riecken.de

Gedanken zu Bildung, Lehre und Schule

Warum reflektiertes Benutzen nicht reicht (ipv6)

Sonntag 15. August 2010 von Maik Riecken

Vorlesen mit webReader

“Ich möchte meinen Computer und das Internet einfach nur benutzen. Technisches Verständnis über die Vorgänge hinter den Kulissen interessieren mich nicht. Bei meinem Auto wird auch niemand von mir verlangen, dass ich die Spur einstellen oder die Zylinderkopfdichtung wechseln kann. Um ein Auto zu fahren, sind Praxis und Kenntnisse über die allgemeinen Regeln des Straßenverkehrs ausreichend. Um das Internet oder den Computer zu nutzen reichen Fähigkeiten auf analogen Ebenen aus. Ich will nichts über Übertragungsprotokolle wissen – ich will einfach nutzen.”

So oder so ähnlich lassen sich gelegentlich Aussagen zur Ausrichtung eines medienpädagogischen Konzeptes zusammenfassen, wenn es darum geht, wie das Internet genutzt werden soll und welche Kompetenzen dafür tatsächlich notwendig sind.

Es gibt zur Zeit einen Bereich, der evolutionären Fortschritt durch das Internet in meinen Augen massiv verhindert, weil eben viele Nutzer und Lehrende genau so denken: Ich spreche von der Einführung von ipv6. Was ist das?

Jedes Gerät in einem Computernetzwerk wird durch eine eindeutige Nummer identifiziert, die sogenannte IP. Vernetzte Geräte reden nicht durch “Domainnamen” wie z.B. “riecken.de” miteinander, sondern erkennen sich an einer Nummer, die für das jeweilige Gerät eindeutig. Diese Nummer hat zur Zeit folgendes Format:

xxx.xxx.xxx.xxx

Dabei ist “xxx” eine Zahl zwischen 0 und 255, z.B. ist “88.198.182.180″ die IP des Rechners von riecken.de. Rechnerisch gibt es nur eine begrenzte Anzahl von zur Verfügung stehenden IPs, nämlich

4.294.967.296

Davon sind zur Zeit noch übrig:

ca. 245.000.000

Die Vergabestelle für IP-Adressen rechnet damit, dass in spätestens zwei Jahren der letzte Adressblock aus diesem Pool an einen Anbieter vergeben wird. Durch ein paar Tricks wie z.B. NAT lassen sich die Adressen besser ausnutzen, jedoch bringt NAT so einiges an anderem Ärger mit sich. Bei Beibehaltung des jetzt bestehenden IPv4-Systems gehen “uns” die Adressen bald aus – es soll ja auch bevölkerungsreiche Schwellen- und Entwicklungsländer geben, die auch ins Internet wollen.  Deshalb wurde schon vor längerer Zeit ein neues System – IPv6 – ersonnen, welches die Anzahl der Geräte in einem Netzwerk massiv erhöht, nämlich auf:

≈ 340 Sextillionen = 3,4·1038

Jedes Handy, jeder Dienst auf meinem Server – einfach alles, was in einem Netzwerk hängt – könnte eine eigene IP erhalten, wodurch viele, viele nette Spielereien möglich würden, für man heute einiges an Klimmzügen machen muss. Vor alle das Thema Sicherheit wäre ein ganz anderes, weil hinter jeder IP nur ein Dienst “lauert”, der eventuell eine Angriffsfläche bietet statt heute z.B. bei einem populären Betriebssystem mehrere. Zertifikatsbasierte Kommunikation wäre auch ohne staatliche Instanz möglich, von Bürgern initiierte Mininetzwerke und und und..

Den ganzen Beitrag lesen »

Kategorie: Gesellschaft, Tech-Talk | 1 Kommentar »

Ein kleines, fiktives Interview mit Herrn Riecken

Sonntag 11. Juli 2010 von Maik Riecken

Vorlesen mit webReader

… welches klammheimlich die Seite “Über dieses Blog” ersetzt hat, jedoch so natürlich nicht im Feed auftaucht. Es ist dafür gedacht, mehr Orientierung für diejenigen zu schaffen, die hier nur zufällig vorbeistreifen und unbedingt etwas von mir wissen wollen. Dazu sollte ich noch sagen, dass das hier alles Meinung, Erfahrung und keineswegs Wissenschaft ist.  Zudem denke ich, dass viele meiner hier dargelegten Positionen streitbar sind. Absicht.

Herr Riecken, bitte stellen sie sich unseren Leserinnen und Lesern  kurz vor!

Mein Name ist Maik Riecken, ich bin Jahrgang 1974. Ich habe 1. und 2. Staatsexamen in den Fächern Deutsch und Chemie und unterrichte heute – an einem Tag im Jahr 2010 seit sieben Jahren an einem Gymnasium in einer Kleinstadt in Niedersachsen ebendiese Fächer. Vorher war ich im Referendariat an einem Gymnasium in Itzehoe, Schleswig-Holstein, dem ich bei Lichte betrachtet, jeden meiner schulischen Grundsteine verdanke. Ich bin nicht pädagogisch arm in die Schule gekommen, sondern konnte auf vielfältige Erfahrungen innerhalb der  kirchlichen Jugendarbeit zurückblicken. Von der Organisation von großen Freizeiten mit ca. 300 Teilnehmenden bis zur Leitung von Gruppenstunden war in dieser Zeit eigentlich alles dabei – auch Kochen oder Einkaufen für Großgruppen oder das Flicken von Zelten., später sogar die thematische Arbeit mit Schulklassen, bei denen oft genug dann der Lehrer das eigentliche Problem war. Das Entscheidende für meinen heutigen Beruf war dabei meine Arbeit mit Menschen – etwas, was in der gesamten Studien- und Lehrerausbildungszeit so gut wie gar nicht vorkam. Entscheidend war aber auch die Erfahrung, dass man auch in desolaten Situationen handlungsfähig bleiben kann, wenn man muss.

Haben Sie Familie?

Ja – und Sie wären über ihre Größe überrascht. Aber die entscheidet selbst über den Grad an Öffentlichkeit.

Sind Sie ein guter Lehrer?

Ich bringe meinen SuS bei, dass die Kategorien “gut” und “schlecht” nichts taugen. Für jemanden, der bei mir nur optimierbare Noten schreibt, dem ich aufgrund des Systems kaum gerecht werden kann, der auch bei mir wie bei allen anderen nicht auffällt, bin ich ein schlechter Lehrer. Für jemand anderen vielleicht ein guter. Vor dem eigenen Selbst zählt für die Bewertung nur eine Sache: Mag man als Lehrer seinen Job? Ich mag ihn.

Was mögen Sie an ihrem Beruf?

Dass er für mich nicht einfach nur ein Beruf ist, sondern ein soziales Experimentierfeld, eine Tätigkeit, die mein Leben lang ausgeübt habe und noch heute immer wieder genieße: Den Umgang mit Menschen. Dazu gehören schwere Niederlagen ganz genauso wie ergreifende Momente, etwa wenn SuS mir unter vier Augen ehrlich sagen, dass sie eine Handlung oder ein Verhalten von mir nicht angemessen fanden – im Grunde gibt es für eine Lehrkraft kein größeres Lob als das, weil es zeigt, dass Vertrauen jenseits von fachlicher Wissensvermittlung vorhanden ist.

Den ganzen Beitrag lesen »

Kategorie: Allgemein | Keine Kommentare »

Der Philosophieprofessor

Montag 22. Februar 2010 von Maik Riecken

Vorlesen mit webReader

Es war ein langer Tag an der Uni, zum Kochen hatte ich keine Lust, also ging ich in die nahegelegene Studentenkneipe, in der früher über der Bar noch eine Lehmann-Eisenbahn im Pendelbetrieb verkehrte. Es gab keinen Tisch mehr. Nur noch ein Platz war frei. Daran saß ein Philosophieprofessor, bei dem ich ein Proseminar für das für Lehrämter obligatorische Philosophicum besuchte. Ich weiß nicht, was mich geritten hat, aber ich fragte ausgerechnet ihn, ob der Platz noch frei wäre. Die Geschichte endete in einem sehr persönlichen Gespräch und mit einer beglichenen Rechnung für mich: “Sie sind Student, ich bin Professor, Ihren Stolz können Sie weder essen, noch am Wochenende in eine Bar tragen – ich erledige das für Sie”.

Das Gespräch wanderte von einem Thema zum anderen – ein Satz beschäftigt mich bis heute: Er sagte, dass es arrogant von den Philosophen wäre zu glauben, dass allein ihre Tätigkeit des Denkens sie in ihrer Existenz rechtfertigen würde. Philosophen müssten sich seiner Meinung nach überlegen, wie sie unserer Gesellschaft fern von Elfenbeintürmen dienen könnten, in Wirtschaftsbetrieben, in NGOs, wo auch immer. Diese Gedanke verwirrte mich ebenso wie ein neuer physikalischer Bewegungsbegriff – fern ab von Newton. Mit Diogenes existiert innerhalb der Philosophie in romantischer Verklärung das Bild des Denkens um des Denkens Willen und in meiner damaligen Unerfahrenheit war ebendieses Bild so fest verankert.

Den ganzen Beitrag lesen »

Kategorie: Gesellschaft | 1 Kommentar »

1. Reflexion: Moodlekurs zur Medienerziehung

Mittwoch 27. Januar 2010 von Maik Riecken

Vorlesen mit webReader

Vor ca. zwei Wochen habe ich meinen Kurs zur Medienbildung vorgestellt. Wir setzen ihn in dieser Woche gerade bei uns in der Schule lerngruppenübergreifend ein, was insbesondere ein deutliches Plus für die integrierten Aktivitäten (Chat, Forum) ist. Hier kommt es sogar teilweise zu lerngruppenübergreifenden Diskussionen. Einige SuS nutzen den Kurs sogar in ihrer Freizeit, um weiterzudiskutieren – das Konzept funktioniert also prinzipiell. Desweiteren habe ich bei drei unterschiedlichen Klassen, die ich im PC-Raum erlebt habe, kaum wahrgenommen, dass etwas anderes als die Aufgaben während der 90-minütigen Doppelstunde bearbeitet worden ist. Der Einsatz von Film und Text bietet offenbar genügend Abwechslung für 7. Klassen.

Nicht überrascht hat mich, dass Jasper gerade bei den Mädchen am besten ankam, Die kreative Leistung von Fabsi wurde dagegen kaum gewürdigt. Nunja. Die Erfahrungen dieses Kurses sollen ja eh noch in einer nachfolgenden Stunde nachbereitet werden… Auch so manche Diskussionskultur.

Die Umfrage

Der erste Baustein enthält eine kleine, anonyme Umfrage – hier einige, m.E. bemerkenswerte Ergebnisse:

  1. Durchschnittlich verbringen unsere SuS der 7. Klasse 1,85 Stunden täglich im Internet
  2. 53% bereiten ihre Hausaufgaben mit Hilfe des Netzes vor
  3. 73% haben schon einmal ein Foto von sich veröffentlicht, immerhin 28% schon ein Video
  4. 23% haben schon schlechte Erfahrungen im Netz gemacht (Beleidigungen, Betrügereien etc.)
  5. 45% geben an, dass sie bereits eigene Texte im Netz erstellt/veröffentlicht haben (inkl. Forenposts)

Kategorie: Moodle, Pädagogik | Keine Kommentare »

Mehr Bildung in Blogs – mitmachen und gewinnen!

Samstag 19. Dezember 2009 von Maik Riecken

Vorlesen mit webReader

Melanie Unbekannt, im Netz besser bekannt unter “Literatenmelu“, ruft in Ihren Blog zu einem Wettbewerb auf. Im Teaser fordert sie dazu auf, fünf Fragen zum Thema Bildung zu beantworten, um vielleicht einen den attraktiven ausgelobten Preise zu ergattern. Wohlan, Preise mag ich…

1. Woran erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst?

Vor allem daran, dass Schule für mich immer eine Nebensache war und daran, dass das Leben während der Schule vorwiegend in den Pausen stattfand. Das änderte sich in der Oberstufe ein wenig, weil die dort angebotenen Texte und Materialien teilweise wirklich zum Nachdenken anregten. Vor allem erinnere ich mich daran, dass es sehr wenige Lehrerinnen und Lehrer gab, die mich beeindrucken, immer noch, weil es Persönlichkeiten waren. In der Regel waren es nicht diejenigen, die versucht haben, den reinen Kuschelstil zu fahren, sondern diejenigen, die berechenbar und dadurch fair waren.

Den ganzen Beitrag lesen »

Kategorie: Allgemein | 1 Kommentar »

Valid XHTML 1.0 Transitional