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Gedanken zu Bildung, Lehre und Schule

Archiv für die 'Aus der Schule' Kategorie

Frühlings Erwachen, Aufklärungsszene

Dienstag 24. August 2010 von Maik Riecken

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Frau Bergmann Denk dir, Wendla, diese Nacht war der Storch bei ihr und hat ihr einen kleinen Jungen gebracht.

[...]

Wendla Ein Mann, Mutter – dreimal so groß wie ein Ochse! – mit Füßen wie Dampfschiffe…!

Frau Bergmann (ans Fenster stürzend) Nicht möglich! – Nicht möglich! -

2. Akt, 2. Szene

Diese beiden Textstellen stehen nicht zusammen, sondern sind durch ca. eine Seite Text eines recht sprunghaften Dialoges voneinander getrennt. Schüler, 9. Klasse (sinngemäß):

“Also Wendla macht doch hier genau das Gleiche, was die Mutter mit ihr macht. Sie tischt ihr eine Lügengeschichte auf und an der Mutter lässt sich erkennen, wie eine normale Reaktion darauf aussehen muss: Unglauben. Spannend ist doch auch, dass Wendla hier einen Rollenwechsel vornimmt: Sie handelt wie ihre Mutter, spiegelt quasi ihr Verhalten.”

Tatsächlich klärt Frau Bergmann ihre Tochter nicht auf, sie bekommt die “Influenza” (Schwangerschaft) , die durch Frau Schmitter “geheilt” (Abtreibung) werden muss – an den Folgen dieser “Heilung” (Infektion) wird Wendla sterben.

Da wir uns dem Thema Interpretation erst langsam nähern, hat mich insbesondere dieser für mich sehr neue Denkansatz zum “Knacken der Szene” umgehauen – so sehr, dass ich ihn hier einfach festhalten muss.

Ich kann den Text für eine leistungsstarke 9. Klasse immer wieder empfehlen, weil man sich in dem betreffenden Alter noch heute “so verhält” wie teilweise die Figuren des Dramas. Und wie man sieht, lässt sich daran eine Menge zeigen, weil es einfach inhaltlich, sprachlich und formal schön geschrieben ist.

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Meritokratie im Machtsystem Schule

Sonntag 8. August 2010 von Maik Riecken

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Das Thema “Macht” ist bei mir ja ein Dauerbrenner. Dieser spiegelt sich in verschiedenen Artikeln dazu im Kontext von Schule wieder, z.B. hier. Ich unterscheide in der Schule immer zwischen ideeller Macht (die z.B. auf Grund einer besonderen Fähigkeit erwächst) und institutioneller Macht (für die das nicht unbedingt gelten muss). Im Idealfall fällt beides zusammen, d.h., diejenigen, die etwas können, gelangen in die Schulleitung und nicht die, die gerade “dran” sind.

Ich habe auch schon kritisiert, dass Schule sich nicht verändern kann, weil die ideellen Machthaber oft keine institutionellen Machtpositionen mehr anstreben, um nicht die Nachteile eines institutionalisierten Amtes in Kauf nehmen zu müssen. Das waren bisher Deskriptionen, Zustandsbeschreibungen, die ich bei anderen Leuten immer sehr stark kritisiere.

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Sie kaufen Suchbegriffe

Montag 12. Juli 2010 von Maik Riecken

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Die Initiative “Wir wollen lernen”, die sich gegen die Einführung der sechsjährigen Primarschule in Hamburg durch fast den kompletten Senat einsetzt, kauft offenbar bei Google Suchbegriffe ein – gibt man die Schlagworte “Schulstreit” + “Hamburg” ein, so erscheint ganz oben über den Suchergebnissen folgende Anzeige:

An diesem Vorgehen ist nichts verwerflich – es zeigt aber in meinen Augen einmal mehr, dass gezielte Lobbyarbeit im Netz gar nicht so schwierig ist und der finanziell Stärkere auch hier seine Vorteile hat. Vorteilhaft dürfte für die Initiative zudem sein, dass wahrscheinlich die Medienkompetenz vieler Nutzer nicht ausreicht, diesen Schachzug zu erkennen. Daher hier noch einmal ein Verweis auf “die andere Seite”:

http://www.proschulreform.de

Ich habe beide Seiten nur kurz überflogen – und bin verwirrt: Teilweise wird das gleiche Dokument ganz unterschiedlich ausgedeutet… Lobbyarbeit auf beiden Seite halt. Das dürfte spannend werden mit dem Volksentscheid.

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Wasser auf meine Mühlen…

Dienstag 6. Juli 2010 von Maik Riecken

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“Ich werde heute eine empirische Untersuchung vorstellen, nach der wir in der neunten Jahrgangsstufe eines nordrhein-westfälischen Gymnasiums eine Abitur-Leistungskursarbeit Biologie haben schreiben lassen – ohne jede inhaltliche Vorbereitung. Das Ergebnis war erschreckend, denn zwei Drittel Schüler hätten die Abiturarbeit bestanden, einer sogar mit einer Eins.”

Fundstelle: FR-online

Nun ist der gute Hans Peter Klein ursprünglich ein Gymnasiallehrer und damit für eine Vielzahl von Stereotypen prädestiniert – aber diese Studie deckt sich mit meinen subjektiven Erfahrungen in meinen Fächern hier in Niedersachsen.

Mein Spruch dazu letztens im Chemiekurs auf erhöhtem Niveau: “Ich bereite euch nicht auf das Abitur vor – ich möchte, dass ihr später im Grundstudium klarkommt”. In meinem Deutschkurs auf erhöhtem Niveau gab es in diesem Jahr auch einen satten Schnitt – nur: Das dazu notwendige Wissen hätte  wahrscheinlich auch in einem halben Jahr vermittelt werden können.

Vielleicht bin ich ein unglaublicher Miesepeter und freue mich nicht des eigenen “Erfolgs”. Vielleicht sind meine Ansprüche mittlerweile weltfremd, ich weiß es manchmal nicht mehr.

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Der letzten Schultage

Donnerstag 24. Juni 2010 von Maik Riecken

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… sind bei uns geprägt von Ritualen. In diesem Jahr mussten eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Gründen verabschiedet werden. Wir vier vom Personalrat sagen natürlich auch immer ein paar Worte auf der Feier und zwar teilen wir uns dazu auf. So gerät die Veranstaltung abwechslungsreicher, weil jeder seine Persönlichkeit in die Reden einbringen kann und mit jeder neuen Stimme wird es zusätzlich für den Zuhörenden interessanter. Wichtigster Grund ist jedoch, dass wir als Personalratsteam wahrgenommen werden wollen, dass – so weit es möglich ist – paritätisch handelt. Das Verfahren hat sich für uns bewährt und das Feedback aus dem Kollegium gerät durchweg positiv.

Das vielleicht aber bemerkenswerteste Ritual ist unser gemeinsamer Abschluss im Lehrerkollegium. Nach der Zeugnisausgabe gibt es eine kurze Dienstbesprechung und danach das Angebot seitens des Personalrates, das Jahr gemeinsam ausklingen zu lassen. In diesem Jahr nahmen über 96% des Kollegiums dieses Angebot an, sodass wir  als Gesell- und Gemeinschaft zwanglos draußen vor einem Lokal in musealer Umgebung den Rest des Tages verstreichen lassen haben – natürlich laufen dort auch Gespräche über die Unterrichtsverteilung, die an diesem Tag dann auch fast feststeht, damit der Personalrat in den folgenden Tagen auch etwas zu tun bekommt…

Sein Essen zahlt dabei jeder selbst. Bewährt hat sich immer wieder ein Grillbuffet zum Festpreis, sodass jeder seinen Vorlieben entsprechend speisen kann. Den ganzen Beitrag lesen »

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