Dieser Artikel wird etwas länger und daher mehrteilig. Im Folgenden werde ich zunächst beschreiben, warum gerade diese Softwarekomponenten ausgewählt wurden, um anschließend Stück für Stück zu erklären, wie die technische Realisierung erfolgte.
Problemstellung
Es galt ein Konzept für die Evaluation unterschiedlicher Gruppen an einer Schule zu erstellen. Dabei mussten folgende Kriterien erfüllt werden:
- Transparent zu vermittelnde Anonymisierung
- Geeignet für SuS, LuL und Eltern, d.h. möglichst leichte Bedienbarkeit
- Keine Unkosten für Soft- oder Hardware
- Vertretbarer technischer Aufwand
- Größtmögliche Freiheit bei der Datenauswertung (z.B. Nachbearbeitung mit einer Tabellenkalkulation)
- Synergieeffekte
Selbstevaluation von Schule ist in Niedersachsen gerade im Fahrwasser der Schulinspektion ein ganz großes Thema. Da werden Stellen geschaffen, Verfahren erprobt und Evaluationskonzepte einander gegenübergestellt und diskutiert. Im Grunde läuft es auf viel Arbeit hinaus: Allein Fragen und mögliche Antwortmöglichkeiten zu erarbeiten dauert eine ganze Weile. Dazu kommt wie so oft die bittere Erkenntnis, dass eine Evaluation nur in kleinen Teilen wirkliche Überraschungen bieten wird. Weitaus niederschmetternder ist die Tatsache, dass man Defiziten in der Regel nur durch Geld- oder Personaleinsatz begegnen kann – von beidem ist ja bekanntermaßen eine Unmenge vorhanden.
Auch schwierig ist die Tatsache, dass die Menschen, die dann tatsächlich konkret die Evaluation durchführen, in der Regel dafür keinerlei Schulung oder Ausbildung an die Hand bekommen. Lehrer können sowieso alles, ihr Tag hat 24 Stunden und geschlafen wird nachts. Viel schwieriger wird es für Eltern und Schülern sein, für ihre Zielgruppe Fragen sowie sinnvolle Antwortmöglichkeiten zu ersinnen.
Dabei meine ich mittlerweile einige besondere Fallstricke für die Planenden erkannt zu haben:
- Vermeiden Sie Freitextfelder wenn irgend möglich. Nicht nur, dass sie schwer automatisiert auszuwerten sind – sie bergen die Gefahr von SuS dafür genutzt zu werden, unter Nennung von Namen von Lehrkräften zum Dampfablassen benutzt zu werden. Datenschutztechnisch können Sie in Teufels Küche kommen, wenn z.B. die Schulleitung die unzensierte Herausgabe dieser Daten verlangen sollte.
- Verwenden Sie eine konsequente und für die Beteiligten transparente Anonymisierung – ich werde noch später bloggen, wie so etwas technisch realisierbar ist.
- Eine grundsätzliche Schwierigkeit bergen allgemein gehaltene Fragen, z.B. “Mit der Unterrichtsgestaltung an er Schule xy bin ich zufrieden.” SuS werden berechtigt einwenden, dass diese Fragen über alle Lehrkräfte gebogen nicht beantwortbar sind und sich auf die aus ihrer Sicht nichtssagendenste Antwortmöglichkeit zurückziehen, die eine spätere Auswertung stark verzerrt. Die Alternative von personalisierten Feedbacks zu einer Lehrkraft birgt Sprengstoff für den Schulfrieden und verletzt wahrscheinlich Datenschutzrichtlinien. Nettes Dilemma. Ich persönlich würde mich dieser Herausforderung stellen, weil ich das spannend finde. Problematisch ist natürlich, dass jede Lehrkraft (natürlich auch ein Herr Riecken) bei einer gelungenen Anonymisierung irgendwie ihr Fett wegbekommen wird – spannend wird es dann weiterhin, ob eine Schulleitung auf derartige Daten Zugriff erhalten dürfte und welchen realistischen Aussagewert (der Mensch ansich übertreibt ja gerne) eine solche Evaluation gerade bei uneliebten Lehrkräften hätte, die ihren Mythos schon über Jahre mit sich herumschleppen. Noch ein nettes Dilemma.
- Vermeiden Sie Fragen, die zwei Kriterien abprüfen, etwa: “XY ist ansprechbar und freundlich.”. Das sind zwei verschiedene Aspekte. Ich kann zwar freundlich, jedoch selten erreichbar sein oder umgekehrt, z.B. muss ja auch das Schulleitungsteam hin und wieder unterrichten und ist dann nicht ansprechbar für SuS oder Eltern.
- Sie werden es niemandem Recht machen können. Es wird immer an irgendeiner Stelle irgendeinen Ärger oder Verlangen nach Daten geben. Machen Sie sich also dringend im Vorwege mit den in Ihrem Land gültigen Datzenschutzgesetzen vertraut, um in einem späteren Diskurs angemessen reagieren zu können.
Insgesamt kann das alles eine spannende Erfahrung werden. Es können ja auch z.B. Lehrerinnen und Lehrer z.B. die Eltern- und Schülerschaft einer Schule evaluieren…
Diesen Begriff gibt es nicht. Ich habe ihn erfunden – allerdings nicht alleine. Ich möchte ihn wie folgt verstanden wissen: Die funktionalistische Didaktik umfasst alle inhaltlichen Strategien, um in der Wirtschaft erfolgreiche Prozesse auf pädagogische Systeme abzubilden.
Wirtschaft wiederum bedient sich gerne an mir durch die Zeit lieb gewordenen Theorien, etwa der humanistischen Psychologie. Wenn Persönlichkeitsstärkung mit Methoden der humanistischen Psychologie bzw. Pädagogik mit dem ZIel der Profitmaximierung betrieben wird, ist das in meinen Augen Funktionalismus, d.h. man nutzt z.B. in diesem Fall eine Theorie der Freiheit, um Angestellte und sogar Kunden an eine Firma zu binden – eigentlich ein unauflöslicher Widerspruch. Gerechtfertigt wird das damit, dass dadurch die Teamfähigkeit und Produktivität gesteigert wird – schwieriges Thema.
Auf Schule bezogen entwickeln Anhänger des Funktionalismus momentan folgende Vision, die ich ich in Anlehnung zur Rhetorik der Fernsehwerbung einmal mehr unkonventionell darstellen möchte:


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