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Gedanken zu Bildung, Lehre und Schule

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Als Schülerin oder Schüler die Qualität eines Wikipediaartikels einschätzen

Mittwoch 10. März 2010 von Maik Riecken

Vorlesen mit webReader

… das ist entgegen andersartiger Verlautbarungen aus meinen Berufskreisen durchaus mit einer brauchbaren Trefferquote möglich. Dieser Artikel ist inspiriert durch einen viel ausführlicheren und besseren von Kristian Köhntopp. Ich habe vor nicht allzu langer Zeit ein kleines Experiment gemacht. Es ging dabei um eine erste Annäherung an einen unbekannten literarischen Text. Die SuS bekamen dazu auf Papier drei Artikel vorgelegt:

  1. einen Auszug aus dem Kindler (etabliertes Literaturlexikon)
  2. einen Wikipediaartikel
  3. einen Beitrag von irgendeiner Webseite

Intuitiv hat bei allen der Kindler gewonnen, obwohl ich Satz und Schriftart bei einen drei Texten angeglichen habe und sie auch alle den gleichen Umfang aufwiesen. Wikipedia folgte auf dem zweiten Rang und weit abgeschlagen rangierte irgendeine Webseite. Intuition ist aber keine objektive Instanz: Dem Kindler darf man glauben, weil es ihn schon so lange gibt und weil er auch in geisteswissenschaftlichen Kreisen als qualitativ brauchbares Werk anerkannt ist. Die statische Webseite wird oft von einer einzigen Person gestaltet, deren Reputation man in der Regel gerade in jungen Jahren schwer einschätzen kann. Wikipedia ist m.E. konzeptionell klassischen Lexika überlegen, weil im besten Fall Inhalte einem evolutionären Prozess der ständigen Veränderung unterworfen sind: Die Artikel werden überarbeitet, diskutiert und mit Belegen ausgestattet. Das einzige Problem ist nur, dass man erkennen muss, in welchem Stadium seiner Evolution sich der jeweilige Wikipediaartikel gerade befindet, während man bei der Neuauflage eines Lexikons in der Regel von einer fachkundigen Revision ausgehen kann. Und das  Erkennen funktioniert gerade nicht durch lineare Lesestrukturen, wie sie die Schule primär vermittelt, sondern ganz anders. Daher ein paar Tipps für SuS beim Lesen von Wikipedia:

1. Erst ganz nach unten scrollen

  • Sind unter “Literatur” mehrere Werke angeführt?
  • Sind alle Absätze des Artikels einigermaßen gleichmäßig durch Literatur belegt?
  • Sind renommierte Nachschlagewerke mit aufgeführt?
  • Wie viele Weblinks sind angegeben?
  • Enthalten die Links wirklich die angekündigten Informationen?

2. Dann ganz nach oben scrollen

Dort gibt es die beiden Karteireiter “Diskussion” und “Versionen/Autoren”.

  • Sind mehrere Autoren an dem Artikel beteiligt oder nur wenige?
  • Haben die beteiligten Autoren schon mehrere Artikel geschrieben?
  • Wie viele Aspekte des Artikels wurden wie lange schon diskutiert?
  • Wie ist es um die sprachliche Qualität der Diskussionen bestellt?

3. Inhaltsverzeichnis lesen

  • Bauen die einzelnen Passagen inhaltlich aufeinander auf?
  • Wohnt dem Verzeichnis eine innere Logik inne (z.B. Chronologie), die sich auf den ersten Blick erschließt?

4. Artikel lesen

Durch die ersten drei Schritte, die mit ein wenig Übung gar nicht so lange dauern und die teilweise auch ganz andere Perspektiven beim “richtigen Lesen” ermöglichen, komme ich eigentlich fast immer sehr gut in das Thema hinein, gerade wenn ich in den “Artikelumweltstudien” Anknüpfungspunkte zu meinem bestehenden Wissen finde. Ein Restrisiko bleibt immer – strenggenommen aber auch beim Kindler.

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Bye, bye Twitter!

Montag 1. März 2010 von Maik Riecken

Vorlesen mit webReader

Ich habe meinen Twitteraccount gestern nach wochenlanger Überlegung gelöscht. Ich habe diese Überlegungen nicht öffentlich gemacht, aber sie laufen im Kern auf einen Gedanken hinaus, den Jean-Pol Martin zumindest sinngemäß einmal geäußert hat: Verantwortung für sich selbst bedeutet auch, sich mit Menschen und Informationen zu umgeben, die die eigenen Bedürfnisse maximal befriedigen, um handlungsfähig und explorativ zu bleiben. Das kommt sehr schön (und augenzwinkernd!) in einem seiner Videos zum Ausdruck, in dem er u.a. seine Gedanken zum Thema Liebe äußert.

Ist Twitter jetzt keine Quelle der Bedürfnisbefriedigung für mich?

Und ob Twitter das ist. Über Twitter habe ich eine ganze Reihe von Menschen kennen gelernt, die mir sehr wichtig sind und die mir unzählige Gedanken, Texte, Links usw. zugänglich gemacht haben, auf die ich ohne sie nie Zugriff erhalten hätte. Twitter macht mir wahnsinnig viel Spaß und hat mich daher jeden Tag innerlich und äußerlich beschäftigt – aber genau das wurde auch zu einem Problem.

Welches Problem?

Ich habe private Verantwortung, ich habe berufliche Verantwortung und ja – ich habe auch noch Hobbys, z.B. dieses Blog hier. Ich habe also unzählige Quellen der Bedürfnisbefriedigung, so viele, dass ich auswählen muss. Twitter hat bei mir doch eine ganze Menge an stark fragmentierten Zeitressourcen verlangt, die dann bei anderen Quellen fehlten. Dazu kommt, dass bei Twitter die bedürfnisbefriedigenden Ereignisse, die Emergenzen einfach immer schwer “planbar” waren – das sind sie im Leben ja auch. Twitter hat für mich immer etwas wie ein Kneipenabend. Man redet über sehr viel, man hört sehr viel, aber das Informationsdestillat – so schön und vollmundig es immer auch war – konnte für mich bald nicht mehr mit dem anderer Quellen konkurrieren. Und in die Kneipe könnte ich übrigens auch einmal öfter gehen…

Was war der endgültige Auslöser?

Das war Zoe (Name verfälscht). Ich weiß nicht, wer Zoe ist – ich vermute ein Teenager. Zoe hat mir zu einem Artikel, den ich hier geschrieben habe, zwei Fragen gestellt, die mich nochmal ganz neu über den Lehrinhalt aus dem Artikel und über den Umgang mit diesen Lehrinhalten in meinen Unterricht überhaupt haben nachdenken lassen, weil es unglaublich gute Fragen sind. Zoes Fragen werden sofort mein unterrichtliches Handeln bestimmen – und allein im Handeln liegt für mich persönlich zur Zeit die “Hauptbedürfnisbefriedigungsquelle”.

Und die ganzen Menschen auf Twitter?

Mein Feedreader ist aber sowas von aufgebohrt, dass ich hoffe, kaum einen aus den Augen zu verlieren. Fast alle führen Blogs oder sind auch noch auf andere Art und Weise im Netz zu erreichen, z.B. über die Kommentarfunktion ihrer Blogs oder bei engagiert organisierten Live-Events. Für mich waren oft die Diskussionen, die in den Blogs stattfanden, eine Quelle der Bedürfnisbefriedigung – nicht unbedingt eine bessere als Twitter, aber eine entschleunigtere – denn: Man wird ja nicht jünger :o)…

Aber der Account hätte doch bleiben können?

Nee – ganz oder gar nicht. Der Finger zuckte schon jetzt viel zu oft beim Überfahren des gelben Tweetdeck-Icons und dann wollte man eigentlich das Arbeitsblatt für morgen – aber da kam ja dann der Link auf den Artikel sowieso rein und schon dauerte eine Arbeit, die ansonsten in 30 Minuten durch gewesen wäre, locker einmal 90 Minuten. Die persönlichen Lernergebnisse in den 90 Minuten waren super, aber das Arbeitsblatt wurde oft einfach nicht fertig. Ich bin da einfach zu undiszipliniert :o)…

Aber wenn es sonst weniger wird – ist Twitter dann wieder eine Option?

Ich bin mir nicht sicher, wie lange Twitter noch geben wird. Schon jetzt tauchen andere Dienste am Horizont auf und das Web2.0-Karussell dreht sich nunmal sehr schnell. Auf jeden Fall gibt es für jeden, der für Twitter Zeit hat, dort eine Menge zu erleben und zu lernen. Das habe ich selbst erfahren.

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EduCamp in Hamburg 2010

Sonntag 7. Februar 2010 von Maik Riecken

Vorlesen mit webReader

Dieser Artikel wird ein Konvolut ohne Kohärenz – Gedankensplitter.

Was ich gelernt habe (1)

Durch Gespräche ist mir klargeworden, dass eine Presse, die ausschließlich nach Schulstrukturreformen schreit, sich genau so verhält, wie eine Landesregierung, die diese Schulstrukturreformen verordnet, ja dieser methodisch sogar in die Hände spielt. Beides ist nämlich “top-down”. Schulstrukturreformen haben wir in Deutschland schon viele gesehen – die Auswirkungen auf den Unterricht, auf das System Schule waren – nunja. Innere Reformen, z.B. Qualifizierung von Lehrkräften usw. gehen richtig ins Geld – Strukturreformen eher nicht. Alleine sorgen sie eher dafür, dass noch weniger Leistung bei denjenigen ankommt, um die es in Schule eigentlich geht/gehen sollte.  Schön wäre es doch, wenn innere Reformen Schulstruktur verändern würden. Hat das schon jemand überhaupt mal versucht? Ach nee, das wäre ja vielleicht demokratisch: Schulen, die ihre Strukturen bedürfnisbezogen selbst finden – welch eine Bedrohung!

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Das würde ich gerne mal in Informatik machen

Sonntag 24. Januar 2010 von Maik Riecken

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Eine Sicherheitsfirma verkauft für ein Biolabor ein Zugangskontrollsystem mit folgenden Eigenschaften:

  1. Zugangskontrolle erfolgt über Karten
  2. Die Karten weisen zwei unabhängige Systeme auf: Einen Magnetstreifen und einen auslesegesicherten Mikrochip
  3. Fällt der Mikrochip aus, ist ein Zugang durch den Magnetstreifen immer noch möglich, wenn das Lesegerät diesen mit unterstützt (fallback)
  4. Zugang wird gewährt, wenn die Karte vorhanden ist und ein sechsstelliger Code ausschließlich bestehend aus Zahlen korrekt eingetippt wird
  5. Es gibt einen streng geheimen, mathematischen Algorithmus, der den jeweiligen Code auf der Karte in einer Zeichenkette so verschlüsselt, dass sich durch kein denkbares Verfahren aus ebendieser Zeichenkette wieder der Originalcode errechnen lässt. Nur diese Zeichenkette ist auf der Karte tatsächlich gespeichert.
  6. Jede Karte enthält eine eindeutige und einmalige Registrierungsnummer.
  7. Es gibt einen zentralen Rechner, auf dem der Verschlüsselungsalgorithmus streng gesichert gespeichert ist und der mit allen Lesegeräten verbunden ist.
  8. Auf dem Rechner befindet sich zusätzlich eine Datenbank mit allen gültigen Registrierungsnummern der Zugangskarten.

Beim Zutritt eines Mitarbeiters zum Biolabor geschieht nun Folgendes: Die Karte wird in das Lesegerät gesteckt. Das Lesegerät nimmt über eine gesicherte, stark verschlüsselte Verbindung Kontakt zum Zentralrechner auf und sendet dabei die Registrierungsnummer der Karte. Wenn diese Registrierungsnummer gültig ist, erhält das Lesegerät den Befehl, den Besitzer der Karte nach dem Code zu fragen, andernfalls wird die Karte eingezogen und ein stiller Alarm ausgelöst. Der Besitzer gibt nun den Code ein, der über die verschlüsselte Verbindung an den Zentralrechner geschickt wird. Dieser berechnet mit seinem Algorithmus nun die verschlüsselte Zeichenkette und sendet sie an das Lesegerät zurück. Dieses vergleicht nun die vom Zentralrechner gesendete Zeichenkette mit der auf der Karte gespeicherten. Stimmen beide überein, wird Zutritt gewährt, andernfalls die erneute Eingabe gefordert. Es sind maximal drei Eingaben möglich, bevor die Karte gesperrt, eingezogen und ebenfalls ein stiller Alarm ausgelöst wird.

Aufgabe 1:

  1. Eine Karte wird gestohlen und der Magnetstreifen komplett auf eine Blankokarte kopiert. Ist das ein Sicherheitsproblem bei dem Konzept der Zugangskontrolle? Erläutern Sie Ihr Ergebnis!

Aufgabe 2:

  1. Es bricht jemand in den Zentralrechner ein und erhält Zugriff auf den geheimen Algorithmus. Zusätzlich kommt er in den Besitz einer Karte, deren Magnetstreifen er kopieren kann. Erklären Sie, warum das ein gravierendes Sicherheitsproblem ist.
  2. Schlagen Sie geeignete Änderungen am Sicherheitssystem vor, um in diesem Fall dem Biolabor Zeit zu verschaffen, die Lücke überhaupt erst zu entdecken. Sie können an jeder Stelle des Systems ansetzen und auch mehrere Möglichkeiten kombinieren. Begründen Sie Ihre Verbesserungsvorschläge.

Aufgabe 3:

  1. Bei einer bestimmten Charge an Mikrochips auf den Karten tritt ein Softwarefehler auf, der den Zutritt trotz korrekter Codeingabe verwehrt und die Karte einzieht. Der Hersteller deaktiviert als Sofortmaßnahme die Einheit auf den Lesegeräten, die den Mikrochip ausliest und behauptet, dass dies kein Problem sei. Nehmen Sie Stellung zu dieser Aussage.

Aufgabe 4:

  1. Nach Recherchen von Datenspezialisten stellt sich heraus, dass nicht nur ein Code nach Berechnung durch den Algorithmus zur korrekten Zeichenkette führt, sondern bis zu neun die gleiche Zeichenkette ergeben. Zusätzlich wird bekannt, dass man durch Abkleben des Chips die Anzahl der Versuche verdoppeln kann, weil das System des Magnetstreifens unabhängig von dem des Chips arbeitet. Der Datenspezialist schlägt Alarm – die Sicherheit des Systems sei dadurch massiv beeinträchtigt. Die Sicherheitsfirma wiegelt ab – das sei kein Problem. Nehmen sie kritisch Stellung zu beiden Positionen!

Sie dürfen für die Lösung der Aufgaben das Internet frei verwenden, so lange Sie die verwendeten Quellen angeben. Je sauberer Ihre Vorschläge dokumentiert und begründet sind, desto besser. Achten Sie zusätzlich darauf, Ihre Antworten auf die jeweilige Frage zuzuschneiden.

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Wunschzettel

Donnerstag 24. Dezember 2009 von Maik Riecken

Vorlesen mit webReader

Niemand zündet ein Licht an und setzt es an einen heimlichen Ort, auch nicht unter einen Scheffel, sondern auf den Leuchter, auf daß, wer hineingeht, das Licht sehe. (Lukas 11, Vers 13)

Ich wünsche mir Menschen, die von dem Guten, was sie vollbringen, erzählen und sich nicht hinter ihrer Bescheidenheit verstecken. Ich wünsche mir Licht in allen Formen.

Denn alle Gesetze werden in einem Wort erfüllt, in dem: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. (Galater 5, Vers 14)

Ich wünsche mir Menschen, die erkennen, dass all ihr Tun vergeblich ist ohne die Einsicht in den eigenen Wert, in die eigenen Fähigkeiten, in die eigenen Träume.

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle. (1. Korinther, Vers 1)

Ich wünsche mir Menschen, deren Antrieb in ihrem Handeln und Tun nicht allein der Drang nach Selbsterfüllung, Anerkennung oder Ruhm ist, sondern sich aus nichts als Liebe speist.

Weil du so wert bist vor meinen Augen geachtet, mußt du auch herrl ich sein, und ich habe dich lieb; darum gebe ich Menschen an deine Statt und Völker für deine Seele. (Jesaja 43, Vers 4)

Ich wünsche mir Menschen, denen das Bewusstsein angenommen und geliebt zu sein – an wen auch immer sie glauben oder nicht – Flügel verleiht, sie trägt in all ihrem Handeln und Tun.

Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen. (Psalm 91, Vers 11)

Fröhliche Weihnachten,

Euch Lehrerinnen und Lehrern,

Euch Schülerinnen und Schülern,

Euch Digital Emigrants und Natives,

all Euch Menschen!

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