Gehackt und zum Spamversand missbraucht …

Dienstag, 8:15 Uhr:

Menno, die Schulhomepage ist ja wieder schneckenlahm. Joomla ist doch einfach Mist. Jetzt aber los zur Beratung zweier Schulen.

Dienstag, 14:42 Uhr:

Boah ey, immer noch. Ich rufe da gleich mal im Rechenzentrum an. Das Ding ist zwar gesponsort, aber so … Hm. Zur Sicherheit guckst du dir wohl besser nochmal die Sache von der Konsole aus an.

Dienstag, 14:53 Uhr:

Über 50 aktive postfix-Prozesse, Load bei 22, vieles bounce-Prozesse – komisch, sind wir wieder mal auf irgendeiner Blacklist gelandet? Aber wir verschicken über diesen Server doch gar keine Mails.

Dienstag, 15:01 Uhr:

Arrrgh. 46531 Mails in der Queue. Alle mit einer Domain, die gar nicht als aktive Maildomain genutzt wird. Und: Wir sind so ziemlich auf allen Blacklists gelandet. Besser mal das Mailsystem herunterfahren. Puh. Load normalisiert sich.

Dienstag, 15:13 Uhr:

Erstmal ist Ruhe – zumindest geht nichts mehr raus, aber die Mailqueue füllt sich wieder Stück für Stück mit ca. 3 Mails / Sekunde und wartet auf Auslieferung. Damit ist zumindest der Mailserver schonmal sauber. Kommt der Kram über den Webserver rein? Ooops. Dessen Log ist ja leer?

Dienstag, 15:42 Uhr:

Joah. Der Mist kommt über Apache rein und irgendein Script setzt dessen Log auf Null. Aber: Es gibt ja noch weitere Logs an Orten, die der Wurm so nicht vorhersehen konnte. Aber welches ist das Richtige? Auf dem Server liegen unzähligen Homepages von Schulen und auch Testinstallationen.

Dienstag, 16:25 Uhr:

Ein Log ist besonders groß. Dank tail mal die letzten 50 Zeilen ausgeben. Treffer! Ein WordPressplugin, aktuellste Version, trotzdem offenbar verwundbar. Viele nette verschlüsselte PHP-Scripts als Payload. Alles säuberlich im Customlog als Pfadangabe.

Dienstag, 16:48 Uhr:

Wartungsseite setzen, Installation hinter .htaccess-Schutz verstecken, Mailserver anfahren, warten.

Dienstag, 17:03 Uhr:

Mailserver bleibt unauffällig. Verseuchte Installation reinigen und wieder online stellen. Da es ein Kalenderplugin war, gibt es leider einiges an Datenverlust.

Dienstag, 18:15 Uhr:

Seufz. Dann man die IP von dem Spamlisten delisten (lassen). Mails an t-online hängen immer noch :o(…

Tage, an denen es besser wäre, einfach nur Lehrer zu sein. Heise kam just zum Zeitpunkt meiner Suche mit der entsprechenden Warnung raus – während ich schon suchte. Und natürlich war dann ein Ableger eines von mir eingesetzten Plugins auf der entsprechenden Liste. Tja. Es ist halt nicht immer gut, unter den ersten zu sein.

Als Interner das eigene System beraten

Auf dem EduCamp in Stuttgart habe ich beiläufig erwähnt, dass ich an meiner Schule zwar die IT manage und deren Weiterentwicklung plane, in pädagogischen und strukturellen Fragen aber keine aktive Rolle einnehme – die Reaktion war mehr oder minder blankes Unverständnis:

“Es ist doch deine Arbeitsumgebung, es ist deine Schule, da bist du doch verantwortlich!”.

Warum das bei mir so ist, erfordert eine kleine Geschichte, die nicht von mir stammt, sondern aus einem Blog einer hochsensiblen Persönlichkeit.

Ihr seid Beifahrer auf der Autobahn, und plötzlich streikt der Wagen! Es wird rechts rangefahren, der Motor wird abgestellt, und man steigt aus um zu gucken was los ist…

Du: “Guck mal, der Reifen ist platt, den müssen wir wechseln!”
Fahrer: “Oh man, was ist denn jetzt los?”
Du: “Der Reifen ist platt, einfach mal wechseln, dann geht’s weiter!”
Fahrer: “Gerade eben fuhr der Wagen doch noch”
Du: “Ja, aber jetzt ist der Reifen platt! Komm, wir wechseln den!”
Fahrer: “Hast DU ‘ne Ahnung was los ist? Du bist doch angeblich so gut”
Du: “Ja, der Reifen! Der muss gewechselt werden!”
Fahrer: “Ach Quatsch, was für ein Reifen! Ich glaube der Aschenbecher ist voll, vielleicht liegt’s daran!”
Du: “Nein, es ist der Reifen!”
Fahrer: “Ich hab gar nicht gemerkt was mit dem Aschenbecher los war!”
Du: “Der REIFEN!”
Fahrer: Du musst ja jetzt nicht laut werden, ich such ja schon das Problem!”
Du: “Es ist der gottverdammte R-E-I-F-E-N!”
Fahrer: “Ich glaube, ich hätte den Aschenbecher mal vorm losfahren leer machen sollen!”
Du: “…”
Fahrer: “Hättest Du mich aber auch mal dran erinnern können! Du immer mit Deinem blöden Reifen”
Du: “Es ist aber nun mal der Reifen, der Reifen, der gottverdammte Reifen! Sieh auf den Reifen!”
Fahrer: “Mal ehrlich, glaubst Du es könnte auch der Reifen sein?”
Du: “Ja, verdammt nochmal, das sag ich doch die ganze Zeit”
Fahrer: “Oh man, wer kommt schon drauf dass es der Reifen sein könnte? Hättest mich aber auch ruhig mal fragen können ob der Aschenbecher voll ist, oder nicht… Du interessierst Dich irgendwie überhaupt nicht für meine Probleme… Na komm, jetzt steh da nicht so doof rum, dann wechseln wir mal den Reifen!”

Quelle: http://hsp-gedanken.blog.de/2014/10/20/interessierst-gar-19589428/

Die Geschichte rekontextualisiere ich hier einmal als Bild. Den Fahrer gibt es nämlich nicht. Der Fahrer ist bezogen auf Schule immer ein ganzes System. Ein System besteht aus vielen Menschen und Regeln – viele davon heimlich.

Systeme möchten sich und ihre Regeln erhalten, weil das Sicherheit und Bestätigung schafft. Das ist also nichts per se Böses, sondern ein völlig normaler Selbsterhaltungsreflex. Abgeschlossene Systeme sind in besonderer Weise davon überzeugt, dass ihre Regeln und Verfahren gut und richtig sind. Wenn etwas nicht klappt, liegt das aus Sicht des Systems immer schnell am Verhalten einiger weniger Menschen, nie an Strukturen. Läge es tatsächlich an Strukturen, dürfte es aus Sicht des Systems das Essentielle gar nicht mehr funktionieren. Und das tut es ja. Solange sind andere Wahrnehmungen natürlich falsch.

Das Wesen von Beratung ist für mich aber die Arbeit an Strukturen. Dabei gibt es einige wenige Kernfragen:

  1. Was sind unsere Strukturen?
  2. Wie erfolgreich sind wir mit unseren Strukturen?
  3. An welchem Punkt einer Struktur setzen wir an, damit sich etwas substantiell verändert?

Im eigenen System bin ich Teil der Strukturen. Im besten Falle stabilisiere ich die Struktur gerade dadurch, dass ich etwas aufbaue, gegen das das System sich verteidigen muss – und auch wird! Das System wird jahrelang den Aschenbecher reinigen (“Die Wahrnehmung des Beifahrers stimmt nicht!”), dann durch einen blöden Zufall auf den Reifen schauen, um schließlich dem Beifahrer vorzuwerfen, er hätte nicht konsequent genug auf den Misstand hingewiesen (Rückspiegelung: “Du hättest ja handeln können / müssen!”).

Das schließt paradoxerweise übrigens nicht aus, dass einzelne Menschen in diesem System ganz anders fühlen und denken und auch Visionen haben, die es für mich mit allem, was ich habe zu stärken gilt. Die Umsetzfähigkeit hängt aber in erheblichen Umfang davon ab, ob eine kritische Masse entsteht, die neue Strukturen und Regeln  implementieren kann, die dann faktisch nicht nur auf dem Papier in einem Konzept stehen. Und für mich ist zunehmend die Frage, ob das zum jetzigen Zeitpunkt auf demokratischem Wege in angemessener Zeit gelingen kann.

Ebenfalls auf dem EduCamp in Stuttgart gab es eine Session zu subversiver Arbeit. Natürlich kann ich als Teil des Systems Netzwerke und Ängste nutzen, um Veränderung zu initiieren oder ich kann Organe mit Informationen und meinem Wissen von “Angelpunkten” versorgen. Das ist dann aber keine Beratung, sondern Manipulation. Auch das zurzeit hochmoderne Nudging ist für mich im Kern manipulativ. Beides klappt umso besser, je eher es dem System später gelingt, die positiven Effekte der entstandenen Veränderung sich selbst zuzurechnen. Das ist bei subversiven Verfahren immer mit zu berücksichtigen, wenn man erfolgreich sein will. Es hat den Preis, dass man natürlich dann nicht die Lorbeeren erhält. Die bekommen immer die Träger institutioneller Macht.

Der logische Schritt wäre auf den ersten Blick also, sich in institutioneller Machtpositionen zu begeben  (z.B. durch Aufstieg in der Hierarchie im Schulsystem). Damit meine ich nicht die Übernahme primärer Dienstleistungen im Verwaltungsbereich, sondern Positionen, die strukturelle Gestaltungsräume bieten.

Das hat seinen Preis, z.B. den, dass man immer noch Teil des Systems ist, nun aber in ganz andere Zwänge hineingerät: Das System erwartet schließlich, dass es weiter funktioniert – am besten soll sich nichts ändern. Die Konsequenz muss man tragen können und wollen. Man wird nur kleine Teile in sehr kleinen Schritten bewegen können. Die Arbeit an Haltungen, die dafür notwendig ist, bleibt immens komplex.

Das kann ich im Prinzip alles aushalten. Aber innerhalb meines eigenen Systems fehlt mir dafür die Geduld. Ich nehme Dinge schnell persönlich oder fühle mich angegriffen – und dahin ist es mit meiner Objektivität und meiner Souveränität in Konfliktsituationen – quasi der Tod der Sachebene. Es gibt schließlich eine Geschichte zu meiner Person im eigenen System.

Diese persönlichen Implikationen habe ich als externer Berater für andere Schulen nicht. Der Anspruch einer guten Beratung bleibt. Wenn aber Prozesse scheitern – und das tun sie natürlich gelegentlich – ist mein Name zwar an der betreffenden Schule “verbrannt”, aber ich gehe meist trotzdem gestärkt um Erfahrungen aus der Beratung in die nächste Schule. Ich trage Niederlagen nicht in meinem System mit mir als Geschichte herum. Ich kann in Konflikten anders bestehen: Weil meine Persönlichkeit im Grunde nicht bekannt ist, ist es z.B. deutlich schwerer, Konflikte auf eine persönliche Ebene zu bringen, bzw. für mich deutlich leichter, genau das zu erkennen und “professionell” zu reagieren. Maximal verliere ich ein System als Kunden.

Meinem System wünsche ich daher immer die Offenheit für externe Beratung, weil allein das neue Perspektiven ermöglicht. Ein System, welches nur in sich selbst ruht, wird es mit der Entwicklung nach meinen Erfahrungen sehr schwer haben. Hier und da lässt sich vielleicht mal eine Schramme kitten, aber eine substantielle Veränderung wird so eher schwer.

Zum Glück kenne ich mittlerweile viele, sehr kompetente und von mir geschätzte Menschen, die ich dafür immer empfehlen kann.

Das geht alles nicht und es ändert sich nichts!

Immer noch reden alle von den “10 best apps for education”, immer noch verharrt das Schulsystem im bildungsbürgerlich-konservativem Duktus, immer noch passiert nichts bei der Medienaustattung der Schulen, immer noch ist mein Medienbegriff falsch (oder wahlweise nicht weit genug entwickelt) und immer noch begreift Politik nicht, wie es eigentlich funktioniert und immer noch gibt es keine Lösungen. Schon schlimm, diese Welt.

Ich stand letzte Woche vor der Aufgabe, acht Kubikmeter Erde und vier Kubikmeter Schutt aus dem Haus schaffen zu müssen. Ich hätte stundenlang darüber sinnieren können, wie schlimm das ist – vor allem mitten im Alltag in einem bewohnten Haus. Aber durch das Sinnieren wurde die Aufgabe nicht kleiner. Nicht eine Schubkarre Schutt fuhr aus dem Haus. Nicht ein Container lieferte sich von selbst.

Mir kommen die Herausforderungen im Bildungssystem momentan vor wie dieser Schuttberg. Ideell, politisch, ideologisch.  Ein Haufen Anzugträger und Wissenschaftler läuft mehr oder minder krakelend um ihn herum: “Schaut her, es ist schlimm, er muss aus dem Haus!” Es werden Vorträge gehalten, Blogposts wie dieser geschrieben, die immer gleichen Stereotype von den bildungsbürgerlichen Ängsten und Vorbehalten gegenber digitalen Medien beklagt, die immer gleichen Argumente bemüht. Der Schuttberg liegt immer noch. Und das liegt natürlich daran, dass ihn keiner der Verantwortlichen wegräumt. Meist, weil diese halt nicht begreifen, dass er weggeräumt werden muss. Reden ist eine Handlung, Denken ist eine Handlung. Leider kümmert sich der Schuttberg einen Scheißdreck darum und bleibt einfach liegen.

Ein schöner Rand bis jetzt, aber was macht der Riecken eigentlich? Ich handle nach bestimmten Strategien, die bisher insofern funktionieren, als dass der lokale Schuttberg hier vor Ort schwindet. Langsam. Sehr langsam.

  1. Ich habe mich darum bemüht, mit einem Teil der Stunden für andere Aufgaben abgeordnet zu werden. Es ist ein Glück, dass das hier in Niedersachsen möglich ist.
  2. Verweigerer im Bereich des Digitalen haben gute Gründe für ihre Verweigerung. Und ein guter Grund darf auch Selbstschutz sein. Ein Lehrer, der anwesend ist und guten analogen Unterricht macht, ist für mich einem digitalen Flippie vorzuziehen, der unter seinen Engagement zusammenbricht oder durch ebendieses selten vor Ort ist.
  3. Ich arbeite politisch. Ich helfe Schulamtsmitarbeitern, Vorstellungen im entscheidenden Gremium zu präsentieren oder rede dort selbst. Ich knüpfe Bande mit politisch aktiven Menschen. Ich halte Politik für eine anspruchsvolle Aufgabe und bewundere Menschen, die diese Aufgabe wahrnehmen. Ich bewundere dabei nicht jede Einstellung und Haltung. Und das sage ich auch beides: Das eine wie das andere.
  4. Ich stelle Schulen selbst mit meinen Händen auf zeitgemäßere Technik um. Von der Hardwareempfehlung bis zur Raumausstattung. Ich habe mir über Jahre ein kleineres Netzwerk aus Firmen und Händlern dafür aufgebaut. Menschen rufen mich an, wenn sie unsicher sind. Ich kann mich darauf verlassen, dass die Arbeit fachgerecht erledigt wird und von mir verzapfter Stuss auch direkt thematisiert ist.
  5. Ich habe Geduld und ertrage auch herbe Rückschläge, die es dabei gibt. Das ist so im Leben. Insbesondere ist es so in beamtischen Strukturen.
  6. Ich berate und schule nicht mein eigenes System. Ich entscheide und bestimme dort in Hardware- und Netzwerkfragen, stelle Fragen, äußere Strukturideen, höre Bedarfe und habe eine Zielvorstellung vom Netzausbau und der Medienausstattung. Ich organisiere gerne externe Beratung und Schulung, wenn diese gewünscht und angefordert wird. Ich unterstütze Kollegen, die etwas zu organisieren haben technologisch mit geeigneten Systemen. Dieser Punkt mit dem eigenen System ist für mich sehr wichtig. Insbesondere diese klare Grenzziehung. Wenn Kollege z.B. das SMARTBoard so nutzt, dass er einen Zettel unter den Presenter legt und darauf sein Tafelbild malt, dann ist das so.
  7. Ich entwickle mich weiter. Ich lerne dazu. Ich bleibe nicht bei einer Strategie stehen, sondern hinterfrage ihre Wirksamkeit spätestens nach 1,5 Jahren. Die Wirksamkeit der Rede und des Denkens war bisher im Hinblick auf den Schuttberg eher ein wenig schlecht bis mies.
  8. Ich teile Ideen und Strategien, z.B. hier im Blog, aber auch mit Firmen. Ich teile sie noch so, dass daraus für mich keine Verbindlichkeiten oder Verpflichtungen erwachsen. Wenn Geld fließt, entstehen immer diese Verbindlichkeiten.
  9. Ich bediene außer hier mit diesem Blog und ein wenig auf Twitter keine Öffentlichkeit. Wenn eine Öffentlichkeit bedient werden muss, bindet das Resourcen, die mir hier vor Ort fehlen würden. Die Erfolge hier in der Region sind für mich der Motor. Aus ihnen entstehen die einzig für mich wichtigen Währungen wie Vertrauen oder das Gespräch beim gemeinsamen Bierchen.

Das Schuttbergbeispiel hinkt. Dafür könnte man sich nämlich durchaus Dienstleistungen einkaufen. Im Bereich des Digitalen muss man diese Dienstleistungen vor allem in der Fläche erst noch entwickeln oder sogar selbst erbringen. Das wird irgendwann einmal anders sein. Vielleicht wenn genug geredet und sinniert worden ist.

 

Textüberarbeitung mit Etherpad

Ich habe heute einen Text im Deutschunterricht pseudonymisiert mit Etherpad überarbeiten lassen. Mein Landesinstitut bietet eine freie Installation für die Schulen Niedersachsen auf Servern des Landes an. Mit der Lerngruppe übe ich gerade den Interpretationsaufsatz, zu dem auch eine Inhaltsangabe gehört. Unsere Texte liegen bereits digital in Form eines Blogartikels vor.
Ein Endergebnis sah so aus (die Veröffentlichung des Originals ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich):
Der  Schlosser Wallfried Känsterle begibt sich wie  jeden Tag nach seinem  Feierabend vor dem Fernseher, um den Gesprächen mit seiner Frau Rosa zu entkommen. Zunächst beschwert sich die Frau über die Faulheit ihres  Mannes, da er immer träge sei.
Nach  den Anschuldigungen von Rosa, dass er sich sogar weigert, seinen Kindern am  Nikolaustag eine Freude zu machen, gibt Wallfried ohne Widerworte nach,  sodass er sich als Nikolaus verkleidet, um seine Kinder zu beschenken. Dies verläuft jedoch anders als erwartet, da  Wallfried, kurz bevor er  seine Haustür erreicht, ausrutscht und mit einem dumpfen Geräusch fällt.  Nachdem die Tür geöffnet wird, tritt Rosa außer sich hervor. Die  Ungeschicklichkeit gibt Rosa einen weiteren Grund, um sich bei ihrem Mann zu beklagen. 
Sobald Wallfried seine Kontrolle verliert, verpasst er seiner Frau eine Ohrfeige, woraufhin er im Wohnzimmer verschwindet. Dort lässt er seiner Wut freien Lauf, indem  er Gegenstände des Hauses zerstört, die Rosa gern hat. Die Unruhe, die dadurch entsteht,  sorgt dafür, dass der Nachbar vorbeischaut und sich  dezent über ihn lustig macht.
Die Methodik:
  1. Markiert Worte fett, die ihr als umgangssprachlich einschätzt.
  2. Gestaltet als Gruppe den Text so um, dass umgangssprachliche Formulierungen vermieden werden.
  3. Markiert die Konjunktion “und” fett, wenn sie als Gedankenverknüpfung eingesetzt wird.
  4. Kopiert den betreffenden Satz mit aus Aufgabe 3 unter den Text und notiert eine Alternative darunter.

Nach jeder Aufgabe haben wir eine kurze Besprechungsphase eingeschoben und ggf. begründet, warum eine Formulierung geeignet oder ungeeignet ist.

Ich habe jetzt Teams aus drei Lerngruppenmitgliedern gebildet. Bisher bekamen diese Teams die Aufgabe, Texte anderer Lerngruppenmitglieder (die eines anderen Teams) in einem Blog zu kommentieren. In der zweiten Aufbaustufe sollen die Teams die fremden Texte in einem Etherpad überarbeiten und dann die überarbeitete Fassung als Kommentar veröffentlichen. Der jeweilige Autor reflektiert dann die Unterschiede zur Originalfassung.

Meine Aufgabenformulierung (fett, unter den Text kopieren, Fassungen auswählen etc.) sind dabei nur Vorschläge, wie man vorgehen kann. Es versteht sich von selbst, dass eine derartige Aufgabe ohne vorherige Klärung der Kriterien, die dabei anzuwenden sind, nicht sinnvoll zu lösen ist.

Zudem sollten die Texte bereits in digitaler Form z.B. in einem Blogsystem vorliegen. Sehr abgespeckt könnte man auch einen zu überarbeitenden Text schon vorher in die Pads der einzelnen Teams legen.

Bei OER besteht die Gefahr einer tendenziösen Darstellung von Fakten

Ich war seit langer, langer Zeit einmal wieder auf einer fachbezogenen Fortbildung. Ich gehe i.d.R. ungern zu solchen Veranstaltungen, weil sie meist inhaltlich wenig bieten und methodisch vorhersehbar strukturiert sind. Diesmal war es ein wenig anders, was vor allen Dingen Herrn Prof. Schneider vom Erich Maria Remarque Friedenszentrum zu verdanken war. An diesem Institut beschäftigt man sich seit Jahren u.a. mit der Kriegsliteratur Anfang des 20. Jahrhunderts. Auf die dort gewonnenen Erkenntnisse stützt sich die von mir zur Vorbereitung des Unterrichts verwendete Begleitlektüre “Oldenbourg Interpretationen, Bd.90, Im Westen nichts Neues”, die nur noch antiquarisch zu horrenden Preisen verfügbar ist – warum eigentlich?

Ich bin einigermaßen verzweifelt. Für das Zentralabitur Deutsch 2016 in Niedersachsen ist “Im Westen nichts Neues” (Erich Maria Remarque) als verbindliche Lektüre vorgesehen. So sehr dieser “Roman” als Antikriegsliteratur weltweit Aufmerksamkeit und damit immense rezeptionsgeschichtliche Bedeutung erfahren hat, so wenig gibt der Text in meinen Augen speziell für das Fach Deutsch her. Strukturell ist es ein Bericht, wenngleich vollkommen fiktional. Remarque hat wohl nur sehr wenige Begebenheiten selbst erlebt.

Der Text steht natürlich für sich als Mahnmal gegen bewaffnete Auseinandersetzungen, kann in dieser inhaltlichen Verortung aber m.E. nicht sinnvoll durch nur ein Fach behandelt werden, sondern erschließt sich hinreichend wohl nur in enger Zusammenarbeit mit den Fächern Geschichte und Politik. Wesentliche Kompetenzbereich des Deutschunterricht lassen sich mit anderen Werken besser abdecken.

Man findet in der didaktischen Literatur den sinngemäßen Einstieg:

Offene Begeisterung dagegen herrschte vor allem in den großstädtischen Zentren, wo die Kriegserklärungen und erste Siegesmeldungen bejubelt wurden. Ihr Träger war allem Anschein nach insbesondere das Bürgertum: Studenten und Oberschüler meldeten sich in Massen freiwillig, insbesondere viele Bildungsbürger schrieben begeisterte Gedichte und Aufrufe.

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/ersterweltkrieg/155302/ausloesung-und-beginn-des-krieges

Meist wird das durch einen geeigneten Bildimpuls begleitet. Die Logik:

Die Deutschen waren vom Krieg begeistert und naiv hinsichtlich seiner Folgen für das Individuum. Remarque setzt bewusst ein Denkmal gegen diese Haltung.

Hört sich erstmal gut an. Stimmt aber wohl so nicht. Ich gebe sinngemäß einige Statements aus der Fortbildung wieder.

  1. Die Euphorie war wohl auf Teile des Bürgertums begrenzt. Die ländlichen Bevölkerung fand das mit dem Kriegausbruch wohl bedingt witzig.
  2. Gymnasiasten meldeten sich wohl auch zum Kriegsdienst, weil mit dem “Notabitur” eine verkürzte Schulzeit möglich wurde.
  3. Die Bilder, die das öffentliche Bild von der Euphorie prägten, sind Teil einer Inszenierung, um Akzeptanz für den Kriegseintritt als breiten Konsens in der Bevölkerung darzustellen.
  4. Bildmaterial zum ersten Weltkrieg war fast grundsätzlich inszeniert. Die damaligen Filmkameras hätten wohl aus den Schützengräben hinausgeguckt und dem Kameramann einen Kopfschuss beschert. Also nahm man sich wohl eher ein paar Soldaten und spielte hinter der Front den Krieg einfach nach – die Veröffentlichung von Fotos aus dem ersten Weltkrieg war weitgehend durch das Reichsarchiv kontrolliert, indem militärische Führungseliten das Zepter führten.
  5. […]

Überprüft mal bitte, inwieweit dieser Forschungsstand in aktuellen Schulbüchern Berücksichtigung findet, also in Qualitätsmedien. Wenn Herr Prof. Schneider Recht hat, ist mein Bild von der Wirklichkeit des ersten Weltkrieges doch ein wenig verzerrt.

Tendenziöse Darstellungen sind für mich keine Frage von freien oder kommerziellen Publikationsformen, sondern eine der Methodik und den Rahmenbedingungen der Erstellung. Die Rahmenbedingungen im kommerziellen Sektor scheinen nicht unbedingt besser zu werden.

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