GoogleDocs: Die Suche geht weiter nach vorn

vom 20. Mai 2010, in Methoden, von Maik Riecken

Nachdem ich in diesem Artikel erste Erfahrungen mit GoogleDocs beschrieben habe, kann ich nun sogar mit ersten Ergebnissen aufwarten.  Metareflexionen ohne authentisches Schülermaterial kranken ja  oft an dem “Oberflächlichkeitsverdacht”. Der Weg ist bei der ersten Erfahrung didaktisch einmal mehr sehr unkonventionell, aber es galt neben dem notwendigen inhaltlichen Übel gleichzeitig die neue Methode in ihren Möglichkeiten auszuloten – da muss man manchmal recht stumpf neue Wege gehen.

Erfahrung 1:

Thema ist die allseits beliebte und immer wieder gerne unterrichtete “indirekte Rede” mit ihrem bis ins Abitur hinein verfluchten Regeln zum Konjunktivgebrauch. Die Bildungsregeln waren eingeführt. Auch habe ich schon sehr klassisch in unserem Regelheft die Sache mit der Grundform (Konjunktiv I) und den beiden Ersatzformen (Konjunktiv II/würde) besprochen und eingeübt. Soweit zum Thema “traditioneller Unterricht”.

Meine ersten Versuche mit den Textdokumenten von Google waren recht ernüchternd, da sie gerade in jüngeren Klassen zu Fehlbedienungen einladen (“Oh, jetzt ist alles gelöscht, da wollte ich nicht!”). Das lässt sich retten, da Google eine umfangreiche Versionierungsfunktion mitliefert, mit der man vieles wieder gerade rücken kann. Hauptgrund für die häufigen Irritationen ist die Nähe der vielen Cursor zueinander – da braucht es erstmal vor allem eines: Abstand.

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Die Welt der literarischen Fantasie

vom 27. Februar 2010, in Deutschunterricht, von Maik Riecken

Tzvetan Todorov hat in der Auseinandersetzung mit Literatur aus der Epoche der Romantik (überwiegend) eine Theorie entwickelt, wie Fantastik eigentlich funktioniert. Diese Idee lässt sich auch auf moderne Texte oder Filme anwenden. In Filmen oder Texten begegnen uns fantastische Ereignisse:

Das Unheimliche

In der Matrixtrilogie wird eine Welt entworfen, die fantastisch und bedrohlich ist. Maschinen nutzen Menschen als Energiequelle und erhalten ihre Körper dadurch am Leben, dass sie ihnen eine neue Welt, eine “Matrix” schaffen, in der sich das Leben abspielt. Diese Welt existiert nur im Geiste der Menschen, Sinnesreize werden durch Stimulation von Nerven künstlich erzeugt. Die Körper liegen tatsächlich in “Brutkästen” und liefern biochemische Ernergie. Diese Welt nehmen die meisten Menschen als wirklich wahr. Die Matrixtrilogie ist deswegen unheimlich, weil es theoretisch denkbar ist, die dazu notwendigen Mensch-Maschineinterfaces zu bauen. Es mag mit der heutigen Technologie nicht möglich sein, aber vielleicht mit einer zukünftigen. Gleichwohl gibt es Menschen (Identifikationsfiguren) in dieser Welt, die aus ihr ausbrechen, die in die Wirklichkeit gelangen und die Brutkästen sehen.

Das Wunderbare

Der “Herr der Ringe” – als Buch oder Kinofilm – bietet hingegen eine Welt an, die voller Zauberei und Fabelwesen ist. Teilweise sind übernatürliche, tranzendentale Kräfte am Werk. Die Existenz von Wesen wie Dämonen oder sich bewegenden Bäumen steht nicht mit den Naturgesetzen in Einklang. Die Menschen in dieser fantastischen Welt sehen diese Elemente als selbstverständlich an – der Leser weiß es natürlich besser: So etwas kann es nicht geben. Daher löst er diesen Widerspruch für sich so auf, dass er Wunderbares sieht. Das Wunderbare berührt in ganz anderer Art und Weise wie das Unheimliche.

Die Postmoderne

Viele fantastische Texte wird man mit Todorovs Theorie sehr gut in den Griff bekommen, weil der Text selbst und die Erfahrung des Lesers den Weg der individuellen Auflösung der Fantastik bestimmen. Im Text werden durch unzählige Signale Deutungshinweise gegeben. Es gibt jedoch auch Texte, die sich den Kategorien Todorovs entziehen, z.B. Christoph Ransmayrs Roman “Die letzte Welt“. Hauptansatzpunkt von Todorov ist ja, dass Leser und handelnde Figuren gleichermaßen unschlüssig sind, der Leser jedoch die Unschlüssigkeit für sich auch mit Hilfe des Textes auflösen kann. Das ist in diesem postmodernen Roman an vielen Stellen jedoch nicht erfüllt, weil er inkompatible “Unschlüssigkeitsbewältgungssignale” sendet und damit vor allem auch den Aspekt der Wirklichkeitserfahrung von Leser und Figuren (“In welchen Verhältnis stehen Fantasie und Wirklichkeit?”) vielschichtig problematisiert.

Durch die dadurch – und viele weitere Elemente, z.B. “invertierte Personifikationen” – ausgelöste Irritation eröffnet sich für mich ein ganz anderer Blick auf “klassische Literatur” mit den Fantastikkonzepten, wie sie mit Todorov fast immer zu knacken sind.

Wer mehr dazu erfahren möchte, dem sei der Roman selbst empfohlen wie auch eine ausgearbeitete Unterrichtsreihe von Dr. Carsten Lange. In Kombination aus beidem wird der Roman mit seinem extrem hohen Lesewiderstand (er hält sich einfach nicht an Literaturregeln…) viel besser zugänglich. Mit einem fitten Leistungskurs Deutsch lässt sich dieses Werk nach meiner Erfahrung ganz gut angehen – ich habe eine Unterrichtsreihe selbst gesehen und eine durchgeführt. Es ist natürlich ein Luxusthema, für das man sich in Zeiten zentraler Prüfungen den Raum schon schaffen muss.

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Rückschau: Smartboard, Web2.0, Lesekonferenzen

vom 25. Februar 2010, in Aus der Schule, von Maik Riecken

In letzter Zeit habe ich so einige Dinge angedacht – es wird Zeit einmal von konkreten Erfahrungen zu berichten.

1. Smartboard-Erfahrungen

Ich habe jetzt einige Erfahrungen mit der Smartboard-Software sammeln dürfen. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein ganz schlechter Klicker bin. Ganz viel lässt sich damit anstellen und noch mehr ist intuitiv bedienbar, aber es macht mir viel zu oft “Pop” auf dem Board (wenn ich mit dem Finger darauf tippe, um z.B. Werkzeuge zu wechseln oder die Handschrifterkennung zu aktivieren). Besser haben mir in Kombination mit dem Smartboard zwei Web2.0-Dienste gefallen:

  • http://en.linoit.com/ – eine virtuelle Pinnwand, die sich sehr intuitiv und einfach bedient und eigentlich auch genug kann, um z.B. Metaplaning zu virtualisieren. Die durfte ich einmal mehr durch René Scheppler kennen lernen. Es fehlt mir noch eine Exportfunktion, etwa als PDF, oder ich finde sie nicht.
  • http://mind42.com/ – ein Dienst zur kollaborativen Erstellung von Mindmaps, man kann sogar simultan mit mehreren Person an einer Map arbeiten. Kennen gelernt habe ich diesen Dienst durch Daniel Juling auf dem EduCamp in Hamburg.

Oberst nervig ist für mich der Medienbruch bei der Pinnwand, wenn gesichert werden soll. Bei mind42 exportiere ich ein PDF und lade das z.B. in einem Moodlekurs hoch, bei linoit bleibt mir bisher nur der Griff zum Bildschirmfoto. Tja – wenn wir jetzt Schülernotebooks hätten…

2. Lesekonferenzerfahrungen

Ich war heute sehr stolz auf eine meiner Klassen. Die Beiträge (Hausaufgaben) wurde so differenziert und eben nicht ausschließlich defizitorientiert von den SuS besprochen, dass man wirklich sehen konnte, wie dem einen oder anderen Vortragenden die Brust schwoll. Außerdem kam ich mir in diesen ersten 15 Minuten ziemlich überflüssig vor. Hoffentlich verlieren sie nachhaltig die Angst vor dem Hausaufgabenvortrag. Ob das jetzt an meinen pädagogischen Impetus liegt oder an der Klasse selbst oder an beiden ist mir eigentlich egal. Das Ergebnis zählt.

3. Blog im Unterricht

Ich versuche gerade eine Art Zeitungsprojekt mit einer meiner Klassen auf die Beine zu stellen. Dafür nutze ich ein WordPress-Blog – natürlich (wer mich kennt, weiß es…) kein öffentliches, sondern ein selbst auf unserem Schulserver installiertes. Scheitern, scheitern, scheitern. Die Registrierungsmails kommen nicht an, die verschickten Passworte funktionieren nicht usw. Seufz – mit wordpress.com wäre das schon einfacher, aber eben total öffentlich und eben noch’n Account noch’n Gedicht… Aber heute scheint es endlich geklappt zu haben. Vielleicht können wir morgen schon losbloggen. Und am Schluss der Einheit zeige ich ihnen natürlich auch Blogdienste wie wordpress.com.

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SMART-Board – Die Frucht des Bösen?

vom 13. August 2009, in Aus der Schule, von Maik Riecken

Wir haben jetzt unsere ersten zwei SMART-Boards an der Schule erhalten. Ich habe im Vorwege sehr viel über interaktive Tafeln gelesen, wobei das Meiste eher negativ klang: Diese Boards würden unzeitgemäßen Frontalunterricht stärken, seien bloße technische Spielerei, nähmen Platz weg und müssten im Gegensatz zu einer klassischen Tafel technisch gewartet werden. Den letzten Punkt sehe ich nach meinen ersten Erfahrungen ein – obwohl bisher bei uns noch nichts gewartet werden musste.

Vorteil 1: Präsentation von Hausaufgaben

Heft des Schülers oder der Schülerin unter die Kamera legen, Knopf drücken, mit virtuellen Stiften im entstandenen Bild herum malen – radieren, es vielleicht als Musterlösung gleich im Moodlekurs speichern (/moodledata ist natürlich per WebDAV angebunden, “speichern unter” reicht also…). Das spart Zeit, die bei der klassischen Tafelpräsentation ungenutzt bleibt.Bei Deutschaufgaben können alle beim Vortrag mitlesen, es werden also mehr Lernkanäle angesprochen – dementsprechend dezidierter fallen die Rückmeldungen aus.

Vorteil 2: Ist die Tafel voll, erweitern wir sie oder nehmen eine neue Folie

Ich muss keine Schülerversion eines Tafelbildes mehr “wegschmeißen”. Ich kann bequem hin- und herschalten. Und wenn nicht alle den Anschrieb ins Heft übertragen können – so what. Speichern, drucken, verteilen (ich finde das Abschreiben von der Tafel trotz SMART-Board aber immer noch wichtig…). Ich mache auch gerne Stunden mit einem lenkenden Einstieg, auf den ich am Schluss zurückkomme – geht geschmeidig ohne Medienbruch. Wenn SuS mehr Aspekte finden als die Tafel hergibt – lass’ sie schreiben. Wir können beliebig erweitern, Dinge partiell wieder löschen, Handschriftliches hin- und herschieben (SuS können auch auf dem SMART-Board schreiben, jaja…).

Vorteil 3: SuS bei der Informationssuche im Netz zuschauen

Das ist ungemein spannend: Das SMART-Board dürfen SuS bei mir wie ein klassisches Hilfsmittel nutzen – dabei stellen sich meinerseits Erkentnisse ein, die so manches Referat erklären.

Vorteil 4: Kursportfolio

Gutes kommt gleich ins Mahara-Kursportfolio (WebDAV-Anbindung). In Heften versauert schon genug Potential.

Vorteil 5: Nie wieder konvertieren…

Filme, Mediadateien gleich im originalen Kontext zeigen – das spart Zeit zu Hause bei der Vorbereitung – Links z.B. auf Delicious sammeln…

Vorteil n: (tbc…)

Ich wurde dabei ertappt, wie ich mit dem Finger auf dem SMART-Board einen falsch gesetzten Punkt wegwischen wollte (bei gezücktem schwarzen Stift) – lustiger Effekt (der Finger malt dann auch schwarz, für solche Spielerein muss man dann unauffällig den virtuellen Schwamm ziehen…). Es ist für mich eine Tafel 2.0. Sie kann auch nur als Tafel 1.0 genutzt werden. Sie ist nicht frontaler als die Kreidetafel.- entsprechender Unterricht vorausgesetzt. Nur eines darf das SMART-Board nicht: Ausfallen. Das wäre dann wie eine Tafel, die von der Wand kippt… Ich fürchte, dass ich mich trotzdem an die Tafel 2.0 gewöhnen könnte…

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Kleinweich Fenster

vom 22. April 2009, in Tech-Talk, von Maik Riecken

Ich habe für mich ein Notebook mit “Kleinweich Fenster Erlebnis Professionell” erworben. Darauf soll Lernsoftware laufen – betriebssystemunabhängig produziert ja kaum ein Verlag. Es ist ein gutes gebrauchtes Business-Notebook mit einem Pentium 4 mobile (2Ghz)  und 512MB RAM. Ich bin der Meinung, dass jedes Betriebssystem seine Berechtigung, seine Vorzüge und seinen Platz hat. Ich weiß aber jetzt, dass dieses Betriebssystem nicht zu mir passt.

Eigentlich wollte ich an diesem Abend nur mal eben ausprobieren, ob OpenOffice die unter Ubuntu Intrepid erstellte Präsentation mit Videos und eingebetteten Objekten auch unter Windows frisst. Dazu kam es nicht.

Erstmal habe ich das Notebook eingeschaltet. Nach 30s (nun gut, es ist nicht das neuste Modell) konnte ich mich anmelden. Der Systemklang erscholl, die Arbeitsfläche baute sich auf. Schön. Ooops – Festplattengeratter. Achja – der Virenscanner. Oh – Windowsupdates auch noch dazu. 10 Minuten später verstummte die Festplatte. Oh – ein Neustart ist erforderlich. Während des Herunterfahrens werden nochmals Updates installiert. 5 Minuten Festplattengeratter. 30s – Anmeldung. Fünf Minuten rattert die Festplatte nach dem Aufbau der Arbeitsfläche. Nach mehr als 30 Minuten war das Gerät dann betriebsbereit. Nach dem Anblick diverser Sprechblasen, die mir z.B. mitteilen wollten, dass ein USB-Gerät doch eine höhere Geschwindigkeit erreichen könne, oder das der Virenscanner nicht mehr aktuell sei – obwohl der gerade geupdatet worden war, entfuhren mir mehrere unschöne Lexeme. Ok, das Gerät war zwei Wochen nicht benutzt worden, d.h. bei täglichem Gebrauch wäre es wahrscheinlich innerhalb von fünf Minuten betriebsbereit.

Download von Ubuntu Jaunty (Dank Kabelinternet war das ISO in 10 Minuten gezogen und gebrannt – mit einem Ubuntu LTS). Parallelinstallation auf dem Notebook – 30 Minuten inkl. Updates aus den APT-Sources. Reboot. Notebook nach dem Reboot nach 40s voll einsatzbereit. Es weist mich durch dezente Symbole darauf hin, dass es gut wäre, wenn ich aktualisiere. Keine Sprechblasen. Unnötig zu sagen, dass die Präsentation auf Anhieb lief. Ach ja: OpenOffice war dann schon installiert.

Wenn andere Menschen so arbeiten können – bitte. Ich kann es nicht. “Kleinweich Fenster  Erlebnis  Zuhause” läuft hier wieder in einer virtuellen Maschine nebenbei – z.B. für den Videoschnitt. Mit dem Hauptsystem kann ich dann ganz normal weiterarbeiten.

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