Manchmal muss etwas richtig schlimm werden

vom 1. September 2009, in Anekdoten, Aus der Schule, von Maik Riecken

“[...] bevor es besser werden kann. Das ist bei Erkältungen ganz oft so. Erst wenn man richtiges Fieber bekommt, wird man danach so richtig gesund” – “Ja, und bei der Figur Alex ist es doch genau so: Jetzt sind zwar alle Probleme an der Oberfläche und sie hat richtig Stress, aber das ist doch erst die Voraussetzung für ein Happyend.”

In der 7. Klasse spreche ich gerade über innere Konflikte und darüber, dass dabei oft alle zur Verfügung stehenden Optionen Konsequenzen nach sich ziehen, die schwerwiegend und keinesfalls immer positiv sind (Anm. der Redaktion: Sonst könnte man sich den inneren Konflikt literarisch auch sparen). Die von uns betrachtete Figur hatte sich in der Handlung für eine Option entschieden, die (erstmal) zu einem Scherbenhaufen führt – daraufhin kam der oben in etwa im Wortlaut wiedergegebene Einwand der Klasse.

Solche Erlebnisse und die Gewissheit an der Entstehung solcher Gedanken nicht ganz unbeteiligt zu sein, schaffen den Sinn, der trotz der oft im Vordergrund stehenden Widrigkeiten meinen Beruf schön macht. Und wenn man genau hinschaut, ist an fast jedem Tag ein bisschen davon vorhanden.

Ein Seitenhieb sei hier noch gestattet:

Ohne den Inhalt “Innerer Konflikt” wäre dieser Gedanke in dieser Stunde undenkbar gewesen. Nicht Kompetenzen schaffen an dieser Stelle Fähigkeiten zur z.B. inhaltlichen Erschließung, sondern Inhalte schaffen Kompetenzen.

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3 Responses to Manchmal muss etwas richtig schlimm werden

  1. Andreas Kalt sagt:

    Schönes Beispiel – was den Sinn angeht, geht es mir ganz genauso. Viele kleine Momente, in denen man realisiert, dass ein Schüler was dazugelernt hat – klasse. Manchmal ist auch ein großer Moment dabei – von dem kann man dann monatelang zehren.

  2. Hokey sagt:

    Ich danke auch für das Beispiel. Auch immer schön, wenn solche Erkenntnisse von Schülern kommen, bei denen man das erfahrungsgemäß nicht erwartet hätte.

  3. Hedwig sagt:

    Ein wundervolles Beispiel.
    Und es ist so schön zu sehen, wenn die Kids etwas gelernt haben.
    Das relativiert den ganzen Stress, den unser Beruf so mit sich bringt ungemein.
    *seufz*
    Bin in zwei Wochen auch übers WE wieder auf einem Kongress, aber ich glaube es könnte sich lohnen.

    Schließlich profitieren die Schüler letztendlich irgendwann davon.

    http://www.fundraisingverband.de/fileadmin/pdf_upload/SchulFundraising_2009.pdf

    Und glücklichere Schüler machen auch die Lehrerin wieder glücklich und entspannt.

    Die Hedwig

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