Montag 22. Februar 2010 von Maik Riecken
Es war ein langer Tag an der Uni, zum Kochen hatte ich keine Lust, also ging ich in die nahegelegene Studentenkneipe, in der früher über der Bar noch eine Lehmann-Eisenbahn im Pendelbetrieb verkehrte. Es gab keinen Tisch mehr. Nur noch ein Platz war frei. Daran saß ein Philosophieprofessor, bei dem ich ein Proseminar für das für Lehrämter obligatorische Philosophicum besuchte. Ich weiß nicht, was mich geritten hat, aber ich fragte ausgerechnet ihn, ob der Platz noch frei wäre. Die Geschichte endete in einem sehr persönlichen Gespräch und mit einer beglichenen Rechnung für mich: “Sie sind Student, ich bin Professor, Ihren Stolz können Sie weder essen, noch am Wochenende in eine Bar tragen – ich erledige das für Sie”.
Das Gespräch wanderte von einem Thema zum anderen – ein Satz beschäftigt mich bis heute: Er sagte, dass es arrogant von den Philosophen wäre zu glauben, dass allein ihre Tätigkeit des Denkens sie in ihrer Existenz rechtfertigen würde. Philosophen müssten sich seiner Meinung nach überlegen, wie sie unserer Gesellschaft fern von Elfenbeintürmen dienen könnten, in Wirtschaftsbetrieben, in NGOs, wo auch immer. Diese Gedanke verwirrte mich ebenso wie ein neuer physikalischer Bewegungsbegriff – fern ab von Newton. Mit Diogenes existiert innerhalb der Philosophie in romantischer Verklärung das Bild des Denkens um des Denkens Willen und in meiner damaligen Unerfahrenheit war ebendieses Bild so fest verankert.
Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie: Gesellschaft |
1 Kommentar »
Mittwoch 27. Januar 2010 von Maik Riecken
Vor ca. zwei Wochen habe ich meinen Kurs zur Medienbildung vorgestellt. Wir setzen ihn in dieser Woche gerade bei uns in der Schule lerngruppenübergreifend ein, was insbesondere ein deutliches Plus für die integrierten Aktivitäten (Chat, Forum) ist. Hier kommt es sogar teilweise zu lerngruppenübergreifenden Diskussionen. Einige SuS nutzen den Kurs sogar in ihrer Freizeit, um weiterzudiskutieren – das Konzept funktioniert also prinzipiell. Desweiteren habe ich bei drei unterschiedlichen Klassen, die ich im PC-Raum erlebt habe, kaum wahrgenommen, dass etwas anderes als die Aufgaben während der 90-minütigen Doppelstunde bearbeitet worden ist. Der Einsatz von Film und Text bietet offenbar genügend Abwechslung für 7. Klassen.
Nicht überrascht hat mich, dass Jasper gerade bei den Mädchen am besten ankam, Die kreative Leistung von Fabsi wurde dagegen kaum gewürdigt. Nunja. Die Erfahrungen dieses Kurses sollen ja eh noch in einer nachfolgenden Stunde nachbereitet werden… Auch so manche Diskussionskultur.
Die Umfrage
Der erste Baustein enthält eine kleine, anonyme Umfrage – hier einige, m.E. bemerkenswerte Ergebnisse:
- Durchschnittlich verbringen unsere SuS der 7. Klasse 1,85 Stunden täglich im Internet
- 53% bereiten ihre Hausaufgaben mit Hilfe des Netzes vor
- 73% haben schon einmal ein Foto von sich veröffentlicht, immerhin 28% schon ein Video
- 23% haben schon schlechte Erfahrungen im Netz gemacht (Beleidigungen, Betrügereien etc.)
- 45% geben an, dass sie bereits eigene Texte im Netz erstellt/veröffentlicht haben (inkl. Forenposts)
Kategorie: Moodle, Pädagogik |
Keine Kommentare »
Samstag 19. Dezember 2009 von Maik Riecken
Melanie Unbekannt, im Netz besser bekannt unter “Literatenmelu“, ruft in Ihren Blog zu einem Wettbewerb auf. Im Teaser fordert sie dazu auf, fünf Fragen zum Thema Bildung zu beantworten, um vielleicht einen den attraktiven ausgelobten Preise zu ergattern. Wohlan, Preise mag ich…
1. Woran erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst?
Vor allem daran, dass Schule für mich immer eine Nebensache war und daran, dass das Leben während der Schule vorwiegend in den Pausen stattfand. Das änderte sich in der Oberstufe ein wenig, weil die dort angebotenen Texte und Materialien teilweise wirklich zum Nachdenken anregten. Vor allem erinnere ich mich daran, dass es sehr wenige Lehrerinnen und Lehrer gab, die mich beeindrucken, immer noch, weil es Persönlichkeiten waren. In der Regel waren es nicht diejenigen, die versucht haben, den reinen Kuschelstil zu fahren, sondern diejenigen, die berechenbar und dadurch fair waren.
Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie: Allgemein |
1 Kommentar »
Samstag 10. Oktober 2009 von Maik Riecken
Bei uns an der Schule soll es bald ein Präventionskonzept geben.Teil dieses Konzeptes (7. Klasse) wird auch die Nutzung des Internets bzw. der Umgang damit sein. Ich habe mich aus mehreren Gründen für einen Moodlekurs entschieden:
- Verschiedenste KuK werden mit den SuS die betreffenden Stunden durchführen
- Ich möchte etwas Universelles haben, z.B. auch für Vertretungsstunden
- Ich möchte einen Schutzraum für die SuS schaffen
- Ich möchte Moodle bei uns an der Schule noch bekannter machen
- Ich muss leider entgegen meinem sonstigen Ansatz die Lehrkraft teilweise durch Moodle substituieren
Das Problem an Moodle ist für mich jedoch unbestreitbar, dass es recht wenig attraktive Interaktionsmöglichkeiten für SuS bietet (gegen in dieser Altersgruppe angesagte Web2.0-Tools kann diese Plattform nicht ansatzweise gegenanstinken).
Daher möchte ich kleine Bausteine zusammenstellen, die zwar in ihrer Abfolge eine gewisse Logik aufweisen, jedoch nicht zwingend in der gegebenen Reihenfolge bearbeitet werden müssen und eine Fülle von externen Ressourcen verwenden, damit es nicht bei Moodle bleibt. Es sollen kleine Lernhäppchen und verschiedene Arbeitsformen möglich sein.
Ich bin überhaupt kein Typ für das “ansprechende Design” – man mag mir anfängliche Spartanität etwas nachsehen. Der Kurs wird natürlich unter CC hier veröffentlicht, wenn er einen gewissen Umfang erreicht hat. Für Rückmeldung bin ich in jeder Form dankbar. Hier der Link:
http://moodle.riecken.info/course/view.php?id=2
Ein Baustein steht inhaltlich. Die Auswahl der Beispiele (Filme) ist nicht zufällig – man kann daran verschiedene Facetten von Herausforderungen im Netz zeigen (Urheberrecht, Cybermobbing, Selbstvermarktung, positive Netzidentität…).
Kategorie: Moodle |
4 Kommentare »
Freitag 26. Juni 2009 von Maik Riecken
Über die Richtung im Bildungssystem bin ich immer verwirrter. Auf einer Fortbildung zum neuen Kerncurriculum Deutsch habe ich gehört, dass eine stärkere Zusammenarbeit zwischen LuL – aus meinetwegen einer Fachschaft – gewünscht wird. Man entwickelt z.B. gemeinsam Einheiten miteinander und probiert diese dann im “Gleichschritt”, aber mit individueller Lehrendenpersönlichkeit aus. Danach erfolgt eine Evaluation und eine Überarbeitung der Einheit, sodass ein evolutionärer Prozess der Verbesserung eintritt, alle SuS die gleichen Chancen haben und LuL von Unterrichtsvorbereitungen entlastet sind.
Ich finde den Grundgedanken nicht falsch, aber das ist natürlich Bildung im Gleichschritt, wobei ich immer gerne Vielfalt mag. Die praktischen Probleme – man braucht z.B. Arbeitsmittel, Räume und Zeit – lasse ich hier unerwähnt – das ist eine reine Geld- und Willenssache in der Politik.
Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie: Aus der Schule, Gesellschaft |
Keine Kommentare »