Engagement und Selbstausbeutung

vom 15. November 2014, in Aus der Schule, Gesellschaft, von Maik Riecken

Ich habe mit sehr vielen engagierten Menschen zu tun, aber auch mit frustrierten und ausgebrannten. Das ist nicht nur in der Schule so, sondern auch in vielen anderen Kontexten. Dabei fallen immer wieder zwei Worte: Engagement (Schulleitungen erwarten das z.B. von ihrem Kollegium) und Selbstausbeutung (Kollegien werten oder empfinden bestimmte Verhaltensformen so).  In der herbstlichen Dunkelheit ist wieder Zeit, Modelle zu entwerfen bzw. in diesem Fall das gute, alte Tankmodell zweckzuentfremden. Ich glaube, dass eine Grenze zwischen diesen beiden Begriffen gibt, die nach dynamischen Aspekten verschiebbar ist.

tankmodell

Ein Beispiel nehme ich einen Homepagebetreuer an einer Schule. Das ist je nach Konzept eine wichtiger Teil der Öffentlichkeitsarbeit und bietet Möglichkeiten ein eigenes Hobby sinnvoll für eine Gemeinschaft einzusetzen. Nebenbei bekommt man so eine Menge aus dem Schulleben mit – das ist besonders wichtig bei großen Schulen und erhält so eine Informationsvorsprung – auch eine kleine ideelle Machtoption. Vielleicht gibt es positive, bestärkende Rückmeldungen von der Schulgemeinschaft.

Diese Aspekte füllen (in der Skizze: A) den “Tank der Motivation”, bringen ihn aber nicht zum Überlaufen, denn es gibt auch einen Abfluss (in der Skizze: B). Die Arbeit des Homepagebetreuers könnte z.B. von der Schulgemeinschaft als selbstverständlich angesehen werden. Einzelne könnten ihm unterstellen, sich nur in eine bessere Position gegenüber der Schulleitung bringen zu wollen. Vielleicht neiden auch Kolleginnen und Kollegen die damit in Ausnahmefällen verbundene Entlastungsstunde. Vielleicht kümmert sich eine Schulleitung nicht darum, Informationen an den Homepagebetreuer weiterzugeben, sodass das dieser sich immer mühsam alles selbst zusammensuchen muss. Vielleicht sorgt das Schulsystem insgesamt dafür, dass für Extraaufgaben immer weniger Zeit bleibt. Vielleicht leidet das Familienleben unter dem Engagement. All das leert den Tank der Motivation.

In dem Tank gibt es einen Füllstand (in der Skizze: C), der gewahrt sein muss, damit unsere Homepagebetreuer seine Arbeit als erfüllend erlebt (grüner Bereich). Je nach persönlichem Empfinden (in der Skizze: D) kann dieser notwendige Füllstand variieren.

Von Engagement spreche ich, wenn der Füllstand C dauerhaft über dem Füllstand D liegt (roter Bereich). Natürlich wird es Phasen geben, während derer das nicht der Fall ist, aber wenn sich der Tank hinreichend schnell wieder füllt, macht das nichts. Insgesamt ist die Sache stabil, man kann ggf. weiter optimieren, aber konkreter Handlungsbedarf ist nicht gegeben.

Von Selbstausbeutung spreche ich, wenn der Füllstand C dauerhaft unter dem Füllstand D liegt. Der grüne Bereich kann dann gerne ab und zu nochmal aufflackern, aber die grundsätzliche Tendenz bleibt. In diesem Zustand gibt es konkreten Handlungsbedarf, leider automatisieren sich hier auch oft bestimmte Muster.

Das Individuum

… hat nur sehr begrenzte Möglichkeiten, den Füllstand zu erhöhen, denn dafür müsste es den Zufluss A erhöhen oder den Abfluss B erniedrigen.  Er könnte sich noch mehr die Aufgabe hineinknien, um mehr positive Rückmeldungen zu bekommen – schwer berechenbar. Er könnte für weitere Entlastungen oder Ressourcen kämpfen – die gibt es an Schulen kaum oder nur auf Kosten anderer (Umverteilung). Er könnte versuchen, die Arbeit anders zu strukturieren, etwa in Form einer AG oder eines Homepagesystems, in dem sich Verantwortungen delegieren und damit auf mehrere Schultern verteilen lassen. Er könnte aber auch die Qualität seiner Arbeit reduzieren und auf ein Level absenken, das den roten Bereich wieder knapp grün werden lässt. Diese Spirale wird aber dann abwärts gehen, da ihm das die Schulgemeinschaft auf Dauer nicht mehr als Engagement durchgehen lassen wird. Das müsste ihm dann zusätzlich egal sein. In letzter Konsequenz kann unser Homepagebetreuer sein Engagement einstellen. Das geht ein wenig leichter, wenn diese Aufgabe nicht ein eine Funktionsstelle gebunden ist (der Homepagebetreuer ist ja nur ein Beispiel).

Die Schulleitung

… kann wesentlich mehr leisten, da sie die Rahmenbedingungen schafft, in denen sich Engagement abspielt (Kontrolle über den Abfluss B). Sie könnte z.B. die Kommunikationsstrukturen verbessern – oft sind das einfache, organisatorische Maßnahmen, wie z.B. Pressemitteilungen nicht an eine E-Mailadresse, sondern an einen Mailverteiler zu schicken, der den Homepagebetreuer mit einschließt und diesen Mailverteiler auch für das Kollegium verpflichtend zu machen.  Die Schulleitung könnte sich offen vor den Homepagebetreuer stellen, wenn offene oder verdeckte Missachtung (z.B. “Wieso? Er hat sich doch selbst dazu entschieden, diese Aufgabe zu erledigen!”) geäußert wird. Schulleitung kann sich aktiv um den Stand und die Zufriedenheit des Engagierten erkundigen – etwa durch institutionalisierte Mitarbeitendengespräche (Tankfüllstandskontrolle).

Die Frage ist dabei fairerweise natürlich immer, wie es um der eigenen Tank der Schulleitung bestimmt ist. Engagement ist ein Segen für jede Schule. In Selbstausbeutung umgeschlagenes Engagement hat m.E. erhebliche Auswirkungen auf neu entstehendes. Diese Prozesse kann man auf Leitungsebene kaum “nebenbei” mitbekommen, sonders muss aktiv auf die Engagierten zugehen. Wahrnehmung und Aufmerksamkeit sind manchmal ideell viel günstiger als man gemeinhin vermuten mag – und füllen den eigenen Tank, da man in Leitungspositionen ja eigentlich immer mehr mit dem Negativen und Schiefgelaufenen konfrontiert ist.

Deswegen ist die Organisation von Kommunikationsprozessen umso zentraler. je größer ein System ist.

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Weiterentwicklung des Datenschutzes

vom 12. Oktober 2014, in Aus der Schule, Gesellschaft, von Maik Riecken

Das Grundproblem

Schule hat aus Sicht des Datenschutzes ein gravierendes Problem: Personenbezogene Daten (Namen, Noten, Fehlzeiten usw.) werden in der Regel auch auf privaten Geräten (Notebooks, Tablets usw.) verarbeitet, deren Software- und Aktualisierungsstand nicht kontrollierbar ist. Noch schlimmer: Wer sich in einem Schulnetz wirklich einmal die Mühe macht, nach Freigaben und offenen Ports bei eingebuchten Geräten zu nutzen, wird mit Sicherheit fündig werden.

Es gibt beim normalen Anwender in der Regel überhaupt kein Bewusstsein darüber, wie die eigenen Geräte zumindest mit Bordmitteln des Betriebssystems abgesichert werden können. Bei geschlossenen Hardwaruniversen wir z.B. bei Appleprodukten hätte er – selbst wenn er es wollte – nicht einmal eine Möglichkeit der Absicherung, sondern ist auf die Vorgaben der Appprogrammierer und Gerätehersteller angewiesen.

Das ruft natürlich jeden auf den Plan, der sich mit technischem Datenschutz beschäftigt. Es ist verlockend, Schulen in dieser Hinsicht Firmen gleichzustellen, die in ihrem eigenen Interesse schon längst technische Lösungen dafür entwickelt haben, sensible Daten zu schützen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Firmen in der Regel über ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen verfügen, zum einen die Mitarbeitenden hinsichtlich der Benutzung der Firmenzugänge zu schulen und zum anderen nicht nicht in der Verlegenheit sind, ihre Mitarbeitenden mit entsprechender Hardware auszustatten zu können und sich um deren Pflege sowie Administration zu kümmern.

Die Politik verweist bei Kritik an diesem Zustand darauf, dass es schließlich Sache der Schulträger sei, in den Schulnetzen für entsprechende Ausstattung und Abhilfe zu sorgen. Der Schulträger wiederum kennt Netzstrukturen nur aus den eigenen Verwaltungen und so nimmt das Unheil dann seine Lauf, wenn technischer Datenschutz z.B. im Rahmen der Verarbeitung von Meldedaten 1:1 auf Schulen übertragen wird. Da gibt es dann

  • Schulträger, die den Einsatz von WLAN generell untersagen
  • Schulträger, die den Einsatz von privaten Geräten in Schulnetzen generell untersagen (Nein, das Mobilfunknetz ist keine Lösung, zumindest nicht flächendeckend)
  • Schulträger, die die Schulnetzwerklösungen und den Support dafür outsourcen (z.B. damit oder damit), leider aber manchmal Dinge wie Fortbildungkonzepte für Lehrkräfte vernachlässigen oder eben nicht in die Kalkulation mit einbeziehen.
  • Schulträger, die aufgrund ihrer Erfahrung in den Verwaltungen, Hardware- und Raumausstattungskonzepte fest vorgeben.

Und wer sollte ihnen genau das verdenken? An Schulen gibt es schließlich meist nur Anwenderkompetenzen, die das eigene Endgerät fokussieren und nicht Dinge wie die Konzeption eines ganzen Netzes mit seiner Infrastruktur.

Die Forderungen des Datenschutzes tragen in ganz erheblichen Maße zu diesem Dilemma bei.

Keine klaren Aussagen

Für ein in meinen Augen recht wegweisendes Projekt habe ich versucht, von vornherein Datenschutzüberlegungen mit einzubeziehen. Ich habe mich bei zuständigen Stellen erkundigt und konkrete Fragen zu konkreten Themen gestellt. Was dabei herauskommt? Zwei Juristen, ein Techniker und 3+n Meinungen. Dabei bräuchten Schulen, die das Thema Datenschutz ernstnehmen wollen, dringend Unterstützung, z.B. bei:

  • der Formulierung von Nutzungsordnungen im Schulnetz
  • der Feststellung eines Datenrahmens, der dem Gebot der Datensparsamkeit genügt (Gehört der Beruf der Eltern in eine Schulakte?)
  • der Formulierung von Nutzungsbedingungen bei der Nutzung des schuleigenen WLAN
  • der Formulierung von Einverständniserklärungen zur Nutzung von Bildern der Schülerinnen und Schülern für die Öffentlichkeitsarbeit von Schulen (eher Urheberrecht, aber das ist nicht weniger diffizil)
  • der Aufstellung von Mindeststandards den technischen Datenschutz betreffend: Wo steht der Schulserver? Wie ist er gesichert? […]

Beklagt man das Fehlen von Musterschreiben, so wird immer wieder darauf verwiesen, dass jede Schule und jeder Schulträger individuelle Vorstellungen hat und daher immer auf den konkreten Fall geschaut werden müsse. Wie soll aber eine Schule oder ein Schulträger etwas leisten, was sich übergeordnete Stellen nicht zutrauen? So geht es jedenfalls in meinen Augen nicht weiter. Mir scheint, dass dieses Dilemma den Datenschützern selbst auch durchaus bewusst ist. Die Technik ist da noch relativ leicht zu lösen und zu beherrschen.

Kritik

Man kann in meinen Augen nicht einfach etwas vorgeben und verlangen, für das man selbst keine Konzepte und Modellprojekte vorzuweisen hat. Die Akzeptanz wird gegen Null tendieren und jeder wird in dem Bereich der neuen Medien dann eher machen, was er will, bevor dann gar nichts an Innovation geschieht. Und das läuft den Grundprinzipien und der Intention des Datenschutzes dann oft diametral entgegen.

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Transaktionskosten (Fortsetzung)

vom 12. Oktober 2014, in Gesellschaft, Methoden, von Maik Riecken

Eine von mir hochgeschätzte und stille Leserin meines Blogs hat mich neulich darauf aufmerksam gemacht, dass ich angekündigt hatte, eine Fortsetzung zum Artikel mit den Transaktionskosten zu schreiben. Ich zitiere dazu noch einmal den letzten Absatz im Sinne der Anschlussfähigkeit.

Wer Veränderungsprozesse initiieren möchte, muss im Blick haben, dass er gleichzeitig neue, noch nicht kalkulierbare Transaktionskosten erzeugt (“Ja, aber das mit den Medien muss aber in ein Gesamtkonzept!”), und gleichzeitig auch noch andere, von den Kosten her “sicher” kalkulierbare Systeme bedroht (“Ja, aber über Aushänge kommuniziert man doch total ineffizient!”). Daraus ergeben sich für mich Konsequenzen für mein Verhalten als Berater.

Regel 1: Das Neue ist der Feind des Bewährten.

Das Neue kann sich in den bestehenden Schulstrukturen nur durch viel Geduld, Leadership oder subversiv durchsetzen. Sobald man als Berater generalisiert, werden immer lautstarke und – für die Idee viel gefährlichere – stille Widerständler auf den Plan gerufen. In sehr heterogenen, großen Systemen wird sich dann NIE das Neue durchsetzen. Deswegen unterscheide ich zwischen subjektiven und objektiven Wahrheiten. Objektiv kann man durchaus Recht haben. Es nützt u.U. aber trotzdem nichts, weil Systeme stets subjektiv funktionieren und dann die entstehenden Transaktionskosten zum Kollaps jeder noch so guten Idee führen.

Ein Beispiel:

Objektiv ist es für große Systeme vernünftig, Klausur- und Klassenarbeitsplanung online zu machen. Man ist bei der Eintragung nicht an eine Zeit oder an einen Ort gebunden. Das System kann durch Algorithmen Fehleinträge im gegebenen rechtlichen Rahmen abfangen. Es kann mit dem Schulkalender gekoppelt werden, sodass sich Tage mit bestimmten, vorhersehbaren Abwesenheiten von Lerngruppen transparent sperren lassen. Umgekehrt ließen sich Termine von Arbeiten in die Kalender der jeweiligen Lerngruppen zurückspeisen (übrigens: Das geht alles mit dem richtigen System). Subjektiv zwingt man Kolleginnen und Kollegen zur Nutzung ungewohnter digitaler Werkzeuge, die nicht in deren Workflow passen. Praktisch wird man eine Zeit lang altes und neues System parallel fahren.

 

Regel 2: Hilf Transaktionskosten zu senken, damit du neue erzeugen kannst

Wenn es um die technische Ausstattung von Schulen und um Medienkonzepte geht, weiß ich es besser. Was dabei herauskommt, wenn typische Consumer oder fortgeschrittene Anwender meinen, sie könnten vorausschauend Netze bauen, die irgendwann für die ganze Schule skalieren, dann liegen sie leider oft falsch, weil z.B. an die Hardware im Netzwerk ganz andere Anforderungen als “zu Hause” zu stellen sind.

Wenn ich an eine Schule komme, herrscht dort i.d. R. im Medienausstattungsbereich Chaos. Dieses Chaos gliedert sich zum einen in technische Probleme (10%) und zum anderen in zwischenmenschliche (90%). Die Technik bekommt man nach meiner Erfahrung sehr einfach in den Griff, wenn man da nach dem Motto vorgeht: “Wenn ich dir bei den restlichen 90% helfen soll, dann bestimme zunächst(!) ich, wie es bei euch technisch weitergeht!”

Mit den 10% Technik versuche ich dann, Abläufe und Verfahren genauso abzubilden, wie in der Schule schon immer waren, nur dass Zugriffsmöglichkeiten auf Informationen jetzt nicht mehr an Zeiten oder Orte gebunden sind. Das können sehr einfache Maßnahmen sein, wie etwa ein schulweiter Zugriff auf Dateien, einfach zu bedienende Zugänge zu Onlinemedien, ein funktionierendes WLAN usw.. Technisch ist das trivial. Gleichzeitig muss die Verlässlichkeit des Systems steigen, z.B. durch konsequente Vernetzung von Inselsystemen. Idealerweise nimmt das System bereits diese Maßnahmen als entlastend wahr, was dann in der Folge Vertrauen schafft. An dem grundsätzlichen medienpädagogischen Geist ändert sich dadurch jedoch nichts.

Dieses Vertrauen senkt Transaktionskosten, sodass Ressourcen dafür frei werden, auf die restlichen 90% zu schauen. Dafür benötigt man ein genaues Bild des Systems: Wer sind die “Stakeholder” (an Schulen sehr oft der engagierte IT-affine Lehrer mit einer jahrelang immens gewachsenen ideellen Machtposition)?  Wer gönnt dem anderen ggf. etwas nicht? Welche eingefahrenen Abläufe mit welchen Konsequenzen gibt es? Was schafft Konfliktpotential? Wer ist an den Strukturen wie beteiligt?

 

Regel 3: Berate keine Schulen (oder Kollegen), die bei dir hohe Transaktionskosten erzeugen

Dass in Beratungsprozessen nachgesteuert werden muss, ist nichts weiter Ungewöhnliches. Gerade das Thema Mediennutzung ist für Schulen nur eines unter vielen. Deswegen bin ich nicht verschnupft, wenn Prozesse oft nur langsam voranschreiten. Das ist völlig normal. Es gibt für mich jedoch Indikatoren, die dazu führen, dass ich eine Schule nicht berate:

  1. Keinerlei Eigeninitiative (d.h. praktische Hilfsangebote werden gerne angenommen, jedoch ist kein Interesse erkennbar, eine längerfristigere Partnerschaft einzugehen – Feuerwehreinsätze ja, Zusammenarbeit nein)
  2. Diskussion des Beratungsverfahrens (Kann man das so überhaupt machen? Warum so kompliziert? Geht das nicht auch schneller / einfacher?)
  3. Eigenmächtige Anschaffungen (z.B. ITW / Tablets für teures Geld kaufen, ohne stabile Infrastruktur, ohne Konzept und ohne Rücksprache mit mir)
  4. Kein Reflexion des bisherigen Umgangs mit Medienbeschaffung

Diesen Schulen fehlt vor allem das Vertrauen in meine Fähigkeiten. Im schlimmsten Fall wollen Sie sich lediglich meiner Kompetenzen bedienen, um ihre akuten Probleme gelöst zu bekommen, damit sie weitermachen können wie bisher.

 

Regel 4: Suche dir immer kleine Projekte mit geringen Transaktionskosten für zwischendurch

Die Implementation der “großen Würfe” ist oft zäh, ermüdend, ausgedehnt und bezogen auf die Transaktionskosten immens teuer. Das ist psychologisch ein Problem, da man irgendwann als am Prozess Beteiligter die Fortschritte nicht mehr zu sehen im Stande ist. Deswegen braucht man für die seelische Hygiene immer wieder Projekte, bei denen sich der Erfolg sehr schnell einstellt. Das können so einfache Dinge wie ein WLAN für eine ländliche Grundschule sein. Schule klagt, ich komme vorbei, sage eine Summe, Schule kauft, wir installieren mit dem Hausmeister zusammen und sind nach 2-3 Wochen erheblich glücklicher als vorher.

Menschen, die nur “das Große” beraten, erlebe ich oft so, dass bei ihnen irgendwann der Kontakt zur “Basis” verlorengeht. Das muss auch teilweise so sein, da man die zermürbenden Transaktionskosten in diesen Prozessen kaum erträgt und sich dann andere Strategien entwickeln, um seelisch gesund zu bleiben, die dann oft als arrogant oder “von oben herab” wahrgenommen werden.

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Meine Toilettenregelung dieses Jahr

vom 28. September 2014, in Aus der Schule, von Maik Riecken

… im Facebook-AGB-Stil und nur für die Oberstufe. Es klappt eigentlich auf Anhieb hervorragend und wird nicht übermäßig ausgenutzt. Anlass war die Umstellung des Unterrichts auf ein reines Doppelstundenmodell.

Toilettengänge:

  • Du fragst nicht um Erlaubnis, auf Toilette gehen zu dürfen
  • Du wartest einen passenden, nicht störenden Moment ab und gehst dann leise aus dem Raum.
  • Du lässt die Tür des Unterrichtsraumes beim Hinausgehen angelehnt, sodass du bei deiner Rückkehr nicht klopfen musst.
  • Du nutzt deine Abwesenheit ergebnisorientiert, bleibst also nicht zu lange fort.

Der letzte Satz ist ein typischer Riecken :o)…

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Die Idee zu diesem Beitrag habe ich bei Herrn Larbig bekommen, der darüber schreibt, warum das Tablet für ihn ein immer wichtigeres Werkzeug geworden ist. Er kommt dabei beeindruckenderweise Weise ohne Abwertung anderer Geräte aus. Ob ich das beim Tablet schaffen werde, weiß ich so nicht :o)…

Ich bin mit Tablets nie warm geworden – das verhindert aber nicht, dass ich für Schule und Unterricht diese Geräte beschaffe, sie auch schon verschenkt oder empfohlen habe und es es verhindert vor allem nicht, dass ich in von mir konzipierten Schulnetzwerken die besonderen Belange von Tablets mit berücksichtige. Nur für die didaktisch-methodische Arbeit mit den Geräten verweise ich dann auf meine in diesem Bereich wesentlich kompetenteren Kolleginnen und Kollegen.

Ich empfinde die Arbeit am Einzelplatz mit Programmen in kommunikativen(!) Situationen von Unterricht als antiquiert. Ob diese Programme jetzt Programme oder Apps heißen, macht für mich keinen großen Unterschied. Wesentlich für meine Arbeit mit digitalen Endgeräten ist der Austausch und die Zusammenarbeit. Dafür gibt es nach meinem Dafürhalten zurzeit viele hervorragende Webanwendungen, die lediglich einen Browser voraussetzen. Um nur als Plattform für einen Browser zu dienen, sind insbesondere Tablets von Markenherstellern viel zu teuer. Ich würde im Unterricht mit Tablets nicht anderes als Webanwendungen nutzen – gerade weil wir perspektivisch auf eine sehr heterogene Technikausstattung zusteuern (einen Browser haben alle Geräte, oder man kann zumindest – sogar bei Applegeräten –  einen brauchbaren nachinstallieren).

Jede Art, etwas Analoges digital machen zu wollen, finde ich überflüssig. Dazu gehört für mich z.B. das Abfotografieren von Schülerarbeiten mit anschließender Projektion und Korrektur am Beamer oder das Filmen von Experimenten (die mache ich lieber analog ohne Sinnesreduktion). Wenn ich so etwas vorhabe, arbeite ich eben digital mit z.B. digitalen Arbeitsblättern. Gibt es die nicht oder habe ich nicht die Zeit für die Erstellung, dann eben analog, nur analog. Ich habe eine tiefe Abneigung gegen Medienbrüche, weil die immer Zeit kosten und ineffektiv sind. Interaktive Tafelsysteme sind für mich Prototypen des Versuchs, ursprüngliche analoge Tätigkeit möglichst äquivalent digital abzubilden, vom Wartungsaufwand für diese teuren Ungetüme mal ganz abgesehen.

Wenn ich arbeite, mache ich viele Dinge gleichzeitig: Auf einem Server läuft vielleicht via SSH ein Installations- oder Updatescript. Im Hintergrund ein Onlinespiel, im nächsten Tab WordPress, in einem weiteren vielleicht irgendein Nachschlagewerk und darüberhinaus nebenbei eine Officeanwendung. Ich arbeite sehr viel mit der Zwischenablage und tausche Dateien mit anderen Systemen über verschiedene, meist verschlüsselte Protokolle aus. Auch muss ich mich oft via SSH durch lokale Firewalls durchtunneln, um in anderen Einrichtungen das Internet wie gewohnt nutzen zu können. Immer wieder ist auch ein Video zu transkodieren. Und dann setze ich auch privat grundsätzlich nur Gebrauchtware aus dem Businessbereich ein, was neben finanziellen auch ökologische Gründe hat – immerhin gibt es dafür noch viele günstige Ersatzteile.

Kurzum: Für meinen persönlichen Workflow ist ein fünf Jahre altes Businessnotebook mit neuem Akku genau richtig. Schon von der Rechenleistung her sehen auch aktuelle Tablets dagegen wenig Land. Ich hatte schon verschiedene Tablets über mehrere Wochen hier bei mir. Als Spielzeug auf dem Sofa waren sie für mich ganz brauchbar – aber dafür dann auch zu teuer. Völlig genervt war ich oft von den Fehlermeldungen, die wenig aufschlussreich waren. Dann musste man im Web suchen und fand mit Glück irgendeinen Touchweg, der das Problem zwar löste, aber keinen Hinweis auf die eigentliche Ursache gab. Was ich nicht vernünftig debuggen und damit verstehen kann, ist für mich unbrauchbar.

Viele Tablets speichern Daten irgendwie lokal oder auch nicht. Kurzum: Man weiß eigentlich nicht so genau, was mit Daten geschieht, die auf einem Tablet verarbeitet werden. Das ist aus Anwendersicht auch überhaupt nicht notwendig. Es verstößt aber massiv gegen Grundsätze des technischen oder juristischen Datenschutzes, z.B. gegen das Transparenzgebot. Deswegen lehnt unser Landesdatenschutzbeauftragter hier in Niedersachsen die Verwendung von Tablets zur Verarbeitung von personenbezogenen Daten auch ab (z.B. Teachertool o.ä.).

Tablets sind von der Konzeption her 1:1-Geräte. Daher sind 1:many-Lösungen mit diesen Geräten immer schwierig, weil sich auch diese Geräte nur mit einigem administrativen Aufwand so verrammeln lassen, dass einem beim nächsten Start eines von mehreren Personen genutzten Geräts nicht ein buntes Bouquet von individuellen Anpassungen entgegenleuchtet. Es gibt einige Ansätze mit MDM-Lösungen – keine reicht jedoch in meinen Augen an die Möglichkeiten heran, die ich unter Linux oder Windows habe.

Ich bereite gerade einen Kompromiss mit Windows 8.1-Pro-Tablets vor, die sich in die IT-Landschaft meiner Schule wohl ganz gut integrieren lassen werden.

Nicht zuletzt halte ich Tablets für Kompetenzverhinderungsmaschinen (für mich kann es keine Medienkompetenz ohne eine informatische Grundkompetenz geben), wenn es darum geht, die digitale Welt zu verstehen. Mir scheint das in Zeiten von #prism nicht so unwesentlich, auch technisches Wissen zum Netz der Netze stärker gesellschaftlich zu verankern. Biologie, Chemie und Physik lehren wir ja auch, obwohl man die Welt mittlerweile ja einfach “benutzen” kann – was gerade wir in den westlichen Gesellschaften offenbar zunehmend gerne tun.

Natürlich schaue ich überhaupt nicht aus Anwendersicht auf Tablets, sondern eher administrativ. Deswegen ist meine Meinung dazu eben auch sehr speziell genau wie mein Anspruchsprofil. Zudem habe ich bis jetzt sehr wenig Unterrichtseinsatz mit Tablets gesehen, der mich didaktisch-methodisch überzeugt hätte. Ich denke mir den Unterricht dann immer abzüglich des “Motivationsfaktors durch ein digitales Gerät” – für SuS werden solche Geräte in hoher Qualität bald alltäglich sein und sie werden dann irgendwann sehr genau erkennen, ob sich Paradigmen oder Geräte geändert haben.

 
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