Unter Eltern ist folgende Anekdote bekannt:
“Mein Kind ist seine Mandarine nur, wenn ich sie ihm geschält und zerlegt in die Tupperdose lege. Tue ich das nicht, kommt sie ungegessen wieder zurück. Das ist jeden Morgen echt ein ziemlicher Aufwand und eigentlich kann es doch nicht so schwer sein, die Mandarine selbst zu schälen! Aber ich will doch, dass mein Kind Obst isst. Was soll ich nur tun? Mich nervt das!”
Kinder sind heute sowohl im Kindergarten als auch in der Schule nicht unerheblichen Belastungen ausgesetzt. Nicht selten ginge die Schälzeit von wertvoller Spielzeit ab. Gleichwohl wird diese durch Lebenszeit der Erwachsenen bezahlt – je nachdem wie man seine Elternrolle auffasst, wird man in solchen oder ähnlichen Situationen reagieren, in denen man eine Entscheidung zwischen “Selbstständigkeit fördern” und “Bewahren vor nicht kindgerechten Belastungen” zu treffen hat. Das Mandarinenbeispiel dürfte eines der harmloseren sein. Natürlich hätte ich persönlich auch lieber eine geschälte Mandarine in meiner Frühstücksdose! Mein Alltag ist auch voller Belastungen und alles, was mir das Leben leichter macht, ist zunächst einmal positiv für mich – das sollte ich mir einfach wert sein.
Ich halte Appleprodukte für eine geschälte und zerlegte Mandarine. Apple hat mein Bedürfnis nach Erleichterung begriffen und gibt mir durch ein funktionales und hervorragendes Design eine echte Entlastung in meinem Lehreralltag.
Trotzdem will ich, ich ganz persönlich, Apples geschälte Mandarine nicht. Das hat mit den ideellen Kosten zu tun, die für mich zu hoch sind, dass ich nach wie vor lieber selbst schäle oder eben dafür andere Werkzeuge einsetze. Wäre ich nicht zusätzlich der Überzeugung, dass der technische Ansatz von Apple auch Auswirkungen auf die Gesellschaft hat, zögerte ich keine Minute, selbst eine iPad-Klasse ins Leben zu rufen. An Möglichkeiten dazu fehlt es hier vor Ort im Gegensatz zu anderen Landkreisen definitiv nicht. Finanziell stehen wir glänzend ausgestattet da. Um zu erklären, warum ich nicht auf den gerade anrollenden Zug aufspringe, muss ich etwas ausholen.
Apple verkauft proprietäre Appliances, d.h. eine Verbindung aus Hard- und Software. Apple tut sehr viel dafür, dass sich beide Komponenten nicht ohne Weiteres trennen lassen. Das gelingt der Firma im Bereich der Mobilgeräte z.Zt. natürlich weitaus besser als im Desktopumfeld.
Eine Appliance hat Vorteile:
- Sie funktioniert
- Sie besitzt eine konsistente Oberfläche
- Sie hat eine intuitive Oberfläche, die sich mühelos bedienen lässt
- Sie ist durch das geschlossene Konzept wartungsarm und zuverlässig
- Im Falle vom Appleprodukten sind die Geräte langlebig und hochwertig verarbeitet
Eine Appliance hat Nachteile:
- Jede Funktion der Appliance ist abhängig vom Hersteller der Appliance
- Eine Appliance ermöglicht genau das, was der der Hersteller der Appliance ermöglichen will
- Eine Appliance ist nicht transparent
- Die Sicherheit der Appliance bewegt sich im Rahmen der Sicherheitsvorstellungen des Herstellers
- Was die Appliance tut, entzieht sich gängigen Kontrollmechanismen. Vertrauen ist angesagt.
Und – für mich sehr wichtig: Mit einer Appliance lernt man, die Mandarine zu essen und zu genießen, nicht sie zu schälen. Zudem wird man bald erwarten, dass alle Mandarinen geschält sind und sie nur noch so akzeptieren. Ob das ok ist oder nicht, muss jeder für sich entscheiden und der Kontext spielt zusätzlich eine Rolle: Wenn eine Appliance in einem eng begrenzten Umfeld etwas macht, was Experten (huch – die sollen doch bald überflüssig sein?) besser können als ich, dann ist das absolut sinnvoll – Firewalls für Rechenzentren sind oft als Appliance realisiert. Wenn eine Appliance jedoch wesentliche kommunikative Abläufe in meinem Leben strukturiert und bestimmt, dann tue ich mich schwer damit. Mein “Nichtexpertentum” ist diesem Bereich für einen Anbieter Kapital – und zwar nicht bezogen auf eine hochspezialisierte Nische.
IT beherrscht unser Leben. Informatik ist für mich ein Fach, welches z.B. zeigt, wie man Mandarinen schält, welche unterschiedlichen Ansätze dafür existieren und wie sich der Prozess des Schälens optimieren lässt. Wer keine Mandarinen schälen kann, ist auch anfällig dafür, mit einem Kolbenfresser auf der Autobahn liegenzubleiben, weil der Bordcomputer den defekten Öldrucksensor nicht gemeldet hat. Der Blick unter die Motorhaube auf den Peilstab ist heute eben nicht mehr zeitgemäß.
Ich habe Freude am Verstehen. Ich habe Freude daran, hinter die Fassaden zu schauen. Ich freue mich über einfache und geniale Lösungsstrategien, die ganz andere Wege gehen. Ich möchte das Menschen vermitteln. Dafür muss ich Mandarinen haben, die noch eine Schale besitzen. Ein Appleprodukt hat für mich keine Schale mehr. Allein das saftige, perfekt freigelegte Fruchtfleisch bleibt. Ich möchte eine Mandarine sehen, wie sie ist und nicht wie sie mir jemand mundgerecht in die Obstdose gelegt hat. Deswegen benutze ich OpenSource, deswegen bekomme ich von den “Technikaffinen” oft genug den Stempel “Nerd” – nicht weil die Mandarinen da nicht geschält wären, sondern weil ich das Ganze sehe könnte, wenn ich wollte und Zeit hätte. Das ist meine Vorstellung von Unabhängigkeit. Ja – und ich genieße auch das Staunen anderer Menschen, wenn sie fragen: “Wie machst du das nur?” – Meine Anwort: “Ich schäle Mandarinen selbst. Schon ganz schön lange.”
PS: Keine Sorge. Ich baue auch Netze für geschälte Mandarinen inkl. Genießerkurse. So realistisch bin ich dann schon.
ZDFheute liefert heute nähere Informationen zur Hausfinanzierung Christian Wulffs unter Berufung auf externe Quellen (FR). Es gibt nach der Frankfurter Rundschau Hinweise darauf, dass mit Tricks versucht worden ist, die Herkunft des Geldes für die Hausfinanzierung zu verschleiern. Dafür lassen sich zwei unterschiedliche Motive formulieren: Ein mehr oder minder wohlwollendes und eines, was mich in einem Gedanken bestätigt, der mich zur Wulff-Affäre schon länger umtreibt:
- Wulffs Berater drängten ihn damals zu diesem Schritt, da sie negative Auswirkungen für seine Publicity befürchteten. Wulff ist schlicht diesem Ratschlag gefolgt. Als Mensch, der viel zu entscheiden hat, macht man unweigerlich Fehler. Das kennen z.B. Leute, die ein Haus gebaut haben und Leute, die viele Klausuren korrigieren.
- Wulff war klar, dass seine Hausfinanzierung nach gängigen Maßstäben vor dem Hintergrund seines politischen Amtes nicht ganz sauber ist und hat in diesem Bewusstsein die Herkunft des Geldes selbst verschleiert.
Es ist eigentlich egal, was davon stimmt und ob es überhaupt stimmt. “Normal” wäre für einen durchschnittlichen Bürger gewesen, sein Haus schlicht und ergreifend auf dem freien Markt zu finanzieren. Man hätte dann ggf. nicht die gleichen Konditionen erhalten, was bei einem Ministergehalt wahrscheinlich aber zu verschmerzen gewesen wäre. Aber die Sache wäre durch und durch sauber. Ein anderer Weg hätte darin bestanden, offen damit umzugehen und eben nicht mehr oder minder panisch zur BW-Bank umzuschulden. Das hätte man wahrscheinlich leichter über die belegbare langjährige Freundschaft durchstehen können – aber Leben ist eben wie Börse: Hinterher ist es immer einfach.
So bleibt für mich jetzt der Eindruck, dass sowohl Machterhalt als auch, nennen wir es mal “schonender Umgang mit den eigenen Kapital” die Hauptmotive gewesen sind. Beides dürfte “dem Volk”, dessen Oberhaupt er ist, schwer zu vermitteln sein – es ist kein Ausdruck von Nähe, es ist für mich Ausdruck einer unglaublichen Distanz.
Das ist mein Vorwurf an Christian Wulff, weil es für mich nicht Ausdruck eines isolierten Fehlers, sondern einer grundsätzlichen Haltung ist.
Das Telefongespräch und ob er nun die Berichterstattung verhindern oder verzögern wollte, ist für mich völlig ohne Relevanz. Es ist wahrscheinlich nichts weiter als eine emotionale Reaktion auf die potentielle Bedrohung der eigenen Macht – und es wird voraussichtlich demnächst eh geleakt werden. Mich wundert eher das Verhalten der Bildzeitung, die ja nicht unbedingt dafür bekannt ist, vorher zu fragen. Wieviel Substanz hat der Vorwurf, Christian Wulff habe den Artikel verhindern und nicht verzögern wollen?
Sein politisches Überleben wird jetzt nicht mehr von seinen institutionellen Machtressourcen durch das Amt abhängen, sondern von dem, was er an ideellen Ressourcen aufgebaut hat und noch recht kurzfristig unter dem jetzigen Druck aufbauen kann.
Zwischen den Feiertagen kommt es im Netz zu Diskussionen, inwiefern NC-Lizenzen, also der Ausschluss einer kommerziellen Nutzung freier Bildungsinhalte sinnvoll sind. Lesenswert ist der in diesem Zusammenhang häufig zitierte Artikel von Eric Möller. Auch hier im Blog ist das Thema in einem Kommentar, den ich bisher noch nicht angemessen realisiert habe. Visionen von einer neuen “Bildungscloud” sind von Christian Füller in der TAZ zu lesen. Entscheidend für die Realisierung dieser Vision wird einerseits die Rechtefrage sein andererseits aber auch die Bereitschaft sowie die grundlegende Haltung der daran mitwirkenden Personen. Bei letzterem Aspekt hege ich Zweifel, inwiefern eine “Nicht-NC-Lizenz” sich positiv auswirkt und das liegt an den besonderen Umständen des Bereichs “Bildung” hier in Deutschland. Nehmen wir einmal nüchtern den Ist-Zustand:
- Bildungsinhalte im schulischen Bereich sind zu > 90% monopolisiert im kommerziellen Bereich (Schulbuchverlage)
- Ersteller von Bildungsinhalten sind zu einem nicht unerheblichen Anteil Lehrkräfte, die für z.B. einen Verlag arbeiten. Die Vertragsbedingungen wären für mich zurzeit zu schlecht, um so etwas auch zu machen. Viele Kollegen, die ich kenne, tun es auch mehr der eigenen Reputation willen.
- Es gibt Plattformen mit freien Inhalten. Nachhaltig werden diese Plattformen oft von einem personalisierten, harten Kern mit viel Liebe und Enthusiasmus getragen. Oft sind es “HTMLer der ersten Stunde” und es gibt auch hier gelegentlich Nachwuchssorgen.
- Viele Inhalte liegen auf Einzelwebseiten, Blogs usw. weit verstreut im Netz herum – hier im Blog ja auch das eine oder andere. Es gibt Erschließungsversuche durch spezielle Suchmaschinen, die man (pluralis majestatis) aber hinsichtlich der Ergebnisqualität und -präsentation eigentlich eher nicht sinnvoll nutzen kann.
- Es ist im schulischen Bereich üblich, Material aus kommerziellen Quellen zusammenzukopieren ohne die Angabe einer Quelle. Wer eine Festplatte aus einem Schulkopierer ausbaut, wird wahrscheinlich nicht viele Quellenangaben finden. Deswegen gibt es eigentlich auch den Rahmenvertrag mit den Verlagen: Es geht darum, eine nicht legale Praxis in begrenztem Umfang zuzulassen, daran zu verdienen und hintergründig um das Eingeständnis, dass die bestehenden kommerziellen Lizenzmodelle eigentlich nicht praxistauglich sind.
- Weil das Verhalten unter 5 üblich ist, wird man seine öffentlich bereitgestellten Texte als Lehrkraft auch immer wieder in kommerziellen Produkten ohne Angabe der Quelle finden – das speisen wahrscheinlich die gleichen Lehrkräfte ein, die morgens ihren zusammengeschnippelten Zettel auf den Kopierer legen (wenn sie den nicht sogar erst vor Ort zusammenschnippeln)
- Es gibt einzelne, sorry vereinzelte, die Materialien heute schon in verschiedener Form (Blog, Wiki usw.) tauschen. Die Motivik scheint mir sehr unterschiedlich. Vielen ist gemein, dass sie diese individuelle Form der Selbstbestimmheit wegen wählen. Die Bereitschaft zur Schaffung gemeinsamer Projekte scheint mit doch recht gering. Das ist bei mir nicht anders. Dieses Blog dient klaren Zwecken bar jedweder altruistischen Ziele. Selbstverwirklichung ist nur einer. Diejenigen, die sich öffentlich im Netz präsentieren, sind gut vernetzt und berichten einander von neuen Inhalten und Materialien. Dadurch entsteht manchmal der Eindruck, dass das sehr viele Menschen sind. Das stimmt wahrscheinlich nicht. In der Mitte einer Schwarms von 100 Fischen sieht man den Rand nicht. Dazu muss man immer wieder aus dem Schwarm herausschwimmen. Gleichwohl bewegt dieser kleine Schwarm etwas, von dem ich mich zunehemend frage, was es denn genau ist. Mit nebulösen “Internet-Revolution-Ubergangsphänomen”-Geschnacke tue ich mir äußerst schwer.
Was wird oft als wünschenswerter Zustand formuliert?
- Christian Füller beschreibt es in seinem Artikel: Eine von Lehrern und Wissenschaftlern geschaffene Cloud, in der Inhalte für Forschung und Lehre frei sind. Strenggenommen müsste man dafür einen gewaltigen Schritt weiter gehen: Die Gesellschaft bezahlt mich nicht einmal schlecht dafür, dass ich Lehrer bin. Von mir in diesem Rahmen geschaffene Inhalte sind damit eigentlich konsequenterweise Eigentum der Gesellschaft – nicht meines. Genau wie die Inhalte öffentlich-rechtlicher Sender und Universitäten mit öffentlichen Geldern finanziert sind und damit gemeinfrei sein müssten (viele Kollegen denken das m.E. nicht konsequent zu Ende – bei den Öffentlich-Rechtlichen: “haben, haben, schnell haben!”, bei sich selbst: “Also das ist ja wohl ein Eingriff in meine Privatssphäre, dazu darf mich keiner zwingen!”). Jetzt bezahlt die Gesellschaft Lehrer, die Inhalte für Verlage schaffen, um diese Inhalte dann unter Lizenzen zurückzukaufen, die eine freie Verwendung erst nach Ablauf von Jahrzehnten ermöglichen – diese Art von “Nebentätigkeit” gehört meist auch noch zu den gewünschten – ist das logisch?
- Idealerweise gibt es eine Reihe von Menschen, die bereit sind, Inhalte unter freien Lizenzen zu erstellen. Zurzeit erstellen und veröffentlichen schätzungsweise von 100 Lehrern maximal zwei Materialien, die sich für den Einsatz im Bildungsbereich eignen und die unter freien Lizenzen stehen (das ist optimistisch). Das hat mit Rechtefragen nur am Rande zu tun. Eher mit Belastung und Zeit. Aber eben auch mit Haltung: “Dann können das ja andere kopieren. Ich will die gleiche Arbeit wieder schreiben können. Da könnten ja Fehler enthalten sein, die meine Reputation schädigen.”
- Idealerweise bezahlt der Staat Verlage für die Erstellung freier Materialien. Doof nur, dass es den Föderalismus und die Globalisierung gibt. Dann profitieren ja andere von den Ressourcen einer Volkswirtschaft. Ist ja nicht so, dass unsere Volkswirtschaft von Billiglöhnen und Ausbeutung anderer Völker profitiert.
- Niemand muss mehr fragen. Alles darf frei verwendet werden. Lizenzen gibt es nur noch in der Form (edit) CC-BY-SA. Das ist einerseits rechtlich sehr sicher, anderseits vor allen Dingen bequem.
- Ich würde mir ja wünschen, dass Folgendes passiert: Alle Twitter- und Blogger-Lehrer legen ihre Kraft in ein gemeinsames Projekt – vermarkten das in der Art und Weise einer digitalen Rampensau, nutzen alle Kontakte, um das in der Öffentlichkeit jenseits des kleinen Blogs zu präsentieren. Nur eine solche gemeinsame Arbeit mit konkreten Selbstverpflichtungen wird den bestehenden Strukturen etwas entgegensetzen können. Das wird nicht geschehen, weil niemand von uns altruistisch genug dafür ist, weil jedes zu planende Projekt an Grundsatzfragen wie “Welche Lizenz?”, “Welche Plattform?”, “Welche Farbe?”, “Welches Logo?” usw. zerschellen würde.
Zusammenfassung
Auch 2012 werden Lehrer Lehrer bleiben und Menschen Menschen. Die Verlage werden weiter an einer Software schrauben lassen, die wahrscheinlich nie datenschutzkonform einsetzbar und technisch immens schwer zu realisieren sein wird. Lehrer werden weiter für Verlage arbeiten und Lehrer werden mit dem Copyright weiter so umgehen, wie sie mit dem Copyright umgehen. Unter den jetzigen Rahmenbedingungen ist für mich die NC-Lizenz so etwas ähnliches wie der Rahmenvertrag zur pauschalen Vergütung von Ansprüchen der Verlage: Sie verhindert nicht, dass Material kommerziell eingesetzt wird, aber sie zeigt ein bisschen moralisch auf, dass das nicht fair ist, genau wie die 10%-12-Seiten-Kopierregel moralisch de Zeigefinger hebt, dass das, was ich da morgens am Kopierer tue, eigentlich so nicht ganz in Ordnung ist – moralisch. Rechtlich immerhin in gewissen Grenzen schon.
Ich besitze einen Account bei Musicload. Den nutze ich hin und wieder, wenn ich einen Song schnell auf der Platte, bzw. in meinem häuslichen DLNA-Netzwerk haben möchte – das ist von den Tonqualität nicht immer das Optimum, aber in den meisten Fällen erhält man dort eine einigermaßen sauber codierte MP3-Datei ohne DRM, mit der ich dann machen kann, was ich will.
Gestern war ich auf der Suche nach einem Film – es sollte natürlich schnell gehen. Google spuckte Videoload als eine der ersten Platfformen aus, die auch eine Kaufoption anboten. Besonders wichtig war für mich dabei dieser Satz:
Sie können diese Flux-Datei auf DVD brennen, welche Sie auf jedem DVD-Player anschauen können.
Eine FluxDVD-Datei ist ein DRM-geschützter Container, mit dem sich erstmal wenig anfangen lässt – immerhin ist er mit dem Windows-Mediaplayer abspielbar, so dass man das Ding etwa über HDMI an einen Fernseher oder Beamer weiterreichen kann. Das funktioniert auch gut. Nebeneffekt dabei ist, dass der Container dabei hilft, die Downloadgröße zu begrenzen – nicht jeder hat schließlich z.B. einen Kabelinternetanschluss. Beim Brennen der DVD jedoch erlebte ich ein Drama mit mehreren Akten, das in der Katastrophe endete.
1. Akt
Ich benutze Windows ja nur in virtuellen Maschinen. Da galt es es vor dem Download zunächst einmal, eine spezielle Software von Videoload zu installieren. Die beschwerte sich dann darüber, dass kein AC3-Codec auf dem System zu Verfügung stünde, holte sich aber diverse Dateien aus dem Internet nach – hätte man nicht da auch gleich den fehlenden AC3-Codierer installieren können? Um die FluxDVD-Datei brennen zu können, musste sie natürlich wieder konvertiert (“dekomprimiert”) werden, was mit den Einstellungen für meine VM etwa 120 Minuten dauerte. Sie vergingen etwa 2,5 Stunden mit Konvertiererei und Installierorgien. Dann stellte ich fest, dass die VM den Brenner des Hostsystems nicht durchgereicht bekam. Ok – das hätte ich vorher mal prüfen können.
2. Akt
Auf meinem Arbeitsrechner habe ich die Windows7-Partition belassen und lediglich verkleinert, konnte also Windows nativ booten. Die Download-, Installier- und Konvertierorgie begann von Neuem, dauerte Dank Core i7-4-Kerner und 8GB RAM aber dann nur 1,5 Stunden, bevor ich auf “Brennen” klicken konnte. Das ging natürlich nicht, da ich dafür auf dem neuen Gerät keine Lizenz hatte – also rasch noch eine nachgekauft – musste ja schnell gehen und ich fand die Idee ja ganz nett. Was soll ich sagen? Der “Brennen”-Button erschien und die Fortschrittsanzeige des Programms sowie die Geräuschkulisse aus dem Brenner klangen hoffnungsfroh. Dumm nur, dass nach “erfolgreichem” Abschluss des Brennvorganges eine DVD ohne Inhalt ausgeworfen wurde. Ach ja – nochmal brennen geht natürlich nicht, da die Lizenz nur die Erstellung eines Datenträgers erlaubt – für das Programm war ja alles erfolgreich verlaufen…
3. Akt
Ich bestelle dem Film bei Amazon für 2 Euro günstiger inklusive Booklet und Bonusdatenträger. Um den Mindestbestellwert zu erreichen, habe ich gleich noch drei Filme mehr geordert.
Fazit
Der Dienst ist in dieser Form für mich unbrauchbar. Wenn ich einen Film online “kaufe”, erwarte ich:
- dass ich ihn auf einem mir zugesagtem Medium abspielen kann
- dass er günstiger ist, als die Vollversion mit Originalmedium
- dass die Software, die mir aufgezwungen wird, funktioniert
- dass nach Erstellung des Datenträgers die Integrität geprüft wird, bevor die Brennlizenz intern als “erfüllt” getaggt ist
- dass der Vorgang unkompliziert verläuft
Ich frage mich, welche Erfahrungen reine Anwender mit so einem Dienst machen. Vielleicht liegt es ja auch allein daran, dass ich im normalen Leben nur Linux nutze und mir die “intuitiven” Prozesse unter Windows einfach ungewohnt sind. Vielleicht möchte mich die Filmindustrie auch genau zu Akt 3 hin erziehen. Einfacher dürfte es in jedem Fall sein, sich den Kram illegal als Torrent zu besorgen – oder den Stream eines Verleihvideos abzugreifen. Weniger Zeitaufwand wäre wohl auch erforderlich. Aber das ist weder erlaubt noch in irgendeiner Form fair.
Tatsächlich – im Internet ist mit Filmen so wahrscheinlich nichts zu verdienen. Liebe Filmindustrie: Menschen, die für Inhalte bezahlen wollen, sind doch für euch eigentlich die Guten! Denkt bitte an deren Zeit und technische Fähigkeiten.
Allmählich ist hier wieder Land in Sicht. Wir sind als Schule von einer hoffnungslos veralteten OpenSource-Schulserverlösung auf eine vollkommen andere technische Basis umgestiegen und das im laufenden Schulbetrieb. Wir nutzen jetzt IServ – hier einmal eine kleine Tour durch Möglichkeiten:
Die IServ basiert auf einem normalen Debian-Trägersystem, welches durch ein passwortgeschütztes deb-Repository durch nicht freien Code ergänzt wird, der entsprechend der GPL sauber getrennt vom übrigen Systemcode abgelegt ist. Das macht das System so frei, dass nach wie vor Raum für eigene Basteleien bleibt – z.B. IServ-Module mit Schülern entwickeln. Gleichzeitig ermöglicht die Geschlossenheit des Codes in Verbindung mit einem Remote-Wartungsvertrag die externe Pflege des Systems – obwohl es sich weitgehend selbst durch automatisierte Scripten pflegt…
Abgesehen von unzähligen durchdachten Funktionen – z.B. die ferngesteuerte Rechnerwartung – fasziniert der IServ durch sein Bedienungskonzept, das sich auch unerfahrenen Nutzern intuitiv erschließt. Der IServ deckt etwa 90% der Funktionen (Forum, integriertes und vollwertiges Mailsystem, Dateiaustausch, Gruppenordner etc.) von einer Lernplattform ab, wie sie zurzeit an den meisten Schulen tatsächlich(!) genutzt werden dürften, so dass ich hoffe, unser bestehendes Schulmoodle (V.2.1+) außerhalb von größeren Projekten bald niemandem mehr zumuten zu müssen – am besten gleich Mahara oder so einführen. Nach vier Tagen Betrieb sind 2/3 der Lehrkräfte dort zumindest einmal angemeldet gewesen und bereits 15 Mobilgeräte für den Internetzugriff freigeschaltet. Die bisherigen “Ahs” und “Ohs” sind natürlich auch zu einem guten Teil unserer vorher bestehenden Struktur geschuldet, aber zunehmend auch als “Differenzreaktion” zum Bedienkonzept von Moodle zu sehen.
Die Bedienbarkeit im Hinblick auf die Bedürfnisse von Schulen ist natürlich kein Zufall: Das System ist an einer Schule als Projekt entstanden und ernährt jetzt immerhin einige Mitarbeiter. Der Spaß kostet natürlich etwas – aber weit weniger, als es an Wartungskosten vor Ort einspart. Die Migration von 1500 Nutzern (Schüler und Lehrer) auf IServ dauert zwar noch an, aber schon jetzt stehen wir fast schon besser als vorher da – nach nur vier Tagen Arbeit (…und keiner Stunde Unterrichtsausfall bei mir.).
Ungewohnt ist dabei meine veränderte Rolle: Ich bespreche und plane notwendige Tätigkeiten mit den Mitarbeitern der betreuenden Firma und spanne auch andere Beteiligte mit ein, obwohl ich eigentlich lieber selbst auf der Leiter stünde und den Accesspoint anschrauben… (aber dann hätte ich freigestellt werden müssen).
Ach ja – nochwas ist neu: Datenschutz und Nutzungsordnungen. Beides braucht man sehr dringend als Schule. Meine zuständiges Landesinstitut für Datenschutz hat mir dabei die Entwürfe von Lehrer-Online empfohlen. Durch ein Telefonat mit einem Freund aus alten Tagen, der beim ULD arbeitet, habe ich die Anregung bekommen, zusätzlich eine Verfahrensbeschreibung zur Gewinnung personenbezogener Daten aus dem Schulnetz zu erstellen. Ob man bei der geltenden, verworrenen Rechtslage damit auf der 100%-sicheren Seite ist, darf bezweifelt werden, aber man hat zumindest das “Laienmögliche” getan. Zumindest dürfte es ein Anwalt ein wenig schwerer haben, Verfahren aufgrund von Formfehlern erfolgreich anzufechten.
Jetzt kommt noch viel Kleinkram (zickende WLAN-Verbindungen, Druckereinbindung usw.), aber das Wesentliche ist geschafft und ich kann die ersten Qualifizierungsmaßnahmen jenseits vom Peercoaching zum neuen Schulnetz andenken.



Letzte Kommentare