Mittwoch 3. März 2010 von Maik Riecken
Zwei kleinere Erfahrungen:
Unsere naturwissenschaftlichen Fachräume verfügen über einen festinstallierten Beamer mit VGA-Anschluss (D-SUB) am Lehrertisch. Die Kombi aus Netbook und Beamer ist in 30 Sekunden einsatzbereit (Ubuntu bootet schneller als ein Windows aus dem Tiefschlaf aufwacht – der Beamer braucht ca. eine halbe Minute zum Vorwärmen der Lampe). Ich habe gestern die Auswertung eines Versuches tabellarisch am Netbook mit OpenOffice gesichert. Dabei konnte ich stets die Klasse anschauen und damit viel präsenter sein, als hätte ich mich zur Tafel umgedreht und mit Kreide gearbeitet – ich konnte sichern und simultan kommunizieren. Das hat mir gefallen.
Nicht bei jeder Art von Tafelbild wird sich das anbieten, aber es muss nicht immer ein SMART-Board sein. Technik brachte an dieser Stelle für mich einen echten Mehrwert. Jetzt brauche ich nur noch Schlitze an jedem Schülertisch, aus denen dann der fertige Druck kommt – oder eben das Tafelbild gleich in das E-Portfolio eines jeden Schülers an die passende Stelle beamen – dann können auch die unstrukturierten Heftführer bei der Vorbereitung der nächsten Klausur mit gleichen Chancen antreten.
In Deutsch habe ich heute eine Linoit-Pinnwand zurück auf das SMART-Board geholt – also quasi auch gebeamt. Die SuS hatten sofort Zugriff auf die Themen der vorletzten(!) Stunde, sodass wir auf einem recht hohen Niveau über einen Sachtext diskutieren konnten. Das hat mir auch gefallen.
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Sonntag 28. Februar 2010 von Maik Riecken
Bei eigenen Geschichten gibt es so viel zu beachten, dass man als Lehrender natürlich auch anfangs über vieles hinwegsehen muss, um die Lust am Schreiben nicht sofort mit übertriebenen Deutschpaukeransprüchen hinwegzufegen. Ein solcher Anspruch ist in folgender – nochmals verwursteter Grafik (mind42.com) dargestellt:

Einfacher geht es mit einer kleinen Tabelle, die wie folgt aufgebaut sein kann:
| Teil der Geschichte |
Welche Verben (der Bewegung) habe ich verwendet? |
Welche Adjektive habe ich verwendet? |
| Einleitung (Zeile x-y) |
Liste mit Verben |
Liste mit Adjektiven |
| Hauptteil (Zeile x-y) |
dito |
dito |
| Schluss (Zeile x-y) |
dito |
dito |
Die SuS teilen ihre Geschichte in drei Teile ein und suchen in diesen Teilen nach Verben (der Bewegung) und Adjektiven. Wenn gerade in jungen Klassen SuS diese Wortliste lesen, bekommen sie nach meinen Erfahrungen ein Gefühl dafür, welche Stimmung dadurch erzeugt wird – eher als wenn sie ihren gesamten eigenen Text lesen. Wenn dieses Gefühl im Hauptteil bei z.B. einer Erlebniserzählung “kribbelig” ist (je nach Inhalt), das ist das zumindest ein Indiz für eine gelungene Wortwahl.
Meine Klasse hat gleich mit mir gemeckert: Man muss die Geschichte doch noch weiter unterteilen, drei Teile reichen nicht aus. Man braucht noch jeweils eine Extrazeile für den Auf- und eine für den Abbau der Spannung. Der Höhepunkt muss doch mehr herausgestellt werden. Und überhaupt: Die Satzanfänge und Bindewörter sollen jeweils eine Extraspalte bekommen.
Ganz gleich wie man es macht: Ich halte es für eine gute Methode, um emotionale Distanz zu seinem eigenen Text zu gewinnen, was m.E. Voraussetzung für eine Überarbeitung ist. SuS müssen dafür den eigenen Text strukturieren und auf einfache Weise sprachlich untersuchen.
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Donnerstag 11. Februar 2010 von Maik Riecken
Ich bin in meinen Klassen zur Zeit sehr unzufrieden mit der Art und Weise wie Lesekonferenzen laufen. Eigentlich sind sie ja dazu gedacht, Verantwortung an SuS abzugeben, gerade bei der Auswertung längerer Hausaufgaben – spätestens wenn der Dritte vorliest, wird es für alle nervig: Für den Vorleser, weil sein Vorgänger vielleicht eh “besser” war, für die Zuhörer, weil es langweilig ist n Texte zum gleichen Thema zu hören und für mich, weil teilweise von mir erwartet wird, dass ich alles mitbekomme und dann reflektiere – und darüberhinaus sogar noch die Feedbacks aus der Lerngruppe kategorisiere.
Daher tauschen bei mir jeweils maximal vier SuS untereinander ihre Texte aus und schreiben ihre Ideen mit Bleistift an den Rand.

In der Gruppenarbeit gibt es dann verschiedene Phasen:
- Lese-/Anmerkungsphase: Jeder liest jeden Fremdtext und versieht ihn mit Anmerkungen
- Reflektionsphase: Der Autor schaut sich die Anmerkungen an und versucht sie zu verstehen
- Austausch: Klärung von missverständlichen Randnotizen in Gruppe
- Vorbereitung der Präsentation
Präsentiert wird bei mir immer so, dass einer die Mitglieder der Gruppe kurz vorstellt, einer begründet, welcher Text aus welchen Gründen präsentiert wird und einer schließlich den Text selbst präsentiert/vorliest. Maßgabe für die Auswahl des Textes ist dabei stets nie die “Güte”, sondern das Lernpotential, welches der Text der gesamten Lerngruppe bietet.
Was nach meinen Eindruck immer sehr gut klappt, sind die ersten beiden Phasen. Phase drei und vier erfordern anscheinend Kompetenzen im Bereich der Gesprächsführung – da scheint immer zu hapern – die Textauswahl wird oft sehr oberflächlich begründet, obwohl vorher immer geeignete Beurteliungskriterien durch den Unterricht vorgegeben und schriftlich (Regelheft!) fixiert sind. In den letzten beiden Phasen möchte ich daher gerade beim Einüben dieser Methode unterstützen und habe dazu folgende Idee:

Wie wäre es, zum Einüben der Methode die letzten beiden Phasen in einem Fishbowl stattfinden zu lassen? So könnte das Plenum einerseits beobachten, sich andererseits durch einen “freien Stuhl” auch mit in den Prozess mit einbringen, sodass die Gruppe nicht zu sehr im eigenen Saft schmort. Ich erhoffe mir dadurch, die kommunikativen Kompetenzen nicht-lehrerzentriert stärken zu können. Wenn das im Fishbowl dann gut klappt, kann man es ja an die Gruppe zurückdelegieren und die Methode später in das (geschlossene) Internet überführen, indem man z.B. “Blogkonferenzgruppen” bildet:
Jedes Lerngruppenmitglied gestaltet zu Hause einen Blogeintrag mit seinem Text – die Lesekonferenzgruppe kreiert dann einen Metaeintrag als Gruppenarbeitsergebnis (Verlinkung aller Texte, Kurzkommentierung, Begründung für die Auswahl eines Textes, ggf. Präsentation mit Podcast etc.). Wenn die dazu notwendigen kommunikativen Kompetenzen vorher im Unterricht eingeübt sind, könnte das m.E. gut klappen. Versuch macht kluch – irgendwann.
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Samstag 23. Januar 2010 von Maik Riecken
Vorgestern Abend war es so weit. “Mein” Seminarfach präsentierte Gedanken rund um ihr Erleben von Schule und rund um ihre Gedanken zur Zukunft von Lernen und Bildung. Eines vorweg: Konkrete Ausschnitte und Produkte dieses Abends werden hier erst zu sehen sein, wenn wir uns als Gruppe darüber verständigt haben, was wir in welcher Form öffentlich zeigen wollen – hierzu sind auch Dritte zu befragen, die z.B. gefilmt worden sind.
Hier gibt es die Geschichte des Projektes zu lesen, eine Geschichte, deren Autor anfangs ich, zum Ende hin jedoch mehr und mehr die Schülerinnen waren. In der Rückschau wird mir immer klarer und klarer, dass dieser Abend beileibe kein Spiegel meines Unterrichts gewesen ist, sondern weit mehr. Ich möchte es individualisierte Transformation von Inhalten, Konzepten nennen, oder – um mit einem Begriff von Jean-Pol Martin zu sprechen - um komprimierte, zeitnahe Emergenz, wie sie einem Lehrer ganz selten oder eben erst sehr viel später widerfährt. Die Geschichte ist für mich auch ein Beleg für Mechanismen,wie sie in Schule nunmal wirken und man sie aushalten lernen können muss. Weiterlesen sollte nur, wer Geschichten mag. Alle anderen können direkt an das Ende des Artikels (4. Semester), zu dem eigentlichen Projekt springen.
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Dienstag 19. Januar 2010 von Maik Riecken
Blogs und Wikis sind neue Formen der produktionsorientierten Gestaltung. Sie können kollaborativ organisiert werden und besitzen eine prozessuale Dynamik: Immer wieder lassen sie sich überprüfen, ergänzen, nachbearbeiten, evolutionär verbessern. Ich erlebe es auf Twitter gelegentlich, dass um Kommentare für Schülerblogs gebeten wird – auch ich habe mich schon dazu hinreißen lassen, das Blog eines mir völlig unbekannten Schülers zu kommentieren, habe dabei jedoch sehr schnell die Lust verloren. Ohne irgendeine Form der Bindung fehlt mir dabei sehr schnell die Motivation.
Blogs und Wikis werden ja oft als produktionsorientierte Formen mit immensem Mehrwert im Duktus der Web2.0-Sprache beworben. Für mich gilt das nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen, die m.E. alle LuL erkannt haben, die um externe Kommentare für derartige Produkte von SuS werben:
Der Mehrwert entsteht für mich erst durch Rückmeldungen, die so motivierend sind, dass sie den Verbesserungs- und Überarbeitungsprozess anzutreiben vermögen. Deswegen versauern m.E. nach einer ersten euphorischen Anfangsphase so viele Schülerblogs. Ich blogge ja auch u.a. deswegen, weil dabei ideeller Lohn herausspringt – im einfachsten Fall sind das Zugriffszahlen, die ansteigen, im besten Diskussionen, die sich um meine Gedanken herum durch Kommentare entwickeln. Das ist bei Schülerprodukten schwierig – es gibt Ausnahmen, die sehr gut laufen und sich hervorragend entwickeln – Schule bedeutet für mich jedoch die Integration möglichst vieler Menschen – schwache Leistungen in der Schule, oft schwache Leistungen im Blog oder Randdasein in der “Blogarbeitsgruppe” – das sind aber dann oft soziale Herausforderungen – seufz, der ganzheitliche Ansatz mal wieder…
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