Blogparade: Lehrer von morgen heute denken.

Dejan Miha­jlo­vic ruft zu einer Blog­pa­rade zum Pro­fil kom­men­der Lehr­kräfte auf. Ich ver­su­che, das mal auf fünf Punkte ein­zu­damp­fen. Die Lehr­kraft von morgen

  • ver­fügt über pro­fun­des, ver­netz­tes und stets hin­ter­frag­tes Fach­wis­sen und steht damit über dem Stoff, den sie vermittelt.
  • ist in der Lage, Schul­ent­wick­lung über die Bedürf­nisse der eige­nen Per­son hin­aus mit­zu­ge­stal­ten oder mitzutragen.
  • ist in der Lage, eigene Denk– und Unter­richts­struk­tu­ren zu hin­ter­fra­gen und weiterzuentwickeln.
  • erkennt den Wert explo­ra­ti­ven und expe­ri­men­tier­freu­di­gen Ver­hal­tens und nimmt das nicht als Belas­tung wahr.
  • stelllt sich immer wie­der der Rück­mel­dung ande­rer Men­schen, mit denen es in einem Team arbeitet.

Ich glaube, das reicht dann auch schon. Es zeigt aber auch den Kern der Problematik:

  1. Wie wähle ich Lehr­per­so­nen dann aus?
  2. Wel­che die­ser Eigen­schaf­ten sind ver­mit­tel­bar und wel­che nicht?
  3. Wer ver­mit­telt wie?
  4. Ist das dahin­ter­ste­hende Men­schen­bild realistisch?

Wasmanie und Komplexitätsreduktion

Bei der Dis­kus­sion um Ver­än­de­run­gen in der Schule wer­den m.E. zwei schwer­wie­gende Feh­ler gemacht:

  1. Es gibt viele Defi­ni­tio­nen (z.B. Wis­sens­be­griff, Lern­be­griff, Medi­en­be­griff) und For­mu­lie­run­gen „wie Schule sein soll”. Ich nenne diese Kon­zepte „Was­ma­tisch” — die beschrei­ben, was gesche­hen soll. Es gibt so gut wie keine Trans­for­ma­ti­ons­for­schung dazu, wie man dahin­kommt. Das über­lässt man dem Sys­tem selbst und wun­dert sich, ja ist manch­mal sogar nahezu kindlich-verbockt, wenn da nichts passiert.
  2. Man greift sich Aspekte aus dem Sys­tem her­aus: „Was macht den guten Leh­rer aus?”, „Wie muss ein Klas­sen­raum aus­ge­stat­tet sein?”, „Die zehn bes­ten Apps für den Unter­richt — übri­gens jede Woche gibt es zehn neue” usw. — eine iso­lierte Ver­än­de­rung einer Kom­po­nente wird im Sys­tem nichts ändern, weil sich sel­bi­ges ein­fach so umkon­fi­gu­riert, dass die Aus­wir­kun­gen der Stö­tung mini­miert wer­den. Man kann z.B. „Tablet­klas­sen” nicht erfolg­reich iso­liert den­ken. Das ist Komplexitätsreduktion.

Ich docke mit die­sem Arti­kel an Herr Lar­bigs lesens­werte Gedan­ken zum Aus­blei­ben der Revo­lu­tion im Schul­sys­tem an. Span­nend ist für mich seine Abkehr von z.B. dem Kon­zept „iPad-Klasse”, weil meine Ein­stel­lung zu sol­chen Set­tings über die Jah­ren ben­falls grund­le­gend anders gewor­den ist und sich mitt­ler­weile mit der von Thors­ten deckt.

Was heißt „das Sys­tem defi­niert sich um”?

Mir fällt zur Erklä­rung kein bes­se­res Bei­spiel als das Che­mi­sche Gleich­ge­wicht ein — ein fun­da­men­ta­les natur­wis­sen­schaft­li­ches Konzept.

Aus­gangs­si­ta­tion:

Wir haben ein Bäl­le­bad, wel­ches in der Mitte geteilt ist. Ein jedem Bäl­le­bad befin­det sich eine Anzahl von Wer­fern — ein Team. Die Auf­gabe besteht darin, die Bälle aus der eige­nen Hälfte mög­lichst voll­stän­dig in die geg­ne­ri­sche zu wer­fen. Das grüne Team ist das stärkere.

syst_gleichgewicht_01

Nach einer Weile:

syst_gleichgewicht_02

Das grüne Team ist zwar die stär­kere, jedoch hat es nach einer Weile im Schnitt weni­ger Bälle im Feld, die es län­ger suchen muss. Daher kann es die Bälle nicht so schnell zurück­wer­fen wie das blaue Team, das zwar schwä­cher ist, aber viel schnel­ler Bälle zum Wer­fen findet.

Es kann Situa­tio­nen geben, in denen die Bälle anders ver­teilt sind, aber über die Zeit wird sich ein Mit­tel­wert ein­pen­deln — in die­sem Fall von 15 Bäl­len im blauen und 5 Bäl­len im grü­nen Feld. In der Che­mie würde man jetzt die Anzahl der Bälle im grü­nen Feld durch die Anzahl der Bälle im blauen Feld tei­len und fest­stel­len, dass über die Zeit gese­hen eine Kon­stante dabei her­aus­kommt ( 5:15 = 1/3 ).

Das Wesent­li­che:

In unse­rem klei­nen Sys­tem pas­siert ganz viel — stän­dig flie­gen Bälle hin und her (manch­mal mag es sogar schei­nen, als gewänne Team grün), aber trotz­dem bleibt das Anzahl­ver­hält­nis der Bälle in den jewei­li­gen Fel­dern im Mit­tel kon­stant. Das Sys­tem befin­det sich in einer Art Gleich­ge­wicht. Wir Che­mi­ker nen­nen das ein dyna­mi­sches Gleichgewicht.

Die Stö­rung:

Nun kann es sein, dass ein Spie­ler des blauen Teams eine Tak­tik ent­wi­ckelt, mit der es mög­lich ist, die Bälle schnel­ler ins andere Feld zu wer­fen. Diese Tak­tik wird nun von allen Team­mit­glie­dern adap­tiert. Dadurch ändert sich die Bäl­le­ver­tei­lung. Aber diese Tak­ti­kän­de­rung hat auch Fol­gen für die Stra­te­gie des grü­nen Teams, das sich auf die nun ver­än­der­ten Bedin­gun­gen ein­stellt und ja immer noch gewin­nen will. Da die Bäl­le­ver­tei­lung in den Fel­dern für die Geschwin­dig­keit des Zurück­wer­fens immer noch eine Rolle spielt, kehrt das Sys­tem irgend­wann in seine Aus­gangs­lage zurück.

Auch ein ein­zel­ner Team­player, der sich ganz beson­ders anstrengt, ver­liert irgend­wann seine Kraft und wird in sei­nen Leis­tun­gen dann von dem ande­ren Team mit dann mehr kon­di­tio­nel­len Reser­ven kompensiert.

Das Sys­tem kon­fi­gu­riert sich bei Stö­run­gen also immer so um, dass die Aus­wir­kun­gen der Stö­rung mini­miert werden.

Das Digi­tale als Störung

Das Digi­tale ist eine Stö­rung im (Schul-)System, mit der es (noch) nicht gut umge­hen kann. Mit dem Digi­ta­len ist — genau wie z.B. mit einem beson­ders enga­gier­ten Spie­ler — oft die Hoff­nung auf eine Sys­tem­än­de­rung ver­bun­den. Das Sys­tem sucht aber nach Kom­pen­sa­ti­ons­mög­lich­kei­ten — nicht aus Bos­haf­tig­keit, son­dern weil genau das seine Natur ist. Typi­sche Kom­pen­sa­ti­ons­mög­lich­kei­ten sind:

  • Ver­bote
  • In mei­nen Augen viel schlim­mer: Über­tra­gung ana­lo­ger Arbeits­for­men in den digi­ta­len Raum

Es gibt m.E. kei­nen Mehr­wert, statt eines Schul­hef­tes ein Blog zu füh­ren, solange man die ver­än­der­ten kol­la­bo­ra­ti­ven Mög­lich­kei­ten des Blogs (z.B. Peer-Review, asyn­chrone Feed­back­pro­zesse etc.) nicht nutzt.

Kom­pe­xi­täts­re­duk­tion

Das Sys­tem von oben ist unglaub­lich sim­pli­fi­ziert, da es nur eine Sorte an Bäl­len gibt und das Spiel ziem­lich ein­fach struk­tu­riert ist. Es könnte ja z.B. auch so sein, dass ein jedem Feld Beu­tel mit bestimm­ten Anzah­len ver­schie­den­far­bi­ger Bälle gepackt wer­den müs­sen, die man dann ins geg­ne­ri­sche Feld wirft, wo dann die Beu­tel wie­derum umsor­tiert zurück­ge­wor­fen wer­den. Dann ist die Sys­tem­kon­stante nicht mehr durch ein ein­fa­che Zäh­lung bzw. Quo­ti­en­ten­bil­dung zu bestim­men, son­dern viel­leicht durch sowas hier:

    \[ K\textsubscript{(Ausstattung, gesellschaftliche Anerkennung)}=\frac{Ressourcen^4 \cdot Reformabwehr}{Innovationsf{\"a}higkeit \cdot Selbstschutz} \]

Wenn ich in die­sem nicht zuende gedach­ten Bei­spiel z.B. die Res­sour­cen erhöhte, wächst eben der Selbst­schutz­fak­tor zur Kom­pen­sa­tion. K selbst bleibt kon­stant — die Aus­wir­kung der „Stö­rung” ist minimiert.

Man tut aber oft so, als würde sich durch Kon­zepte, die einen bestimm­ten Bereich beackern, irgend­et­was Sub­stan­ti­el­les ändern. Damit ver­kennt man in mei­nen Augen die Kom­ple­xi­tät und die Kom­pen­sa­ti­ons­kom­pe­tenz des Sys­tems vollkommen.

Wenn ich z.B. über eine Prä­sen­ta­ti­ons­lö­sung Arbeits­blät­ter vom Platz der Schü­ler aus­fül­len und prä­sen­tie­ren lasse, mache ich ja nichts Neues, son­dern ledig­lich etwas Ana­lo­ges 1:1 digi­tal. Die Denk­weise hin­ter dem Arbeits­blatt ändert sich dadurch ja nicht — es wird halt nur etwas beque­mer und ver­spiel­ter im Klas­sen­raum. Die Aus­stat­tung wird ver­bes­sert, aber andere Dinge regu­lie­ren sich dann ein­fach anders ein.

Was tun?

Ein­stein soll angeb­lich gesagt haben:

Pro­bleme kann man nie­mals mit der­sel­ben Denk­weise lösen, durch die sie ent­stan­den sind.

Wenn Schule sich ver­än­dern soll, rei­chen alte geis­tes­wis­sen­schaft­li­che Stra­te­gien wie „Begriffs­bil­dung”, „Beschrei­bung”, „Ana­lyse” nicht aus, um den Ver­än­de­rungs­pro­zess nach­hal­tig zu imple­men­tie­ren. Es braucht neue Ansätze, auf übri­gens sehr vie­len gesell­schaft­li­chen Ebe­nen, z.B. For­schung dar­über, wie Trans­for­ma­ti­ons­pro­zesse gelin­gen kön­nen, die man bis­her gerne dem Sys­tem selbst über­lässt und die­sem dann vor­wirft, es „begegne” den „neuen Her­aus­for­de­run­gen” nicht hin­läng­lich. Wann wird nicht umhin­kön­nen, die bequeme (und risi­ko­lose) „Was­ma­nie” zu ver­las­sen und sich dem „Wie” zuzu­wen­den. Ich kann mir natür­lich gerne ein neues Sys­tem wün­schen oder eben mit dem arbei­ten, was nun­mal da ist.

Und wieder zwei Diktate zur Getrennt– und Zusammenschreibung

Ich dies­mal die ent­spre­chen­den Refe­ren­zen direkt bei den Wor­ten zur Kon­trolle für euch ver­linkt. Lei­der löst in mei­nen Augen der Duden die Regeln nicht ganz kon­se­quent und scheint sich in Tei­len auch der tat­säch­li­chen Pra­xis prag­ma­tisch anzupassen.

Dies­mal habe ich im Prin­zip nur drei Regeln vermittelt:

  1. Die Getrennt­schrei­bung ist die Regel.
  2. Dies gilt nicht bei Nominalisierungen.
  3. Dies gilt nicht, wenn eine über­tra­gene Bedeu­tung vorliegt.

Im Wesent­li­chen klappt es mit die­sem redu­zier­ten Regel­satz. Die emp­foh­lene Schrei­bung des Wor­tes „leicht machen / leicht­ma­chen” ist aus mei­ner Sicht durch den Duden hier inkon­se­quent gelöst. Wenn ich ein Flug­zeug leicht mache (es um Gewicht erleich­tere), liegt in mei­nen Augen die wört­li­che Bedeu­tung vor (Getrennt­schrei­bung), wenn ich es durch ein anspruch­lo­ses Dik­tat einem Schü­ler leicht­ma­che, die über­tra­gene. Der Duden schlägt in bei­den Fäl­len die Getrennt­schrei­bung vor, obwohl es hier ja einen seman­ti­schen Unter­schied gibt.

Die meiste Wör­ter sind in der Unter­richts­ein­heit ent­we­der geübt wor­den, die SuS haben in Word­Press mit dem Quiz-Script-Framework diese als Bei­spiele in ihren selbst­ge­stal­te­ten Übun­gen ver­wen­det oder die Worte stan­den auf einer Lernliste.

Dik­tat 1 (ca. 225 Wörter):

Die Rege­lung zum Nach­schrei­ben von Klau­su­ren und Klas­sen­ar­bei­ten am all­ge­mein­bil­den­den (auch all­ge­mein bil­den­den) Keppler-Gymnasium ist mitt­ler­weile völ­lig unge­eig­net für zart­be­sai­tete (auch: zart besai­tete) Schü­ler­na­tu­ren. Die Lehr­kräfte wol­len den Eltern und Schü­lern tat­säch­lich weis­ma­chen, dass der Ter­min an einem Frei­tag­nach­mit­tag geeig­net wäre. Dabei müs­sen doch die all­ge­mein ver­ständ­li­chen (auch: all­ge­mein­ver­ständ­li­chen) Nach­teile auch dem letz­ten klar sein. Wer kann sich denn nach einer lan­gen Schul­wo­che nach einer viel zu kur­zen Pause noch so locker­ma­chen, dass er mit die­sem Ter­min von sei­ner Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit her zurecht­kommt? Allzu oft sahen sich gerade Schü­le­rin­nen und Schü­ler aus den jün­ge­ren Klas­sen außer­stande (auch: außer Stande), zu solch einem Zeit­punkt noch Wis­sen preis­zu­ge­ben. Von vorn­her­ein ist klar, dass die Leis­tun­gen dadurch ins­ge­samt sin­ken. Wurde schü­ler­sei­tig bei einer anste­hen­den Arbeit auch ein­mal blau­ge­macht?
Natür­lich liegt die­ser Ver­dacht immer in der Luft, das darf man aus Leh­ren­den­sicht nicht wun­der­neh­men. Es ist auf­wän­dig, extra für ein Lern­grup­pen­mit­glied eine eigene Arbeit zu kon­zi­pie­ren, aber gerät die Schule nicht in Ver­dacht, es sich viel zu leicht zu machen (auch: leicht­zu­ma­chen), wenn durch den unter­stell­ten Gene­ral­ver­dacht auch die­je­ni­gen lei­den, die wirk­lich an dem betref­fen­den Tag krank waren? Auch bei Lehr­kräf­ten gilt ein Ver­trau­en­s­prin­zip: Sie müs­sen sich bei Arbeits­un­fä­hig­keit erst ab dem drit­ten Tag offi­zi­ell krank­schrei­ben las­sen.
Nichts­des­to­trotz gehen die Fehl­zei­ten bei Klas­sen­ar­bei­ten und Klau­su­ren nach Ein­füh­rung der Rege­lung ste­tig zurück. Es wird den Schü­le­rin­nen und Schü­ler wohl nichts ande­res übrig blei­ben (auch: übrig­blei­ben), als sich mit der Rege­lung zu arrangieren.

Dik­tat 2 (ca. 225 Wörter):

Allzu oft sah er sich außer­stande (auch: außer Stande) die Namen der neuen Lern­gruppe ken­nen­zu­ler­nen (auch: ken­nen zu ler­nen) und war so dem Spott der schö­nen Petra preis­ge­ge­ben. Wann immer sie ihn bloß­stel­len konnte, tat sie es, was für ihn eine Angst machende Erfah­rung war. Erst seit kur­zem unter­rich­tete er in der Klasse, aber schon jetzt wollte er in jeder Stunde so schnell wie mög­lich mit dem Unter­richt fer­tig sein. Er hatte das unbe­stimmte Gefühl, dass Petra ihn sehr bald so rich­tig fer­tig­ma­chen würde. Das Bei­sam­men­sein mit der Lern­gruppe wurde für ihn bald zu einer Furcht ein­flö­ßen­den (auch: furcht­ein­flö­ßen­den) Pflicht.
Wie konnte ein ein­zi­ges, unschul­dig aus­se­hen­des Mäd­chen so viel Angst und Schre­cken bei einem gestan­de­nen Mann wie ihm ver­brei­ten? Als Petra eines Tages krank­heits­be­dingt nicht am Unter­richt teil­neh­men konnte, sah er seine Chance gekom­men: Gera­de­her­aus gestand er der Lern­gruppe, woran er litt. Diese nahm die Nach­richt ungläu­big auf. Petra war in der Klasse dafür bekannt, es neuen Lehr­kräf­ten nicht beson­ders leicht zu machen (auch: leicht­zu­ma­chen), aber auch hoch geschätzt (auch: hoch­ge­schätzt) für ihr sozia­les Enga­ge­ment. Die Klasse konnte es dem ver­zwei­fel­ten Refe­ren­dar nur nahe­le­gen, sich auf ein direk­tes Gespräch mit Petra ein­zu­las­sen. Dazu sah sich der junge Leh­rer jedoch nicht in der Lage. Irgend so ein inne­rer Schwei­ne­hund hin­derte ihn, das Pro­blem direkt anzu­ge­hen. Unver­rich­te­ter Dinge ver­ließ er auch an die­sem Tag die Schule. Als er die Woh­nung sei­ner Freun­din betrat, blickte er kurz ver­stoh­len in das Zim­mer ihrer kran­ken Tochter.

Mailmanagement mit osTicket

Seit lan­gem nervt es mich, dass ich keine klare Tren­nung zwi­schen der Bear­bei­tung von E-Mails und sons­ti­gen Auf­ga­ben  hin­be­komme. Mir schrei­ben viele Men­schen E-Mails: Meine Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen bei Pro­ble­men mit unse­rer Schul­ser­ver­lö­sung, Men­schen, mit denen ich im Rah­men der Medi­en­be­ra­tung zu tun habe. Oft geht es dabei um Ter­min­ver­ein­ba­run­gen, tech­ni­sche Pro­bleme, Erstel­lung von Aus­stat­tungs­vor­schlä­gen, also klas­si­sche The­men, die man dem „Sup­port­be­reich” zuord­nen kann. Da geht viel durch­ein­an­der, sodass ich das eine oder andere auch schon ein­mal ver­gesse. Zum Glück gibt es ein Stück Tech­nik, wel­ches genau für diese Anfor­de­rung erschaf­fen wurde, denn Fir­men haben im Sup­port genau die glei­chen Her­aus­for­de­run­gen: Das Ticket­sys­tem. Ich setze dafür das kos­ten­lose Opensource-System  osTi­cket ein (hier gibt es eine Demo - Login: demo / Pass­wort: anmelden ).

logo

osTi­cket sollte auf fast jedem Webs­pace pro­blem­los lau­fen, der fol­gende Bedin­gun­gen erfüllt:

  • MySQL-Unterstützung
  • PHP ab Ver­sion 5.3
  • PHP IMAP — Modul
  • imap-fähiger E-Mailaccount mit der Berech­ti­gung, eigene Ord­ner anzulegen

Was ändert sich?

osTi­cket macht eigent­lich tech­nisch genau das, was ein belie­bi­ges E-Mailprogramm wie Out­look oder Thun­der­bird tut: Es holt die Mails eines Kon­tos per imap ab, schreibt diese jedoch in eine Daten­bank. Jede neue Mail erhält eine Ticket-ID, die auto­ma­tisch mit in die Subject-Zeile geschrie­ben wird, wenn ich jeman­dem ant­worte. Ant­wor­tet mir mein Gegen­über auf diese Mail, erkennt osTi­cket anhand der Ticket-ID, zu wel­chem Kom­mu­ni­ka­ti­ons­vor­gang die Ant­wort gehört und weist die­sen auto­ma­tisch zu. Ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­vor­gang heißt „Ticket”. Das ist erst­mal alles.

Hä? Und wo ist da jetzt der Unter­schied zu vorher?

Bleibt ein Ticket zu lange lie­gen (bei mir sind es drei Tage), schreibt osTi­cket Jam­mer­mails und prio­ri­siert das jewei­lige Ticket, indem es den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­zess in einer Liste nach oben schiebt. Erst wenn ich ant­worte, ist wie­der für drei Tage Ruhe — ich brau­che das.

Wenn ein Pro­zess abge­schlos­sen ist, kann ich das Ticket „schlie­ßen”. Natür­lich wird eine Sta­tis­tik erstellt (mein Dienst­herr mag Sta­tis­ti­ken als „Arbeits­nach­weis” und ich habe kei­nen Bock, die selbst zu erstel­len) und ich kann geschlos­sene Tickets ganz ein­fach fin­den, z.B. mit einer Suche nach einem Namen oder einer E-Mailadresse. Damit weiß ich, was ich wie oft mit wel­cher Per­son ver­hack­stückt habe.

Und sonst?

Ich kann vor­de­fi­nierte Ant­wor­ten anle­gen — wenn eine Schule z.B. über unsere Medi­en­zen­trum eine Home­page hos­ten und betreuen las­sen möchte, ähneln sich die Pro­zesse doch sehr. Die Ant­wor­ten kli­cke ich ein­fach in die Mail hinein.

Auch für tele­fo­ni­sche oder münd­li­che Anfra­gen kann ich selbst Tickets eröff­nen. Da alle Pro­zesse in osTi­cket mehr­be­nut­zer­fä­hig sind, wüss­ten z.B. auch Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen von mir, wo ich gerade stehe.

Wer es mag, kann osTi­cket auch mit Android und Co. über eine App mana­gen. Das ist für mich und mei­nen Work­flow aber eher ein Nach­teil. Ich setze mich lie­ber gezielt 1-2x am Tag an einen Rech­ner und arbeite den Kram dann kon­zen­triert ab.

Außer­halb mei­ner Arbeits­zeit gibt es eine höf­li­che, aber bestimmte Mail, die den Emp­fang bestä­tigt, aber dann auf z.B. Mon­tag vertröstet.

Und nicht zuletzt: Das Backup einer MySQL-Datenbank ist auch viel per­for­man­ter als das­je­nige tau­sen­der Fit­zel­da­teien auf der Festplatte.

Und der E-Mailclient zu Hause?

osTi­cket löscht nor­ma­ler­weise emp­fan­gende Mails auf dem Ser­ver, kann aber diese auch in einen imap-Unterordner ver­schie­ben. Wenn sich eine wirk­lich pri­vate Mail auf einen Dienstac­count ver­irrt, kann ich sie immer noch aus dem Archi­v­ord­ner her­aus ganz nor­mal ohne Ticket-ID per­sön­lich mit der pri­va­ten Mail­adresse beantworten.

 

Jubelperser und rhetorische Raubeine

… und dann doch die zu wenig Begeis­ter­ten. (das wird hier ein Rant)

Ich finde Dis­kurs ja ganz prima. Wenn die Dinge auf den Tisch kom­men, ist es oft der erste Schritt, um Ver­än­de­rung zu initi­ie­ren. Wenn sich Pro­zesse aber immer wie­der wie­der­ho­len, muss man sich die Frage stel­len, ob es um Ver­än­de­rung oder um Recht­ha­ben, bzw. die Struk­tur des Dis­kur­ses geht.

Und ich stelle mir die Frage, was man mit die­ser dort gepark­ten Ener­gie alles anstel­len könnte.

Die Schu­len, mit denen ich so Kon­takt komme, inter­es­siert diese in Rela­tion zu ihrem Leben wirk­lich­keits­ent­kop­pelte Twit­ter– oder Blog­dis­kurs­welt nicht. Selbst wenn die Betei­lig­ten in diese Sphäre des Digi­ta­len ein­tauch­ten (sie tun es nicht), wären allen­falls Kopf­schüt­teln und Abwehr die Reak­tion. Gut so. Gibt andere Sor­gen und Probleme.

Es mag eine Zeit gege­ben haben, in der (Geistes-)Wissenschaft Poli­tik bera­ten hat und nicht nur gehört, son­dern auch teil­weise adap­tiert wurde. Das setzt aber poli­ti­schen Gestal­tungs– und Füh­rungs­wil­len vor­aus und die Fähig­keit, nicht nur die eigene kleine Welt zu sehen, son­dern die Ver­net­zungs­po­ten­tiale. Wie ver­brei­tet sind diese Fähig­kei­ten? Wie stark ist heute das „Backend”, wel­ches die Gestal­tungs­wil­li­gen z.B. mit Rechts– und Pro­zess­be­ra­tung unter­stützt, ihnen den Rücken freihält?

(Geistes-)Wissenschaft erkennt m.E. nicht, dass diese Ära ent­schie­den vor­bei ist — sie ist es, die in ihren Struk­tu­ren ver­harrt — oach, wir machen Stu­dien (mit teil­weise m.E. so aben­teu­er­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen wie: „Beför­dern Tablet­klas­sen den Lern­pro­zess?”) oder schrei­ben elo­quente Grund­satz­auf­sätze (die dann in Fil­ter­bub­bels durch­ge­reicht und dis­ku­tiert wer­den). Ich mag das ja auch, strei­che aber davon für meine Arbeit gleich 95%.

Der Bedarf aber lau­tet (dar­über kann jam­mern oder es hin­neh­men wie im Früh­ling die Blu­men): „Sage mir, wie ich mir mög­lichst wenig Res­sour­cen den Out­put stei­gern kann!” Sorry, und Pssst! — die­sen Bedarf decken längst andere!

Warum soll ich mich als Poli­ti­ker von „dis­kurs­ver­lieb­ten Soci­al­me­dia­fuz­zis” lei­ten las­sen? Meine größte Wäh­ler­gruppe sind nicht die Fami­lien. Kin­der und Jugend­li­che schon gar nicht.

Ganz neben­bei machen sich Schu­len — so ganz extrain­ter­ne­tis­tisch — mit ganz ande­ren Moti­va­tio­nen auf den Weg. Da geht es oft zunächst um Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­zesse. Tech­nik hilft dabei. Meta­geseier über poten­ti­elle tech­ni­sche Poten­tiale zunächst ganz viel weni­ger. Was danach kommt — mal sehen. Meist kom­men Ideen.

Wir müs­sen gerade ganz stark dar­auf auf­pas­sen, hilf­rei­che Metho­den wie Pro­jekt­ma­nage­ment nicht in der Wahr­neh­mung der Schu­len abzu­fa­ckeln. Jacket, Schlips und tolle Folien über Qua­li­täts­ma­nage­ment­pro­zesse tra­gen genau bis zu der Erkennt­nis, dass es für die Umset­zung Res­sour­cen braucht. Die Kom­pe­ten­zen bren­nen ja schon lich­ter­loh. Die Inklu­sion schwelt bereits kräftig.

Das Ziel könnte ja hei­ßen: Bes­sere Bil­dung und gerech­te­rer Zugang zu ihr. Ist das nicht die Gemein­sam­keit? Und auch ich ertrage iPads. Wer mich kennt, weiß: Da kann das mit dem Aner­ken­nen  ande­rer Wege und Schwer­punkt­set­zun­gen doch nicht so schwer sein.

1 2 3 125