netzwertig.com

Der ganze Artikel lohnt sich – natürlich habe ich das wieder einmal über Carta entdeckt. An solchen Beispielen sieht man sehr wohl, wie wichtig ein freier und unabhängiger Journalismus ist.

Wenn Klischee-BWLer das Ruder in Medienkonzernen übernehmen, kann das dabei herauskommen, was Jan-Martin Klinge im US-amerikanischen Fernsehen entdeckt hat. Bei Andreas Kalt findet man einen schönen Artikel zur Verwendung der Internets bei Prüfungen – natürlich aus Dänemark. Derweil sollte die Web2.0-Generation unbedingt Unmengen von Daten ins Netz hochpusten. Sie helfen aktiv bei der Verbrechensbekämpfung. Da Terroristen nicht mit Zeit gehen, werden sie sich dieser Problematik nicht bewusst sein und schneller dingfest gemacht werden können. Vielleicht fallen nebenbei auch ein paar Daten für ein Scoring der Bevölkerung oder zivilrechtliche Klagen dabei an.

In den letzten Wochen habe ich sehr viel über “Ich will … haben”, “Meine persönliche Freiheit…”, “Ich will mich nicht einschränken lassen…” und dergleichen mehr gelesen und auch erfahren. Mich macht das nachdenklich: Wird es immer altmodischer, nach den Bedürfnissen meines Gegenübers zu fragen? Ist das Ich die primäre Triebfeder? Entsteht eine Form der Freiheit nicht genau darin, etwas für den anderen zu tun, auch wenn es mich oberflächlich betrachtet zunächst einschränkt? Ich werde alt…

Ein Grundprinzip im Rechtssystem ist die z.B. Unschuldsvermutung. Die schränkt den Journalisten natürlich in der Art seiner freien Berichterstattung ein. Kann man doof finden – im Idealfall natürlich bewusst(!) doof finden. Kann man auch sinnvoll finden und neutral berichten. Sehe ich nicht so oft. Würde wahrscheinlich weniger Leute interessieren…

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Virtual Choir 2.0 – Hach…

vom 10. April 2011, in Gesellschaft, von Maik Riecken

Lisa Rosa will auf Twitter gerade der Frage nachgehen, welches Gefühl sich hinter “Hach!” in Tweets verbirgt – nun denn: Ich bin immer noch beeindruckt (relativ weit unten, etwas rechts von der Mitte) – Klick für volle Größe:

Und die Credits sind an einer Stelle auch gaaanz toll (unten rechts, Klick für volle Größe):

In Deutschland schreibt so gut wie nie einer meinen vollen Namen richtig. So – jetzt aber Schluss mit der Selbstbeweihräucherung – Korrekturen warten…

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Aktive Medienkompetenz

vom 13. Dezember 2010, in Methoden, Pädagogik, von Maik Riecken

Vor ungefähr einem Jahr habe ich einen Moodlekurs für unsere Schule zum, Thema Medienkompetenz entwickelt, der im Wesentlichen diesem Modell folgt:

Tenor:

Man muss überlegen, welche Daten man von sich öffentlich preisgibt und welche nicht. Dazu gilt es, Filtermechanismen zu entwickeln. Ich halte dieses Filtermodell nicht für überholt, jedoch bedarf es einer nicht ganz unwesentlichen Modifikation, weil es von der Annahme ausgeht, dass allein ich Informationen über mich im Netz einstelle – das ist jedoch falsch: Tatsächlich ergibt sich eher ein “Haufenmodell“:

Über mich sind Informationen im Netz zu finden, ohne dass ich aktiv etwas dazu beitrage – das merkt jeder, der sich z.B. bei Facebook neu registriert und faszinierend sinnvolle Freundschaftsvorschläge erhält. Unser Kaufverhalten ist durch Bonuskartensysteme und EC-Kartenmkäufe wahrscheinlich gut gescored usw.

Das Filtermodell wirkt allein auf die rechte Seite des Haufenmodells. Entscheidend ist das Verhältnis von Fremd- und Eigeninformationen über mich. Ich kann die linke Seite in ihrem Inhalt nicht kontrollieren. Ich kann jedoch zu ihr eine Relation aufbauen, wenn ich mich aktiv um die rechte Seite kümmere, das von mir einspeise, was mir wahrscheinlich nützen wird.

Modelle, die nur warnen, sensibilisieren, vielleicht gar verteufeln, greifen für mich daher im Bereich der Medienerziehung mittlerweile viel zu kurz.

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Wikileaks – auch ganz kurz

vom 8. Dezember 2010, in Gesellschaft, von Maik Riecken

Emotionale Untertöne bestimmter Couleur liest man bei Herrn Rau und mir eher selten. Sein Artikel zu Wikileaks ist unbedingt lesenswert, auch weil sich Hinweise verdichten, dass Firmen wie Amazon und Visa sehr wohl auf politischen Druck das Vertragsverhältnis mit Wikileaks aufgekündigt haben.

Nach der gestrigen Lektüre von Udo Vetters Einschätzung der Rechtslage, war ich kurz versucht, einige meiner nicht unbeträchtlichen Ressourcen “unterzuvermieten”, aber vielleicht bin ich doch zu deutsch dafür.

Macht hat schon immer in der Geschichte erhebliche Ressourcen zum Machterhalt aufgewendet. Wir erleben das gerade auf beiden Seiten. Das Machtverhältnis von institutioneller und ideeller Macht wird gerade au der ganz großen Bühne neu ausgehandelt.

Ich habe Angst um die Freiheit des Internets und ich habe auch Angst, dass im neuen Krieg Wikileaks mit Informationen zurückschlägt, deren Veröffentlichung Menschenleben und nicht “nur” den Stolz von Nationen gefährdet. Darin sehe ich die Gefahr dieser Eskalation.

Das Internet kann gar nicht so schnell abgeschaltet werden, wie Techniker und Administratoren sichere Wege finden, Informationen schnell zu verbreiten, weil es die Technologie schon lange gibt. Will man z.B. P2P, Torrents, VPNs, Darknets filtern, sperren, verbieten?

Das, was an Vorwürfen gegen Assange bekannt ist, scheint auf den ersten, oberflächlichen Blick recht dünn, zumal für ihn die Unschuldsvermutung gelten muss. Zu einem völligen Desaster dürfte die gesamte Kiste werden, wenn Assange nicht allein ein Mensch, sondern ein Symbol wird. Es gibt institutionelle Macht, die transparent agiert – sie muss sich  auch in Zukunft nicht fürchten. Aber ich hoffe, dass alle kleinen und großen Gutsherren jetzt zumindest aufgeschreckt sind.

Transparenz… (sorry, der muss jetzt noch)

Wenn die deutschen PISA-Rohdaten im Netz veröffentlicht werden, muss ich nicht immer durch die Brille von Autoritäten, die sich gerne auch einmal in ihren Interpretationen widersprechen, darauf schauen. Ich hoffe, dass wir dafür Wikileaks nicht brauchen. Die KMK tat sich damals damit recht schwer. Das wird jetzt bestimmt schneller und transparenter gehen, da wir ja wieder vorne mitspielen – soweit vorne, dass die Presse jetzt teilweise sogar den Lehrerwollwaschgang herausholt – Lehrer müssen “Persönlichkeit” besitzen – welch neue Erkenntnis, gerade auch hier im Blog!

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Changing Paradigms

vom 8. November 2010, in Gesellschaft, von Maik Riecken

Von einer fundamentalen Veränderung durch das Internet ist die Rede. Von einer völlig neuen Lernkultur ist die Rede. Von einem völlig neuen Relevanzbegriff ist die Rede. Von einem unumgänglichen Systemwechsel zur Sicherung unserer gesellschaftlichen Errungenschaften ist die Rede.

Das alles lässt sich nicht in kurzen Worten umschreiben, jedoch möchte ich in fünf Stichpunkten, die für mich den höchsten Grad an Relevanz besitzen das Neue umreißen, was da auf uns zukommen wird:

  1. Im Zentrum des Lernprozesses steht der individuelle Mensch mit seinen Fähigkeiten, die entdeckt werden wollen.
  2. Das zu Lernende, das Relevante, bestimmt nicht mehr eine Institution, sondern der jeweilige Mensch.
  3. Lernen im Gleichschritt – jeder lernt zur gleichen Zeit, im gleichen Alter, im gleichen Raum – entspricht nicht dem Menschenbild der Wissensgesellschaft.
  4. Wissen liegt vernetzt im Internet vor und ist dort losgelöst von Zeit und Raum zugänglich, es dringt vielfältig und teilweise methodisch und didaktisch sehr gut aufbereitet in unseren Lebensraum ein.
  5. Die neuen Technologien sind gesellschaftliche Schlüsseltechnologien für den anstehenden Wandel.

Im Zuge dieser Veränderungen ist es offenbar konsensfähig, dass Schule sich diesen Anforderungen nicht stellt. Beim Lesen im Netz habe ich wiederum fünf für mich einige wichtige Kritikpunkte gesammelt:

  1. Ein Journalist schreibt z.B.  sinngemäß, dass Lehrer Kinder in Eltern in Geiselhaft nehmen, indem sie personelle und finanzielle Veränderungen im Schulsystem zur Bedingung für eigenes, innovatives Verhalten machen.
  2. Das gegliederte Schulsystem entspreche nicht den Anforderungen einer Wissensgesellschaft. Niemand könne es sich in Zukunft im europäischen Kontext leisten, auch auf nur eine Begabung zu verzichten, die es nur zu heben gelte. Selektion sei dabei kontraproduktiv, da es Leben kategorisiere anstatt das maximale Potential jedes Menschen zu fördern.

Also brauchen wir die eine Schule für alle (“kein Kind bleibt zurück”) mit Lerninseln, mit individueller Förderung, mit pädagogischem Personal, mit technischer Ausstattung, mit medial kompetenten Lehrern, mit außerschulischem Lernen…

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