Selbständigkeit und Alleinelassen

vom 13. Juli 2014, in Gesellschaft, von Maik Riecken

“Ihr sucht euch jetzt einmal ein Thema, welches euch interessiert und macht daraus ein Projekt!” “Ich gebe euch für eure Projektgruppe einen Punktepool und ihr entscheidet in der Gruppe selbst, wie viele Punkte jeder von euch erhält!” “Du bekommst als Schule ein Budget, aus dem du zuerst Fahrtkosten und Fortbildungskosten finanzieren musst. Den Rest darfst du für andere Dinge einsetzen!” “Jede Schule muss selbst eigene Verfahrensbeschreibungen und Nutzerordnungen zum Datenschutz erarbeiten!” “Deine schulische Arbeit sammelst du in einem Portfolio und überprüfst laufend selbst, welche Kompetenzbereiche du bereits abgedeckt hast!” “Du hast von mir ein Handy bekommen. Jetzt gehe mal verantwortungsvoll damit um!” “Regen ist kein Grund, dass ich dich zur Schule fahre!” “Erarbeite mal selbst, was für Geräte in deinem Schulnetzwerk benötigt werden!”

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Ich glaube, dass sie ein pädagogisches Grundproblem beschreibt. Bei mir ist das so stark im Fokus, weil ich damit herumexperimentiere, meinen Unterricht ein wenig mehr zu öffnen und damit so meine Erfahrungen gemacht habe. Befürworter des offenen Unterricht gehen nach meiner Meinung von einem ganz bestimmten Menschenbild aus, was mehr oder weniger stark aus Artikeln und SoMe-Posts herausschimmert. Kernpunkte dieses Menschenbildes sind:

  • Menschen wollen lernen
  • Menschen wollen hinsichtlich der Auswahl des Lernstoffes nicht bevormundet werden
  • Menschen sind von Natur aus neugierig
  • Menschen wissen selbst am besten, was gut für sie ist
  • Menschen blühen auf, wenn man ihnen Freiräume gibt

Schule in Deutschland wird dagegen oft als ein fast komplementärer Raum dazu aufgefasst, denn

  • Schule macht aus dem Wollen ein Müssen
  • Schule bevormundet hinsichtlich der Stoffauswahl
  • Schule weckt und befördert nicht die Neugier
  • Schule maßt sich an zu wissen, was für einen guten Staatsbürger wichtig ist
  • Schule schafft keine Freiräume, sondern Zwang
  • Und – fast am wichtigsten: Schule macht das positive Menschenbild von oben kaputt.

Beide Stereotype erlebe ich nicht so, weder das positive Menschenbild, noch die Rigidität und Enge des Schulsystems. Und das ist nicht böse – halt einmal mehr nicht Mainstream.

Ein Beispiel aus meinem Arduinoexperiment dieses Jahr in der letzten Phase (“Projektphase”). Es gibt Schülerinnen und Schüler, die nicht wissen, was sie inhaltlich interessiert und die man schon bei der Findung dieser Idee begleiten muss. Einige sind sogar froh, wenn ich sage: “Mach’s mal so – so schaffst du das!”. Andersherum gibt es großartige Ideen, die sich aber mit dem Wissen und den Möglichkeiten des jeweiligen Schülers gar nicht umsetzen lassen – wo er ohne Lenkung und Hilfe in den Wald liefe und eben kein Erfolgserlebnis hätte. Wo verläuft also die Grenze zwischen Alleinelassen und Selbstständigkeit? Wahrscheinlich individuell und mein Job als Lehrperson ist es, diese Grenze zu ziehen, weil ich verdammt nochmal aufgrund meiner Erfahrung manchmal eben besser weiß, was klappen könnte.

Ein weiteres Beispiel aus dem Bereich der Projektarbeit: Man gibt der Gruppe aus fünf Mitgliedern 30 Punkte, die sie dann selbst auf die Gruppenmitglieder verteilen sollen, weil die Gruppe ja am besten weiß, wer sich wie eingebracht hat. Das ist verlockend, weil man so die unangenehme Benotungsangelegenheit in die Gruppe verschiebt. Dadurch bleibt die Angelegenheit nur immer noch unangenehm (die Bewertung steht ja immerhin im nicht reformierten Raum “Schule”) – nur ich als Lehrperson bin aus dem Schneider, weil ich den schwarzen Peter verlagere. Mich unbeliebt zu machen, ist ggf. mein Job. Ich gebe die Note und organisiere die Gruppenarbeit und mich  ggf. so, dass ich das kann. Alles andere wäre für mich keine Selbstständigkeit, sondern ein Alleinelassen. Tatsächlich ist das ziemlich einfach, da ich nach meinen bisherige Erfahrungen in individuellen Beratungssituation bei Projekten sehr viel mehr mitbekomme als im sonstigen klassischen Unterricht.

Als Dienstherr könnte ich auf die Idee kommen zu sagen, dass ab jetzt Schulen in bestimmten Bereichen selbstständig sind. Hört sich zunächst prima an. Dass damit so Dinge einhergehen, u.U. selbst Arbeitsverträge mit Anbietern für den Ganztagsbereich ausarbeiten zu müssen, Verfahrensbeschreibungen zum Datenschutz zu erstellen usw., ist eine andere Seite der Medaille. Damit dürften Schulen schlicht überfordert sein, da ihnen dazu die Rechtsabteilung fehlt, die ein Dienstherr zwangsläufig hat. Ok – das Know-How kann sich jede Schule ja einkaufen – nur ist das effektiv, wenn das jede Schule einzeln macht, und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln realisierbar? Zum Glück käme der Dienstherr ja gar nicht auf solche Ideen.

Meine Hypothese ist, dass so manche selbstständige Arbeitsform Schülerinnen und Schüler schlicht überfordert – allein die Aufgabe herauszufinden, was mich – mich ganz allein und persönlich – wirklich interessiert, ist schon ein Anspruch. Andererseits empfinde ich es so, dass wir an andere Stellen Schülerinnen und Schülern Erfahrungen an Stellen nehmen, die sie durchaus machen dürfen. Man stirbt z.B. nicht, wenn man in Regenjacke zur Schule fährt und man stirbt auch nicht daran, ein Fahrrad mit einem Platten nach Hause zu schieben. Es ist zumutbar, Essen vorgesetzt zu bekommen, was nicht Mami gekocht hat.

Wo lassen wir als Gesellschaft junge Menschen alleine und wo trauen wir ihnen Selbstständigkeit zu?

 

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Riecken und die Verlage – Teil 4

vom 5. Juli 2014, in Gesellschaft, von Maik Riecken

Ich gebe einmal eine Korrespondenz mit einem Start-Up sinngemäß (also nicht im Wortlaut) und anonymisiert wieder – diese Anschreiben folgen auch in ihrer Reaktion auf Kritik stets ähnlichen Kommunikationsschemen, sind also weitgehend austauschbar – ich habe mittlerweile eine nette Sammlung solcher Threads. Meine Antworten sind ungekürzt bzw. original:

 

Lieber Herr Riecken!

Wir nehmen Sie als kompetenten Autor zu Bildungsthemen wahr und haben großes Interesse an einem Interview oder Gastbeitrag von Ihnen. Haben Sie Interesse, Ihr Wissen uns und unseren Leserinnen und Leser zur Verfügung zu stellen? Dann freuen wir uns auf eine Zusammenarbeit.

Viele Grüße,

Herbert Salesmanager

 

Stufe 1: Wir fragen mal nach einer Vergütung / Gegenleistung (Textbaustein)

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich freue mich, dass mein Blog Ihr Interesse geweckt hat.  Anfragen dieser Art kommen immer wieder einmal und ich frage auch immer wieder die gleichen Dinge zurück. Das “höchste” Gebot der letzten Jahre lag bisher bei

a) Total-Buyoutvertrag +
b) 20 Euro Aufwandsentschädigung

… meist in Nischenzeitschriften, deren Auflage nicht einmal die Abrufzahlen eines nachgefragten Artikels in drei Monaten, gleichwohl aber noch ein anderes Publikum erreicht. 

  • An welche Bedingungen ist Ihre Anfrage geknüpft?
  • Welche Rechte übertrage ich an dem Text an ihr Haus?
  • Was habe ich konkret von der Zusammenarbeit mit Ihrem Haus?


Gruß,

Maik Riecken

Antwort:

Lieber Herr Riecken!

Sie erhalten von uns einen DoFollow-Link und damit neue Leser für ihre Inhalte. Darüberhinausgehende Leistungen sind bei uns im Hause nicht üblich. Ich bitte Sie darum um Verständnis, dass wir nicht jeden unserer Kooperationspartner vergüten können. Auch so haben wir bisher zahlreiche Partner für unser Projekt gewinnen können. Wenn wir dennoch Ihr Interesse geweckt haben, wenden Sie sich jederzeit an mich.

Viele Grüße,

Herbert Salesmanager

Stufe 2: Wir konfrontieren mal.

Sehr geehrte Herr Salesmanager,

> Sie erhalten von uns einen DoFollow-Link und damit neue Leser für ihre Inhalte.

Stimmt leider überhaupt nicht mit meinen bisherigen Erfahrungen überein. 

> Ich bitte Sie darum um Verständnis, dass wir nicht jeden unserer Kooperationspartner vergüten können. Auch so haben wir bisher zahlreiche Partner für unser Projekt gewinnen können. 

Ehrlichgesagt fehlt mir hier jedes Verständnis. Das heißt im Umkehrschluss, dass dann ja auch nicht alle Nutzer für Ihre Dienste bezahlen / eine Leistung erbringen müssen. 

Content hat damit für Sie eigentlich keinen Wert, wird aber gleichzeitig genutzt, um Wertschöpfung zu betreiben.

Sie bieten dafür lediglich eine Option auf potentielle Reputation. Arg wenig. Da kommen wir wohl eher nicht zusammen. 

Gruß,

Maik Riecken

Antwort:

Sehr geehrter Herr Riecken!

Ihre Haltung ist sehr schade. Für mich ist es ein neuer Weg, Inhalte zu liefern, für die ich ansonsten nicht kompetent genug wäre. Mit Ihren anderen Vorurteilen oder gar Wertschöpfung hat das nichts zu tun. 

Andere Blogger sind durchaus interessiert, da ist es schade, dass Sie da anders denken.

Viele Grüße,

Herbert Salesmanager

Zusammenfassung:

Es gibt eine Firma, die ein Blog betreibt, aber hauptsächlich Geld mit Inhalten verdient. Ich wurde auf diese Plattform auch schon eingeladen und um meine Meinung zu bestimmten Inhalten gebeten (also Zeit und Text gegen keine für mich erkennbare Gegenleistung).

Ich habe da ein wenig Zeit hineingesteckt: Dieses Blog existiert schon länger. Gastartikel gibt es auch, jedoch unter einem Sammelaccount mit dem Namen “Ehemalige Mitarbeiter der Firma”. Als Autoren sind darüberhinaus nur Firmenangehörige genannt. Die Mutterseite ist recht gut gerankt und ein Backlink von der betroffenen Subdomain wäre SEO-technisch schon ein Gewinn, aber die Aussagen von dem guten Herbert, dass eine Reihe von Bloggern bereits mitmachen, sind m.E. schon ein wenig in seinem Sinne optimiert.

Auf die Rechtefrage geht Herbert gar nicht erst ein, sondern stört sich an meinen Vorurteilen ihm gegenüber. Ich bin nicht sicher, ob Herbert meinen Punkt erkannt hat bzw. ob er ihn überhaupt sehen will. Herbert möchte eigentlich kostenlos Inhalte abgreifen – vordergründig um dem Autoren durch einen DoFollow-Link Reputation zu verschaffen.

Dazu muss man wissen, dass “DoFollow-Link” Marketing-Sprech für einen ganz normalen Link ist. Suchmaschinen folgen generell erstmal allen Links, es sei denn, man verbietet das per Quellcode explizit. Eine besondere Gnade ist ein derartiger Link also nicht, sondern eben der ganz normale Webstandard.

Um nicht missverstanden zu werden: Eine der wesentlichen Elemente vernetzter Arbeit ist die unentgeltliche Mitarbeit an Projekten – das fordere ich selbst ja auch immer wieder ein. Nur müssen Aufwand und Nutzen in einem Verhältnis stehen. Zwei Stunden Arbeit für einen Artikel mit einen Backlink sind für mich ein extrem schlechtes Verhältnis – gerade wenn diese Arbeit für ein kommerzielles Projekt eingesetzt werden soll. Und mich würde es nicht wundern, wenn – ginge man darauf ein – bald weitere “Angebote” kämen – z.B. Inhalte zu erstellen. Mir tun die Menschen leid, die nicht so privilegiert sind wie ich und von der Erstellung von Inhalten leben müssen.

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Kompetenzorientierte Prüfung mit Arduino?

vom 20. Juni 2014, in Aus der Schule, Methoden, von Maik Riecken

Ich hatte Anfang des Jahres mein Konzept vorgestellt, SuS Informatik zu vermitteln. Das war sehr eigenwillig, ein Versuch und überhaupt sehr viel Lernanlass für mich im letzten Jahr. Die SuS haben im zweiten Halbjahr an Projekten gearbeitet und – so die Hoffnung – ihre Programmierkenntnisse vertieft. Konkret wird an folgenden Projekten gearbeitet:

  • didaktische Aufbereitung eines komplexen Arduinocodes für Anfänger
  • ein autonomes Roboterfahrzeug
  • zwei Lightcubes, einer mit Musiksteuerung
  • ein Quizduellclone auf einem 2×40 Matrix ASCII-Display
  • ein Morsezeichendekoder

… und natürlich wird nebenbei in einem Wiki dokumentiert und Code zwischengeparkt.

Eine Klausur verlangte nun die Fachschaft (die aus zwei Lehrkräften besteht). Ich hätte bestimmt auch auf eine Ersatzleistung ausweichen können, aber ich wollte Schwarz auf Weiß sehen, was die SuS jetzt können und was sich im Vergleich zum Anfang des Jahres geändert hat. Deswegen gab es doch eine Klausur, aber eine ganz andere.

Informatikklausur Nr. 2

Material:

  1. Ein Arduinoboard (Art egal)
  2. drei Leds (ggf. verschiedene Farben)
  3. drei Vorwiderstände für die Leds (220-330 Ohm)
  4. zwei Taster
  5. zwei Widerstände für die Taster (1kOhm oder 10kOhm)
  6. ein Steckbrett
  7. Kabelverbinder

Vorbemerkungen:
Wenn du Taster an den Arduino anschließen und ihren Zustand auslesen möchtest, musst du einen zusätzlichen Widerstand verwenden, um definierte Pegel zu bekommen. Dieser Widerstand sollte einen Wert zwischen 1kOhm und 10kOhm haben.

Hier eine Beispielschaltung

<Bild von Tasterschaltung>

Aufgabe:
Du sollst ein Spiel programmieren. In diesem Spiel gibt es drei Leds (links, rechts, Erfolg) und zwei Taster (links, rechts).

Dabei gilt:
Led rechts: Pin03
Led Erfolg: Pin04
Led links: Pin05
Taster rechts: Pin06
Taster links: Pin07

Spielablauf ist folgender:

  1. Zufällig leuchtet entweder die rechte oder die linke Led auf.
  2. Der Spieler muss nun möglichst schnell eine entsprechende Taste (links oder rechts) drücken
  3. Hat er das innerhalb einer bestimmten Zeitspanne geschafft, leuchtet die Led „Erfolg“ auf, ansonsten blinken alle Leds kurz auf
  4. Die Zeitspanne wird im Laufe des Spiel immer kürzer

Für jede realisierte Stufe 1-4 gibt es bereits Punkte!

Tipp:
Suche mit Google nach „Arduino Zufall“, um herauszubekommen, wie du zufällige Werte erhältst.

Abgabe:
Du erstellst mit LibreOffice eine Datei, die deinen ausführlich kommentierten Code enthält.
Du erläuterst deinen Code.
Du beschreibst zusätzlich, welche Schwierigkeiten du während der Programmierung hattest, insbesondere dann, wenn dir etwas nicht gelungen ist.

Die Datei speicherst du unter:

<pfadangabe>

Der Dateiname muss deinen Namen enthalten, z.B. „karl_mustermann_klausur.ods“.

Du darfst:

  • Im Internet recherchieren
  • Dir selbstständig Material holen / organisieren
  • Deinen Code an einer Schaltung ausprobieren

Du darfst nicht:

  • mit deinen Kurskolleginnen und Kollegen sprechen

viel Erfolg!

 

Die Zeit war für diese Aufgabe mit 90 Minuten sehr knapp bemessen, aber es gibt sogar vollständige und funktionierende Lösungen, mindestens aber immer konkrete Ansätze und was mich besonders freut: Die meisten Schaltungen sind korrekt und sauber aufgebaut. Das Prüfungsformat ist im BBS-Kontext erstmal überhaupt nicht ungewöhnlich, bei uns an der Schule jedoch schon ein Novum. Mit Google ist diese Aufgabe nur sehr eingeschränkt lösbbar, gerade auch in der gegebenen Zeit, man braucht dafür also meiner Ansicht nach auch gar nicht mal so wenig Wissen. Ich hatte erst ein wenig Angst vor der Bewertung, aber schlussendlich gibt es für Codequalität schon genug Kriterien und auch für die Beschreibungen. Spannend finde ich, dass man relativ genau sehen kann, wie jemand denkt, weil der Code im Prinzip ja ein formalisierter Plot des Denkens ist – ohne dieses Overhead-Geschwurbel in geisteswissenschaftlichen Fächern (ich darf das als Deutschlehrer sagen).

Mein Problem mit dem erfolgten Unterricht ist ein anderes: Ich komme mir so unverantwortlich vor, weil ich ja nie klassisch unterrichtet, sondern ganz viel 1:1 beraten, gelenkt, unterstützt habe und auch oft fachlich die Segel streichen musste (ich kann jetzt aber einen einstufigen Verstärker stecken). Die “Vorbereitung” des Unterricht besteht bei dieser Unterrichtsform eher darin, ganz viel selbst lernen zu müssen, weil es um sehr individuelle Probleme geht. Nach jeder Stunde bin ich fix und foxi, weil ich immer gedanklich hin- und herswitchen und auch Anfragen priorisieren muss.

 

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Zukunftsapodiktionen

vom 11. Juni 2014, in Gesellschaft, Tech-Talk, von Maik Riecken

Hinweis:

Das folgende Interview ist eine Fiktion. Eine einseitige Fiktion, in die jede gutmeinende Kraft des heutigen Netzes – etwas Boshaftigkeit vorausgesetzt – integriert werden kann. Der Gegentext existiert auch schon in meinem Kopf, klingt aber bei Weitem nicht so realistisch :o)…

 

Erstmalig ist es Reportern der Haute Daily gelungen, Eric Baldwin, CEO des Internetmonopolisten “Event Horizon Inc.” zu einem Interview anlässlich der Implementierung des Ethikrates innerhalb des Unternehmens zu bewegen. Details zu diesem Rat wurden durch den Whistleblower Peter Foomatic im Verlauf des letzten Jahres bekannt.

HD: Herr Baldwin, wie kam es zu der Einsetzung es Ethikrates bzw. überhaupt zu der Idee, technologische Innovation durch Philosophen, Rechtsgelehrte und Volkswirte begleiten bzw. die spätere Umsetzung selbst von ethischen Kategorien abhängig zu machen?

EB: Dazu müsste man weit in die Geschichte des Internets zurückgehen, die ja auch Teil der Geschichte unseres Unternehmens ist. Im Grunde genommen ist der Ethikrat Ausdruck einer Arroganz. Verkürzt dargestellt wollen wir den Nutzer vor sich selbst schützen.

HD: Das bedarf jetzt aber einer Erläuterung, Herr Baldwin!

EB: Wir gehen einmal in die Jahre 2008-2018 zurück, also in eine Zeit, in der der Peachkonzern noch selbstständige Aktiengesellschaft war, bevor er schließlich in unserem Konsortium aufging. Peach ist es gelungen, einen fundamentalen Bedarf in der Bevölkerung zu decken, der sich in den Jahren zuvor in der Auseinandersetzung mit dem Betriebssystem “Weichfenster” entwickelt hatte: Technik als Gegner und Zeitfresser, der User als ständiger Verlierer. Vor allem letzteres hatte immense psychogische Konsequenzen: Niemand steht gerne hilflos da, das Belohnungssystem unseres Gehirns braucht Erfolgserlebnisse. Mit Peachprodukten waren auf einmal diese Erfolgserlebnisse wieder da: Man konnte Daten über mehrere Geräte hinweg synchronisieren, man konnte Medien auf einfache Art und Weise an fast jedem Ort konsumieren, man konnte sein Zeit effektiver gestalten durch z.B. eine funktionierende Terminverwaltung und Bündelung der Kommunikationswege – man konnte überhaupt “sein Netz” überall hin mitnehmen – das pTalk, erstes SMARTPhone seiner Art,  hat die Welt verändert: Ergo man war in seiner Wahrnehmung technisch wieder kompetent und zahlte dafür auch gerne.

HD: Ein profitables Geschäftsmodell, das im Wesentlichen auf Niedriglohnpolitik in Asien basierte, quasi eine moderne Form des Koloniallismus.

EB: Nennen Sie mir eine Firma, die dieses Prinzip in dieser Periode nicht verfolgt hat. Die Anforderungen des Marktes waren halt so. Es ging nicht um eine lange Nutzungsdauer oder Nachhaltigkeit der Geräte. Speziell Peachgeräte wiesen zwar eine lange Lebensdauer auf, jedoch wollten die Nutzer immer etwas Neues, was kurze Innovations- und Produktionszyklen erforderte, damit das Unternehmen wirtschaftlich wachsen und die Ansprüche seiner Aktionäre bedienen konnte. Also war das primäre Ziel Wirtschaftlichkeit, hier insbesondere in Form hoher Margen. Weiterhin war es Strategie, die Kunden an das eigene Ökosystem zu binden, wie es Searchiegigant schon etwas länger vormachte. Den Kunden machte das wenig aus, da das Ganze bei Peachgeräten eben einfach funktionierte und bei Searchiegigant eben technisch leistungsfähig und kostenlos war.

HD: Also eine Befreiung durch technologische Innovation. 

EB: Ja und nein. Diese Zeit ist Ursprung einer Entwicklung, die wir heute kritisch sehen. Wir haben hervorragend davon gelebt, dass die Nutzer in der Mehrzahl technisch weitgehend inkompetent waren. Sie können oder wollen Ihren DSL-Router nicht konfigurieren? Kein Problem, sie bekommen von uns eine fernwartbare Blackbox. Ihr Betriebssystem soll einfach funktionieren? Gerne, wir konfigurieren es zentral aus der Cloud usw.. So kam es, dass die meisten Nutzer sich zwar auf einer kommunikative Ebene kompetent im Netz bewegen konnten, von der Funktionsweise von Hard- und Software aber zunehmend entfremdet wurden – genau das war das Geschäftsmodell, da wir so Abhängigkeiten schaffen konnten, die zu einer Kundenbindung führten.

HD: Aber es gab doch immer schon kritische Stimmen. Vor allen den den damaligen klassischen Printmedien fanden in den Feuilletons und in zahlreichen Blogs dezidierte Auseinandersetzungen mit ihren Geschäftspraktiken statt. Wollen Sie Ihre damaligen Kunden als inkompetent darstellen? 

EB: Als technologisch (das ist eine wichtige Einschränkung!) inkompetent und vor allem naiv, ja. Das klingt hart. Aber aus dieser Zeit stammen aber alle Daten, die wir heute für die Geschäftszweige nutzen, die für uns die profitabelsten sind. Die Entwicklung hin zu neuen Geschäftsfeldern wie dem Versicherungs- und dem Kreditwesen basiert auf Daten, die die Menschen uns freiwillig gegeben haben auf Plattformen, die sie als integral für ihr Leben empfunden haben und immer noch empfinden. Dabei haben wir anfänglich die Algorithmen bewusst “dumm” gestaltet: Wer z.B. eine Kaffeemaschine kaufte, bekam über unsere Werbenetzwerke nur noch Kaffeemaschine in Werbeanzeigen angepriesen. Er konnte dann mit dem Finger auf uns zeigen und sagen: “Schaut her, was für eine dämliche Algorithmik!” Es war wichtig, Menschen dieses Überlegenheitsgefühl gegenüber Technik zu geben, obwohl sie schon längst davon entfremdet waren, damit sie uns weiter Informationen über sich lieferten.

Wir können heute so die verlässlichsten Aussagen zu Kreditwürdigkeit eines Menschen machen. Wir wissen heute über den Lebenswandel und damit über mögliche gesundheitliche Risiken eine Menge, sodass wir maßgeschneiderte Tarife anbieten können. Ebenso helfen uns die gesammelten Geodaten von Tablets und Handys, um Aussagen über das Fahr- und Reiseverhalten machen zu können. Damit zahlt jeder bei uns für sein individuelles Risikoprofil. Im Prinzip profitieren diejenigen davon, die sich möglichst risikoarm im Sinne unserer Algorithmik verhalten – was für unsere Entwicklungsabteilung hinsichtlich der Nachwuchsaquise zunehmend problematisch wird – dazu aber später mehr. Es ging ja um die Naivität: Die Naivität bestand darin zu glauben, dass persönliche Daten für niemanden einen Wert besitzen. Dass dem nicht so ist, wurde durch die Snowden-Affäre zwar überdeutlich, aber die Konsequenz für die meisten Nutzer wäre gewesen, Bequemlichkeiten aufgeben zu müssen – und sei es nur die Bequemlichkeit, die politischen Gruppen nicht zu unterstützen, die uns hätten Paroli bieten können. Das erschien jedoch den meisten nicht realistisch, ja es ging sogar noch weiter: Mahner in dieser Entwicklung wurden oft als rechthaberisch, bzw. von “oben herab” empfunden. Psychlogisch verständlich, da ihnen zu folgen bedeutet hätte, Verhalten ändern zu müssen. Für uns lief das so schon ganz gut.

Dabei kam uns zusätzlich eine Paradoxie sehr zu pass: Gegenüber dem Staat gab es enorme Empfindlichkeiten, wenn dieser seine Zugriffsmöglichkeiten erweitern wollte, gegenüber uns nicht. Der Staat musste zumindest demokratische Konsequenzen befürchten – im Prinzip konnte man Regierungen abwählen, wir konnten die Informationsströme so steuern, dass unsere Begehrlichkeiten und Verfehlungen  nicht lange im Fokus der Öffentlichkeit blieben. Mit jeder AGB-Änderung im Juristendeutsch konnten wir austarieren, wie weit man gehen konnte. Das las ja niemand und liest es bis heute nicht. Die gut gemeinten staatlichen Aufklärungspflichten kamen uns dabei sehr entgegen, weil sie die Vertragswerke lediglich weiter aufbliesen.

Der Staat hätte uns zwar politisch Einhalt gebieten können, aber das hätte kaum eine Regierung länger als eine Legislaturperiode überlebt. Deshalb der Deal mit den standardisierten Schnittstellen wie in den frühen Anfängen die SINA-Box. Das Staat bekam die Informationen, die er meinte zu brauchen und ließ im Gegenzug uns dafür in Ruhe.

HD: Sie leben doch ausgesprochen gut von der Taktik, die Sie da gefahren haben. Sollten Sie der Nutzerinnen und Nutzern nicht dankbar sein?

EB: Unsere Natur ist nicht die Dankbarkeit. Das ist ein wirtschaftliches Überlebensprinzip. Und es war kein Plan, sondern es hat eben so ergeben, weil es unsere Natur ist. Und es wäre so nicht möglich gewesen, wenn wir die Welt für den Nutzer nicht auch zum Positiven gewendet hätten. Der Zugang zu Bildung, Kunst und Kultur ist durch uns weltweit für jedermann möglich geworden. Jeder konnte auf einmal ein Sender sein und seine Ideen verwirklichen – freilich blieben die meisten Konsumenten. Das ist objektiv ein medialer Wandel, der ohne Weiteres mit dem des Buchdrucks ergleichbar ist. Dabei haben wir nie zwischen großen und kleinen Playern unterschieden, sondern vor allem unsere Suchalgorithmen nach qualitativen, möglichst neutralen Gesichtspunkten gestaltet. Wer keine Qualität in unserem Sinne bieten konnte, musste sich eben hochkaufen, indem er uns direkt Geld bezahlte oder sein Glück mit SEO-Agenturen versuchte, mit denen wir uns immer ein Rennen lieferten, was für die SEOs schlussendlich nicht zu gewinnen war. Das merkten die Kunden dann und zahlten gleich direkt an uns.

Taktiken gab es aber auch: So suchten wir uns gezielt Personen, die in den sozialen Netzwerken über einen hohen Reputationsgrad verfügten, um vorgeblich kritische Meinungen zu streuen, die aber letztlich in unserem Sinne waren. Die Idee kam dabei von Agenturen, die über eingekaufte Agenten Produktbewertungen platzierten. Wir mussten lernen, wie diese Bewertungen zu formulieren waren, damit sie als authentisch aktzeptiert wurden. So ließen sich auch Warenströme steuern und Überkapazitäten viel geschickter nutzen als über klar erkennbare Abschreibungskampagnen, wenn sich ein Hersteller mal hinsichtlich der Attraktivität seines Produktes verkalkulierte und es zum Schleuderpreis auf den vorwiegend dann Bildungsmarkt warf. Im Bildungsmarkt zielten wir dabei auf Multiplikatoren. Wenn man diesem das lang verlorene Kompetenzgefühl in technischen Dingen zurückgab, kauften Sie auch Geräte zum Normalpreis und warben Gelder für die Beschaffung größerer Chargen wie selbstverständlich ein. “Psychology overrides costs” sagte da unser Vertrieb immer.

HD: Das ist doch unglaublich unfair. Gerade der Bildungsbereich war doch über Jahre dem technischen Fortschritt weit hinterher. Werfen Sie jetzt den dort Tätigen auf noch Naivität und Unwissenheit vor, denen doch vorwiegend das Aufholen dieses Rückstands und damit die Vorbereitung der ihnen anvertrauten Menschen auf den Arbeitsmarkt am Herzen lag und – mit Verlaub – auch immer liegen wird?

EB: Die Motive dieser Menschen stelle ich doch nicht infrage. Wir haben doch gerade die Situation, die sie da beschreiben zu nutzen gewusst, wobei beide Seiten schlussendlich profitiert haben. Daran ist nichts verwerflich. Wir hatten etwas, was andere nicht hatten und es ihnen verkauft. So ist das in unserem Wirtschaftssystem. Hätte man jetzt alle dazu nötigen sollen OpenSource-Produkte einzusetzen und alles an möglichen Diensten selbst zu hosten? Sie haben vielleicht schon vergessen, wie es um die Patchlevel der allermeisten Joomla!-Installationen von Schulen bestellt war und hätten dann das Gejammer hören sollen, wenn wir diese wegen Virenbefall aus den Suchergebnissen ausgelistet haben. Lehrer und Bildungstreibende waren bemüht, aber letztendlich doch eher dilletantisch bei der technischen Umsetzung. Das können wir besser, verlässlicher und vor allem sicherer. Das zeigt die Zuverlässigkeit unserer Dienste über Jahre hinweg. Wenn der Staat es anders gewollt hätte, wäre sogar mit uns etwas möglich gewesen.

Aber der Staat war den veränderten Umständen mit seinen althergebrachten politischen System nicht gewachsen, quasi kaum noch reaktionsfähig – anders sind Entwicklungen wie das damalige Leistungsschutzrecht kaum zu erklären. Die einst mächtigen Presseverlage sind aber dann ja schlussendlich an ihrer Personal- und Vergütungspolitik zugrunde gegangen. Wir bieten Buchautoren und Journalisten mittlerweile profitablere Verdienstmöglichkeiten.

HD: Und haben selbst von unzähligen kostenlos agierenden Leistungsträgern profitiert.

EB: Natürlich nutzen wir Entwicklungen aus dem OpenSourcebereich. Natürlich verbessern wir unsere Texterkennungs- und Übersetzungsalgorithmen mit Hilfe von Menschen, die davon kaum etwas mitbekommen. Nur ist der Beitrag jedes Einzelnen dabei so minimal, dass man da kaum von Ausnutzung sprechen kann. Die Menschen geben uns diese Leistung freiwillig, genau wie damals bei Wikipedia, das wir nun als Projekt weiterentwickeln und es geschafft haben, die Autorenknappheit maßgeblich zu kompensieren.

HD: Sind nicht Sie mittlerweile derjenige, der für uns die Partner aufgrund der Social-Media-Profile über Gesichtserkennungsalgorithmen aussucht? Steuern Sie nicht die Interessen des Einzelnen durch maßgeschneiderte Suchergebnisse? Kontrollieren Sie nicht damit auch das Wissen? Sind Sie nicht schon viel zu mächtig geworden?

EB: Genau das ist unser momentanes Problem, weswegen wir zukünftig jede technologische Innovation durch eine Ethikkommission begleiten lassen wollen. Die Leute sehen mehr und mehr das, was unsere Algorithmik als sinnvoll für sie auswählt. Wir führen genau darauf zurück, dass wir immer weniger kreative Köpfe für die Arbeit in unserem Unternehmen finden. Die meisten Bewerber können wohl Bekanntes reassemblieren und remedialisieren und das auch ästhetisch ansprechend, aber es fehlt zunehmend an fundiertem technologischen Wissen (das haben auch wir der Bevölkerung “wegerzogen”) gepaart mit Quertreiberei. Die Absolventen sind uns zu uniform, so sehr auf das gefällige Lösen immer neuer Aufgaben gepolt. Sie gehen insgesamt weniger Risiken ein. Sie haben oft Angst, im privaten Bereich Veränderungen hinnehmen zu müssen und passen sich daher im Beruf aus unserer Sicht zu stark an.

Deswegen wollen wir nun selbst das Rad ein wenig zurückdrehen und darüber diskutieren, was es eigentlich bedeutet, wenn eine Frau einem Mann in einer Bar keinen Drink ausgibt, weil ihr unser Gesichtserkennungsalgorithmus mitgeteilt hat, dass sie mit der “Zielperson” aufgrund unterschiedlicher Interessen und des vorangehenden Lebenswandels nicht kompatibel ist. Unsere Vorstellung von Kompatibilität hat eben immer auch ethische Dimensionen.

Warum sollte weiterhin der schon zweimal gescheiterte Start-Up-Gründer nicht kreditwürdig sein, wenn es doch in seinem Scheitern vielleicht für den dritten Versuch gereift ist. Wo liegen da die Grenzen der Algorithmik, wo ihre Chancen?

Im Grunde genommen waren diese Fragen immer schon da – etwa als die damalige automatische Ergänzung von Suchbegriffen Personen in eine eindeutige “Ecke” stellten und Gerichtsentscheidungen uns da Einhalt geboten. Entscheidend für die Person ist ja nicht, dass diese Daten aus Anfragen Dritter algorithmisiert wurden – entscheidend ist die daraus resultierende Wahrnehmung.

Für uns war in der Rückschau sehr wichtig, dass es Leute gab, die die Existenz von Privatssphäre und so etwas wie Eigentum an Daten als Relikte der bürgerlichen Welt abtaten, weil es uns eben weit mehr nützte als den Gutmenschen in ihrem Glauben an eine bessere Welt. Auch das ist ethisch schwierig, wie wir heute wissen.

HD: Wir danken ihnen für dieses Gespräch, Herr Baldwin!

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1. Fixierung auf Endgeräte vor der Schaffung von Infrastruktur

Rechner, Notebooks, interaktive Tafelsysteme und Tablets sehen schick aus, sind im wahrsten Sinne des Wortes „begreifbar“ und zudem repräsentativ nach außen. Keines dieser Geräte lässt sich mittlerweile sinnvoll nutzen ohne ein stabiles Netzwerk und eine vernünftige Anbindung desselben an das Internet.

Ohnehin stattfindende bauliche Maßnahmen an Schulen werden oft nicht hinreichend dazu genutzt, Infrastruktur gezielt aufzubauen (Verlegung von Netzwerkkabeln in neu erstellten Decken, Umbau der Elektrik oder Heizungs- sowie Sanitärinstallationen etc.)

2. Mobile Lösungen für Präsentationen

Medienwagen mit Beamer, Notebook und Lautsprechern sind flexibel einsetzbar. Prüft man die Betriebszeiten von Beamerlampen auf diesen Wagen, stellt sich oft Ernüchterung ein: Aus verschiedenen Gründen werden diese recht teuren Geräte wesentlich weniger genutzt als fest installierte Systeme z.B. Deckenbeamer mit fest installierten Rechner.

3. Räumlich unsinnige Installationen von Präsentationssystemen im Klassenraum

Das Endgerät, welches den Beamer oder die interaktive Tafel steuert, muss entweder so ausgerichtet sein, das die Lehrkraft bei der Bedienung zur Lehrgruppe hinschaut oder es muss eine mobile Präsentation vom Platz des Schülers / Lehrers aus möglich sein.

4. Technische Überdimensionierung von PC-Arbeitsplätzen

Im klassischen PC-Raum werden i.d.R. Office- oder Internetanwendungen genutzt. Dafür sind PC-Systeme wie sie in Firmen zum Einsatz kommen schlicht überdimensoniert und verbrauchen darüberhinaus unnötig viel Energie.

Für die Medienproduktion – z.B. Filmschnitt – sind diese Geräte dann wieder viel zu leistungsschwach.

Ein PC-Arbeitsplatz muss in sich der Ausstattung an der tatsächlich zu erwartenden Nutzung orientieren.

5. Verzicht auf Softwaredeploymentlösungen (zugunsten von z.B. Wächterkarten)

Jedes System, welches bei der Installation einer Anwendung voraussetzt, dass sich ein Servicetechniker vor jeden einzelnen PC für die notwendigen Arbeiten setzt, ist nicht mehr zeitgemäß. Software lässt sich heutzutage servergesteuert verteilen. Selbst die Betriebssysteminstallation läuft vollautomatisch ab. Der Schutz des jeweiligen Arbeitsplatzes vor Manipulationen durch SuS kann z.B. verlässlich durch entsprechende Profileinstellungen erfolgen.

6. Fehlende Skalierungsplanung

Es ist eine Sache, in einem Klassenraum mit Funkübertragungsprotokollen wie AirPlay, MiraCast etc. und mit z.B. einem Klassensatz Tablets zu arbeiten. Es ist eine andere Sache, das mit einer ganzen Schule in allen Räumen zu tun. Die dazu nötigen Netzwerkkomponenten und deren Konfiguration stehen in einem diametralen Gegensatz zu den vermeintlich technisch trivialen Erlebnissen, wie sie insbesondere die Applewelt vermittelt.  Die Ausstattung muss unter der Annahme beschafft und konzipiert werden, dass das irgendwann “jeder an der Schuler” macht.

7. Fehlendes Fortbildungskonzept für die Lehrkräfte

Im Idealfall werden die vom Schulträger beschafften Geräte oft und gern benutzt. Nur ein kompetenter, lernbereiter Anwender ist dazu in der Lage und nutzt die Möglichkeiten dieser teuren und meist wartungsaufwändigen Investition.

Schulen mit einem durchdachten IT-Fortbildungs- und Medienkonzept sind bei der Ausstattung vorrangig zu behandeln.

Ein schulübergreifendes Fortbildungskonzept wird durch eine einheitliche Ausstattung erheblich vereinfacht.

8. „Schmoren im eigenen Saft“

Es gibt in der unmittelbaren Region viele Schulen, die mit neuen Medien und Schulserverlösungen ausgestattet sind. Diese verfügen über konkrete Erfahrungswerte aus methodisch-didaktischen Kontexten.

Die Besichtigung anderer Schulen und das Gespräch mit den dort unterrichtenden Lehrkräften sind wichtig, um als Schule oder Schulträger eine differenzierte Meinung zu erhalten und diese gegenüber Firmen vertreten bzw. überhaupt verbalisieren zu können.

 

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