Weiterentwicklung des Datenschutzes

vom 12. Oktober 2014, in Aus der Schule, Gesellschaft, von Maik Riecken

Das Grundproblem

Schule hat aus Sicht des Datenschutzes ein gravierendes Problem: Personenbezogene Daten (Namen, Noten, Fehlzeiten usw.) werden in der Regel auch auf privaten Geräten (Notebooks, Tablets usw.) verarbeitet, deren Software- und Aktualisierungsstand nicht kontrollierbar ist. Noch schlimmer: Wer sich in einem Schulnetz wirklich einmal die Mühe macht, nach Freigaben und offenen Ports bei eingebuchten Geräten zu nutzen, wird mit Sicherheit fündig werden.

Es gibt beim normalen Anwender in der Regel überhaupt kein Bewusstsein darüber, wie die eigenen Geräte zumindest mit Bordmitteln des Betriebssystems abgesichert werden können. Bei geschlossenen Hardwaruniversen wir z.B. bei Appleprodukten hätte er – selbst wenn er es wollte – nicht einmal eine Möglichkeit der Absicherung, sondern ist auf die Vorgaben der Appprogrammierer und Gerätehersteller angewiesen.

Das ruft natürlich jeden auf den Plan, der sich mit technischem Datenschutz beschäftigt. Es ist verlockend, Schulen in dieser Hinsicht Firmen gleichzustellen, die in ihrem eigenen Interesse schon längst technische Lösungen dafür entwickelt haben, sensible Daten zu schützen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Firmen in der Regel über ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen verfügen, zum einen die Mitarbeitenden hinsichtlich der Benutzung der Firmenzugänge zu schulen und zum anderen nicht nicht in der Verlegenheit sind, ihre Mitarbeitenden mit entsprechender Hardware auszustatten zu können und sich um deren Pflege sowie Administration zu kümmern.

Die Politik verweist bei Kritik an diesem Zustand darauf, dass es schließlich Sache der Schulträger sei, in den Schulnetzen für entsprechende Ausstattung und Abhilfe zu sorgen. Der Schulträger wiederum kennt Netzstrukturen nur aus den eigenen Verwaltungen und so nimmt das Unheil dann seine Lauf, wenn technischer Datenschutz z.B. im Rahmen der Verarbeitung von Meldedaten 1:1 auf Schulen übertragen wird. Da gibt es dann

  • Schulträger, die den Einsatz von WLAN generell untersagen
  • Schulträger, die den Einsatz von privaten Geräten in Schulnetzen generell untersagen (Nein, das Mobilfunknetz ist keine Lösung, zumindest nicht flächendeckend)
  • Schulträger, die die Schulnetzwerklösungen und den Support dafür outsourcen (z.B. damit oder damit), leider aber manchmal Dinge wie Fortbildungkonzepte für Lehrkräfte vernachlässigen oder eben nicht in die Kalkulation mit einbeziehen.
  • Schulträger, die aufgrund ihrer Erfahrung in den Verwaltungen, Hardware- und Raumausstattungskonzepte fest vorgeben.

Und wer sollte ihnen genau das verdenken? An Schulen gibt es schließlich meist nur Anwenderkompetenzen, die das eigene Endgerät fokussieren und nicht Dinge wie die Konzeption eines ganzen Netzes mit seiner Infrastruktur.

Die Forderungen des Datenschutzes tragen in ganz erheblichen Maße zu diesem Dilemma bei.

Keine klaren Aussagen

Für ein in meinen Augen recht wegweisendes Projekt habe ich versucht, von vornherein Datenschutzüberlegungen mit einzubeziehen. Ich habe mich bei zuständigen Stellen erkundigt und konkrete Fragen zu konkreten Themen gestellt. Was dabei herauskommt? Zwei Juristen, ein Techniker und 3+n Meinungen. Dabei bräuchten Schulen, die das Thema Datenschutz ernstnehmen wollen, dringend Unterstützung, z.B. bei:

  • der Formulierung von Nutzungsordnungen im Schulnetz
  • der Feststellung eines Datenrahmens, der dem Gebot der Datensparsamkeit genügt (Gehört der Beruf der Eltern in eine Schulakte?)
  • der Formulierung von Nutzungsbedingungen bei der Nutzung des schuleigenen WLAN
  • der Formulierung von Einverständniserklärungen zur Nutzung von Bildern der Schülerinnen und Schülern für die Öffentlichkeitsarbeit von Schulen (eher Urheberrecht, aber das ist nicht weniger diffizil)
  • der Aufstellung von Mindeststandards den technischen Datenschutz betreffend: Wo steht der Schulserver? Wie ist er gesichert? [...]

Beklagt man das Fehlen von Musterschreiben, so wird immer wieder darauf verwiesen, dass jede Schule und jeder Schulträger individuelle Vorstellungen hat und daher immer auf den konkreten Fall geschaut werden müsse. Wie soll aber eine Schule oder ein Schulträger etwas leisten, was sich übergeordnete Stellen nicht zutrauen? So geht es jedenfalls in meinen Augen nicht weiter. Mir scheint, dass dieses Dilemma den Datenschützern selbst auch durchaus bewusst ist. Die Technik ist da noch relativ leicht zu lösen und zu beherrschen.

Kritik

Man kann in meinen Augen nicht einfach etwas vorgeben und verlangen, für das man selbst keine Konzepte und Modellprojekte vorzuweisen hat. Die Akzeptanz wird gegen Null tendieren und jeder wird in dem Bereich der neuen Medien dann eher machen, was er will, bevor dann gar nichts an Innovation geschieht. Und das läuft den Grundprinzipien und der Intention des Datenschutzes dann oft diametral entgegen.

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Transaktionskosten (Fortsetzung)

vom 12. Oktober 2014, in Gesellschaft, Methoden, von Maik Riecken

Eine von mir hochgeschätzte und stille Leserin meines Blogs hat mich neulich darauf aufmerksam gemacht, dass ich angekündigt hatte, eine Fortsetzung zum Artikel mit den Transaktionskosten zu schreiben. Ich zitiere dazu noch einmal den letzten Absatz im Sinne der Anschlussfähigkeit.

Wer Veränderungsprozesse initiieren möchte, muss im Blick haben, dass er gleichzeitig neue, noch nicht kalkulierbare Transaktionskosten erzeugt (“Ja, aber das mit den Medien muss aber in ein Gesamtkonzept!”), und gleichzeitig auch noch andere, von den Kosten her “sicher” kalkulierbare Systeme bedroht (“Ja, aber über Aushänge kommuniziert man doch total ineffizient!”). Daraus ergeben sich für mich Konsequenzen für mein Verhalten als Berater.

Regel 1: Das Neue ist der Feind des Bewährten.

Das Neue kann sich in den bestehenden Schulstrukturen nur durch viel Geduld, Leadership oder subversiv durchsetzen. Sobald man als Berater generalisiert, werden immer lautstarke und – für die Idee viel gefährlichere – stille Widerständler auf den Plan gerufen. In sehr heterogenen, großen Systemen wird sich dann NIE das Neue durchsetzen. Deswegen unterscheide ich zwischen subjektiven und objektiven Wahrheiten. Objektiv kann man durchaus Recht haben. Es nützt u.U. aber trotzdem nichts, weil Systeme stets subjektiv funktionieren und dann die entstehenden Transaktionskosten zum Kollaps jeder noch so guten Idee führen.

Ein Beispiel:

Objektiv ist es für große Systeme vernünftig, Klausur- und Klassenarbeitsplanung online zu machen. Man ist bei der Eintragung nicht an eine Zeit oder an einen Ort gebunden. Das System kann durch Algorithmen Fehleinträge im gegebenen rechtlichen Rahmen abfangen. Es kann mit dem Schulkalender gekoppelt werden, sodass sich Tage mit bestimmten, vorhersehbaren Abwesenheiten von Lerngruppen transparent sperren lassen. Umgekehrt ließen sich Termine von Arbeiten in die Kalender der jeweiligen Lerngruppen zurückspeisen (übrigens: Das geht alles mit dem richtigen System). Subjektiv zwingt man Kolleginnen und Kollegen zur Nutzung ungewohnter digitaler Werkzeuge, die nicht in deren Workflow passen. Praktisch wird man eine Zeit lang altes und neues System parallel fahren.

 

Regel 2: Hilf Transaktionskosten zu senken, damit du neue erzeugen kannst

Wenn es um die technische Ausstattung von Schulen und um Medienkonzepte geht, weiß ich es besser. Was dabei herauskommt, wenn typische Consumer oder fortgeschrittene Anwender meinen, sie könnten vorausschauend Netze bauen, die irgendwann für die ganze Schule skalieren, dann liegen sie leider oft falsch, weil z.B. an die Hardware im Netzwerk ganz andere Anforderungen als “zu Hause” zu stellen sind.

Wenn ich an eine Schule komme, herrscht dort i.d. R. im Medienausstattungsbereich Chaos. Dieses Chaos gliedert sich zum einen in technische Probleme (10%) und zum anderen in zwischenmenschliche (90%). Die Technik bekommt man nach meiner Erfahrung sehr einfach in den Griff, wenn man da nach dem Motto vorgeht: “Wenn ich dir bei den restlichen 90% helfen soll, dann bestimme zunächst(!) ich, wie es bei euch technisch weitergeht!”

Mit den 10% Technik versuche ich dann, Abläufe und Verfahren genauso abzubilden, wie in der Schule schon immer waren, nur dass Zugriffsmöglichkeiten auf Informationen jetzt nicht mehr an Zeiten oder Orte gebunden sind. Das können sehr einfache Maßnahmen sein, wie etwa ein schulweiter Zugriff auf Dateien, einfach zu bedienende Zugänge zu Onlinemedien, ein funktionierendes WLAN usw.. Technisch ist das trivial. Gleichzeitig muss die Verlässlichkeit des Systems steigen, z.B. durch konsequente Vernetzung von Inselsystemen. Idealerweise nimmt das System bereits diese Maßnahmen als entlastend wahr, was dann in der Folge Vertrauen schafft. An dem grundsätzlichen medienpädagogischen Geist ändert sich dadurch jedoch nichts.

Dieses Vertrauen senkt Transaktionskosten, sodass Ressourcen dafür frei werden, auf die restlichen 90% zu schauen. Dafür benötigt man ein genaues Bild des Systems: Wer sind die “Stakeholder” (an Schulen sehr oft der engagierte IT-affine Lehrer mit einer jahrelang immens gewachsenen ideellen Machtposition)?  Wer gönnt dem anderen ggf. etwas nicht? Welche eingefahrenen Abläufe mit welchen Konsequenzen gibt es? Was schafft Konfliktpotential? Wer ist an den Strukturen wie beteiligt?

 

Regel 3: Berate keine Schulen (oder Kollegen), die bei dir hohe Transaktionskosten erzeugen

Dass in Beratungsprozessen nachgesteuert werden muss, ist nichts weiter Ungewöhnliches. Gerade das Thema Mediennutzung ist für Schulen nur eines unter vielen. Deswegen bin ich nicht verschnupft, wenn Prozesse oft nur langsam voranschreiten. Das ist völlig normal. Es gibt für mich jedoch Indikatoren, die dazu führen, dass ich eine Schule nicht berate:

  1. Keinerlei Eigeninitiative (d.h. praktische Hilfsangebote werden gerne angenommen, jedoch ist kein Interesse erkennbar, eine längerfristigere Partnerschaft einzugehen – Feuerwehreinsätze ja, Zusammenarbeit nein)
  2. Diskussion des Beratungsverfahrens (Kann man das so überhaupt machen? Warum so kompliziert? Geht das nicht auch schneller / einfacher?)
  3. Eigenmächtige Anschaffungen (z.B. ITW / Tablets für teures Geld kaufen, ohne stabile Infrastruktur, ohne Konzept und ohne Rücksprache mit mir)
  4. Kein Reflexion des bisherigen Umgangs mit Medienbeschaffung

Diesen Schulen fehlt vor allem das Vertrauen in meine Fähigkeiten. Im schlimmsten Fall wollen Sie sich lediglich meiner Kompetenzen bedienen, um ihre akuten Probleme gelöst zu bekommen, damit sie weitermachen können wie bisher.

 

Regel 4: Suche dir immer kleine Projekte mit geringen Transaktionskosten für zwischendurch

Die Implementation der “großen Würfe” ist oft zäh, ermüdend, ausgedehnt und bezogen auf die Transaktionskosten immens teuer. Das ist psychologisch ein Problem, da man irgendwann als am Prozess Beteiligter die Fortschritte nicht mehr zu sehen im Stande ist. Deswegen braucht man für die seelische Hygiene immer wieder Projekte, bei denen sich der Erfolg sehr schnell einstellt. Das können so einfache Dinge wie ein WLAN für eine ländliche Grundschule sein. Schule klagt, ich komme vorbei, sage eine Summe, Schule kauft, wir installieren mit dem Hausmeister zusammen und sind nach 2-3 Wochen erheblich glücklicher als vorher.

Menschen, die nur “das Große” beraten, erlebe ich oft so, dass bei ihnen irgendwann der Kontakt zur “Basis” verlorengeht. Das muss auch teilweise so sein, da man die zermürbenden Transaktionskosten in diesen Prozessen kaum erträgt und sich dann andere Strategien entwickeln, um seelisch gesund zu bleiben, die dann oft als arrogant oder “von oben herab” wahrgenommen werden.

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Meine Toilettenregelung dieses Jahr

vom 28. September 2014, in Aus der Schule, von Maik Riecken

… im Facebook-AGB-Stil und nur für die Oberstufe. Es klappt eigentlich auf Anhieb hervorragend und wird nicht übermäßig ausgenutzt. Anlass war die Umstellung des Unterrichts auf ein reines Doppelstundenmodell.

Toilettengänge:

  • Du fragst nicht um Erlaubnis, auf Toilette gehen zu dürfen
  • Du wartest einen passenden, nicht störenden Moment ab und gehst dann leise aus dem Raum.
  • Du lässt die Tür des Unterrichtsraumes beim Hinausgehen angelehnt, sodass du bei deiner Rückkehr nicht klopfen musst.
  • Du nutzt deine Abwesenheit ergebnisorientiert, bleibst also nicht zu lange fort.

Der letzte Satz ist ein typischer Riecken :o)…

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Die Idee zu diesem Beitrag habe ich bei Herrn Larbig bekommen, der darüber schreibt, warum das Tablet für ihn ein immer wichtigeres Werkzeug geworden ist. Er kommt dabei beeindruckenderweise Weise ohne Abwertung anderer Geräte aus. Ob ich das beim Tablet schaffen werde, weiß ich so nicht :o)…

Ich bin mit Tablets nie warm geworden – das verhindert aber nicht, dass ich für Schule und Unterricht diese Geräte beschaffe, sie auch schon verschenkt oder empfohlen habe und es es verhindert vor allem nicht, dass ich in von mir konzipierten Schulnetzwerken die besonderen Belange von Tablets mit berücksichtige. Nur für die didaktisch-methodische Arbeit mit den Geräten verweise ich dann auf meine in diesem Bereich wesentlich kompetenteren Kolleginnen und Kollegen.

Ich empfinde die Arbeit am Einzelplatz mit Programmen in kommunikativen(!) Situationen von Unterricht als antiquiert. Ob diese Programme jetzt Programme oder Apps heißen, macht für mich keinen großen Unterschied. Wesentlich für meine Arbeit mit digitalen Endgeräten ist der Austausch und die Zusammenarbeit. Dafür gibt es nach meinem Dafürhalten zurzeit viele hervorragende Webanwendungen, die lediglich einen Browser voraussetzen. Um nur als Plattform für einen Browser zu dienen, sind insbesondere Tablets von Markenherstellern viel zu teuer. Ich würde im Unterricht mit Tablets nicht anderes als Webanwendungen nutzen – gerade weil wir perspektivisch auf eine sehr heterogene Technikausstattung zusteuern (einen Browser haben alle Geräte, oder man kann zumindest – sogar bei Applegeräten –  einen brauchbaren nachinstallieren).

Jede Art, etwas Analoges digital machen zu wollen, finde ich überflüssig. Dazu gehört für mich z.B. das Abfotografieren von Schülerarbeiten mit anschließender Projektion und Korrektur am Beamer oder das Filmen von Experimenten (die mache ich lieber analog ohne Sinnesreduktion). Wenn ich so etwas vorhabe, arbeite ich eben digital mit z.B. digitalen Arbeitsblättern. Gibt es die nicht oder habe ich nicht die Zeit für die Erstellung, dann eben analog, nur analog. Ich habe eine tiefe Abneigung gegen Medienbrüche, weil die immer Zeit kosten und ineffektiv sind. Interaktive Tafelsysteme sind für mich Prototypen des Versuchs, ursprüngliche analoge Tätigkeit möglichst äquivalent digital abzubilden, vom Wartungsaufwand für diese teuren Ungetüme mal ganz abgesehen.

Wenn ich arbeite, mache ich viele Dinge gleichzeitig: Auf einem Server läuft vielleicht via SSH ein Installations- oder Updatescript. Im Hintergrund ein Onlinespiel, im nächsten Tab WordPress, in einem weiteren vielleicht irgendein Nachschlagewerk und darüberhinaus nebenbei eine Officeanwendung. Ich arbeite sehr viel mit der Zwischenablage und tausche Dateien mit anderen Systemen über verschiedene, meist verschlüsselte Protokolle aus. Auch muss ich mich oft via SSH durch lokale Firewalls durchtunneln, um in anderen Einrichtungen das Internet wie gewohnt nutzen zu können. Immer wieder ist auch ein Video zu transkodieren. Und dann setze ich auch privat grundsätzlich nur Gebrauchtware aus dem Businessbereich ein, was neben finanziellen auch ökologische Gründe hat – immerhin gibt es dafür noch viele günstige Ersatzteile.

Kurzum: Für meinen persönlichen Workflow ist ein fünf Jahre altes Businessnotebook mit neuem Akku genau richtig. Schon von der Rechenleistung her sehen auch aktuelle Tablets dagegen wenig Land. Ich hatte schon verschiedene Tablets über mehrere Wochen hier bei mir. Als Spielzeug auf dem Sofa waren sie für mich ganz brauchbar – aber dafür dann auch zu teuer. Völlig genervt war ich oft von den Fehlermeldungen, die wenig aufschlussreich waren. Dann musste man im Web suchen und fand mit Glück irgendeinen Touchweg, der das Problem zwar löste, aber keinen Hinweis auf die eigentliche Ursache gab. Was ich nicht vernünftig debuggen und damit verstehen kann, ist für mich unbrauchbar.

Viele Tablets speichern Daten irgendwie lokal oder auch nicht. Kurzum: Man weiß eigentlich nicht so genau, was mit Daten geschieht, die auf einem Tablet verarbeitet werden. Das ist aus Anwendersicht auch überhaupt nicht notwendig. Es verstößt aber massiv gegen Grundsätze des technischen oder juristischen Datenschutzes, z.B. gegen das Transparenzgebot. Deswegen lehnt unser Landesdatenschutzbeauftragter hier in Niedersachsen die Verwendung von Tablets zur Verarbeitung von personenbezogenen Daten auch ab (z.B. Teachertool o.ä.).

Tablets sind von der Konzeption her 1:1-Geräte. Daher sind 1:many-Lösungen mit diesen Geräten immer schwierig, weil sich auch diese Geräte nur mit einigem administrativen Aufwand so verrammeln lassen, dass einem beim nächsten Start eines von mehreren Personen genutzten Geräts nicht ein buntes Bouquet von individuellen Anpassungen entgegenleuchtet. Es gibt einige Ansätze mit MDM-Lösungen – keine reicht jedoch in meinen Augen an die Möglichkeiten heran, die ich unter Linux oder Windows habe.

Ich bereite gerade einen Kompromiss mit Windows 8.1-Pro-Tablets vor, die sich in die IT-Landschaft meiner Schule wohl ganz gut integrieren lassen werden.

Nicht zuletzt halte ich Tablets für Kompetenzverhinderungsmaschinen (für mich kann es keine Medienkompetenz ohne eine informatische Grundkompetenz geben), wenn es darum geht, die digitale Welt zu verstehen. Mir scheint das in Zeiten von #prism nicht so unwesentlich, auch technisches Wissen zum Netz der Netze stärker gesellschaftlich zu verankern. Biologie, Chemie und Physik lehren wir ja auch, obwohl man die Welt mittlerweile ja einfach “benutzen” kann – was gerade wir in den westlichen Gesellschaften offenbar zunehmend gerne tun.

Natürlich schaue ich überhaupt nicht aus Anwendersicht auf Tablets, sondern eher administrativ. Deswegen ist meine Meinung dazu eben auch sehr speziell genau wie mein Anspruchsprofil. Zudem habe ich bis jetzt sehr wenig Unterrichtseinsatz mit Tablets gesehen, der mich didaktisch-methodisch überzeugt hätte. Ich denke mir den Unterricht dann immer abzüglich des “Motivationsfaktors durch ein digitales Gerät” – für SuS werden solche Geräte in hoher Qualität bald alltäglich sein und sie werden dann irgendwann sehr genau erkennen, ob sich Paradigmen oder Geräte geändert haben.

 

Ich habe in diesem Jahr wieder einen polyvalenten Chemiekurs. Das ist ein etwas seltsames Konstrukt: Primär geht es um Chemie, jedoch sollen auch Inhalte anderer Naturwissenschaften einfließen und es darf nichts aus dem Oberstufencurriculum Chemie behandelt werden. Überhaupt ist dieser Kurs eine komplett curriculumsfreie Lehrkrafterholungszone. Er dient lediglich dazu, dass SuS, die bestimmte Oberstufenprofile gewählt haben, ihre Belegungspflichten für das Abitur erfüllen können – wir sagen dazu “Abdeckerkurs”. Gleichwohl sind Noten zu erteilen.

Ich habe den SuS vier Inhalte angeboten, u.a. eine Wiederbelebung meines alten Waldkindergartenprojektes, welches konkurrenzlos von allen präferiert wurde.

Da ich mit dem Ablauf damals nicht so ganz zufrieden war, lasse ich in diesem Jahr einige Elemente aus dem klassischen Projektmanagement und meine Erfahrungen mit Wikis aus dem letzten Jahr mit einfließen, aber nicht zu viel, um die Transaktionskosten möglichst erträglich zu halten – so gebe ich z.B. den angespeckten Projektablaufplan weitgehend vor.

Das sieht dann so aus:

Wochentag Doppelstunde Inhalt
Freitag 1 Experimentauswahl, Projektaufräge
Freitag 2 M1: Projektaufträge vorstellen, Material- und Geräteliste erstellen
Mittwoch 3 Experiment selbst durchführen, ggf. optimieren
Freitag 4 Feiertag
Freitag 5 Experiment selbst durchführen, ggf. optimieren
Mittwoch 6 Beschreibung zum Versuchsaufbau erstellen
Freitag 7 Beschreibung zum Versuchsaufbau erstellen
Freitag 8 M2: Abgabe Beschreibung zum Versuchsaufbau
Mittwoch 9 Präsentation für den Kurs Gruppe A
Freitag 10 Präsentation für den Kurs Gruppe B
Freitag 11 Präsentation für den Kurs Gruppe C
Freitag 12 Optimierung und Bezüge zu anderen Experimenten
Mittwoch 13 Optimierung und Bezüge zu anderen Experimenten
Freitag 14 M3: Waldkindergartenbesuch
Freitag 15 Auswertung und Feedback
Mittwoch 16 Überarbeitung Beschreibungen
Freitag 17 Überarbeitung, weihnachtlicher Abschluss
Mittwoch 18
Freitag 19
Mittwoch 20
Freitag 21
Freitag 22
Mittwoch 23

 

Zwei Doppelstunden hatten wir schon (normalerweise steht da ein Datum). Wer noch nie einen Projektauftrag gesehen hat, findet hier eine Vorlage. In Fettdruck sind die Meilensteine bezeichnet – diese geben mehr oder weniger vor, bis zu welchen Zeitpunkt ein Zwischenziel erreicht sein muss. Ein Projektauftrag ist eine gute Grundlage, um sich darüber klar zu werden, was man überhaupt mit einem Projekt erreichen möchte. Vor allem die Projektrisiken sind dabei für mich von besonderem Interesse – mögliche Risiken sind z.B.:

  • Motivationsverlust
  • Unterschiedliches Engagement in der Kleingruppe
  • fachliche Überforderung
  • [...]

Man kann dann im Vorwege darüber reden, wie man den Risiken begegnet (die SuS haben viel Erfahrung mit gelungenen und weniger gelungenen Gruppenarbeitsprozessen).

Die in der ersten Phase zentrale Beschreibung des Versuches besitzt folgende Struktur:

  • Gruppenmitglieder
  • Projektauftrag (Verlinkung auf Datei)
  • Benötigte Geräte
  • Benötigte Chemikalien
  • Durchführung
  • Dokumentation der eigenen Durchführung
  • Theoretischer Hintergrund (gymnasial)
  • Warum ist das Experiment für Kinder geeignet?
  • Kindgerechte Erklärung
  • Was kann das Kind bei dem Experiment über Chemie lernen?

Es wird im Unterricht immer ein festes Ritual in Form eines Plenums geben, in dem die Gruppen folgende Aspekte berichten:

  1. Was haben wir heute erreicht?
  2. Welche Probleme gab es dabei?
  3. Was ist in nächsten Zeit zu erledigen?

In der Präsentationsphase schlüpft das Plenum in die Rolle von Kindergartenkindern und Beobachtern, während jeweils ein Experiment tatsächlich durchgeführt wird. Dabei tauchen erfahrungsgemäß Probleme auf, an die auch ich vorher nicht gedacht hätte – vor allem auch Kooperationsmöglichkeiten zwischen Gruppen.

Nach dem Besuch der Kinder erfolgt eine letzte Reflexion, die folgende Elemente umfasst:

  • Rückmeldung der Kinder (muss auch vorbereitet werden)
  • Rückmeldung der Kursteilgebenden an mich und meinen Unterrichtsstil
  • Überlegungen zur Weiterarbeit, z.B. mit Grundschulkindern

Gesammelt und erledigt werden alle Arbeitsschritte in einem nichtöffentlichen DokuWiki. Uns stehen in der Chemie acht Laptops für die ernsthafte Arbeit und einige Nexus7-Tablets für Recherche und Zuarbeit zur Verfügung. Natürlich gibt es LAN- und WLAN-Versorgung, sodass auf Totholz weitgehend verzichtet werden kann.

 

 

 

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