Neujahrstag

1.1.2011 – ich hoffe, dass ihr alle da draußen einen guten Rutsch hattet.
And so we are told this is the golden age
And gold is the reason for the wars we wage

So heißt es in diesem alten Klassiker von U2. Das „goldene Zeitalter“ bzw. die Überwindung der Industriegesellschaft sehen viele im Web2.0 durch das Internet kommen. Die möglichen Konsequenzen und vor allem auch die damit verbundenen ethischen Grundsätze findet sich hübsch verstreut in Diskussionen bzw. Kommentarlawinen zu Mario Sixtus offenen Brief an die Zeitungsverleger. In der Tat kann heute jeder zu einer publizistischen Institution werden: Auch riecken.de hat in diesem Jahr sehr, sehr viele Besucher gewonnen und die Kurve der Zugriffe steigt langsam aber sicher. Ich möchte an dieser Stelle einige Pleiten, kleine Wunder und Überraschendes noch einmal hervorheben.

  1. Die größte Pleite war das Angebot kostenloser Moodlesysteme. Es gab genau zwei Anfragen: Bei einer kam es zur Einrichtung eines Systems, das aber nie wieder ernsthaft genutzt wurde und das ich daher die nächsten Tage wieder löschen werde. Im anderen Fall hätte wohl wer ein System genommen, aber es wäre dann schön gewesen, wenn es noch dazu… In beiden Fällen standen meiner Ansicht nach solvente, fertig ausgebildete und etablierte Personen, die ohne weiteres die dazu notwendigen finanziellen Mittel hätten selbst beschaffen können. Auch die niedrige Zahl hat wohl viele abgeschreckt („Sind ja eh schon alle weg…“), vielleicht aber auch Misstrauen („Wer ist dieser Maik? Sind die Daten bei ihm sicher? Kann es das überhaupt?“ usw.). Vielleicht hat auch abgeschreckt, dass ich eine ideelle Gegenleistung verlangt habe… Wie auch immer… Das Angebot ging an der Nachfrage vorbei.
  2. Wenn jemand viel Hits benötigt oder echtes Geld verdienen möchte, so muss er unbedingt Diktattexte im Netz bereitstellen. Ein Text wurde über 7000 Mal abgerufen, ein anderer befand sich mit ca. 3500 Abrufen mit in der Spitzengruppe. Mich überrascht das ein wenig, da ich Diktate eigentlich nur schreibe, weil ich es muss – ein tieferen Sinn oder gar eine positive Auswirkung auf die Rechtschreibung sehe ich mit mit meinen bescheidenen acht Jahren Berufserfahrung nicht – vielleicht sind meine Rechtschreibeinheiten auch einfach zu schlecht. Am besten hat Rechtschreibförderung z.Zt. durch meine Klassenblogs funktioniert: Man will sich ja vor den anderen nicht blamieren… Es kommen bald wieder drei neue Texte – aber die Diktate dazu muss ich noch schreiben lassen.
  3. Der Artikel „Ich bin ein schlechter Lehrer“ hat die die größte Kommentarlawine ausgelöst. Ich habe die Schülerfälle dort in dieser Form nie selbst erlebt und absolut überzogen dargestellt. Der Text durchlief mehrere Prüfungsraster – nicht zuletzt die kritischen Augen aller Abonnenten, die eigentlich sofort Mails schreiben, wenn ich mal zu weit gegangen bin. Die engagierten, teilweise auch konträren Beiträge haben mir gezeigt, dass der Text etwas ausgelöst hat, was ich selten so gut dokumentiert mitbekomme. Das hat mich gefreut.
  4. Es gibt eine Zusammenarbeit ganz eigener Art mit einem Menschen aus meinem Heimatbundesland, die sehr viel Freude bringt. Ich lerne dabei ganz andere Dinge kennen und mache dafür ein wenig Technik. Der Gute hat z.Zt. Möglichkeiten, von denen viele andere nur träumen, d.h. ich stelle Fähigkeiten zur Verfügung. Da kommen eine ganze Menge Dinge zurück – normalerweise nehmen Menschen Technik in Anspruch und meckern allenfalls, wenn sie nicht läuft… Ich habe fast kein Monitoring meiner Server am Laufen – das beste Monitoring sind die Nutzer. Und die anspruchsvollsten Nutzer sind meist Lehrer. Er ist keiner…

Es gab in diesem Jahr Angebote von Verlagen, Aufforderungen zur Mitarbeit an anderer Stelle, Einladungen zu Moods und Versammlungen u.v.m.. Das allermeiste konnte ich nicht  oder nur teilweise wahrnehmen, da ich meinen Wirkungsschwerpunkt in meiner ganz persönlichen Umwelt hier vor Ort sehe und Termine außerhalb von Wochenenden in der Schulzeit kaum einrichten kann – selbst wenn das als Lehrerfortbildung durchgeht. Das hat vor allem private Gründe.

2011 – ein Jahr in der Übergangszeit zu einem neuen, „golden age“. Spannende Ereignisse und Fragen erwarten uns: JMStV, OpenLeaks vs. Wikileaks, Leistungsschutzrecht, die Wahl in BW, Liquid Democracy bzw. die Idee dahinter – u.v.m.. Dagegen wird sich in Schule eher wenig tun – vermute ich. Das System ist so inert wie ein Edelgas – aber die Menschen im System sind es nicht. Also ändern wir die Menschen. Ich werde dabei sein. Im Netz, an meiner Schule und auch bei einem weltumspannenden Projekt mit mehr als 900 Teilnehmenden aus über 40 Nationen. Ich verlinke es hier mal, wenn es soweit ist.

Auf ein gutes, neues Jahr!

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