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Gedanken zu Bildung, Lehre und Schule

Archiv für die 'Gesellschaft' Kategorie

Der Philosophieprofessor

Montag 22. Februar 2010 von Maik Riecken

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Es war ein langer Tag an der Uni, zum Kochen hatte ich keine Lust, also ging ich in die nahegelegene Studentenkneipe, in der früher über der Bar noch eine Lehmann-Eisenbahn im Pendelbetrieb verkehrte. Es gab keinen Tisch mehr. Nur noch ein Platz war frei. Daran saß ein Philosophieprofessor, bei dem ich ein Proseminar für das für Lehrämter obligatorische Philosophicum besuchte. Ich weiß nicht, was mich geritten hat, aber ich fragte ausgerechnet ihn, ob der Platz noch frei wäre. Die Geschichte endete in einem sehr persönlichen Gespräch und mit einer beglichenen Rechnung für mich: “Sie sind Student, ich bin Professor, Ihren Stolz können Sie weder essen, noch am Wochenende in eine Bar tragen – ich erledige das für Sie”.

Das Gespräch wanderte von einem Thema zum anderen – ein Satz beschäftigt mich bis heute: Er sagte, dass es arrogant von den Philosophen wäre zu glauben, dass allein ihre Tätigkeit des Denkens sie in ihrer Existenz rechtfertigen würde. Philosophen müssten sich seiner Meinung nach überlegen, wie sie unserer Gesellschaft fern von Elfenbeintürmen dienen könnten, in Wirtschaftsbetrieben, in NGOs, wo auch immer. Diese Gedanke verwirrte mich ebenso wie ein neuer physikalischer Bewegungsbegriff – fern ab von Newton. Mit Diogenes existiert innerhalb der Philosophie in romantischer Verklärung das Bild des Denkens um des Denkens Willen und in meiner damaligen Unerfahrenheit war ebendieses Bild so fest verankert.

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Sechs Jahre oder vier Jahre?

Donnerstag 4. Februar 2010 von Maik Riecken

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„In keinem Leistungsbereich sind Förderwirkungen des grundständigen Gymnasiums nachweisbar“, analysiert der beste deutsche Schulforscher. Und resümiert: „Bewertet man die Befunde insgesamt, so sind sie zunächst ein Kompliment für die [sechsjährige, d. Red.] Grundschule. Die Entwicklungskurven von Spitzenschülern verlaufen in der Grundschule und in der Unterstufe des grundständigen Gymnasiums parallel, und zwar nicht nur im Lesen, sondern … auch in der unterrichtsabhängigen Domäne Mathematik. Für die grundständigen Gymnasien sind die Befunde ein Grund zur Nachdenklichkeit. Generell ist fraglich, ob die Gymnasien die Förderung der Lesekompetenz als akademische Aufgabe aller Fächer bislang überhaupt entdeckt haben.“

gefunden auf: http://www.pisaversteher.de

Diese Aussage Jürgen Baumert im Kontext der Diskussion in Berlin um die sechsjährige Grundschule getroffen (die in Niedersachsen mit der Abschaffung der langjährigen Orientierungsstufe gerade eliminiert worden ist). Der Vergleich ist in meinen Augen unvollständig, weil es nicht darum gehen kann, ob man sechs oder vier Jahre zur Schule geht (Strukturelle Reform), sondern wir müssen uns darum kümmern, was in diesen vier oder sechs Jahren eigentlich geschieht (Innere Reform)  Organisationsformen kommen und gehen. Unterrichtskultur scheint mir da beständiger zu sein, was ja auch als immerwährender Vorwurf gegen die Gymnasien anklingt.

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Ich wünsch’ dir Liebe ohne Leiden

Montag 1. Februar 2010 von Maik Riecken

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Christian Füller veröffentlicht Auszüge aus einer Korrektur eines Kollegen, wie ich sie bestimmt auch schon oft verfasst habe – gleicher Duktus, ähnlicher Aufbau – allein die Tatsache, dass die von mir selten verwendeten Fachbegriffe “Adverbien” und “Adverbialsätze” auftauchen, geben mir die Sicherheit, dass Christian Füller noch nichts von mir in den Händen hält. Auch ich muss mich schuldig bekennen viel zu oft viel zu wenig Positives hervorzuheben.

Detlef Teich hat sich in einem Blogbeitrag mit der Art und Weise von Füllers Auseinandersetzung mit dieser Korrektur bereits umfassend geäußert. Wesentlich scheint mir der Hinweis, dass eine solche Korrektur immer in einem Kontext steht, wesentlich scheint mir weiterhin die Frage, ob die Lehrkraft mit dem Leid, mit der “Beschämung” und mit der Ausgrenzung bilateral durch z.B. die Eltern konfrontiert worden ist, bevor es zu dieser Veröffentlichung kam. Da diese Aspekte im Dunkeln bleiben, scheinen mir die stärksten Positionen und Gedanken zu dieser Korrektur  und der Art ihrer Veröffentlichung ausgetauscht.

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Lieber Bildungsforscher…

Freitag 29. Januar 2010 von Maik Riecken

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Seit Jahren sagst du mir, wie ich unterrichten muss, um meinen SuS gerecht zu werden.

Seit Jahren sagst du mir, dass sich die Strukturen an meiner Schule grundsätzlich ändern müssen.

Seit Jahren forderst du Bildungsstandards ein.

Seit Jahren beeinflusst du die Politik, um deine Vorstellungen realisiert zu sehen

Seit Jahren sagst du mir, dass Bildung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.

Bildungsforscher, ich muss dir sagen, dass du mir bisher nicht geholfen hast.

Seit Jahren steigen Klassenfrequenzen.

Seit Jahren werden meine Räume kleiner.

Seit Jahren wird Verwaltung – gerade durch dich – immer aufwendiger.

Seit Jahren kommt immer weniger meiner Kraft bei denen an, die es verdienen.

Seit Jahren werde ich durch immer neue Ideen gefordert.

Bildungsforscher, ich muss dir sagen, du nützt mir nicht.

Ich mache Projekte – du sagst: “Schon ganz schön, aber…”

Ich mache Evaluation – du sagst: “Nun aber auch Konsequenzen…”

Ich verändere meinen Unterricht – du sagst: “Der Anfang reicht nicht…”

Ich entwickle mich – du sagst: “Die Richtung stimmt ja…”

Ich sage: “Aber die schulische Realität…” – du sagst: “Tja, das kann ich nicht für dich ändern!”

Bildungsforscher, du nützt mir nicht.

Bildungsforscher: Wenn du derjenige bist,

der ausschließlich, sagt, lobbyiert, fordert, spricht, von mir verlangt,

dann fordere wenigstens nicht von mir, dein Verbündeter zu sein

und verurteile mich nicht für dieses Unvermögen.


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Warum Schule sich kaum verändert

Samstag 16. Januar 2010 von Maik Riecken

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Norwegen. Teststrecke des Autohersteller Cyparis. Das neueste Modell springt bei hoher Luftfeuchtigkeit und tiefen Temperaturen nicht an. Seit zwei Jahren bemühen sich Ingenieure, Testfahrer, Mechaniker und Logistiker darum, dieses Modell so zu verbessern, dass es eine solche Reife und Qualität erlangt, dass der Markt das Produkt und das vollständig neue Bedienkonzept annimmt. Davon hängt die wirtschaftliche Existenz von Cyparis ab. Nach langjährigen Tests, unzähligen Verbesserungen und der Arbeit an Details kommt das Fahrzeug schließlich auf den Markt und wird ein Erfolg.

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