eN Deutsch, NDS Abi 2012, Vorplanung

vom 12. August 2011, in Deutschunterricht, von Maik Riecken

Gerade heute haben wir drei Kollegen beieinandergesessen, die mit einem Deutschkurs auf erhöhtem Niveau beglückt worden sind. Damit man eine Vorstellung davon bekommt, was wir in ersten Halbjahr unter einen Hut bekommen müssen, hier zunächst einmal das laut Kerncurriculum verpflichtende Programm:

Epochenband (Rahmenthema: Literatur und Sprache um 1800)

  • Aufklärung und Romantik im Vergleich

Gattungsband (Rahmenthema: Drama und Kommunikation)

  • Geśtaltungmittel des Dramas

Verbindlich zu lesende Texte:

  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe (1784)
  • Friedrich Schiller: Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken? (1784)

Verbindliche Unterrichtsaspekte:

  • Problematisierung von adliger und bürgerlicher Moral
  • Überwindung der Ständeklausel
  • Programmatik der Schaubühne vor dem Hintergrund der historisch-gesellschaftlichen Entwicklung

Zusätzlich:

  • Ausweisung eines weiteren Wahlpflichtmoduls

Dilemmata

  1. Es gibt so viele bekannte romantische Dramen (das war Ironie).
  2. Aus dem G8-Zug mit der wegfallenden 11. Klasse ist das epochale Wissen der SuS arg begrenzt
  3. Aus dem G8-Zug mit der wegfallenden 11. Klasse sind die Schreibfertigkeiten der Schülerinnen und Schüler nicht so geübt
  4. Ich könnte “Train-to-the-test” machen und mich nur auf die prüfungsrelevanten Wahlpflichtmodule stürzen, arbeite aber ungern im luftleeren Raum

Das KuMi in NDS wird gegen die Punkte 2+3 einwenden, dass die SuS aus dem G8-Zug beim Doppelabitur gegenüber den SuS des G9-Zuges sogar besser abgeschnitten haben und meine Einwände daher nicht gerechtfertigt sind. Der geneigte Leser möge sich aber bitte dazu die Zentralabituraufgaben des letzten Jahres zu Gemüte führen und sowohl inhaltlich als auch methodisch beurteilen. Außerdem waren wir Lehrer wahrscheinlich bei Punkt 4 geübter.

Ideen

Wir wollen das Gattungsband mit dem Epochenband verknüpfen und in einem ersten Schritt zunächst einmal auf die Ursprünge des Dramas eingehen, z.B. anhand von Auszügen aus der guten, alten spröden Antigone. Danach erfolgt arbeitsteilig die exemplarische Auseinandersetzung mit Auszügen aus einem Drama der früheren Aufklärung (“Die Juden”), des Sturm und Drang (“Götz von Berlichingen”), der Klassik (“Iphigenie”) und des Vormärz (“Woyzeck”). Dabei sollen sich die SuS erstmal mit Inhalt in Sprache der Auszüge auseinandersetzen und dann anhand von kleinen Epochenüberblicken (z.B. im Lehrbuch “Texte, Themen und Strukturen”) Bezüge zu gesellschaftlichen Entwicklungen herstellen. Natürlich ist dabei keine tiefgreifende inhaltliche Auseinandersetzung zu erwarten, aber vielleicht zumindest ein Orientierungsrahmen, der eine Verortung des Primärtextes “Kabale und Liebe” als Drama mit deutlichen Elementen des Übergangs von SuD zur Klassik überhaupt erst ermöglicht. Die Ergebnisse werde ich in einem Blog sammeln. Die erste Klausur könnte somit eine sprachliche Analyse eines unbekannten Dramenauszugs oder eine Aufgabenstellung mit kreativem Anteil umfassen. In der zweiten Klausur ist dann eine komplexere Aufgabenstellung zum Primärtext evtl. mit Bezügen zu einer programmatischen Schrift möglich. Als zusätzliches Wahlpflichtmodul drängt sich der Literaturauswahl eigentlich WMP4 “Familie im Drama” nahezu auf.

Die Romantik bekommt man auf diese Weise noch nicht mit in den Unterricht hinein. Aber um Weihnachten herum kann man sich diese Epoche anhand z.B. von Gedichten und einem ET.A. Hoffmann-Text bei Kerzenschein (Die Abibox schlägt “Der Sandmann” vor) eben als Epoche in den Fokus stellen und klären, warum dort so gedacht und geschrieben worden ist und warum das eben nicht so oft  Dramen waren – im Theater ist man ja eher nicht so sehr “mit sich” oder weit weg von der Gesellschaft und blaue Blumen hat’s da auch keine. Die Voraussetzungen waren ja eben andere als zur Zeit der Aufklärung. Mit dem einen oder anderen Gedicht wäre dann auch das folgende Rahmenthema “Vielfalt lyrischen Sprechens” im zweiten Semester vorbereitet.

Vielleicht habt ihr ja noch andere Ideen, wie sich die Vorgaben in ein Semester bringen lassen. Über den Vergleich zwischen Aufklärung und Romantik musste ich ein wenig den Kopf schütteln.

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IT-Konzept (technisch)

vom 13. Juli 2011, in Tech-Talk, von Maik Riecken

Wir überarbeiten nach den Ferien unsere komplette IT-Struktur. Ich habe in den letzten Tagen darüber viel nachgedacht und mit Virtualbox fleißig kleine, virtualisierte Netze gebaut. Ziel war es, etwas zu ersinnen, was einerseits technisch für eine Lehrkraft beherrschbar ist, anderseits möglichst viele didaktische Möglichkeiten eröffnet. Zudem spielen natürlich auch Wirtschaftlichkeitsüberlegungen und ökologische Aspekte eine Rolle (man muss es ja dem Schulträger auch vermitteln können). Herausgekommen ist das hier:

Kern ist das LTSP-Projekt. Ein schöner Einstig in das grundsätzliche Prinzip findet sich auf Wikipedia: Man degradiert sämtliche Schülerrechner zu reinen Anzeigegeräten. Festplatten und nicht erforderlichen RAM reißt man heraus, verrammelt das BIOS mit einem Passwort und lässt die Kisten per PXE vom LTSP-Server booten – das muss pro Tag einmal geschehen und dauert kürzer als ein WinXP-Start (Was nicht viel heißen will…).

Damit entfällt sämtliche Turnschuhadministration und auch die empfindlichsten Komponenten von PCs sind eliminiert. Software muss nur noch auf einem Gerät installiert werden und ist dann auf allen Clients verfügbar. Als Anzeigegerät ist ein Pentium I mit 133Mhz und halbwegs brauchbarer Grafikkarte ausreichend. Schön wären natürlich echte ThinClients, am besten in ein LCD-Panel integriert – so dürfte es leise und kühl im PC-Raum werden. Alle Anwendungen laufen auf einem zentralen Server, der natürlich ein Server und kein Spielzeug sein muss (Hexacore, 32GB RAM, RAID10, redundante Netzteile – die 4000-Euro-Klasse halt). Sound kann man bidirektional an die Clients weiterreichen, mit Video klappt es auch, wenn die Anbindung stimmt und man auf HD-Material verzichten mag.

Der Server kann allerdings nur Linux (Ubuntu). Damit kann man surfen, schreiben, Audio bearbeiten u.v.m. – das Wichtigste halt. Die meisten Dienste verlagern sich eh in die Cloud. Es ist nicht schwer, GNOME einen Windows7- oder XP-Look aufzuzwingen – aber das halte ich für eine Art Betrug. Die meisten “Windowsianer” kommen mit meinem Netbook erstaunlich gut klar und den Desktop kann man ja vorstrukturieren mit netten, einfachen Icons. Mit WINE habe ich bisher zusätzlich fast alle Software zum Laufen gebracht, die auf unseren jetzigen WinXP-Clients vor sich hinvegetiert. Hier sind vor allem mit den Herstellern lizenzrechtliche Fragen zu klären, da es WINE recht egal ist, ob eine Word2010-Instanz 25x von verschiedenen Nutzern gestartet wird…

Dateien lassen sich auf USB-Medien speichern, die LTSP von den Clients durchgereicht bekommt, oder man nutzt NFS (ist bei LTSP leider so) mit festem Quota für jeden Nutzeraccount (gefühlt 1GB, dann würde bei uns noch die 2GB-Platte für die ganze Schulgemeinschaft bei Vollauslastung reichen).

Die Nutzerverwaltung mache ich traditionell über LDAP. Dann kann man den Proxy darüber mit Anmeldung laufen lassen. Außerdem lässt sich das Ding so schön per Skript mit einem kastrierten Export der Schülerdatenbank füttern (inkl. Ordnung nach Klassen) – das Skript gibt es schon für die Anbindung unseres Webangebots. Das ist übrigens der härteste Teil der Geschichte. LDAP hat dafür aber auch den Vorteil, dass es mit RADIUS spricht – ein nettes Spielzeug (man kann in LTSP auch die Clientkonfiguration darüber machen). So meldet man sich per WLAN in der Schule mit den gewohnten Netzwerk-Logindaten an, jeder WLAN-Router kriegt sein eigenes Netz, (dann gehen die IPs so schnell nicht aus) man kann festlegen, wer sich wann anmelden darf (abends braucht man kein Netz, oder?) usw.. Dann noch ein AdHoc-Netz, um das ganze Schulgelände zu bestrahlen… (träum…). Aber das wird eh die Zukunft – mehr als der persönliche Desktop auf dem Schulserver.

Einige Dinge gehen partout nicht unter Linux. Dafür würde ich gerne einen WindowsServer2008RC2 hinstellen, der über 25 Accounts verfügt. Bei der Anmeldung am LTSP kann man sich dann entscheiden, ob man Windows möchte oder nicht und sowohl der Server als auch die Softwarelizenzen sind bei 25 Clients noch überschaubar teuer. Ob man nun einen RDesktop oder die die Ausgabe eines XServers an die Clients weiterleitet, ist wohl egal. Vielleicht lässt sich der WindowsServer sogar virtualisieren, wenn man den LTSP-Server noch dicker… .

Das Schöne an diesem Konzept ist seine Modularität: Man kann klein anfangen und sich dann steigern – allein der LTSP-Server mit seiner Hardware, den braucht man schon. Die Clients sind ja schon da. Wenn man völlig bekloppt sein will, verlegt man alle jetzigen Clients in virtuelle Maschinen und nutzt deren Lizenzen weiter.

Was kostet das Ganze? Im Vollausbau schätze ich eine Summe von 10000,- Euro (ohne Clients und wenn man es selbst macht: LTSP ist in Ubuntu sehr gut vorkonfiguriert und recht schnell aufgesetzt). Wenn man 50 Clients erneuern oder durch Notebooks ersetzen möchte, darf jedes nur 200,- Euro kosten, damit es “billiger” wird. Für den Anfang tut es auch nur der LTSP-Server und der VLAN-fähige Switch – dann kommt man wohl mit der Hälfte hin und hat recht aktuelle, leicht wartbare Systeme.

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Projektideen – Teil 1

vom 24. Januar 2011, in Gesellschaft, von Maik Riecken

An dieser Stelle hatte ich die Frage gestellt, ob es 2011 über das gegenseitige Referenzieren und miteinander Nachdenken andere, konkretere Formen der Zusammenarbeit geben könnte. Herr Rau hat in einem Kommentar bereits einen konkreten Vorschlag gemacht und zum Ausdruck gebracht, dass es schon etwas mit inhaltlicher Anbindung und keineswegs “Web2.0-Methodengehudel” sein sollte. Da bin ich natürlich mit ihm.

Ich denke darüber hinaus, dass es nicht zu brav sein darf. Projekte bedürfen meiner Ansicht nach einer angemessenen Rezeption, um längerfristig erfolgreich und motivierend zu sein. Technik und Serverressourcen sind übrigens kein Problem – das würde von mir kostenlos geliefert. Ebenfalls ist bei mir Standard, dass stets aktuelle Abzüge aller Dateien (MySQL, Dateien als ZIP-Datei) jederzeit für alle Projektbeteiligten zum Download bereitstehen. Das machen Cronjobs und schieben den Link dann ich einen geschützten Bereich.

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Sexuelle Aufklärung

vom 22. Oktober 2010, in Methoden, Pädagogik, von Maik Riecken

Ich habe diese Woche eine schöne Rückmeldung per E-Mail zu einem meiner ganz alten Artikel erhalten: Schon seit zehn Jahren dürfte der Beitrag “Gemischtes Schlafen auf Freizeiten” im Netz stehen – das Alter merkt man dem Teil auch deutlich an. Rechtlich hat sich seitdem gar nicht so viel verändert, außer dass der Gesetzgeber homosexuelle Kontakte mittlerweile den heterosexuellen rechtlich angeglichen hat und auch nicht mehr zwischen den Geschlechtern unterscheidet.

Ich könnte zu dem Thema eine Menge mehr schreiben, weil es so ambivalent ist:

  • Einerseits grinsen uns von jedem Plakat Sixpacks und potentielle Milchverpackungen an, anderseits kommt es immer noch zu Schwangerschaften bei Kindern.
  • Einerseits schimpft Deutschland oft über die “prüden Amerikaner”, andererseits zieht man sich am Strand eigentlich nur noch Sachen über die nassen Sache “drüber” oder die Badebekleidung eben gleich “drunter” – absolut hygienisch im Sommer.
  • Immer noch legen wir in der Schule den Schwerpunkt auf “Geschlechtsakt-” statt auf Aufklärungsunterricht, obwohl in Zeiten des Cyber-Groomings und Anspruchswolkenkratzern hinsichtlich der Partnerfindung und des eigenen Körperbildes gerade durch die Werbung auch noch ganz andere Dinge wichtig wären.

Vielleicht sollte man wirklich in der Schule mehr zum Thema “sexualisierte Sprache”, “sexuelle Abgrenzung”, “Selbstbehauptung”, “Loslassen”, “Sexualisierte Werbung”, “Mein Körper und ich”  und so Kram machen. Das alles gab es zu Zeiten, in denen ich noch als Teamer Klassentagungen geleitet habe, ziemlich oft, und es hat allen auch immer sehr viel Spaß gemacht. Das System Schule scheint mir jedoch für die dafür erforderliche pädagogische Nähe nicht ausgelegt.

Wesentlicher Teil unserer Tagungen war eine Übung, die da hieß “Fragen an das andere Geschlecht” (ging nicht mit jeder Schulklasse und erst recht nicht mit jeder Begleitlehrrkraft):

Die Jungen durften sich sechs Fragen an die Mädchen, die Mädchen sechs Fragen an die Jungen ausdenken. Fünf Fragen mussten bearbeitet, eine durfte abgelehnt werden. In einem Reverse-Fischbowl (eine Gruppe sprach in der Mitte über die Fragen, die andere saß mit dem Gesicht zur Wand um sie herum) diskutierten dann z.B. die Mädchen unter Moderation einer Teamerin über die Fragen der Jungen und später dann umgekehrt. Höhepunkt bildete immer ein letzte Runde: “Fragen an die Erwachsenen” (Teamer unter sich im Reverse-Fischbowl, ging auch nicht in jedem Team…).

Am meisten Spaß bei dieser Übung hatten wir übrigens an dem Wochenende, an dem die Teamerinnen und Teamer sie im Rahmen ihrer Ausbildung selbst ausprobiert und erlebt haben… In Schule könnte ich mir so etwas zur Zeit eher nicht vorstellen, eher im externen Bereich – obwohl: Auch das könnte witzig und lehrreich werden…

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Luftanalyse über Brenndauer

vom 13. August 2010, in Chemieunterricht, Nette Versuche, von Maik Riecken

Ich habe heute nach üblicher Vorbereitung Versuchsaufbauten ersinnen lassen, die dazu dienen sollen, den Sauerstoffanteil in der Luft zu bestimmen. Normalerweise macht man das z.B. dadurch, dass man in einer geschlossenen Apparatur Sauerstoff durch ein Metall als festes Metalloxid bindet – das geht z.B. mit Kupfer- aber auch mit Eisenwolle – und nach Abkühlung die Volumenabnahme ermittelt – soweit nichts Aufregendes, oft im Unterricht gemacht.

Eine Schülerin schlug heute ein anderes Verfahren vor: Man nehme eine brennende Kerze, stelle sie in ein abgeschlossenes Gefäß mit Luft und messe die Zeit bis zum Erlöschen. Den Versuch wiederhole man mit reinem Sauerstoff. So müsste man mit dem reinen Sauerstoff als Bezugsgröße den Sauerstoffanteil der Luft bestimmen können. So ein Aufbau ist mit Standzylinder, Schliffdeckel, Verbrennungslöffel und der Sauerstoffflasche schnell realisiert:

Hm. Die Idee ist als Denkmodell sehr nett, gerade in einer 8. Klasse. Eine Kerze verbraucht nicht den gesamten zur Verfügung stehenden Sauerstoff, sondern erlischt bei Unterschreitung einer bestimmten Sauerstoffkonzentration. Das ist für das Gelingen des Versuches nicht so tragisch, da das auch im Falle des reinen Sauerstoffs bei der gleichen Konzentration geschieht. Die höhere Reaktionsgeschwindigkeit beim reinen Sauerstoff könnte der Schülerin die Suppe versalzen.

Egal. Ich tue es nächste Woche einfach und dann vergleichen wir das Ergebnis des “klassischen Versuches” mit dem hier skizzierten. Diese Schülerin hat gedacht und das ist den Aufwand allemal wert.

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