RAMBO (Riecken Arbeitet Mit Blogs Online) – Folge 6

vom 18. September 2011, in Methoden, von Maik Riecken

Ich begleite in diesem Jahr einen Deutschkurs auf erhöhtem Niveau. Da in dem Unterrichtsraum ein SMART-Board (und keine weitere Tafel) vorhanden ist, lag es nahe, meine bisherigen Versuche, mit Blogs zu arbeiten (hier, hier, hier, hier und hier) etwas konsequenter auszuweiten und explizit durch GoogleDocs zu flankieren. Es geht dabei nicht primär um freie Unterrichtsformen – dafür sind die Vorgaben für das Fach Deutsch im neuen Kerncurriculum einfach zu umfassend – dort wird zwar von Kompetenzorientierung an jeder Ecke mit Buzzwords gefaselt – die zu bearbeitende Stofffülle in teilweise “interessanten” Kombinationen lässt das de facto jedoch kaum zu.  Was passiert in diesem Blog:

  1. Alle Arbeitsmaterialien und Stundenergebnisse stehen darin zur Verfügung, bzw. sind in den jeweiligen Stundenprotokollen verlinkt
  2. Jede Stunde wird ein Protokoll von einem Schüler bzw. einer Schülerin verfasst und in der Kategorie “Protokolle” abgelegt (nachdem der Chef, äh Lernbegleiter kontrolliert hat…)
  3. Längere Hausaufgaben z.B. zur Klausurvorbereitung werden im Blog erledigt
  4. Jeder Artikel kann für diejenigen, die die Sicherheit brauchen, über das Plugin arcticle2pdf auch als PDF heruntergeladen werden
  5. Es gibt Dreierteams, die jeweils drei Texte von Mitschülern sichten und nach Regeln kommentieren, die wir im Prozess gerade noch erarbeiten.
  6. Die Schülerinnen und Schüler bestimmen über das Plugin Member Access selbst, wie die Sichtbarkeit ihres Artikels gestaltet ist: Nur Lehrer, Lerngruppe, Welt
  7. Die Schülerinnen und Schüler haben volle Einsicht in meine Unterrichtsvorbereitung (GoogleDocs-Dokument), ja theoretisch auch schon vor der Stunde…
  8. Unterrichtsergebnisse werden in GoogleDocs notiert – dort stehen sie z.B. zum Verfassen der Protokolle zur Verfügung

Ganz neu:

Alle Schülerinnen und Schüler haben ein Pseudonym erhalten – ich möchte nämlich, dass nach Rücksprache mit dem jeweiligen Autorin, dem jeweiligen Autor eine Veröffentlichung für die “Welt” möglich wird, ohne dass die mit einem Realname assoziiert ist. Für das gegenseitige Kommentieren (Peer-Review) dient diese Tabelle, die über eine Kategrie “Organisatorisches” per Klick erreichbar ist:

Diese Personen sind zuständig für
Team 1 T1a T1b T1c T2a T3b T4c
Team 2 T2a T2b T2c T3a T4b T5c
Team 3 T3a T3b T3c T4a T5b T6c
Team 4 T4a T4b T4c T5a T6b T1c
Team 5 T5a T5b T5c T6a T1b T2c
Team 6 T6a T6b T6c T1a T2b T3c

Die Teams sind nach verschiedenen Stärken (Sprache, Struktur, Formales usw.) gebildet. Die Zuteilung von Personen zu einem Team ist ganz einfach: Man beginnt mit dem Namen, der unter dem des ersten Teammitglieds steht und geht dann diagonal nach unten rechts (am Beispiel von Team 1 grün markiert) – so kommt man nicht durch den Tüdder. Damit die Texte der einzelnen Personen leicht auffindbar sind, ist das Authors Widget sehr praktisch.

Probleme:

  1. Die SuS haben keine digitalen Endgeräte, d.h. ich muss noch immer mit Zetteln (= Medienbrüchen) arbeiten.
  2. Schön wäre es, wenn Schüler vom Platz aus selbst Beiträge in das GoogleDocs-Dokument vornähmen, z.B. um das “Tafelbild” zu ergänzen – leider gilt hier Punkt 1. Jede billige Android-Klitsche wäre dafür geeignet. Fundraising – vier Geräte würden erstmal reichen, aber ich habe da schon eine Idee, wo ich die herbekomme…
  3. Das Notebook für das SMART-Board steht bei uns an der Wand direkt daneben – wenn ich dort tippe, sehen meine SuS den Lernbegleiter von hinten – meine Lösung ist schon unterwegs. Das Ding kann ich auch mit in die Gruppe geben…

Zwischenfazit:

Der Anfang ist gar nicht so einfach. Allmählich verselbstständigen sich jetzt bestimmte Prozesse – ein derartiges Setting ist für beide Seiten erstmal ungewohnt. Der nächsten Schritte wäre dann der an die Öffentlichkeit, d.h. ausgewählte Texte “worldreadable” zu machen. Auch wäre es schön, wenn sich die SuS das Blog noch selbst erobern – das hat mit einer 8. Klasse schon ganz gut geklappt – zeitweise. Der technische Aufwand ist begrenzt – man muss lediglich sein WordPress installiert bekommen und mit den Plugins versehen. Das geht bei vielen Hostern schon per One-Click-Installation. Mir macht es Spaß… Den Spaßfaktor bei den SuS werde ich vielleicht noch evaluieren.

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Dieser Artikel ist mein erster(?) Beitrag zum deutschen OpenCourse #opco11, über den ich letztens noch so geschimpft habe. Er passt also nicht so ganz in den üblichen Artikelstrom dieses Blogs. Das möge man mir nachsehen… Das Thema des Artikels entspricht dem Thema des #opco11 diese Woche – und jetzt aber los:

Lerntechnologien – es gibt einiges an Tools in den Weiten des Webs. Martin Kurz hat in seinem Blog viel zu seiner Nutzung von Moodle im Unterricht geschrieben – ich war dabei nie so konsequent wie er. Über die Jahre habe ich mit vielen Tools experimentiert und dabei immer anhand von konkreten Gegenständen Erfahrungen gesammelt und oft auch gebloggt. Es ist für mich an der Zeit zu dem zu werden, wofür Horst Sievert einen Namen gefunden hat – zu einem Change Agent.

Bevor ich das hier vor Ort tatsächlich angehe – die erste Weiche ist schon gestellt, möchte ich einige Geschichten zu mir, meinem Unterrichtserleben und bekannteren Web2.0-Tools erzählen. Da viel zu sagen und im Rahmen von #opco11 noch zu lesen ist, formuliere ich nur Impulse und verweise auf die Artikel meines Blogs, dem meinen Gedanken entstammen, so dass man nicht alles lesen muss. Die Abfolge der Impulse folgt einem übergeordneten Artikel, der mein Verhältnis zu offenen, teiloffenen und geschlossenen Tools klärt.

Moodle

Meine Geschichte zu Moodle gibt es auch. Moodle ist zunächst einmal ein System, das dem einfachen Nutzer alles verbietet, was der Trainer nicht ausdrücklich erlaubt. Das ist gewissermaßen seine Natur im Auslieferungszustand. Moodle hat mir viele gute Dienste geleistet und tut dies auch heute noch. Um schnell einmal ein anonymes Feedback zusammenzuklicken oder einen Absprungpunkt für eine Reise ins Netz zu finden, für Bereitstellung von Materialien für Fachschaften oder Kollegen, dafür nutze ich das System auch heute noch hin und wieder. Moodle ist nach meiner Erfahrung im Unterricht ein schwerfälliger Wagen, den man immerzu schieben muss – weil es sich als Ganzes eben kaum am Lerner orientiert. Selbst erfahrene Netzuser unter meinen Schülern sitzen vor dem System erstmal mit vielen Fragezeichen.

Dennoch: Ich denke, dass wir Moodle in der Schule als Brückentechnologie noch brauchen werden, gerade weil sich bestehende Schul- und Unterrichtsstrukturen damit 1:1 abbilden lassen. Dies gibt denjenigen vielleicht die Sicherheit, die den neuen Medien eher skeptisch gegenüberstehen. Und auch hier ist Moodle noch längst nicht etabliert oder als Werkzeug alltäglich.

Blogs

Blogs und Wikis sind ganz anders als Moodle. Sie erschließen sich dem Nutzer weitgehend intuitiv und sind so viel spontaner zu nutzen als eine VLE-Gigant wie Moodle. Aber auch hier gilt für mich, dass der Satz “blogge doch mal mit deinen Schülern” viel zu kurz greift. Es gilt, immer eine Waage zu finden zwischen dem Abgeben von Verantwortung und dem Alleinelassen. Einen Fünftklässler alleine vor ein leeres Blog zu setzen – am besten noch bei einem Blogdienst – das ist ein Alleinelassen in meinen Augen. Zu meinen Erfahrungen mit Blogs gibt es eine ganze Artikelreihe. Zentrale Voraussetzung für die erfolgreiche Arbeit mit Blogs ist die Lösung des Rezeptionsproblems. Deswegen blogge ich mit Schülerinnen und Schülern bisher noch nicht öffentlich und immer im Klassenverband. Wenn ich viele Inhalte habe, kann ich mir auch Strukturen zu deren Organisation überlegen – hier bietet sich erweitertes Lernpotential.

Den Blogwagen musste ich dabei nie schieben. Die SuS haben sich diesen Raum selbstständig auch erobert. Leider konnte ich bisher nicht immer ausreichend dabei am Ball bleiben.

Blogs können für mich viele Dinge besser als es Moodle kann. Wer schon einmal Hausaufgaben mit Moodle eingesammelt hat, bekommt eine Krise: Es braucht unzählige Klicks, bis man alles zusammen hat – dann schlägt man sich mit unterschiedlichsten Dateiformaten herum und und und… Hausaufgabentexte kommen bei mir einfach in ein Blog und dann wird kommentiert per organisierter Rezeption. Ich brauche für Rückmeldungen Stunden. Ein Lerngruppe schreibt in 45 Minuten jedem Lerngruppenmitglied drei bis vier Feedbacks (Kommentarfunktion), die im Kern das Gleiche leisten, wenn die SuS durch den vorangehenden Unterricht gut vorbereitet sind.

Etherpad & GoogleDocs

Da sich beide Tools auch anonym nutzen lassen, kombiniere ich sie gerne mit Blogs. Es wird mit diesen Werkzeuge möglich, was vorher nie in eine Stunde gepasst hätte: Das Schreiben und die Konzeption eines längeren Textes – simultan, kooperativ. In Verbindung mit einem Smartboard werden sogar interaktive, schülerzentrierte “Tafelbilder” möglich. Spannend. Ich hatte es kürzlich überlegt, die Anonymität aufzubrechen, weil sie doch auch Probleme mit sich bringt, z.B. Vandalismus bzw. unbeabsichtigtes Löschen (hätte ich einen Accountnamen, könnte ich z.B. leichter Vorversionen wiederherstellen). Unser Schul-EDV-System ermöglicht aber ein Verfahren, welches auch dem Datenschutz voll gerecht wird, weil ich für die Anmeldung bei z.B. GoogleDocs auch Fakeangaben (Mailaliase) in unserem LDAP hinterlegen kann, die dann genutzt werden – mal sehen.

Mahara

Ich bin bezüglich Mahara noch sehr verwirrt – es ist vollkommen diametral zu Moodle in seiner Anlage. Es bietet gleichermaßen Schutzräume wie auch Freiheiten für Schülerinnen und Schüler. Wenn ein Schüler bestimmt, dass ich als Lehrkraft etwas nicht sehen soll, dann sehe ich es auch nicht – auch der Admin müsste sich das Ganze aus der Datenbank zusammenklauben. Das führt zu manchmal abstrusen Situationen, wenn SuS Feedback von anderen wollen, das aber nicht bekommen, weil sie schlicht und ergreifend vergessen haben, ihre Ansichten für Dritte zugänglich zu machen. Die SocialNetwork-Funktionen haben Schülerinnen und Schüler schnell entdeckt. Ein bisschen fehlt es mir an einer zentralen Timeline – lediglich die eigene Einstiegsansicht kann man sich nach Belieben zusammenklicken – selbst dann bekommt man aber nicht alles mit.

Mahara ist mit Moodle koppelbar – das haben wir bei uns an der Schule auch realisiert, sodass Funktionalitäten beider Systeme zur Verfügung stehen – selbst gestandenen webaffinen KuK ist aber Mahara immer noch ein Rätsel – weil es vielleicht eben radikal Verantwortung auf SuS überträgt und “man” als Lehrender da nicht viel organisieren kann und muss – das machen sie schon selbst. Kontrollverlust.

Facebook

Meine Position dazu steht bei Martin. Ich kann nur als Techniker darauf schauen. Und Techniker sind meist eher pragmatisch denn euphorisch. Mit iDingens-Produkten geht es mir ähnlich…

So viel?

Ich bin ein leidlich begabter Linuxadministrator. Ohne Kenntnisse von grundlegenden Serverdiensten hätte ich unsere Weblandschaft für unsere Schule nie aufbauen können. Wir haben auf dem Schulserver Moodle, Mahara, Etherpad, Mailaccounts für alle, einen zentralen Verzeichnisdienst (LDAP) usw.. Das ist die Ausnahme. Deswegen sind ja so viele Lehrer als Einzelkämpfer auf freie Angebote angewiesen. Was ich über den Schulserver nicht realisieren kann, mache ich mit privaten Ressourcen – ich bin so ein Typ, der Blogs in fünf Minuten via Konsole aufsetzt oder Moodle per Script updaten könnte. Auf diesem Gebiet ist in Deutschland noch viel zu tun. Es muss viel mehr zentrale Angebote für Schulen geben – nicht von Firmen, sondern durch den Dienstherren (der sich dann ja Know-How von Firmen einkaufen kann).  

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Diesmal wurde der inhaltliche Rahmen durch eine Einheit zur Erörterung gebildet. Wesentliche Elemente (Aufbau eines Arguments, Abfolge der Argumente bei steigernden bzw. dialektischen Erörterungen) habe ich klassisch im Unterricht mit Regelhefteinträgen und normalen Schreib- und Bewertungsaufträgen erledigt.

Aber schon für Stoffsammlungen erschien mir der klassische Ansatz (Zettel nehmen, jeder sucht Argumente und ordnet sie nach Gewichtigkeit usw.) nicht mehr zeitgemäß – vor Augen geführt wurde mir das durch eine spontane, kritische Schüleräußerung, die sinngemäß lautete:

“Herr Riecken, wie soll man denn aus sich selbst heraus, nur auf eigene Erfahrungen Bezug nehmend, zu wirklich inhaltlich überzeugenden Argumenten kommen?”

Recht hat er – fand ich. Passend zu den Vorkommnissen in Japan habe ich in einem GoogleDocs-Dokument Argumente pro und contra Atomkraft sammeln und jeweils ausformulieren lassen. Diese durften dann die SuS je nach Geschmack für eigene, steigernde Erörterungen in unserem Blog verwenden. So war ein solche Hausaufgabe auch unter der Woche durch die Vorentlastung einigermaßen zu bewältigen. Anhand der Blogeinträge konnte ich dann gezielt nochmal auf einzelne Herausforderungen im Unterricht eingehen – ein authentisches Arbeitsblatt ist schnell zusammenkopiert.

Heute bin ich nach einigen weiteren klassischen Stunden dann völlig verrückt geworden. Hausaufgabe war eine dialektische Erörterung zum Thema “Sollen sich SuS in den Pausen im Schulgebäude aufhalte dürfen?” (ein authentisches Problem in dieser kälteempfindlichen Klasse) in Form eines Briefes an unsere Schulleitung. Im Blog gab es dazu diese Aufgabe:

  1. Lies dir deinen zugewiesenen Text sorgfältig durch und verfasse einen Kommentar auf Basis der Kriterien aus dem Regelheft!
  2. Wähle je ein Pro- und ein Contraargument aus, von dem du überzeugt bist und kopiere es in dieses GoogleDocs-Dokument.
  3. Schreibe gemeinsam mit deinen Mitschülern die Gelenkstellen in dem GoogleDocs-Dokument – es soll am Schluss der Stunde ein fertiger Brief entstehen.

Die kursiv gedruckten Passagen verlinkten im ersten Fall auf eine GoogleDocs-Tabelle (nur lesender Zugriff), die regelte, wer welchen Text im Blog kommentiert und im zweiten Fall auf ein GoogleDocs-Dokument (anonym, schreibender Zugriff). Die SuS durften in einem Zwischenschritt (von 2 auf 3) noch die einzelnen Argumente durch Hinzufügen von Sternchen bewerten – jeder hatte für pro und contra je fünf Sternchen (*) zu vergeben.  Das Ergebnis haben wir uns angeschaut und dann Aufgaben verteilt -

  • Wer kümmert sich um die Sortierung entsprechend der Sternchenanzahl?
  • Wer formuliert welches Argument inkl. Anschluss an die umgebenden genauer aus?
  • Wer kümmert sich im die Gelenkstelle (Übergang von Antithese auf These)?
  • Wer kümmert sich um die Einleitung?
  • Wer kümmert sich um den Schluss?

Erfahrungen

  1. Eine Doppelstunde reicht für das gesamte Vorhaben nicht
  2. Es gibt Phasen des totalen Chaos – z.B. wurde zwischenzeitlich die schon durch Sternchen bewerteten Argumente für die Antithese versehentlich(?) gelöscht – leider fand Riecken die Versionierung in der konkreten Unterrichtssituation nicht… ( Jetzt weiß ich: Datei => Überarbeitungsverlauf anzeigen )
  3. Natürlich haben einige Witzbolde im Schutz der Anonymität auch Blondinenwitze integriert oder bereits zugewiesene Namen für die Bearbeitung von Textteilen nachträglich verändert
  4. Nach einigem gezielten Geschimpfe kam das Dokument dann doch in die Spur
  5. Der Sinn des Verfahrens erschloss sich den SuS in seinen Vorteilen zur klassischen Heft- oder Zettelklebearbeit erst prozessual
  6. Ich habe für Morgen jetzt genug Material, um den Übergang zwischen Argumenten zu üben (Arbeit am Lexikon und der Sprache)

Mir kamen heute Zweifel, ob gerade die anonyme Nutzung von GoogleDocs auf Dauer wirklich noch Sinn macht, weil das mehr und mehr ein Tool wird, dessen Nutzen von den SuS gesehen und auch anderweitig genutzt wird – hat dazu jemand schon einen Elternbrief entwickelt?

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Die Zeit vor den Halbjahreszeugnissen ist geprägt von vielen Fahrten: Bigband, Theater, Ausflüge usw.. Da viele Gruppen klassenübergreifend sind, sitze ich oft vor recht gelichteten Reihen – so auch in meiner eigenen Klasse. Heute haben wir daher den Frühjahrsputz in unserem Klassenblog etwas vorgezogen: Schlagwörter wurden ergänzt und verwaiste Artikel Kategorien zugeordnet, nicht mehr benötigte Entwürfe gelöscht und, und, und… Da alle Schüler Autorenrrechte besitzen, können sie fast beliebig über ihre jeweiligen Texte verfügen. Nebenbei ist das eine kleine Reise durch den Unterricht des letzten Jahres (zum letzten Schulhalbjahreswechsel ging das in dieser Klasse mit der Bloggerei los). Unsere Schlagwortwolke sieht jetzt so aus:

Der kundige Deutschlehrer unter euch wird allein daraus einiges zu meinem Unterrichtsgang erahnen können. Grammatik- und Rechtschreibeinheiten lassen sich eher schlecht bloggen und fehlen daher.

Ich weiß nicht, was diese Zeitreise den Schülerinnen und Schülern konkret gebracht hat. Ich habe gemerkt, dass durch diese Tag-Cloud meine Arbeit für mich ein bisschen mehr Substanz bekommen hat und auch für den nächsten Kollegen, der nun notfalls ohne mich auf einen Blick z.B. weiß, welche Kurzgeschichten schon gelaufen sind und welche Schwerpunkte gesetzt wurden. Ich habe wahrgenommen, dass fast alle während der Stunde im PC-Raum an der “Frühjahrsputzaufgabe” gearbeitet haben und wenig anderweitig gesurft wurde.

Ich plane, dass die Schülerinnen und Schüler am Ende des Schuljahres aus ihren “Best-of”-Produkten ein E-Portfolio mit Mahara erstellen. Der Import ist dank RSS-Autorenfeeds ja ein Kinderspiel…

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Zwei verschiedene Dinge gibt es in dieser neuen Ausgabe meiner kleinen Serie zu berichten. Zum einen geht um eine Einheit rund um die Interpretation von Gedichten, zum anderen um eine Reflektion der Komentarkultur von SuS in meinen Klassenblogs.

Interpretieren in Blogs

Das Blöde an Interpretationsaufsätzen ist, dass sie recht lang sind und man meist sehr lange vor einem Text sitzt, wenn man alleine ist. Als eine von vielen Vorübungen sollten die SuS eine in ihren Auge zentrale Beobachtung an einem Gedicht als Mikroteil eines Interpretationsaufsatzes im Klassenblog ausformulieren. Heraus kam bei der Beschäftigung mit Rilkes Gedicht “Das Karussell” z.B. so etwas:

“Innerhalb des Gedichtes nimmt die Anzahl, der dort vorhandenen “Und´s” zu . Sie sollen die “Drehbewegung” des Karussells sprachlich wiedergeben. Durch die “Und´s” werden Fakten und Aussagen aneinandergereiht und es entstehen Satzreihen, die zum Ende des Gedichtes zunehmen. Sie sollen die langsam zunehmende  Geschwindigkeit des Karussells inhaltlich darstellen, wobei auf abwechslungsreiche Konjunktionen verzichtet wird, um einen Lesefluss hervorzubringen, der ohne Pausen abgearbeitet werden kann. Da am Anfang weniger “Und´s” verwendet werden als am Ende, ist dort die Geschwindigkeitszunahme zu erkennen, die auch zusätzlich durch Enjambements (Verknüpfung mit der formalen Analyse) unterstrichen wird. Alles in allem ist so sprachlich die “Drebewegung”  zu erläutern, wobei die Vielfalt der Konjunktionen gegen den unendlichen Lesefluss ausgetauscht wird.”

Klar lässt sich zur Orthografie und teilweise auch zur Sprache noch einiges sagen, aber die Ideen des Schülers finde ich sehr bemerkenswert, zumal er sie alleine entwickelt hat. Diese Ideen sind es oft, die einen Text aufschließen, verstehbar bzw. in einem anderen Licht sichtbar machen und Ideen sind es auch ganz oft, die dem Einzelnen fehlen.

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