riecken.de

Gedanken zu Bildung, Lehre und Schule

EduCamp in Hamburg 2010

Sonntag 7. Februar 2010 von Maik Riecken

Vorlesen mit webReader

Dieser Artikel wird ein Konvolut ohne Kohärenz – Gedankensplitter.

Was ich gelernt habe (1)

Durch Gespräche ist mir klargeworden, dass eine Presse, die ausschließlich nach Schulstrukturreformen schreit, sich genau so verhält, wie eine Landesregierung, die diese Schulstrukturreformen verordnet, ja dieser methodisch sogar in die Hände spielt. Beides ist nämlich “top-down”. Schulstrukturreformen haben wir in Deutschland schon viele gesehen – die Auswirkungen auf den Unterricht, auf das System Schule waren – nunja. Innere Reformen, z.B. Qualifizierung von Lehrkräften usw. gehen richtig ins Geld – Strukturreformen eher nicht. Alleine sorgen sie eher dafür, dass noch weniger Leistung bei denjenigen ankommt, um die es in Schule eigentlich geht/gehen sollte.  Schön wäre es doch, wenn innere Reformen Schulstruktur verändern würden. Hat das schon jemand überhaupt mal versucht? Ach nee, das wäre ja vielleicht demokratisch: Schulen, die ihre Strukturen bedürfnisbezogen selbst finden – welch eine Bedrohung!

Den ganzen Beitrag lesen »

Kategorie: Allgemein | 1 Kommentar »

Sechs Jahre oder vier Jahre?

Donnerstag 4. Februar 2010 von Maik Riecken

Vorlesen mit webReader

„In keinem Leistungsbereich sind Förderwirkungen des grundständigen Gymnasiums nachweisbar“, analysiert der beste deutsche Schulforscher. Und resümiert: „Bewertet man die Befunde insgesamt, so sind sie zunächst ein Kompliment für die [sechsjährige, d. Red.] Grundschule. Die Entwicklungskurven von Spitzenschülern verlaufen in der Grundschule und in der Unterstufe des grundständigen Gymnasiums parallel, und zwar nicht nur im Lesen, sondern … auch in der unterrichtsabhängigen Domäne Mathematik. Für die grundständigen Gymnasien sind die Befunde ein Grund zur Nachdenklichkeit. Generell ist fraglich, ob die Gymnasien die Förderung der Lesekompetenz als akademische Aufgabe aller Fächer bislang überhaupt entdeckt haben.“

“Die Zeit” in Reaktion auf Jürgen Baumert

Diese Aussage Jürgen Baumert im Kontext der Diskussion in Berlin um die sechsjährige Grundschule getroffen (die in Niedersachsen mit der Abschaffung der langjährigen Orientierungsstufe gerade eliminiert worden ist). Der Vergleich ist in meinen Augen unvollständig, weil es nicht darum gehen kann, ob man sechs oder vier Jahre zur Schule geht (Strukturelle Reform), sondern wir müssen uns darum kümmern, was in diesen vier oder sechs Jahren eigentlich geschieht (Innere Reform)  Organisationsformen kommen und gehen. Unterrichtskultur scheint mir da beständiger zu sein, was ja auch als immerwährender Vorwurf gegen die Gymnasien anklingt.

Den ganzen Beitrag lesen »

Kategorie: Aus der Schule, Gesellschaft | 8 Kommentare »

Ich wünsch’ dir Liebe ohne Leiden

Montag 1. Februar 2010 von Maik Riecken

Vorlesen mit webReader

Christian Füller veröffentlicht Auszüge aus einer Korrektur eines Kollegen, wie ich sie bestimmt auch schon oft verfasst habe – gleicher Duktus, ähnlicher Aufbau – allein die Tatsache, dass die von mir selten verwendeten Fachbegriffe “Adverbien” und “Adverbialsätze” auftauchen, geben mir die Sicherheit, dass Christian Füller noch nichts von mir in den Händen hält. Auch ich muss mich schuldig bekennen viel zu oft viel zu wenig Positives hervorzuheben.

Detlef Teich hat sich in einem Blogbeitrag mit der Art und Weise von Füllers Auseinandersetzung mit dieser Korrektur bereits umfassend geäußert. Wesentlich scheint mir der Hinweis, dass eine solche Korrektur immer in einem Kontext steht, wesentlich scheint mir weiterhin die Frage, ob die Lehrkraft mit dem Leid, mit der “Beschämung” und mit der Ausgrenzung bilateral durch z.B. die Eltern konfrontiert worden ist, bevor es zu dieser Veröffentlichung kam. Da diese Aspekte im Dunkeln bleiben, scheinen mir die stärksten Positionen und Gedanken zu dieser Korrektur  und der Art ihrer Veröffentlichung ausgetauscht.

Den ganzen Beitrag lesen »

Kategorie: Aus der Schule, Gesellschaft | 1 Kommentar »

Lieber Bildungsforscher…

Freitag 29. Januar 2010 von Maik Riecken

Vorlesen mit webReader

Seit Jahren sagst du mir, wie ich unterrichten muss, um meinen SuS gerecht zu werden.

Seit Jahren sagst du mir, dass sich die Strukturen an meiner Schule grundsätzlich ändern müssen.

Seit Jahren forderst du Bildungsstandards ein.

Seit Jahren beeinflusst du die Politik, um deine Vorstellungen realisiert zu sehen

Seit Jahren sagst du mir, dass Bildung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.

Bildungsforscher, ich muss dir sagen, dass du mir bisher nicht geholfen hast.

Seit Jahren steigen Klassenfrequenzen.

Seit Jahren werden meine Räume kleiner.

Seit Jahren wird Verwaltung – gerade durch dich – immer aufwendiger.

Seit Jahren kommt immer weniger meiner Kraft bei denen an, die es verdienen.

Seit Jahren werde ich durch immer neue Ideen gefordert.

Bildungsforscher, ich muss dir sagen, du nützt mir nicht.

Ich mache Projekte – du sagst: “Schon ganz schön, aber…”

Ich mache Evaluation – du sagst: “Nun aber auch Konsequenzen…”

Ich verändere meinen Unterricht – du sagst: “Der Anfang reicht nicht…”

Ich entwickle mich – du sagst: “Die Richtung stimmt ja…”

Ich sage: “Aber die schulische Realität…” – du sagst: “Tja, das kann ich nicht für dich ändern!”

Bildungsforscher, du nützt mir nicht.

Bildungsforscher: Wenn du derjenige bist,

der ausschließlich, sagt, lobbyiert, fordert, spricht, von mir verlangt,

dann fordere wenigstens nicht von mir, dein Verbündeter zu sein

und verurteile mich nicht für dieses Unvermögen.


Kategorie: Gesellschaft | 1 Kommentar »

Neues Halbjahr – Stundenplan 2.0

Donnerstag 28. Januar 2010 von Maik Riecken

Vorlesen mit webReader

So sah mein Stundenplan bisher aus – Springstunden und anderer Tüddelüt sind aus Datenschutzgründen nicht ausdifferenziert (und: Nein, ich muss nicht 32 Schulstunden unterrichten…).

Stunde Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
1
2
3
4
5
6
7
8

Im kommenden Halbjahr wird er so aussehen:

Stunde Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
1
2
3
4
5
6
7
8

Tja – irgendwie aufgeräumter. Nur noch Doppelstunden.

Meine Sorgen:

  • Sehe ich meine eigene Klasse noch oft genug? Bekomme ich so viel mit wie bisher?
  • Was ist mit den Hausaufgaben, wenn ich nur noch zwei Mal pro Woche welche stellen kann?
  • Muss ich mich für eine Doppelstunde nicht viel intensiver hinsetzen, um einen Bogen hineinzubekommen?

Meine Hoffnungen:

  • Ich kann gerade in Chemie Experimente viel ausführlicher und selbstständiger durchführen lassen
  • Wann im Block eine Pause nötig ist, bestimmt der Prozess, nicht der Gong
  • Drei Lerngruppen am Tag, maximal vier (bei acht Stunden)
  • Zwei Stunden reden schafft keiner – SuS müssen mehr eingebunden werden als bei Einzelstunden
  • Ich habe Zeit, um den SuS in ihren Ideen nachzugehen (und das Tafelbild fertigzubekommen)
  • Prozesse in Mahara nicht nur anstoßen, sondern gleich im Anschluss reflektieren
  • Vielleicht bekommt mein Nebenfach für SuS eine andere Wertigkeit, wenn es am Tag eines unter drei bzw. vier Fächern ist als eines unter sechs bzw. acht

Ich bin sehr gespannt, wie das für mich werden wird. Auf jeden Fall wird meine Schultasche leichter (oder das Netbook kommt jetzt öfter mit). Und: Für mich wandelt sich jetzt Schule und bestimmt auch mein Schulerleben.

Kategorie: Aus der Schule | 8 Kommentare »