Paducation überall, die Rettung des verkrusteten deutschen Schulsystems ist nah! Schick, modern, leicht zu bedienen und technologisch auf Höhe der Zeit! Alles ganz einfach, oder? Erstmal experimentieren und Erfahrungen sammeln. Dann ergibt sich alles Weitere!
Ich habe kürzlich einen alten Artikel zur Einrichtung von Computerräumen aus den 90ern gelesen. Strukturell scheint mir die Paducationszene unverändert: Immer noch geht man über Endgeräte. Wird das neue Interface aus Glas, werden die neue Geschlossenheit und Stabilität von sich aus Unterricht verändern? Oder sind es halt nur einfachere Interfaces, die von Menschen mit einer bestimmten Haltung benutzt werden müssen, damit eine Lernevolution einsetzt?
Kritik ist die eine – Auseinandersetzung eine andere Ebene. Hier mal eine kleine Mindmap, die mir beim Paducationthema in den Sinn kam:
Natürlich gibt es der Übersicht halber die Map auch als Bilddatei:
Und hier die Gedanken dazu:
Finanzierungsmodell
Ein Finanzierungsmodell benötigt man, wenn elternfinanzierte Geräte ins Spiel kommen. Schulfinanzierte Geräte laufen schließlich ganz normal über den Vermögenshaushalt des Schulträgers oder eben als Projekt mit externen Partnern. Bei einer Finanzierung sollte man zwischen Leasing und Ratenzahlung unterscheiden. Leasing ist schwieriger zu organisieren, da die Geräte einem Technologieparter gehören müssen, der sie ggf. auch verwaltet.
Bei Finanzierungen kann man sehr schön an bestehende Konzepte andocken, etwa an die Bläserklassen oder Streicherklassen. Hierfür gibt es mit lokalen Banken meist bereits Bundles aus einem Ratenvertrag und einer Geräteversicherung. Das Gerät wird über monatliche Raten über einen festzulegenden Zeitraum erworben. Die Finanzierungsbedingungen hängen von verschiedenen Faktoren ab, etwa dem Umfang der gewünschten Versicherungsleistungen, dem Darlehenszinssatz und natürlich der zu finanzierenden Gesamtsumme – immerhin hat die Bank auch einigen Verwaltungsaufwand. Da die Eltern den Vertrag direkt mit der Bank oder anderen Finanzierungspartner abschließen, muss sich die Schule selbst weder um Versicherungsfälle noch um Faktura kümmern.
Eine schöne Lösung ist immer eine Partnerschaft mit einer lokalen Bank. Der persönliche Kontakt vor Ort ist meiner Erfahrung nach nur durch wenig zu ersetzen und auf jeden Fall auch einen auf den ersten Blick vielleicht schlechteren Zinssatz wert. Kulanz ist für eine lokale Bank genau wie ein solches Projekt schließlich auch ein Garant für gute Presse.
Administration
Ein Pad sollte mit relativ wenig Aufwand in den Ursprungszustand zurückzusetzen sein. Schön ist auch eine Möglichkeit, eine bestehende Installation auf verschiedene Geräte zu klonen. Auch ein vollständiges Backup des gesamten Pads (Nachrichten, Mails, Fotos, Videos, Apps usw.) ist Pflicht. Android und iOS können das beide, wobei iOS für mich zumindest in der Grundkonfiguration die Nase vorn hat. Bei den Androids ist man zwar durch unterschiedliche Apps flexibler, muss aber viele Funktionalitäten, die Applegeräte von Hause aus mitbringen, erst einmal konfigurieren. Nervig ist, dass es bei iOS wohl keinen legalen Weg zu geben scheint, mehrere Geräte serverseitig zu klonen. Bei einem Einzelgerät klappt das wunderbar und auch im Rahmen der Nutzungsbedingungen. Da wird Apple aber mit Sicherheit bald nachbessern.
Die Pflege von Pads ist gegenüber Deploymentlösungen, wie man sie aus dem Linux- (FAI) oder Windowsbereich (OPSI) kennt, jedoch ein echter Rückschritt. Turnschuhadministration wird zumindest bei schulfinanzierten Geräten dann zur Kofferbückadministration – oder man macht eine Party mit reichlich Hopfenkaltschale daraus… Auch bei Elternfinanzierung wird man nicht um Fragen herumkommen wie
- “Oh, die App hab’ ich noch gar nicht!”
- “Ach, der Ordner ist gelöscht!”
- “Kann ich das auch damit machen?”
- “Mein Akku ist alle!”
- “Das WLAN geht nicht!”
- “Die App stürzt immer ab!”
Fairerweise muss man sagen, dass PXE-Lösungen auch bei den Linux- und Windowstabs eher kaum anzutreffen sind, wohl aber durch entsprechende Bootoptionen und eine vorbereitete SD-Karte nachzuahmen sind – wenn eine Netzwerkkarte verbaut ist.
Kosten
Ein brauchbares Pad kostet ca. 500,- Euro. Wenn man einen optimistischen Austauschzyklus von drei bis vier Jahren einkalkuliert, müssen innerhalb einer durchschnittlichen Schulzeit ca. drei Geräte beschafft bzw. ersetzt werden. Das Argument, Technik würde immer günstiger, zieht für mich nur bedingt. Wer qualitativ hochwertige Ware auf technologischer Höhe der Zeit erwerben möchte, wird immer im höherpreisigen Segment liegen, weil er natürlich auch technologisch erweiterten Möglichkeiten nutzen möchte. Es gibt z.B. hervorragende gebrauchte Notebooks am Markt, die alles tun, was bisher in Schule und oft noch nicht verlangt wird: Die wollen aber nur wenige Schulen haben – es muss neue und aktuelle Hardware sein.
Pads benötigen eine Grundausstattung hochwertiger Apps und müssen in einer sich schnell wandelnden Zeit auch regelmäßig mit Updates versorgt werden – Updates sind bei einer gewissen Marktsättigung nicht mehr wirtschaftlich zu realisieren, wenn sie kostenlos sind. Auch hier sind gewisse laufende Kosten zu kalkulieren.
Kostenkompensationen
Wenn Verlage die ersparten Druckkosten und die finanziellen Vorteile durch eine Direktvermarktung an die Kunden weiterreichen, kann ggf. jedes Schulbuch durch ein günstigeres digitales Pendant ersetzt werden – die Vorteile digitaler Unterrichtsmaterialien kauft man als Mehrwert ja gleich dazu. Zudem entfällt an der Schule selbst ggf. ein bürokratischer Aufwand durch die Organisation der meist kostenpflichtigen Schulbuchausleihe. Die Kosten hie in Niedersachsen sind mit ca. 50-80 Euro pro Jahr (je nach und Beschaffungsmodell) nicht unerheblich.
Gleichzeitig können Dinge wie Taschenrechner mit Algebrasystem, Messprogramme, Datenbanken, Nachschlagewerke etc. durch kostenlose Onlineversionen ersetzt werden, wodurch weiteres Einsparpotential entsteht.
Leider werden durch geschlossene Storesysteme, die feste Beiträge vorschreiben, die an einen Hersteller abzuführen sind, die Preise für digitale Schulbücher wahrscheinlich nur wenig fallen. Die Verlage müssen – wie es viele Anbieter auf iTunes auch schon tun – eigene Apps für den Zugriff auf ihren Shop entwickeln. Mal sehen, was z.B. Apple dazu sagt.
Fortbildung
Dieser Artikel nähert sich der 3000 Wortemarke. Man könnte den Eindruck gewinnen, schon ganz viel geschafft zu haben, wenn die bisher erwähnten Punkte abgehandelt sind. Leider hat man nach meiner Erfahrung dann noch gar nichts geschafft, sondern allefalls 15% des Ackers gepflügt. Die Pads wollen ja nicht verstauben wie viele Geräte in der Schule, sondern sie wollen im Unterricht methodisch und didaktisch sinnvoll eingesetzt werden. Das erfordert ein aufwändiges Schulungskonzept.
Die KAS-Koeln hat etwas – wie ich finde – sehr Geschicktes gemacht: Die angeschafften Pads wurden erstmal für einige Monate interessierten Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung gestellt. Damit bauen sich natürlich schon einmal Vorbehalte und Hemmschwellen ab. Das Gerät ist dabei das eine – Web2.0-Dienste und Apps nochmal etwas ganz anderes. Folgende Fragestellungen wären bei Schulungen für mich wichtig:
- Welche Unterrichtsszenarien lassen sich mit Hilfe von Apps unterstützen?
- Welche Web2.0-Dienste eignen sich für welche Art von Kollaboration? (und sollten geschult werden)
- Welche technischen Anforderungen ergeben sich daraus? (iPads können z.B. nicht so ohne Weiteres über Webformulare Dateien uploaden)
- Welche fachbezogenen Einsatzmöglichkeit ergeben sich?
- Sind die Pads Ergänzung oder Ersatz für … ?
- Wie entwickelt sich der Padeinsatz über die Schulzeit?
- Vertraue ich auf die neuen Möglichkeiten oder führe ich doch parallel die gewohnten Geräte ein (z.B. CAS-Rechner)?
- Wie organisiere ich Unterricht in einem großen System mit Lehrerwechsel im Zweijahresintervallen, damit die Pads von Kolleginnen und Kollegen auch nachhaltig eingesetzt werden?
- Wie organisiere ich der Verankerung der Pads im Schulcurriculum? Wer schreibt es?
- Welche Haltung brauche ich als Lehrkraft, um die erweiterten Möglichkeiten der Pads zu nutzen? (allein diese Frage…)
Wenn man sich keine Gedanken um diese letzten Fragen macht, schafft man kein neues Lernen, sondern neue Computerräume und Sprachlabore… Beides sind Beispiele dafür, dass technoid fokussierte Ansätze in der Vergangenheit untauglich waren, bzw. nur sehr wenig bewirkt haben.
Der Mensch muss sich interessieren und von Technologie bzw. ihren Möglichkeiten bewegt sein. Die Hoffnung, das mit Pads erreichen zu können, ist nicht mehr oder weniger berechtigt wie die damalige Hoffnung mit Computerräumen Schule verändern zu können. Ein Pad ist ja erstmal nichts als ein vereinfachtes Interface, was dem Menschen viele Entscheidungen und Freiheiten abnimmt. Was “damals” die Freaks und Nerds waren, sind heute eben die Internetbegeisterten. Und diese Gruppe ist nicht groß, zumindest wenn man schaut, wer idealtypisch im Netz prosumiert und wer lediglich konsumiert.
Haltungsänderungen werde ich nicht durch punktuelle Schulungen erreichen, sondern durch kontinuierliche, personalintensive Begleitung. Dafür braucht es in den Schulen persönliche Einsiedlerkrebsnetzwerke.
Endlich einmal wieder etwas aus dem Unterricht – beginnend mit einem Textauszug:
Er stellte sich und Klara dar, in treuer Liebe verbunden, aber dann und wann war es, als griffe eine schwarze Faust in ihr Leben und risse irgendeine Freude heraus, die ihnen aufgegangen. Endlich, als sie schon am Traualtar stehen, erscheint der entsetzliche Coppelius und berührt Klaras holde Augen; die springen in Nathanaels Brust, wie blutige Funken sengend und brennend, Coppelius faßt ihn und wirft ihn in einen flammenden Feuerkreis, der sich dreht mit der Schnelligkeit des Sturmes und ihn sausend und brausend fortreißt. Es ist ein Tosen, als wenn der Orkan grimmig hineinpeitscht in die schäumenden Meereswellen, die sich wie schwarze, weißhauptige Riesen emporbäumen in wütendem Kampfe. Aber durch dies wilde Tosen hört er Klaras Stimme: „Kannst du mich denn nicht erschauen? Coppelius hat dich getäuscht, das waren ja nicht meine Augen, die so in deiner Brust brannten, das waren ja glühende Tropfen deines eignen Herzbluts – ich habe ja meine Augen, sieh mich doch nur an!“ – Nathanael denkt: Das ist Klara, und ich bin ihr eigen ewiglich. – Da ist es, als faßt der Gedanke gewaltig in den Feuerkreis hinein, daß er stehen bleibt, und im schwarzen Abgrund verrauscht dumpf das Getöse. Nathanael blickt in Klaras Augen; aber es ist der Tod, der mit Klaras Augen ihn freundlich anschaut.
aus: E.T.A. Hoffmann “Der Sandmann”
Aufgabe:
Verfassen Sie den Anfang des Gedichtes, welches hier in Prosa umschrieben wird. Gestalten Sie ihn so, dass Klara keine andere Wahl hat, als das Werk zu vernichten, so wie sie es auch mit Nathanaels Werk im weiteren Verlauf der Handlung tut.
Zwei Menschen voll treuer Liebe und erfüllter Lebensfreude
Getrennt durch einen Schatten der dunklen Tiefe.
Vor dem Altar, um sich ewig zu binden und in Liebe zu leben,
Der Bräutigam mitgerissen und verschleppt.
Wie ein Sturm reist das Böse ihn durch dunkle Gassen
Die Braut ihren Geliebten wieder ins Licht holt
Sacht ihm versucht die Augen zu öffnen.
Einen Moment vom Bösen entfernt
gerettet
wieder zurück ins Schwarze gezogen
trügen die Augen der Braut
Der Bräutigam auf ewig gefangen in den Zwängen des Schattens.
Es gab noch weitere Gedichte – jambische mit Kreuzreim, Texte mit Bildsprache, jedes für sich ein Lernanlass zu Gedichten. Dieses jedoch schien uns als Kurs passend zur Aufgabe. Die Verdichtung innerhalb der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit finde ich schon beachtlich. Und die Aufgabe schien den meisten aus dem Kurs Freude gebracht zu haben – und ein probates Mittel, um sich in einen Text zu verstiefen, ist es allemal.
Ich sehe zurzeit viel baulichen Unsinn in Zusammenhang mit interaktiven Tafellösungen. Oft bedingen die baulichen Gegebenheiten immense Einschränkung bei der Nutzung von interaktiven Tafeln, die sich durch etwas Überlegung und wenig Mehrkosten leicht vermeiden lassen, teilweise aber auch die Produktwahl von vornherein beeinflussen. Ich möchte an dieser Stelle einmal vier verschiedene Grundsettings vorstellen und auch gleich werten. Ich vertrete dabei die Grundannahme, dass jede Lösung immer in ein System integrierbar sein muss – dabei ist es egal, ob es sich um ein technisches oder didaktisches System handelt. Außerdem verwende ich den Begriff “SMART-Board” genau wie das Wort “Tempo” für Taschentuch: Damit sind auch die Produkte von Epson, Promethean usw. gemeint – eben Tafeln, die als größenwahnsinnige Pen Tablets konzipiert sind.
Setting A – oft anzutreffen:
Kurzbeschreibung:
Ein SMART-Board wird an der Stelle der Tafel montiert und besitzt ein leistungsfähiges Lautsprechersystem. Ein Notebook oder ein Steuerungsrechner steht auf einem Tisch daneben. Es ist idealerweise in eine Schulnetzwerklösung eingebunden.
Möglichkeiten:
Man kann alle Medien und Inhalte aus dem Internet auf das SMART-Board holen. Mit der interaktiven Software lassen sich Tafelbilder erstellen und auf einem Laufwerk der Schulnetzwerklösung ggf. auch Schülerinnen und Schülern direkt nach der Stunde durch einfaches Speichern zur Verfügung stellen. Durch das Standardnotebook ist man bei der Wahl der Software nicht weiter eingeschränkt.
Einschränkungen:
Es ist schon “by design” ein streng frontales Setting. Kollaboration ist nur im dem Rahmen denkbar, wie sie auch mit einer normalen Kreidetafel möglich ist (das geht aber tatsächlich). Als Lehrkraft steht man immer mit dem Rücken zur Lerngruppe. Man kann das durch den Einsatz einer wertigen Funktastatur lindern. Diese Lösung bildet in 80% aller Unterrichtssituationen Schule ab, wie sie heute ist, bzw. lädt geradezu dazu ein. Nur durch recht teure Fortbildungsarbeit erweitert so eine Lösung die methodischen und didaktischen Möglichkeiten. Ich würde so etwas nicht kaufen oder empfehlen.
Setting B:
Wie Setting A, nur dass der Steuerungsrechner direkt neben oder auf dem Lehrerpult steht. Diese Lösung ist baulich mit einem SMART-Board viel schwieriger zu realisieren, da USB, VGA und Netzwerkanschlüsse zum Lehrerpult geführt werden müssen. Das geht mit einem Hohlboden sehr gut, den ich auch aus anderen Gründen in Schulen für sinnvoll halte.
Wie bei Setting A. Zusätzlich ist aber die Arbeit für die Lehrkraft leichter, weil ich die Lerngruppe während des Unterrichts anschauen kann. Wenn ich die Anschlüsse flexibel als Box auslege, kann ich sogar sehr schnell mein eigenes, mitgebrachtes Gerät verwenden und z.B. in einer Stillarbeitsphase ohne Unterrichtszeitverlust vor mich hinstöpseln.
Einschränkungen:
Wie Setting A.
Setting C:
Neu: Es wird kein aktives Board eingesetzt, sondern eine Lösung mit aktiven Stiften, wie sie etwa Dymo vertreibt.
Wie bei Setting A & B. Da die Technologie notebookseitig nicht auf USB, sondern auf einem schlichten Funktastaturmechanismus beruht, sind Kabelverbindung nur beim Anzeigegerät für VGA/HDMI erforderlich. Durch Zusatzprodukte, etwa verschiedenen Eingabegeräten, kann ich auf Schüler vom Platz aus am Board arbeiten lassen. Läuft die bisherige Tafel an Pylonen, kann ich den Zwischenraum weiß streichen und als Projektions- und Arbeitsfläche nutzen – die Tafel bleibt als zusätzliche Lösung dabei erhalten. Das System kostet mit 700,- Euro weitaus weniger als eine Tafellösung mit berührungsempfindlicher Oberfläche. Das gesparte Geld lässt sich z.B. in einen wirklich lichtstarken Beamer mit ordentlichem Bild stecken – den ich beim Marktführer immer mehr vermisse. Für gleiche Kosten lassen sich ca. zwei Räume bei besserer Projektion ausstatten. Auch ohne(!) Projektion kann auf einer normalen Tafel ein Bild digitalisiert werden – dem Gerät ist es egal, ob es mit oder ohne optisches Feedback digitalisiert.
Einschränkungen:
Wie Setting B. Die aktiven Stifte werden zwar berührungslos (induktiv) geladen, besitzen aber gleichwohl ein in seiner Lebensdauer begrenzten Akku. Das System basiert auf Infrarot- und Ultraschalldistanzmessung. Es geht das Gerücht, dass einfallendes Sonnenlicht für Störungen sorgt.
Setting D:
Stellvertretend habe ich einmal eine Applelösung ausgesucht – man kann dafür auch andere Pads uns andere Bildübertragungstechniken (RDP, FreeNX, VNC usw.) nutzen. Jeder Schüler verfügt über ein eigenes Endgerät, dessen Bildschirminhalt an die zentrale Tafel vorne übertragen werden kann. Das geht über Apples Airplay-Technik recht einfach, wenn man für den Klassenraum eine weitgehend autarke Netzinfrastruktur baut. Bei Standardkomponenten ist eine stärkere Einbindung in eine ggf. vorhandene Schulcloud denkbar.
Möglichkeiten:
Wie bei Setting A & B. Eine interaktive Tafel ist gar nicht erst notwendig, da die Pads die interaktive Komponente vollständig übernehmen – daher reicht ein leistungsstarker Beamer eigentlich aus. Man vermeidet mediale Brüche zwischen Papier und Digitalem. Die Kamera beim SMART-Board ist ja lieb gemeint, macht aber eigentlich nur bestehende Strukturen digital.
Einschränkungen:
Es dürfte noch sehr wenige Erfahrungen mit so einem System geben. Pads ohne WLAN sind für mich wie Häuser ohne Fenster. Ein WLAN für 20+ simultane Clients ist aber technisch nicht trivial. Die Kosten sind immens, da schließlich eine 1:1-Ausstattung mit entsprechenden Finanzierungs- und Wartungskonzepten erforderlich ist. Mit geschickter App-Auswahl und konsequentem Einsatz der vorhandenen Angebote (Taschenrechner, Wörterbuch, digitale Schulbücher etc.) ließe sich das aber kompensieren.
Abschließende Bemerkungen
Keins der Settings berücksichtigt eine Schule, die sich den veränderten Gegebenheiten und Anforderungen durch die fortschreitende Digitalisierung bereits vollständig angepasst hat. Das sieht man natürlich an den grundsätzlichen Raumgestaltungen. Da könnte ich mir noch ganz andere Dinge vorstellen, z.B. Tischprojektionen usw.. Setting D hat viel Reiz, ist aber stark von einem zu entwickelnden Gesamtkonzept abhängig – die ganze Schulgemeinschaft sollte da mitkommen. Selbst 60 iPads pflegen zu müssen, wäre für mich schon eine Horrorvorstellung. Für klassische Netzwerke gibt es da zentrale Lösungen und Steuerungen – für Pads sind diese nur zugänglich, wenn die Hardware lösgelöst vom Betriebssystem funktioniert. Sonst macht man eben keine Turnschuh-, aber immer noch Kofferbückadministration – 1:1 wäre da schon wünschenswert.
Viele Nachteile von den Settings A-C lassen sich auch heute schon durch Einsatz von Web2.0-Tools kompensieren: In einem GoogleDocs- oder Etherpad-Lite-Dokument lässt sich mit beliebigen Endgeräten gleichzeitig und kollaborativ arbeiten. Die interaktiven Tafeln verkommen dann natürlich wie ggf. ein Pad zu reinen Anzeigegeräten. Ich persönlich habe aber auch nach mehreren Schulungen noch keinen großen Sinn in der zu einem interaktiven System passenden Software gefunden – außer dass sie den Rechner langsam macht.
Wer das übrigens auch so sieht, sollte einen Blick auf EasyChalk werfen: 1,4 Mbyte groß, vollständig HTML5-basiert – rennt auf jedem Endgerät mit aktuellem Browser wie Schmidts Katze, speichert auf Wunsch gleich in der Cloud und ist recht bezahlbar.
Am vergangenen Mittwoch war ich auf der Didacta in Hannover. Hingekommen bin ich freundlicherweise mit einem netten Kollegen aus der Medienberatung – aber unsere Wege trennten sich schon sehr früh am Cornelsenstand. Zwei Vertreter von Cornelsen leben in unmittelbarer Nachbarschaft zu mir, wir kennen uns privat und so war es auch möglich, in Kontakt mit höheren Mitarbeitern zu kommen, wofür ich sehr dankbar bin, weil sich auf diese Weise vielleicht die eine oder andere Tür für unser Schulnetzwerk öffnet – z.B. die in Niedersachsen obligatorischen Hörverstehens-Cds per DLNA (der virtuelle MediaTomb-Server lauert schon…) aufs Handy / Tablet / Notebook usw. des Lehrers, der dann nur noch Brüllwürfel mit dabei haben muss. Keine Kassettenrecorder oder CD-Player mehr durch die Gegend schleppen… Und endlich ein Medienverteilungsstandard, der zumindest in meinem Haushalt schon seit Jahren etabliert ist.
Die gemeinsame Schulbuch Vertriebsplattform des Verbandes Bildungsmedien
Vorweg: Diese Plattform hat auf Twitter und in den einschlägigen Medien natürlich die vorhersagbaren Beißreflexe ausgelöst. Tatsächlich bietet dieses Portal zurzeit nur sehr wenig mehr als das klassische Schulbuch bzw. es ist tatsächlich lediglich weitgehend eine 1:1 Transformation dieses analogen Mediums im Netz. Es gibt:
- keine Links
- keine kopier- und editierbaren Texte, alles ist als Grafik abgelegt
- keine multimedialen Elemente
- keine Möglichkeit, gezielt Inhalte zusammenzustellen
- kein befriedigendes, dynamisches Inhaltsverzeichnis
- Kollaboration: totale Fehlanzeige
Aber:
- der Store läuft in einem Browser, es ist kein z.B. iDingens-Softwaregedöns notwendig, selbst Linux reicht – oder ein günstiges Endgerät
- man kann immerhin schon Notizen integrieren oder Stellen für SuS markieren
- schon heute könnte man die Onlineversionen einfach auf ein Tablet laden und dadurch jetzt schon die 20 Kilo-Hackenporsche ersetzen
- zeitnahe Fehlerkorrekturen und Updates sind auch möglich
- es gibt auch eine Offlinelesemöglichkeit
Die Maximalforderungen der Netzgemeinde sehe ich zwar nicht erfüllt, aber es gibt eben schon den einen oder anderen Schritt in die richtige Richtung. Viele Verlage produzieren ihre digitalen Medien mittlerweile so, dass sie in einem Browser laufen. Gehört habe ich aber nicht nur einmal, dass CDs und DVDs in der Lehrerschaft so gar nicht laufen, sondern das im Gegenteil ursprünglich digitale Inhalte mühselig nachträglich gedruckt werden und dann erst wie geschnitten Brot über die Theke gehen. Das zeigt mir wieder einmal, dass die Forderung nach digitalem Material für sich lieb gemeint ist, aber ohne eine entsprechende Nachfrage durch medienkompetente Lehrkräfte eben nicht rentabel. Aber da arbeiten wir Medienberater ja dran…
Anfang der Woche war ich auf einer Fortbildung auf Schloss Etelesen:
Als medienpädagogische Berater erhalten wir eine Einführung in die Grundprinzipien der systemischen Beratung. Diese Fortbildung erfolgt in vier Modulen, wovon zwei in die Ferienzeit fallen. Am Tagungsgebäude lässt sich in etwa erkennen, auf welchem Niveau sich das Ganze bewegt: Zwei Coaches waren für eine Gruppe aus zehn medienpädagogischen Berater zuständig. Die Videokamera lief auch gelegentlich mit, so dass man sich mit dem Blick von außen selbst beobachten konnte. Mich beeindruckt eigentlich wenig – aber diese Fortbildung gehört zweifelsohne zu den Erlebnissen, die mich tief beeindrucken.
Was ist systemische Beratung?
Für mich ist es die Kunst zu beraten ohne dabei selbst Teil eines Systems zu werden. Als medienpädagogischer Berater “fühlt” man oft mit z.B. Schulen, die vom Schulträger hinsichtlich der Medienausstattung vernachlässigt werden. Als Techniker “fühlt” man oft mit Supportmitarbeitern des Schulträgers, die oft genug mit ansehen müssen, wie teuer beschaffte Hardware nicht oder unsachgemäß genutzt wird. Als Lehrer “fühlt” man gelegentlich mit Schülern, die ihre digitalen Geräte auch in der Schule nutzen wollen usw.. Menschen, die ich in technischen Angelegenheiten berate, erwarten von mir oft Lösungen: “Kauft iPads, macht WLAN usw.”. All das ist von einem systemischen Ansatz her betrachtet absolut unproduktiv.
Beraten werden in der systemischen Beratung – der Name sagt es schon – immer Systeme, also mehrere Personen, Gremien oder Gruppierungen. Systeme befinden sich immer in einer Art Gleichgewicht und entwickeln Strukturen, um dieses Gleichgewicht zu stabilisieren. In der systemischen Beratung geht es in einem ersten Schritt darum, diese oft unbewussten Strukturen bewusst zu machen, ja sie sogar durch bestimmte Techniken zu visualisieren. In einem weiteren Schritt werden durch gezieltes Projektmanagement Ideen entwickelt, um optimale Strukturen zu erhalten und nicht-optimale zu verändern. Dabei geht es nicht darum, das System “alleine” zu lassen, sondern immer wieder darum, alle Beteiligten dazu zu bringen, neue Standpunkte und Sichtweisen einzunehmen, die eine Offenheit oder eine anderen Blick auf z.B. technische Lösungen ermöglichen – oder in Web2.0-Sprech: Schwarmintelligenz zu katalysieren.
Dazu haben wir eine Reihe von praktischen Übungen absolviert, bei denen wir quasi an uns selbst erlebt haben, welche Effekte durch systemische Techniken in einem Klientensystem zu erreichen sind. Für den Lernprozess war genau dieses Erleben das Essentielle. Man kann eine Reihe schlaue Bücher über systemische Beratung lesen – sie werden jedoch keinen Eindruck von ihrem Wesen vermitteln. Alles Gelernte lässt sich direkt bei Beratungen anwenden – meine am Freitag verfassten Mails waren schon von den Reflexionsprozessen beeinflusst.
Ein absoluter Glücksfall war dabei die Gruppe der medienpädagogischen Berater, die einfach passte und auf die ich mich bei den nächsten Modulen sehr freue. Nur so war Arbeit an dem möglich, an was wir uns in Schule oft nicht herantrauen: Haltung.








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