Gerade wurde bei uns in den 5. Klassen ein Vergleichsdiktat geschrieben. Mit den Jahren fallen diese Diktate nicht besser aus, obwohl ich mir einbilde, dass die Diktattexte selbst immer leichter werden. Meine begrenzte Ursachenfoschung an dieser Stelle entbehrt jedweder Wissenschaftlichkeit, hilft mir aber bei der Aufrechterhaltung meines subjektiven Weltbildes. Wo sehe *ich* Ursachen?
1. Schriftlichkeit – Mündlichkeit
Vor 15 Jahren war noch alles gut. Es gab eine geschriebene Sprache und es gab eine gesprochene Sprache. In Briefen schrieb man überwiegend Schriftdeutsch, sogar auf Urlaubskarten (ganze Sätze, grammatische Sätze usw.). Es gab auch schon einzelne Ansätze, das nicht zu tun, z.B. auf Gruß- oder Glückwunschkarten. Aber im Großen und Ganzen sprang das Relais mit der Aufnahme eines Schreibgerätes auf den “Schreibmodus” um, d.h. mündliche Sprache war von der schriftlich formal-sprachlich klar unterschieden.
Dazu ein Beispiel aus dem Schulalltag: Eine typische Gruppenarbeit im Fach Deutsch könnte z.B. so aussehen, dass ein komplizierter Text in Abschnitte zerlegt wird und jede Kleingruppe jeweils einen Abschnitt zur Bearbeitung erhält. Bei dieser arbeitsteiligen Form ist auf den ersten Blick die Effizienz höher und auch die letzte Gruppe hat etwas zu präsentieren, was für das Gesamtergebnis wichtig ist. In einem Unterrichtsgespräch oder durch eine andere Form werden die einzelnen Gruppenarbeitsergebnisse zusammengeführt. Jetzt werfen wir einmal einen Blick auf den Schaffensprozess innerhalb einer solchen Kleingruppe:
- jedes Gruppenmitglied liest seinen Abschnitt zunächst für sich und markiert bzw. fügt Notizen hinzu (Phase 1)
- die gewonnenen Erkenntnisse werden zusammengetragen (Phase 2)
- er erfolgt in einer Diskussion eine Kategorisierung und Hierarchisierung (Phase 3)
- es wird ein Gruppenvortrag auf Basis der gewonnenen Ergebnisse erarbeitet (Phase 4)
- der Gruppenvortrag wird im Plenum präsentiert (Phase 5)
Dabei möchte ich folgende Beobachtungen festhalten:
- Dokumentiert ist am Ende der Arbeit das Arbeitsergebnis, jedoch nicht der Prozess von dessen Entstehung
- Gruppen werden von einzelnen Mitgliedern oft dominiert, während – abhängig von der Gruppengröße – sich auch Rückzugsmöglichkeiten für einzelne ergeben
Was für ein Prozess ist innerhalb einer Wave denkbar?
Nehmen wir an, die obige Aufgabe sei als Wave konzipiert. Nehmen wir ferner an, die Gruppenarbeit liefe im PC-Raum ab. Man muss bei Wave noch wissen, dass das System jeden Tastendruck sofort abbildet (abschaltbar).
Chemie ist ein Fach, welches in der Regel mit Ausrufen “kompliziert” oder “Habe ich nie verstanden” abgetan wird. Die Ursache wird oft in der Abstraktheit des Faches gesehen. Wer hat in seinem Leben, denn schon ein Atom erfahren? Wer macht sich denn Gedanken um Begriffe wie “Suspension”, “Dichte” oder “Redoxsystem”? Das Interesse von SuS am Fach Chemie soll in den letzten Jahren stark zurückgegangen sein. In der Tat wird bei uns an der Schule das Fach Biologie als Naturwissenschaft zunehmend öfter angewählt.
Die Rettung soll eine stärkere Kontextualisierung des Faches Chemie bringen. So kann man z.B. sofort mit der Untersuchung von Cola/Cola light beginnen – das kennen SuS. Es geht eben darum, den Chemieunterricht am Alltag anzubinden und damit an der konkreten Lebenswelt der SuS. Untersuchungen lassen erkennen, dass das Interesse von SuS am Chemie dadurch gesteigert wird. Die fachlichen Leistungen eigentlich auch?
Continue reading »
Ich stelle in letzter Zeit vermehrt fest, dass es eine Reihe von innovativen und interessanten Initiativen gibt, die allesamt das Ziel verfolgen traditionellen Unterricht zu ersetzen. Da gibt es dann tolle englische Abkürzungen und noch tollere superlative Aussagen über Erfolge bei den SuS.
Dazu einmal eine Hypothese:
Wenn eine Methode oder ein Konzept erfolgreicher als traditioneller Unterricht ist, so müssen es eigentlich auch die Arbeitsergebnisse sein, es sei denn, die Motivation der SuS durch die neue Methode ist für sich genommen schon das Unterrichtsziel.
Ich stelle fest, dass es bei vielen innovativen Projekten zwar viele Fotos von glücklichen Menschen und unzählige Zitate noch glücklicheres SuS gibt, jedoch sehr selten konkrete, authentische Arbeitsergebnisse – in Deutsch könnten das z.B. Schülertexte sein, die den Vergleich mit Texten aus traditionellen Unterrichtsformen standhalten oder übertreffen. Dabei dürfen dann beide Parteien gerne ihre “Best-of”-Kiste bemühen.
Ich frage mich, warum das so ist. Ketzerisch könnte man sagen, dass es dann eher darum geht, prinzipiell zu vermarkten und auszuschlachten, als darum nachhaltig zu arbeiten. Versöhnlich ließe sich anführen, dass sich moderne Didaktik als eine Didaktik der Lernwege und nicht als eine der Lernziele versteht – darüber und den Sinn sowie Ertrag müsste man auch noch einmal sprechen…
Ich glaube Projekten ohne authentische Arbeitsergebnisse nicht. Vielleicht bin ich dafür zu traditionell.
Diesen Begriff gibt es nicht. Ich habe ihn erfunden – allerdings nicht alleine. Ich möchte ihn wie folgt verstanden wissen: Die funktionalistische Didaktik umfasst alle inhaltlichen Strategien, um in der Wirtschaft erfolgreiche Prozesse auf pädagogische Systeme abzubilden.
Wirtschaft wiederum bedient sich gerne an mir durch die Zeit lieb gewordenen Theorien, etwa der humanistischen Psychologie. Wenn Persönlichkeitsstärkung mit Methoden der humanistischen Psychologie bzw. Pädagogik mit dem ZIel der Profitmaximierung betrieben wird, ist das in meinen Augen Funktionalismus, d.h. man nutzt z.B. in diesem Fall eine Theorie der Freiheit, um Angestellte und sogar Kunden an eine Firma zu binden – eigentlich ein unauflöslicher Widerspruch. Gerechtfertigt wird das damit, dass dadurch die Teamfähigkeit und Produktivität gesteigert wird – schwieriges Thema.
Auf Schule bezogen entwickeln Anhänger des Funktionalismus momentan folgende Vision, die ich ich in Anlehnung zur Rhetorik der Fernsehwerbung einmal mehr unkonventionell darstellen möchte:


Letzte Kommentare