Inhaltsangaben

vom 2. Oktober 2011, in Deutschunterricht, Methoden, von Maik Riecken

Einleitung

Inhaltsangaben sind irgendwie das Ende der Kreativität. Man tastet sich ja langsam über Bildergeschichten, Nacherzählung und Bericht zu den sachlichen Textformen im Deutschunterricht vor – das vermeintliche Ende der Fantasie. Hier in Niedersachsen gibt es auch eine Evolution innerhalb der Textform Inhaltsangabe, nämlich von der Zusammenfassung von narrativen, fiktionalen hin zu gedanklichen Texten.

Webressourcen

Wer sich für die Vorbereitung einer entsprechenden Unterrichtseinheit einlesen möchte, findet hier zunächst ein von mir kommentiertes URL-Lüftchen.

  1. Inhaltsangabe bei Norbert Tholen – umfangreiches Material und Reflexion konkreter Textbeispiele. Absoluter Referenzcharakter.
  2. Übungen zur Inhaltsangabe beim Lehrerfreund – zielgerichtete, sofort umsetzbare Übungsformate und Arbeitsblätter.
  3. Peerfeedback bei Inhaltsangaben beim Lehrerfreund - im Unterricht gut anwendbare Methode, wenn man kein Klassenblog hat
  4. Sammlung möglicher Sachtexte mit Aufgabenstellungen – gut einsetzbar bei teachsam.
  5. Zuordnungsübung zum einleitenden Satz – wer es ganz formal haben möchte

Warum eine Inhaltsangabe?

Viele sonstige Anleitungen in Schulbüchern und im Web stellen die formalen Aspekte der Inhaltsangabe in den Mittelpunkt. Dabei ist für mich die Frage nach dem Sinn und der Berechtigung dieser doch sehr spröden Textform für den Deutschunterricht die eigentlich entscheidende, weil sie didaktische und methodische Entscheidungen mit Blick auf das “Gesamtpaket” Deutschunterricht erst ermöglicht. Dieser Fokus geht verloren, wenn die Inhaltsangabe Selbstzweck zur Übung der Umsetzung formaler Vorgaben geht, obwohl das natürlich gerade in den jüngeren Jahrgänge bei der Frage nach der Bewertung eine große Rolle spielt.

Die Inhaltsangabe halte ich für eine Textform zur Darlegung von Lesekompetenz: Ist ein Text sinnerschließend erfasst worden? Gleichzeitig vermittelt sie Methodenkompetenz zur Gewinnung von Textdistanz, die immens wichtig ist, um weiterführende Operationen mit einem Text durchführen zu können, z.B.:

  • Bewertung von Aussagen
  • Analyse von Sprache
  • Einordnung in einen größeren Zusammenhang
  • eigene Texte überarbeiten (Distanz zu seinem eigenen Text gewinnen)

Nach meiner Erfahrung im Unterricht hängt das Gelingen oder Nichtgelingen einer Inhaltsangabe primär davon ab, ob es gelingt, Textdistanz aufzubauen – das schafft eine Inhaltsangabe, die sich am Textfluss entlanghangelt oft weniger gut, als eine, die den Text strukturell kriteriengeleitet reorganisiert.

Methoden zur Gewinnung von Textdistanz bei narrativen Texten mit sequentiellem Aufbau

Für den Hauptteil funktioniert erstaunlich gut die Drei-Wort-Was-Geschieht-Methode. Dazu sucht man sich in jüngeren Jahrgängen eine Geschichte aus – beliebt sind ja immer Hebels Kalendergeschichten, die möglichst sinnvoll und stark in Absätze untergliedert ist. Dann lässt man folgende Tabelle anfertigen:

Absatz die drei wichtigsten Worte Was geschieht?
1 Betrüger, Ring, kaufen ein Jude möchte den Ring eines Betrügers kaufen
2 [...] [...]

Die erste Spalte enthält die Absatznummer oder die Sinnabschnitte (dann Zeilenangaben). In der der zweiten Spalte stehen die drei wichtigsten Worte dieses Absatzes – dabei muss ein Verb enthalten sein, welches die dominierende Handlung des Absatzes beschreibt. In der dritten Spalte wird auf Basis dieser drei Worte die Frage “Was geschieht?” beantwortet. Dabei müssen die drei Worte nicht zwingend verwendet werden.

Die dritte Spalte kann man in einer Klasse in der Regel von verschiedenen Leuten nacheinander “herunterlesen” lassen, auch wenn sie gar nicht zusammengearbeitet haben. Es kommt oft schon so ein recht brauchbarer Hauptteil dabei heraus. Das ganze würzt man bei einfachen narrativen Texten noch mit geeigneten Konjunktionen und Formulierungen zum Verbinden der einzelnen Gedanken.

Den einleitenden Satz lasse ich immer erst nach dem Hauptteil der Inhaltsangabe formulieren. Ich verbiete dabei die Formulierung “geht es um…”, weil sie nach meiner Erfahrung dazu verleitet, Figuren und nicht eine Handlung in den Mittelpunkt zu stellen.

Methoden zur Gewinnung von Textdistanz bei gedanklichen  Texten mit nicht-sequentiellem Aufbau

Auch hier funktioniert in einem ersten Schritt die Drei-Wort-Was-Geschieht-Methode, allerdings mit einer wichtigen Modifikation, da Absätze in gedanklichen Texten meist logisch-funktional angelegt sind. Deswegen muss in der dritten Spalte ein Sprechaktverb mit enthalten sein, welches gleichzeitig klarmacht, dass Gedanken eines Dritten wiedergegeben werden.

Absatz die drei wichtigsten Worte Was geschieht?
1 Aids, Afrika, verbreiten der Autor verweist auf die schnelle Verbreitung von AIDS in Afrika
2 [...] [...]

Fehlen in einer Inhaltsangabe eines Sachtextes distanzierende Äußerungen in Form von Sprechaktverben oder grammatisch anspruchsvoller in Form des Konjunktivs, werden Originaltext und Inhaltsgabe sprachlich kaum unterscheidbar und ein Nacherzählungscharakter der bestimmende sein. Das passiert bei Inhaltsangaben narrativer Texte eher nicht, weil das Präsens als Zeitform schon einen distanzierenden Charakter mit sich bringt – wenn denn auch schön im Präsens geschrieben wird…

Bei der Inhaltsangabe eines Sachtextes verlange ich zusätzlich, dass Absätze zu größeren Sinneinheiten kombiniert werden, so dass Formulierungen wie:

Der Text gliedert sich in drei Abschnitte. Im ersten führt Ingolf Meyer den Leser unter Verwendung eines Beispiels…
Um seine These zu verdeutlichen, bedient sich der Autor dreier Beispiele…

möglich werden. Die zu einer Sinneinheit gehörigen Abschnitte können in gedanklichen Texten weit verstreut sein. Im Idealfall erkennt man ihre inhaltliche Nähe aber durch die Drei-Wort-Was-Geschieht-Tabelle.

Die Inhaltsangabe eines gedanklichen Textes ist damit ungleich schwerer als die eines erzählenden Textes.

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Sagenkern als Kurzmeldung

vom 19. Januar 2011, in Deutschunterricht, von Maik Riecken

Bildhauer bringt Lehrling um
Der Erfinder der Töpferscheibe und der Säge ist tot! Letzte Woche wurde Talos vom Bildhauer und Baumeister Daidalos von der Burgmauer Athens heruntergestoßen. Der Täter begang die Flucht. Er nahm seinen Sohn mit. Zurzeit weilt er bei König Minos auf der Insel Kreta. Soldaten sind unterwegs.

Ich finde diesen Text gerade auch von der Wortwahl schon beachtlich in der Klassenstufe 6. Aufgabe war es, den wahrscheinlich wahren Kern der Daidalos-Sage in eine kurze Zeitungsmeldung zu transformieren. Einbettet war diese Aufgabe ich eine Einheit über Sagen, bzw. auch verschiedene Typen von Sagen. Eigentlich auch eine schöne Vorübung für die Inhaltsangabe…

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Radikalische Polymerisation

vom 21. November 2010, in Chemieunterricht, von Maik Riecken

Angeregt von Herrn Larbigs Artikel ist mir eben doch glatt noch eine Aufgabe eingefallen, die gut zu meiner Chemiestunde morgen passt. Es geht dabei um die radikalische Polymerisation – erstmal an Ethen.

Dazu gibt es drei Videos auf YouTube sowie einen Text aus dem Schulbuch:

Video 1:

Video 2:

Video 3:

Aufgabe:

Stellen Sie tabellarisch die fachlichen Vorzüge und Nachtteile des jeweiligen Videos zusammen. Verwenden Sie dabei sowohl den Ihnen vorliegenden Text aus dem Schulbuch als auch den entsprechenden Wikipediaartikel.

Kommentar:

Das dauert natürlich etwas, das Zeug zusammenzusuchen und auch im Vorwege zu sichten. Aber ich finde, dass so eine medial (oder: besser neu “mitteal”) aufbereitete Aufgabe einfach mehr Gehirnzellen zu aktivieren vermag und eben eine selbstständige Auseinandersetzung mit dem Stoff verlangt. Das Ergebnis müsste jetzt nur noch in GoogleDocs oder in einem Blog festgehalten werden und dann noch durch die Gruppe aufbereitet/zur Essenz eingedampft werden.

Ach so:

Wenn Themen durch das Ministerium für das Abitur verbindlich vorgegeben werden, ist das mit der freien Themenwahl irgendwie doof. Die radikalische Polymerisation ist vorgegeben für 2011…

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Genese einer Vorabiturklausuraufgabe (Rahmen)

vom 11. November 2010, in Aus der Schule, von Maik Riecken

In den letzten beiden Wochen habe ich gemerkt, dass das Erstellen einer “Klausur unter Abiturbedingungen” ganz schöne Anforderungen stellt, z.B. die rein formalen Vorgaben:

  • man muss die thematischen Vorgaben des KM berücksichtigen
  • auch die EPA sollte realisiert sein
  • der Umfang muss anhand früherer zentraler Abituraufgaben festgelegt werden
  • Operatoren sind bei Aufgabenstellungen zu beachten
  • Aufgaben sollten nach Möglichkeit zwei unterschiedliche Kurshalbjahre sinnvoll verbinden
  • der sinnvolle Einsatz eines an der Schule eingeführten Taschenrechners sollte obligatorisch sein
  • die eingeführte Formelsammlung sollte benutzt werden müssen

Man könnte jetzt darüber schreiben, inwieweit die letzten zentralen Abituraufgaben in meinen beiden Fächern diesen formalen, durch das Kultusministerium vorgegebenen Anforderungen genügt haben, aber das wird nur ein Mittel sein, meinen Blutdruck zu heben.

Ich stelle persönlich noch weitere Anforderungen an eine Vorabiturklausur:

  • sie soll den SuS einen realistischen Eindruck verschaffen, welche Abiturleistung sie zum jetzigen Zeitpunkt erreichen können
  • mindestens eine Aufgabe sollte auf meinen Mist gewachsen und mir in dieser Form noch nicht untergekommen sein
  • ich selbst möchte dabei tüfteln und lernen
  • sie sollte einigermaßen korrekturfreundlich gestaltet sein, fünf Zeitstunden bieten viel Potential für Quantität
  • die Verbindung zweier thematischer Schwerpunkte sollte nicht zu konstruiert sein und wirklich jeweilige Kernbereiche betreffen
  • idealerweise wird die richtige Abiturklausur dann eher noch etwas leichter
  • in den EPA steht etwas von “wissenschaftspropädeutisch” – lieber als ein Einserabitur wäre mir persönlich, dass ich später von den SuS höre, dass sie an der Uni klarkommen. Aber das ist ein Dilemma.

Das hat also teilweise immer etwas von Kaffeesatzlesen. Viele hier in NDS wetten zur Zeit darauf, dass das Anforderungsniveau in diesem Jahr nicht so hoch sein wird, weil der Doppeljahrgang und damit der “Test” für das G8 ansteht – fallen im G8-Zug viele SuS durch, könnte das ein bestimmtes Licht auf die Kultuspolitik werfen – oder auch nicht. Ich vermute, dass die Noten der Vorabiturklausuren nach G8/G9 differenziert gemeldet werden müssen – mal sehen. Über Gründe zu sinnieren, wäre in diesem Fall natürlich spekulativ.

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Arbeitsblatt rund um Dichte und Volumeneinheiten

vom 24. August 2010, in Chemieunterricht, von Maik Riecken

… frisch dem PC entsprungen und im Blog für die Indizierung durch Suchmaschinen freigegeben. Für die Konservennutzer gibt es das Blättchen natürlich auch als OpenOffice- oder Word-Dokument. Bitte die Creative-Commons-Lizenz beachten…


Die Dichte von Stoffen berechnen

Das gleiche Volumen unterschiedlicher Stoffe kann eine ganz unterschiedliche Masse besitzen. Daher empfinden wir z.B. Quecksilber als „schwer“ und Wasser im direkten Vergleich dazu als „leicht“.

Wäre es möglich, von jedem Stoff genau einen cm³ (= 1mL) abzutrennen und auf eine Waage zu legen, könnte man eine bestimmte Masse ablesen.

Bsp.:

1cm3 Eisen wiegt 7,86g

1cm3 Wasser wiegt 1g

Anders formuliert:

Eisen wiegt pro cm³ 7,86g. Es besitzt eine Dichte von 7,86g/cm3 (7,86g pro 1cm3)

Wasser wiegt pro cm³ 1g. Es besitzt eine Dichte von 1g/cm3 (1g pro 1cm3)

Dichte:

Die Dichte ρ entspricht dem Zahlenwert der Masse von 1cm3 eines Stoffes – oder mathematisch ausgedrückt:

ρ = m / V [g/cm3]

(Dichte gleich Masse in Gramm durch Volumen in Kubikzentimeter)

Trägt man die Masse eines Stoffes auf der y-Achse und sein Volumen auf der x-Achse eines Diagrammes auf, ergibt sich eine Gerade, die umso steiler ist, je größer die Dichte eines Stoffes wird. Hier ein Beispieldiagramm für Sand und Wasser aus einem Schülerexperiment, inklusive Regression und Bestimmtheitsmaß.

Die Dichte von einigen Stoffen

Stoff Dichte [g/cm3] Stoff Dichte [g/cm3]
Gold 19,3 Blei 11,36
Kupfer 8,9 Messing 8,5
Eisen 7,86 Zink 7,13
Zinn 7,29 Aluminium 2,7
Glas 2,5 Beton 1,8-2,4
Graphit 2,1 Ziegel 1,9
Hartgummi 1,2 Buchenholz 0,73
Kork 0,25 Styropor 0,03
Salatöl 0,9 Spiritus 0,83
Benzin 0,7

Aufgabe 1:

Berechne anhand der obigen Tabelle, wie viel Masse das angegebene Volumen der jeweiligen Stoffe wiegt:

(a) 1cm3 Zink

(b) 1m3 Zink

(c) 10cm3 Eisen

(d) 5cm3 Aluminium

(e) 30cm3 Glas

(f) 2cm3 Messing

(g) 1km3 Styropor

(h) 2 Liter (dm3) Benzin

Aufgabe 2:

Der Scheich von Persien wünscht eine Kegelkugel aus massivem Gold mit einem Volumen von 5000cm3. Die angefragte Firma lehnt mit dem Hinweis auf die zu hohe Masse ab. Hat die Firma Recht?

Aufgabe 3:

Ein Tankwagen darf maximal 5t Benzin transportieren. Die Raffinerie pumpt 6000 Liter Benzin in den Tank. Ist der Tankwagen nun überladen oder nicht?

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