Ich habe heute nach üblicher Vorbereitung Versuchsaufbauten ersinnen lassen, die dazu dienen sollen, den Sauerstoffanteil in der Luft zu bestimmen. Normalerweise macht man das z.B. dadurch, dass man in einer geschlossenen Apparatur Sauerstoff durch ein Metall als festes Metalloxid bindet – das geht z.B. mit Kupfer- aber auch mit Eisenwolle – und nach Abkühlung die Volumenabnahme ermittelt – soweit nichts Aufregendes, oft im Unterricht gemacht.
Eine Schülerin schlug heute ein anderes Verfahren vor: Man nehme eine brennende Kerze, stelle sie in ein abgeschlossenes Gefäß mit Luft und messe die Zeit bis zum Erlöschen. Den Versuch wiederhole man mit reinem Sauerstoff. So müsste man mit dem reinen Sauerstoff als Bezugsgröße den Sauerstoffanteil der Luft bestimmen können. So ein Aufbau ist mit Standzylinder, Schliffdeckel, Verbrennungslöffel und der Sauerstoffflasche schnell realisiert:
Hm. Die Idee ist als Denkmodell sehr nett, gerade in einer 8. Klasse. Eine Kerze verbraucht nicht den gesamten zur Verfügung stehenden Sauerstoff, sondern erlischt bei Unterschreitung einer bestimmten Sauerstoffkonzentration. Das ist für das Gelingen des Versuches nicht so tragisch, da das auch im Falle des reinen Sauerstoffs bei der gleichen Konzentration geschieht. Die höhere Reaktionsgeschwindigkeit beim reinen Sauerstoff könnte der Schülerin die Suppe versalzen.
Egal. Ich tue es nächste Woche einfach und dann vergleichen wir das Ergebnis des “klassischen Versuches” mit dem hier skizzierten. Diese Schülerin hat gedacht und das ist den Aufwand allemal wert.
Nachdem ich in diesem Artikel erste Erfahrungen mit GoogleDocs beschrieben habe, kann ich nun sogar mit ersten Ergebnissen aufwarten. Metareflexionen ohne authentisches Schülermaterial kranken ja oft an dem “Oberflächlichkeitsverdacht”. Der Weg ist bei der ersten Erfahrung didaktisch einmal mehr sehr unkonventionell, aber es galt neben dem notwendigen inhaltlichen Übel gleichzeitig die neue Methode in ihren Möglichkeiten auszuloten – da muss man manchmal recht stumpf neue Wege gehen.
Erfahrung 1:
Thema ist die allseits beliebte und immer wieder gerne unterrichtete “indirekte Rede” mit ihrem bis ins Abitur hinein verfluchten Regeln zum Konjunktivgebrauch. Die Bildungsregeln waren eingeführt. Auch habe ich schon sehr klassisch in unserem Regelheft die Sache mit der Grundform (Konjunktiv I) und den beiden Ersatzformen (Konjunktiv II/würde) besprochen und eingeübt. Soweit zum Thema “traditioneller Unterricht”.
Meine ersten Versuche mit den Textdokumenten von Google waren recht ernüchternd, da sie gerade in jüngeren Klassen zu Fehlbedienungen einladen (“Oh, jetzt ist alles gelöscht, da wollte ich nicht!”). Das lässt sich retten, da Google eine umfangreiche Versionierungsfunktion mitliefert, mit der man vieles wieder gerade rücken kann. Hauptgrund für die häufigen Irritationen ist die Nähe der vielen Cursor zueinander – da braucht es erstmal vor allem eines: Abstand.
Vorgestern Abend war es so weit. “Mein” Seminarfach präsentierte Gedanken rund um ihr Erleben von Schule und rund um ihre Gedanken zur Zukunft von Lernen und Bildung. Eines vorweg: Konkrete Ausschnitte und Produkte dieses Abends werden hier erst zu sehen sein, wenn wir uns als Gruppe darüber verständigt haben, was wir in welcher Form öffentlich zeigen wollen – hierzu sind auch Dritte zu befragen, die z.B. gefilmt worden sind.
Hier gibt es die Geschichte des Projektes zu lesen, eine Geschichte, deren Autor anfangs ich, zum Ende hin jedoch mehr und mehr die Schülerinnen waren. In der Rückschau wird mir immer klarer und klarer, dass dieser Abend beileibe kein Spiegel meines Unterrichts gewesen ist, sondern weit mehr. Ich möchte es individualisierte Transformation von Inhalten, Konzepten nennen, oder – um mit einem Begriff von Jean-Pol Martin zu sprechen - um komprimierte, zeitnahe Emergenz, wie sie einem Lehrer ganz selten oder eben erst sehr viel später widerfährt. Die Geschichte ist für mich auch ein Beleg für Mechanismen,wie sie in Schule nunmal wirken und man sie aushalten lernen können muss. Weiterlesen sollte nur, wer Geschichten mag. Alle anderen können direkt an das Ende des Artikels (4. Semester), zu dem eigentlichen Projekt springen.
Lutz Berger und Christian Spannagel haben eine neue Idee. Ich zitiere:
Abseits der ausgetretenen Pfade möchten wir uns auf die Suche nach den “stillen Helden des Alltags” begeben, die tagtäglich ihre Schüler und Studenten begeistern, die sich mit großem Engagement einsetzen und die das bislang für sich behalten haben.
Wir möchten mit diesen Menschen sprechen, sie begleiten und vorstellen, wir möchten ihren Unterricht filmen, ihre Schüler und Studenten interviewen und nachfragen. Dazu suchen wir überzeugende Lerncoaches, Unternehmen mit innovativen Lernideen und Bildungsexoten mit außergewöhnlichen Projekten.
Wer von euch also stille Blumen kennt, die aus eurer Sicht eine Anerkennung und mehr Popularität verdient haben, kann hier Vorschläge für Reiseziele der Expedition machen. Es ist dabei egal, (wirklich!) ob ihr Schülerinnen oder Schüler, Eltern, Kolleginnen und Kollegen oder sonstwer seid. Helft Lutz und Christian bei ihrer – wie ich finde – tollen Idee.
Eins noch:
Manche Blume ist still, weil sie still sein will. Ungeachtet der Tatsache, ob es gut ist, dass sie still ist, darf sie still sein und bleiben, wenn sie es möchte. Also seid so nett und fragt eure Blumen vorher…



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